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Sonstiges: Kultur & Religion

Heute vor 100 Jahren (18): Gesangverein wird Audienz beim Papst verweigert

Folge des Konflikts am Ende des Kirchenstaates und Ernennung Roms zur Hauptstadt Italiens

Foto: © Manuela Bernauer, Pixelio.de.
Foto: © Manuela Bernauer, Pixelio.de.
Der so genannte Kirchenstaat war früher das weltlich-politische Herrschaftsgebiet des Papstes. Es entstand im Jahre 756 durch die Pippinische Schenkung aus den Ländereien des Bischofs von Rom. Im Grunde war der Kirchenstaat ein Staatenverbund. Im Verlauf des Mittelalters dehnte er sich kontinuierlich von Rom und Latium ausgehend immer weiter aus und umfasste größere Teile von Mittelitalien bis zur Adria.

Französische (zuerst teilweise auch zusammen mit spanischen) Schutztruppen sicherten zum unausweichlich näher kommenden Ende des Kirchenstaates dessen noch verbliebenes Territorium seit dem Jahr 1849. Aufgrund der Kriegserklärung gegen Preußen wurden diese Schutztruppen während einer Sitzungspause des ersten Vatikanischen Konzils abgezogen. Daraufhin drangen die italienischen Truppen am 20. September 1870 so gut wie kampflos in Rom und dem Rest des Kirchenstaates ein. Der Papst wurde politisch entmachtet und Rom kurzerhand zur italienischen Hauptstadt erklärt.

Foto: © Johannes Vortmann, Pixelio.de.
Foto: © Johannes Vortmann, Pixelio.de.
In einer Volksabstimmung sprach sich die große Mehrheit für eine Eingliederung des Kirchenstaates in den italienischen Nationalstaat aus. Dies wurde am 6. Oktober 1870 durch ein königliches Dekret proklamiert.

Der amtierende Papst Pius IX., sowie auch seine Nachfolger, erkannten die gesetzlichen Regelungen für den Kirchenstaat und auch das neue Italien nicht an. Alle an dem Einmarsch der italienischen Truppen in den Kirchenstaat beteiligten Politiker und Militärführer wurden mit dem Kirchenbann belegt. Es entstand ein über viele Jahre andauernder, schwelender Konflikt um den Status der katholischen Kirche und der nicht befriedigend gelösten Frage nach der Unabhängigkeit des Vatikans als verbleibenden Rest des einstmals großen Kirchenstaates. Dieser Konflikt oder auch offene Streit dauerte über mehrere Jahrzehnte an.

Foto: © Ali, Pixelio.de.
Foto: © Ali, Pixelio.de.
Der Kompromiss dazu wurde erst am 11. Februar 1929 in den so genannten Lateran-Verträgen mit dem inzwischen faschistischen Italien geschlossen. Italiens Diktator Benito Mussolini erkannte damit die volle Souveränität des Vatikans mit dem Petersdom als selbständiges Staatsgebilde mit internationalem Status an. Dies entspricht dem Status einer eigenständigen Nation.

Als sich im April 1910 der Kölner Männer-Gesangverein in Italien aufhielt sangen sie auch vor dem damaligen italienischen König Viktor Emanuel III. Der Gesangverein hatte auch um eine Audienz beim damals amtierenden Papst Pius X. ersucht. Diese wurde dem Verein jedoch heute vor 100 Jahren, am 6. April 1910, als Folge der Spannungen zwischen Italien auf der einen und dem Vatikan und dem Papst, der sich als Gefangener des Vatikans betrachtete, auf der anderen Seite verweigert.

Der in der deutschen Rheinstadt Köln ansässige Kölner Männer-Gesangverein (KMGV) wurde bereits am 27. April des Jahres 1842 von rund 30 Mitgliedern, von denen viele aus dem Domchor stammten, gegründet und zählt heute rund 190 aktive Sänger und ca. 800 Fördermitglieder. Durch eine Königliche Kabinettsorder vom 13. Juni 1857 wurde der Kölner Männer-Gesangverein schließlich auch als Kunstanstalt für den deutschen Männergesang zu einer Rechtsperson...

  1. Fotolegende: Der Petersdom im Vatikan. Foto: © Manuela Bernauer, Pixelio.de.
  2. Fotolegende: Blick vom Petersdom auf den Petersplatz. Foto: © Johannes Vortmann, Pixelio.de.
  3. Fotolegende: Schweizer Garde – Schutzmacht des Vatikan. Foto: © Ali, Pixelio.de.

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Schlüsselwörter: Kirchenstaat | Vatikan | Papst | Audienz | Verweigerung | Machtverlust
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Kommentare

266
am 07.04.2010 20:47:59 (95.222.194.xxx) Link Kommentar melden
Ein sehr schöner Artikel.

Smile Aber wer will denn schon eine Audienz beim Papst, und vor allem, warum?

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