Rund um OZ24

Suchen

Unterstütze OZ24

Wissenschaft: Sonstiges

Holy fucking shit!

Fluchen ist gesund, macht kreativ und stärkt den Zusammenhalt

Fluchen verboten...?
Fluchen verboten...?
Das Fluchen ist eine verflucht schlechte Angewohnheit, oder? Jedenfalls ist der Vorgang durchaus sanktioniert in der abendländischen Tradition. Man bekommt dann schnell mitgeteilt, das sei unerwünscht; religiöse geprägte Menschen halten das sogar für verboten, denn sie sehen darin eine Verletzung des dritten Gebotes aus dem Dekalog „Du sollst den Namen Gottes nicht mißbrauchen“ – oder, wie Martin Buber und Franz Rosenzweig dieses Gebot in ihrer Eindeutschung aus dem Hebräischen formuliert haben, „Trage nicht SEINEN deines Gottes Namen auf das Wahnhafte. Denn nicht straffrei läßt ER ihn, der seinen Namen auf das Wahnhafte trägt“ (Zehn Gebote, altgriechisch Dekalog („Zehnwort“), hebräisch asereth haDib'roth).

Auch die strafrechtliche Relevanz des Fluchens wird gelegentlich von deutschen Staatsanwälten und Amtsrichtern geprüft. Gestische Ausdrücke wie den „Effenberg“ zu zeigen oder mit der Faust auf den Tisch zu schlagen gehört mit zu dem, was man unter „fluchen“ versteht, und es wird irritiert bis indigniert zur Kenntnis genommen, wenn es einem mal „passiert“; es heißt dann, er habe sich „nicht im Griff“ gehabt. Vornehmer ausgedrückt: er habe einen Impulskontrollverlust erlitten. Eine komplizierte Materie offenbar.

Dabei wäre es so einfach, denn

  1. ist das mit dem Fluchen ganz leicht zu erklären – Frage: ist das verboten oder erlaubt? Antwort: es kommt immer drauf an!
  2. sollte man sich etwas mit der dahinterstehenden Kulturgeschichte befassen, zu der also einerseits die Sprachgeschichte als auch andererseits die Religionsgeschichte gehört. Denn nicht überall, wo das Etikett „Fluch“ draufgeklebt ist, ist wirklich auch ein Fluch drin.

Ein Fluch ist, jedenfalls aus religionswissenschaftlicher Perspektive, ein „Spruch“, der – gelegentlich auch mit einer ihm zugehörigen Gestik verbunden – auf ritualisierte („magische“) Weise einer Person oder einem Ort Unheil bringen soll, der Einfluß nehmen soll auf „Geister“, auf „dunkle Mächte“ oder schlicht auf das „Schicksal“. Begründet wird der Fluch meist durch Zorn, durch den Wunsch zu strafen, durch die Absicht sich zu rächen oder auch einfach mit der puren Lust an der Macht. Das Gegenteil des Fluches ist der Segen. Gemeinsam ist übrigens beiden rituell-magischen Handlungen: wer wirksam verflucht (oder gesegnet) wird, muß dabei nicht anwesend sein, noch muß er von dem Fluch (oder Segen) Kenntnis haben, bekannteste Anwendung dürfte die telepathische Verletzung des Verfluchten im Voodoo-Kult sein. Umgangssprachlich finden sich zahlreiche abgesunkene Flüche, die dann eher der Beschimpfung Anderer (z. B. „Hol dich der Teufel!“) oder der Abfuhr eigener Wut dienen (z. B. das in Deutschland beliebte „Scheiße!“ oder gar das politisch als total unkorrekt geltende urbayrische „Kruzitürken!“). Ob ein Fluch übrigens auch dann wirkt, wenn man ihn gar nicht als Fluch einsetzt, sondern als Beschimpfung, oder auch dann, wenn man gar nicht an Magie glaubt und gar keine Religion praktiziert, muß wegen des Mangels an objektiven und wissenschaftlich fundierten Methoden und Möglichkeiten der Evaluierung offen bleiben.

„Habt Ihr das verstanden, Ladies!“
„Habt Ihr das verstanden, Ladies!“
Fluchen

Der Begriff Fluchen bezeichnet:

Aus Unsicherheit und wohl auch aus dem Bestreben heraus es sich mit den beim Fluch angerufenen „dunklen Mächten“ nicht zu verderben, falls es sie doch gibt, haben sich verschiedene Möglichkeiten eingebürgert, besonders beliebt die sprachliche Verhüllung. Offenbar sind die „dunklen Mächte“ so dumm, daß sie nicht merken, wenn man statt des verbotenen „verflucht und zugenäht!“ ein harmlos scheinendes „verflixt und zugenäht!“ ausruft. Auch die Möglichkeit eines Abwehrzaubers (Eisenkraut gegen Vampire, Amulette für oder gegen nahezu alles oder magische Zeichen wie Hufeisen) ist kulturell verfeinert ausgearbeitet worden und bietet dem Gläubigen eine gewisse Sicherheit im Umgang mit all diesen Gefahren, zu Not kann man ja immer noch „unberufen“ sagen und auf Holz klopfen...

„Effenberg“ in der Natur?
„Effenberg“ in der Natur?
Soviel zum religiösen Ursprung des Fluchens. Doch wie steht es mit der Abfuhr gestauter Aggressionen durch Fluchen im Sinne von Schimpfen wie ein Rohrspatz? Das ist nach neuesten Erkenntnissen unbedingt zu empfehlen! Denn regelmäßiges Fluchen im Job fördert laut einer britischen Studie den Teamgeist im Kollegium. Führungskräfte sollten deshalb umdenken und „offen für verblüffende Ideen sein“, heißt es in der Untersuchung

Fluchen während der Arbeit und tolerante Führungskultur:

Wenn Asoziales sozial wird und Unhöflichkeit akzeptiert wird.

Yehuda Baruch, Professor für Management an der Univerität in Norwich in Ostengland, und Absolvent Stuart Jenkins kamen zu der Erkenntnis, wer Schimpfwörter verbanne, kappe eine „Schlüsselverbindung“ zwischen den Angestellten und beeinträchtige so die Motivation.

Angestellte nutzen regelmäßig Schimpfwörter, aber nicht unbedingt in negativer und beleidigender Weise“, sagte Baruch. Wichtig sei aber zu wissen, wann es angebracht sei, die Luft rauszulassen: Von Kraftausdrücken gegenüber dem Chef und den Kunden rieten Baruch und Jenkins ausdrücklich ab.

In anderen Situationen könnten sie jedoch Solidarität unter den Angestellten fördern und helfen, Gefühle auszudrücken.

Ein weiteres Ergebnis der Studie, die in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Leadership and Organisational Development Journal“ veröffentlicht wurde: Frauen fluchen weit öfter als allgemein angenommen – aber nur dann, wenn sie unter sich sind.

Fluch und Tragödie...
Fluch und Tragödie...
Bewährt hat sich im mitunter stressigen Straßenverkehr – als Teil eines pro-aktiven Emotions-Managements – übrigens lautes und ausgiebiges, ja gerade hemmungsloses Schimpfen und Fluchen, vorausgesetzt, die Scheiben sind geschlossen und es handelt sich beim benutzten Fahrzeug nicht um ein Cabrio. Außerdem ist gerade hier strikt darauf zu achten, daß jegliche gestische Untermalung tunlichst unterlassen werden sollte, will man sich nicht wegen Beleidigung (§ 185 StGB) vor dem Strafrichter wiederfinden. Geradezu klassisch ist übrigens jener Bericht eines Psychologen, der sich über einen langsam schleichenden Autofahrer ärgerte, weil er sich von diesem behindert fühlte; als er dann doch endlich die Gelegenheit hatte, das Verkehrshindernis zu überholen, wollte er ihm voller Wut einen „Vogel zeigen“, erkannte dann jedoch in letzter Sekunde seinen Nachbarn...

...und verwandelte die beabsichtigte beleidigende Geste in einen freundlich gewunkenen Gruß.

  • Bildnachweis:
  • Verkehrsschild in Virginia Beachnicht fluchen, ungebührlich benehmen usw.“, by peter909 via Pixelio.
  • A drill instructor addressing United States Marines. PhotoID: 200481311188. Submitted by: MCRD San Diego Operation/Exercise/Event: Drill Instructor spotlight. Caption: Staff Sergeant Kevin L. Zetina, Platoon 2085's senior drill instructor, bellows cadence while practicing for Company G's final drill competition. Photo by: Corporal Shawn M. Toussaint. Date the Photo was taken:08/13/2004. Licensing: This image is in the public domain because it contains materials that originally came from the United States Marine Corps. As a work of the U.S. federal government, the image is in the public domain. Via Wikipedia.
  • Fluchender Baum, by sven@e7o.de via Pixelio.
  • Kullervo cursing. Akseli Gallen-Kallela. 1899. Via Wikipedia, public domain.

uploaded

Der Inhalt des vorstehenden Artikels gibt nicht die Meinung der Redaktion von Onlinezeitung24 wieder. Für den Inhalt ist allein der Autor des Beitrages verantwortlich!
Drucken Empfehlen
Schlüsselwörter: Team | Gruppe | katholisch | PRHL | Psychohygiene
Sie wollen selber einen Artikel schreiben. Kein Problem, einfach registrieren!

Kommentare

286
am 06.11.2010 11:09:57 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
@kommt123 Kapiert, danke Smile

Ich schimpfe gern, das befreit und verhindert Magengeschwüre. Aber hauptsächlich muss man dann sein Lächeln wiederfinden, das macht schön Wink
357
am 06.11.2010 11:52:08 (84.19.169.xxx) Link Kommentar melden
Eisenkraut gegen Vampire, Amulette für oder gegen nahezu alles oder magische Zeichen wie Hufeisen
Übrigens ist gerade das Hufeisen ein schönes Beispiel dafür, wie beliebig das alles ist. Wie beim Horoskop, es stimmt (irgendwie) immer.

Hängt man das Hufeisen mit der offenen Seite nach unten, dann beschützt es vor Unglück, das ja immer von oben kommt... Wink

Andersherum, mit der Öffnung nach oben, fängt es das herabfallende Glück auf, das ja auch immer von oben kommt. Wird wohl an der Schwerkraft liegen. Grin

Wichtig ist in allen Fällen: es wirkt nur, wenn man dran glaubt.
kommt123
am 06.11.2010 12:17:20 (92.224.99.xxx) Link Kommentar melden
Ich schimpfe gern, das befreit und verhindert Magengeschwüre. Aber hauptsächlich muss man dann sein Lächeln wiederfinden, das macht schön


Ein Lachen oder Lächeln ist immer ein Gewinn, ob für einen selber oder für die anderen.
Doch aus manchem verka**tem Ar***, da kommt nicht mal ein fröhlicher Furz...Wink


Und deine Feinde...lach sie an, sie werden zwar nicht zurück lachen, aber das Feedback auf diese Handlung, es erzeugt einen Lachflash. Ich bin mir sicher, bei dir auch...
Wink
300
am 06.11.2010 14:06:50 (62.2.182.xxx) Link Kommentar melden
Sehr vorteilhaft ist es auch, wenn man in einer Sprache fluchen kann, die der Kontrahent nicht versteht.

Oder man macht es gerade in einer Sprache, die er versteht und andere nicht. Araber z.B. reagieren immer sehr lustig, wenn man zu ihnen "yalla-yalla!" sagt. Weiß auch nicht warum Smile


YouTube Video
Gino Dino
am 06.11.2010 15:44:57 (82.113.145.xxx) Link Kommentar melden
Fluchen macht nicht nur kreativ, sondern auch schlau. Es löst emotionale Blockaden, deswegen gibts das bald auf Krankenschein!

Wink Ist auch ein riesiger Markt: http://www.paraps...-4640.html
286
am 06.11.2010 17:05:09 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
@kommt123
Und deine Feinde...lach sie an
Klar, das tut ihnen definitiv am meisten weh.

@m.o.d. - ist das nicht der Ruf, mit dem man auch Esel antreibt? Hehehehe Grin
300
am 08.11.2010 19:58:18 (62.2.182.xxx) Link Kommentar melden
Ich finde Fluchen und Schimpfen toll, ich höre mir das gern an.

YouTube Video
Kindergaertner
am 25.11.2010 20:41:33 (80.136.246.xxx) Link Kommentar melden
Ich glaube in der derzeitigen Printausgabe des Spiegels ist ein kleines Interview über das beschimpfen und fluchen mit einem wasauchimmer-Experten. (vermutlich hat der gerade ein Buch darüber geschrieben).
Früher sei man wohl kreativer gewesen bei der Flucherei, z.B. Himmel, Arsch und Zwirn. Heutzutage würde man sich nur noch auf Fäkalsprache begrenzen beim fluchen, wie z.B. Scheisse, Arschloch usw....
300
am 24.02.2011 14:30:34 (178.33.255.xxx) Link Kommentar melden
Ist doch logisch, die anderen Flüche und Beschimpfungen diskriminieren irgendwelche Religionsgemeinschaften oder irgendwelche Minderheiten bzw. Randgruppen. Was bleibt einem dann noch übrig? Wink

Es bleibt dabei: Fluchen und Schimpfen ist gesund. Beides baut Stress ab und ergibt eine gelöste Stimmung. Man müsste dafür Rabatt bei der Krankenkasse kriegen, wegen Ersparnis der Kosten!
Seite 2 von 2: 1 2

Einen Kommentar schreiben







Kommentare von Nichtmitgliedern der Seite Onlinezeitung24.de müssen durch einen Bestätigungslink per E-Mail freigeschaltet werden, für Mitglieder entfällt diese Bestätigung. Diese Maßnahme dient der Diskussionskultur und soll die Kommentarfunktion vor Spam schützen. Wir bitten um Ihr Verständis für diese Maßnahme.

Seitenaufbau: 0.11 Sekunden
39,162,785 eindeutige Besuche