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Politik: Welt

Nur ein Kollateralschaden: Der Tod zweier Journalisten

Die US-Armee im Irak – Geheimes Militärvideo im Netz – Auch zwei Kinder schwer verletzt

US-Armeehubschraubermodell.
US-Armeehubschraubermodell.
Am 12. Juli 2007 starben bei einem US-Angriff aus zwei Hubschraubern heraus zwei Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters, Namir Noor-Eldeen (22) und Said Chmagh (40) und mehrere irakische Zivilisten. Auch zwei kleine Kinder wurden bei dem Angriff schwer verletzt. Das US-Militär versuchte den Vorfall zu vertuschen. Die Videoaufzeichnungen aus den angreifenden Hubschraubern seien angeblich „verschwunden“

Jetzt tauchte das Video im Internet auf – weltweit und für jedermann einsehbar. Ein anonymer Informant hatte es den Betreibern der Internetseite WikiLeaks zugespielt. Es zeigt den Angriff und die Erschießung der Journalisten und Zivilisten. Die internationale Presse spricht von „Mord“, die US-Armee vom „Kollateralschaden“.

Die militärische Bezeichnung Kollateralschaden, 1999 zum Unwort des Jahres gewählt, leitet sich vom englischen collateral damage (Lateinisch: collateralis) ab und bedeutet im Deutschen soviel wie Begleitschaden. Er bezeichnet alle Schäden, die bei einem ungenauen oder überdimensionierten Angriff auf ziviler Seite entstehen.

WikiLeaks ist seit Dezember 2006 online. Publiziert werden hier viele geheime Dokumente, die die Arbeit von Regierungen, Militärs und großen Unternehmen kritisch beleuchten. Die Betreiber der Internetseite behaupten bereits mehr als eine Millionen vertrauliche Dokumente veröffentlicht zu haben. Das US-Militär, das behauptet das originale Video sei aus dem Archiv spurlos verschwunden, räumte inzwischen ein, dass das von WikiLeaks veröffentlichte Video authentisch ist.

Es zeigt den Angriff auf eine Gruppe von Zivilisten, die bereits damals eine heftige und weltweite Debatte über die US-Kriegsführung im Irak auslöste. Mehrere der Personen hatten längliche Gegenstände bei sich, die als Waffen gedeutet wurden obwohl sie nicht einwandfrei als solche erkennbar waren. So wurden auch die Kameras der beiden getöteten Journalisten als Waffen fehl gedeutet. Das führte zu dem Angriff der Hubschrauber, die einer unter Beschuss geratenen Bodeneinheit zu Hilfe gekommen waren. Das veröffentlichte Video zeigt allerdings in keiner Szene, dass aus der betroffenen Gruppe Schüsse abgegeben wurden.

Ebenfalls im Video erkennbar ist, dass nach den tödlichen Schüssen ein Minivan auftauchte. Zwei offensichtlich zivile Personen versuchten einen Schwerverletzten zu bergen und in den Minivan zu bringen. Die US-Hubschrauber eröffneten daraufhin das Feuer auf die beiden Zivilisten und den Minivan. Im Minivan befanden sich, wie sich später herausstellte, zwei kleine irakische Kinder, die durch etliche Schüsse des US-Militärs schwer verletzt wurden. Ein vierjähriges Mädchen wies Einschüsse im Torso auf und der etwa achtjährige Junge sei bei Eintreffen der US-Bodeneinheit „immer noch am Leben gewesen, nachdem er Einschuss-Verletzungen an vielen Stellen seines Körpers erlitten hat.“

Beide Kinder wurden evakuiert und seien am folgenden Tag im irakischen Krankenhaus Medical City medizinisch versorgt worden, teilte das US-Militär mit. Was aus den Kindern wurde, ob sie diesen US-Angriff überlebten, das wurde nicht bekannt.

Nach Ansicht des US-Militärs war der Angriff gerechtfertigt und der Tod der beiden Journalisten ein unvermeidlicher „Kollateralschaden“, an dem sie selber die Mitschuld trügen. Die Journalisten hätten sich zu keiner Zeit als solche zu erkennen gegeben. Somit habe keiner der beteiligten US-Soldaten falsch gehandelt.

Die reine Vermutung der US-Piloten, dass einige der Personen bewaffnet waren, stellte sich nach Aussagen der später eintreffenden Bodentruppe angeblich als wahr dar. Es wurden – so das US-Militär – mehrere Waffen gefunden…

Fotolegende: US-Armee-Hubschrauber (Modell). Foto: © Michael Baudy, Pixelio.de.

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Schlüsselwörter: Journalisten | Zivilisten | Kinder | Krieg | US-Armee | Kollateralschaden | Tod | Irak | Irak-Krieg
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Kommentare

266
am 09.04.2010 12:32:46 (95.222.194.xxx) Link Kommentar melden
Um der Wahrheit die Ehre zu geben: ganz offensichtlich haben die beiden Journalisten eine Gruppe von Terroristen begleitet; das sollte man nicht tun. Immerhin wurden dort dann zwei Panzerfäuste und eine AK47 gefunden.

Die Vermutung der Hubschrauber-Piloten, dass einige der beschossenen Personen bewaffnet gewesen seien, ist nach Darstellung des Untersuchungsberichts später von den Bodentruppen vor Ort bestätigt worden.


http://www.welt.d...etung.html
357
am 09.04.2010 22:03:10 (84.19.169.xxx) Link Kommentar melden
Normalerweies sind Journalisten in Kriegs- und Krisengebieten klar gekennzeichnet, z.B. durch Aufdrucke "PRESS" auf einem Helm oder auf der Kleidung. Warn- bzw. signalfarbene Westen, die kann man auch aus dem Helikopter sehen.

Warum hier nicht? Reuters wird hierzu doch eine interne Regelung haben?
357
am 10.04.2010 08:33:27 (84.19.169.xxx) Link Kommentar melden
Die beiden getöteten (eben nicht ermordeten!) Mitarbeiter haben ganz offensichtlich leider gegen einige Grundsätze verstoßen:

http://www.marcus...isten.html

https://www.dpv.o...aetze.html
286
am 10.04.2010 11:06:31 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
Kennen wir doch alles aus Pallywood, da transportiert man auch Raketen und andere Waffen in Krankenwagen. Das gibt immer die typischen Filme, auf die Gutmenschen abfahren.
266
am 10.04.2010 17:38:47 (95.222.194.xxx) Link Kommentar melden
Es ist schön, wenn es investigativen Journalismus gibt, doch dieser Text zu dem Video ist pure Propaganda:

Wikileaks

Video zeigt Ermordung von Zivilisten im Irak
Wikileaks veröffentlicht ein geheimes US-Militärvideo, das die wahllose Ermordung von über einem Dutzend Zivilisten in einem irakischen Vorort von Bagdad zeigt. Unter den Opfern auch zwei Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters.

http://www.welt.d...-Irak.html


Dieser sprachlich völlig verunglückte Text ist für eine Publikation wie die WELT eine ärgerliche und peinliche Entgleisung. Es ist weder eine Ermordung noch eine wahllose. Ich habe mir das Video angesehen und den Untersuchungsbericht gelesen.

Nicht alles, was sich heutzutage Journalist nennt, beherrscht das Einmaleins dieses Berufes. Die beiden getöteten waren wohl eher Sympathisanten - oder einfach ziemlich dumm. Ihr Verhalten jedenfalls war uneindeutig und unklug, das sollte man in Kriegsgebieten nicht tun.

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