Rund um OZ24

Suchen

Unterstütze OZ24

Politik: Welt

Afghanistan - gibt es Auswege?

Überlegungen zu einem ARTE-Film

Fester auftreten!
Fester auftreten!
Gelegentlich ist es sinnvoll, eine Zwischenbilanz zu ziehen: stimmen die Ziele noch? Gibt es neue? War die Ausgangssituation korrekt analysiert? Sind neue Entwicklungen und Erkenntnisse zu berücksichtigen? - Ein ganz normaler Vorgang, im militärischen ebenso wie im Management. Fakten und Situationen verändern sich und müssen neu bewertet werden.

Innerhalb weniger Wochen sind sieben deutsche Soldaten der ISAF in Afghanistan gefallen und etliche verwundet worden, zum Teil schwer. Einfach so weitermachen mag der deutsche Michel nun nicht mehr, inzwischen sind 70% der Deutschen für einen sofortigen Rückzug. - Das kennt man als Spontanreaktion und es paßt gut zu den Erfahrungen, die andere Bündnispartner der NATO mit Deutschland gemacht haben, mit der in Deutschland gerne gelebten Haltung: "Wasch mich, aber mach mich nicht naß..."

Im Prinzip ist es - weltpolitisch - relativ belanglos, ob Deutschland nun 4.000 Soldaten am Hindukusch stationiert hat oder nicht; es ist mehr ein Problem, das die innerdeutsche Diskussion beschäftigt und vor allem der Nabelschau idealistischer Gutmenschen dient. - Sicher ist es also besser für die Deutschen, die Bundeswehr beendet dort ihr Engagement, denn sie ist weder ausgebildet noch ausgerüstet für eine solche Aufgabe. Vermutlich auch mental dazu nicht in der Lage, da eines fehlt, was bei jeder Auseinandersetzung mit kriegerischen Mitteln, insbesondere aber im Kampf gegen Terroristen und Islamisten gilt: zum Sieg über einen militärischen Gegner gehört nicht nur die richtige Waffe, sondern auch die Kunst, sie richtig zu führen, vor allem aber der Wille, den Gegner auch vernichten zu wollen. Bei Pestalozzi hieß dieses Motto übrigens - im anderen Kontext - „mit Herz, Hirn und Hand“.

Wenn jetzt der Verteidigungsminister zu Guttenberg ankündigt, der Bundeswehr in Kunduz angesichts der eskalierenden Gewalt dort so schnell wie möglich zwei(!) Panzerhaubitzen 2000 zur Verfügung stellen zu wollen, so ist das ein höhnischer Scherz. Dieses schwere Artilleriegeschütz hat zwar eine Reichweite von 40 Kilometern und selbst auf diese Entfernung eine Zielgenauigkeit von 20 bis 30 Metern, doch das hilft den Soldaten nicht viel gegen Sprengfallen und Panzerfäuste, außerdem sollten es nicht zwei, sondern 50 solcher Geschütze sein. Auch die geplante Ausrüstung der Truppe mit TOW-Panzerabwehrraketen und mit zusätzlichen Marder-Schützenpanzern ist zwar gut gemeint, aber eben nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Entweder macht man es richtig, oder man läßt es sein.

Doch wie geht es weiter mit Afghanistan, wie könnte es weitergehen, wie sollte es weitergehen? In der Reihe „Mit Offenen Karten“ des deutsch-französischen TV-Senders arte gibt es mehrere Filmbeiträge, die das Verständnis der Situation in Afghanistan vertiefen helfen; einer davon ist am Ende des Artikels eingebettet.

Zu einer Diskussion über das politische Umgehen mit dem Krieg in Afghanistan sollen zunächst die folgenden Thesen als Grundlage dienen:

  1. Der Krieg in Afghanistan ist ein Erbe der Kolonialzeit
  2. Afghanistan ist nicht isoliert zu betrachten, sondern - allein durch die willkürlichen Grenzziehungen nach dem Ende der Kolonialherrschaft bzw. den beiden Weltkriegen - läßt sich nur im Kontext der benachbarten Konfliktregionen lösen: Indien/Pakistan/Kaschmir, Iran, Irak, ebenso jedoch Arabische Halbinsel, ex-UdSSR sowie natürlich China
  3. Der Krieg in Afghanistan und der von dort und von Pakistan ausgehende Terror kann nicht gelöst werden vom Problem des Islamismus und steht damit in untrennbarem Zusammenhang mit dem real existierenden sogenannten „Islam“
  4. Ein Staat „Afghanistan“ in den heutigen Grenzen leidet unter demselben Problem, das aus Jugoslawien bekannt ist und an dem - unter anderem - auch die Sowjetunion zerbrochen ist: innere ethnische Unverträglichkeiten, überlagert durch politische und gesellschaftliche Probleme; einen friedlichen und stabilen Staat „Afghanistan“ könnte es nur geben in einer pluralistischen Demokratie, das geht jedoch nicht in einem von der Scharia geprägten Land
  5. Die ethnisch-tribale Organisation ist antiquiert und friedensfeindlich, läßt sich jedoch nicht von außen verändern, auch nicht militärisch; die Veränderung der Köpfe braucht Zeit - bei gleichzeitigem wirtschaftlichem und militärischen Druck von außen
  6. Eine Lösung in Afghanistan ist ohne eine Befreiung der Frauen dort unmöglich
  7. Eine Lösung ist auch nicht möglich ohne Zerstörung jeglicher Drogen-Infrastruktur
  8. Afghanistan hätte entwaffnet werden müssen, statt eine ethnische Gruppe zu bevorzugen und hochzurüsten; auch in Deutschland 1945 war eine komplette Demilitarisierung eine der Voraussetzungen für eine friedliche Entwicklung - man hat damals eben nicht befreite Häftlinge oder Widerstandskämpfer bewaffnet, sondern alle entwaffnet
  9. Die Interessen und Möglichkeiten Indiens im Konflikt in Afghanistan/Pakistan sind bisher noch nicht ausreichend berücksichtigt worden
  10. Das militärische Engagements der Alliierten in Afghanistan muß verstärkt werden - allein deshalb, um mehr Druck auf den Iran ausüben zu können; dazu braucht man Deutschland nicht und kann Deutschland dabei auch nicht gebrauchen

Locker bleiben!
Locker bleiben!
Das Problem wird uns sicher noch eine Zeitlang beschäftigen, und zwar - wie gesagt - völlig unabhängig davon, ob deutsche Soldaten dort versuchen zu helfen. Die Deutschen sollten sich nicht immer wieder so maßlos überschätzen, es geht auch ohne ihre militärische „Hilfe“ in Afghanistan weiter, so oder so.

Daher sollte man auch in dieser Diskussion mit scharfem Verstand und ohne falsche Vorbehalte analysieren, logisch schließen, systemisch denken... - aber vor allem: locker bleiben.

  • Bildnachweis:
  • Source description and credit info from the Department of Defense: A US Marine Corps (USMC) Marine assigned to Battalion Landing Team (BLT), 1st Battalion, 6th Marines, 22nd Marine Expeditionary Unit (MEU), Special Operations Capable (SOC), kicks in a locked door during a search of the village of Khabargho, Afghanistan for arms caches and Taliban insurgents during Operation Asbury Park. During eight days of intense fighting more than 80 Taliban fighters were killed while eight Marines were wounded in the most intense clashes during the MEU's deployment in support of Operation ENDURING FREEDOM. Date: 3 June 2004,. Source: Defenseimagery.mil, VIRIN 040603-M-8096M-004. Author: GYSGT KEITH A. MILKS, USMC. Via Wikipedia, public domain.
  • U.S. Army Spc. Kevin Anderson shaves outside his tent on Combat Outpost Tangi in Wardak province, Afghanistan, Sept. 2, 2009. Anderson is a mortar operator assigned to the 10th Mountain Division's Company A, 2nd Battalion, 87th Infantry Regiment, 3rd Brigade Combat Team. U.S. Army photo by Sgt. Teddy Wade. Date: 2 September 2009, 00:50. Source: A clean shave. Author
  • The U.S. Army. Via Flickr/Wikipedia, public domain.

YouTube Video

uploaded

Der Inhalt des vorstehenden Artikels gibt nicht die Meinung der Redaktion von Onlinezeitung24 wieder. Für den Inhalt ist allein der Autor des Beitrages verantwortlich!
Drucken Empfehlen
Schlüsselwörter: Afghanistan | Krieg | Frieden | Mohammedaner | Islam | Terror | Taliban | Sexismus | Rassismus
Sie wollen selber einen Artikel schreiben. Kein Problem, einfach registrieren!

Kommentare

266
am 20.04.2010 08:52:32 (95.222.194.xxx) Link Kommentar melden
Sicher kann man Deutschland nach 1945 nicht mit Afghanistan 2001-2010 vergleichen, doch in eine ähnliche Richtung zielen auch die strategischen Analysen des israelischen Militärhistorikers Martin von Crefeld: entweder richtig oder gar nicht. Was die Allianztruppen im Irak und in Afghanistan veranstalten, wird allmählich nachgerade lächerlich.

Erfreulich ist in diesem Zusammenhang allerdings die Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen Oberst Georg Klein.
334
am 20.04.2010 12:46:41 (80.187.97.xxx) Link Kommentar melden
Es ist ja ungaublich! Sollen deutsche Soldaten sterben, damit in Afghanistan Frauen unterrichtet werden?
Wenn Afghanistan eine Gefahr für Deutschland darstellen würde, könnte man Verständnis für den Krieg aufbringen.
334
am 20.04.2010 13:05:32 (80.187.97.xxx) Link Kommentar melden
ZUmindest im Fernsehen bestätigte man, dass die überfälle auf deutsche Truppen im Umkreis von wenigen Kilometern von dem Tanklasterdrama durchgeführt werden. Also besteht da ein unmittelbarer Zusammenhang.
288
am 21.04.2010 02:17:26 (217.168.5.xxx) Link Kommentar melden
Afghanistan hätte entwaffnet werden müssen, statt eine ethnische Gruppe zu bevorzugen und hochzurüsten; auch in Deutschland 1945 war eine komplette Demilitarisierung eine der Voraussetzungen für eine friedliche Entwicklung - man hat damals eben nicht befreite Häftlinge oder Widerstandskämpfer bewaffnet, sondern alle entwaffnet

das ist der beste Satz, den ich je von dir gelesen habe.
das ganze Afghanistan ist ein Desaster sondersgleichen, und gerade WEIL die Taliban, die ja eine ultrakonservative Gruppe radikaler Islamisten sind, KEINE vergleichbare Gruppe der Moslems sind, sondern auch bei den Moslems einen gefuerchteten Diktatorenstatus einnehmen, ist es nicht so, dass die Behandlung der Frauen auf den Islam, sondern auf den radikalisierten ISLAMISMUS zurueckzufuehren ist.
Und das verdanken die afghanischen Frauen in erster Linie denen, die die Taliban mit 400 Mio Dollar finanziert und bewaffnet haben- die alte Bush-Riege...
288
am 21.04.2010 11:38:58 (95.169.250.xxx) Link Kommentar melden
Er bezog sich auf die Zeit nach 2001, und eben gerade nicht auf die Aufrüstung des Widerstands gegen die Russen während des Kalten Krieges. Die war nämlich richtig und sinnvoll.

unterstell mir nicht immer das, was du zur Ueberleitung auf ein anderes Thema, das du im Artikel so nicht schreiben wolltest, brauchst.
wenn man damals nicht aufgeruestet haette, dann gaebs heute auch nichts dramatisches zu entwaffnen.
Denn die Probleme von heute sind ja die, die aus dieser Aufruestung entstanden waren.
Also beisst sich der Hund in den Schwanz.
das ist der beste Satz, den ich je von dir gelesen habe.Denn ich habe schon wesentlich Besseres geschrieben...

das mag sein; ich les ja sicher nicht alles was du schreibst. und ich bin ja noch nicht sehr lange hier angemeldet, daher kenne ich wenig aus deinen anfaengen.
die Betonung lag auf ICH.
288
am 21.04.2010 12:15:29 (95.169.250.xxx) Link Kommentar melden
Quatsch. Die Panzerfäuste gegen die Russen (1979/89) gibt es doch gar nicht mehr, die sind längst verschossen oder verrottet, auch die anderen Waffen nicht. Was glaubst Du, wie lange so etwas hält? Von nichts 'ne Ahnung, aber immer fleißig dazwischenquaken, das ist die Gata Linda, wie wir sie kennen und gar nicht schätzen.

und wer redet von den damaligen Waffen? Ich rede von den 400 Millionen Dollar, die zusaetzlich gezahlt worden sind, von denen heutzutage munter weiter aufgeruestet werden kann.
Du mit Deinen erotischen Phantasien...

die duerften eher bei dir als bei mir vorhanden sein.
Schliesslich behauptest du ja, ein Mann zu sein, und bekanntlich neigen eher Maenner dazu, an sich normales zu erotisieren, wie man bei meinem Beispiel vom Schwanz lebhaft erkennen kann...
Also beisst sich der Hund in den Schwanz.
Du mit Deinen erotischen Phantasien...


Du solltest dein Liebesleben etwas ausbauen, dann hast du tagsueber nicht so wirre Gedanken, mein Lieber...
334
am 21.04.2010 14:02:32 (80.187.103.xxx) Link Kommentar melden
Chaim hat Folgendes geschrieben
Das_Gewissen hat Folgendes geschrieben:Es ist ja ungaublich! Sollen deutsche Soldaten sterben, damit in Afghanistan Frauen unterrichtet werden?

Inzwischen denke ich: nein. Am besten sollen die machen, was sie wollen. Die Grenzen dicht machen und Wirtschaftsboykott, dann regelt sich das von allein.

Ich denke, dass rs Angelegenhait von Menschenrechtsorganisationen ist, sich für die Bildung von Frauen einzusetzen und nicht Soldaten.
Außerdem verwundert mich das Ganze. Ich kenne eine afghanische Familie hier, die bei dem Einmarsch der Russen geflüchtet sind. Die Frau beherrscht mehrere Sprachen und fand sofort in Frankfurt auf der amerikanischen Air Base Arbeit. Von wem hatte sie also ihre Ausbildung in Afghanistan erhalten, wenn dort Frauen keine Schule besuchen dürfen? Hier liegt doch offensichtlich ein Widerspruch vor.
334
am 21.04.2010 16:00:16 (80.187.103.xxx) Link Kommentar melden
Also, als der Clan bei Kriegsausbruch in Offenbach einschlugen schätze ich die Eheleute mal ca. 30. Ihr Gatte ist eher ein ungebildeter Bauernlümmel. Er wusste nicht einmal sein Geburtsdatum. Irgendwas haben sie ihm in die Aufenthaltserlaubnis reingeschriebe und damit war die Angelegenheit für mich erledigt, weil weiteres Fragen überflüssig war. Nur habe ich sie im Laufe der Jahre aus den Augen verloren und kann sie nicht einmal mehr fragen, aus welchen Ort sie gekommen sind.
288
am 21.04.2010 16:24:56 (77.211.112.xxx) Link Kommentar melden
daß sie vor der Machtergreifung der Taliban Bildung bekommen hatte. Sie ist ja dann ca. 1950 geboren und hat bis 1978 in einer Republik gelebt.

wobei wir wieder beim Thema sind:
die Taliban wollte die USA fuer ihre ureigensten Interessen, und dabei wurden eben auch die Menschenrechte in Afghanistan mit drangegeben.
Aber das ist nicht Schuld der Muslime, das ist Schuld eines korrupten, auf Gewinn ausgerichteten Kapitalismus von Kriminellen, die sich mittels ihrer Vetternwirtschaft selbst an die Macht katapultiert haben, auf Kosten der Armen, Schwachen, Frauen und Kindern.
Also nicht Ursache und Wirkung verwechseln.
288
am 21.04.2010 16:25:29 (77.211.112.xxx) Link Kommentar melden
-n bei Kinder(n)
Seite 1 von 2: 1 2

Einen Kommentar schreiben







Kommentare von Nichtmitgliedern der Seite Onlinezeitung24.de müssen durch einen Bestätigungslink per E-Mail freigeschaltet werden, für Mitglieder entfällt diese Bestätigung. Diese Maßnahme dient der Diskussionskultur und soll die Kommentarfunktion vor Spam schützen. Wir bitten um Ihr Verständis für diese Maßnahme.

Seitenaufbau: 0.07 Sekunden
38,873,128 eindeutige Besuche