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Sonstiges: Kultur & Religion

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An manchen Tagen besser nicht!

Auf den Kopf...  ©Krümel/pixelio
Auf den Kopf... ©Krümel/pixelio
Der Karfreitag ist im christlich-jüdischen Verhältnis in der gesamten Geschichte immer problematisch gewesen: an diesem zentralen christlichen Feiertag kulminiert der antijüdische Vorwurf des Gottesmordes, den Christen traditionell an Juden richten - mal mehr versteckt und subtil, mal offen aggressiv und gewalttätig.

Was Christen, die dieser irrigen Meinung anhängen, dabei entgegen ihrer eigenen Lehre übersehen: nach dem christlichen Glauben war es ja der sogenannte "Heilsplan" ihres Gottes, der seinen Sohn "opferte", um die Menschen zu "erlösen". Das muß man weder verstehen noch glauben, aber es ist nun mal der Kern des Christentums. Juden dürfen sich hier also ganz locker zurücklehnen: denn mit dieser Hinrichtung des Juden Jesus durch die Römer haben Juden nun wirklich nichts zu schaffen. - Aber bis das allen Christen klargeworden ist, vergehen wohl noch einmal weitere 2.000 Jahre.

Die Gottesmord-Theologie ist eine der schwersten Erblasten, die das Christentum mit sich herumschleppt; sie ist heute noch weit verbreitet in den Köpfen und ein Element des christlich fundierten Antisemitismus. Als Gottesmord oder auch als Christusmord bezeichnen manche Vertreter des Christentums eine angebliche unaufhebbare Kollektivschuld des Judentums an der Kreuzigung Jesu von Nazaret als des Sohnes Gottes

In Deutschland kommt noch eine weitere Erschwernis hinzu: das, was die Deutschen - obwohl es ihnen noch nicht einmal jemand vorgeworfen hat! - zurecht ablehnen, nämlich eine Kollektiv"schuld" für den Holocaust, ist seit 2.000 Jahren eine ganz normale christliche Denkweise gegenüber Juden: Kollektivschuld. Das ist zwar etwas schizophren, daß man anderen das vorwirft, was man selber nicht haben will, obwohl es ja irgendwie andersherum viel logischer wäre, aber so ist das eben: Religion ist irrational...

Genau mit dieser Irrationalität versuchen Christen immer wieder, Juden zu missionieren, um sie zur "Erlösung" zu bringen. Doch Juden sind diesem Ansinnen üblicherweise ziemlich abgeneigt: wir wollen weder christliche Erlösungen noch germanische Endlösungen. Aber speziell die katholische Kirche bleibt stramm auf Missions-Kurs:

Juden und Katholiken empören sich über Papst

Am Karfreitag sollen Katholiken nach dem Willen des Pontifex wieder für die Erleuchtung der Juden beten. Theologen kritisieren das Verhalten als rücksichtslos, Juden sehen einen Aufruf zur Missionierung.

Die Wiederzulassung der Karfreitagsbitte, in der Katholiken für die Erleuchtung der Juden beten, sei ein „Rückfall in längst überwunden geglaubte Zeiten“, rügte der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Salomon Korn, in der „Frankfurter Rundschau“ vom Donnerstag. „Gerade von einem deutschen Papst wie Benedikt XVI. erwarte ich mehr Rücksicht auf die Sensibilität der Juden bei diesem Thema“, sagte Korn.

Der Papst hatte die Karfreitagsfürbitte für den außerordentlichen lateinischen Ritus neu formuliert. Die Bitte, die nur in wenigen Gemeinden gesprochen wird, lautet nun: „Lasst uns auch beten für die Juden, auf dass Gott unser Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus als den Retter aller Menschen erkennen.“ Der Zentralrat der Juden sieht darin einen indirekten Aufruf zur Judenmissionierung, was der Vatikan aber zurückweist.

Der Theologieprofessor und katholische Vorsitzende des Gesprächskreises „Juden und Christen“, Hanspeter Heinz, nannte das Verhalten des Vatikans „unglaublich rücksichtslos“. Er könne nur hoffen, dass der christlich-jüdische Dialog „auf regionaler Ebene diese massive Störung überwindet“, sagte Heinz der Zeitung.

Quelle: FOCUS online 20.03.2008

Man sollte hier locker bleiben. Denn die Katholiken sollen doch beten, für wen sie wollen, und sie sollen es machen, wie sie wollen. Es ist nämlich aus jüdischer Sicht völlig irrelevant, und es tut auch nicht weh - solange die Christen friedlich bleiben. Allerdings macht es eine Aussage über die Christen, die solches Fremdbeten tun: sie machen sich damit lächerlich und merken es nicht einmal. Wenn es ihnen aber so wichtig ist, sollen sie es tun dürfen, wir sind da tolerant. Auch das gehört zur Religionsfreiheit dazu. Juden haben im Lauf der Jahrhunderte gelernt, hier auf die mimosenhaften Befindlichkeiten ihrer christlichen Mitbürger Rücksicht zu nehmen; so gehört es beispielsweise zur Erziehung in jüdischen Familien dazu, daß man den Kindern beibringt, am Karfreitag keinen Hammer zu verwenden und nirgends Nägel einzuschlagen... - denn das könnte ja als Provokation verstanden werden. Das kann zu Beziehungsstörungen führen; à propos Provokation: manchmal versuchen - sich für ganz gewitzt haltende - Diskutanten, einem Juden etwas von Schweinefleisch-Rezepten zu erzählen, das geht dann oft so aus:

I Mayer am 04.10.2009 14:19:31 Link

Einem Juden (oder einem Moslem) ein Schweinefleischrezept anzubieten, ist eine Geschmacklosigkeit sondergleichen. Wie fänden Sie das, wenn man Ihre Religion so verhöhnen würde? Ich gehe davon aus, daß es Ihnen hier also primär auf Provokation und Beleidigung ankam.

Chaim am 08.10.2009 08:10:03 Link

Also, das fand ich nicht so problematisch. Zum einen ist es doch gar nicht zum Thema gehörend, also nichts weiter als eine Aussage über den Betreffenden selbst. Und wenn es mir wichtig wäre, könnte ich doch mit Witzen über Jesus am Kreuz kontern...

Da gibt es übrigens einen ganz wunderbaren, den mir mal ein Ossi erzählt hat, und den sollte man besser jetzt als am Karfreitag wiedergeben, Christen sind da oft schwer irrational, wie gewisse andere Religionen bei Karikaturen...

Am Wegesrand ©excellentis/pixelio
Am Wegesrand ©excellentis/pixelio
Die Firma Müller stellt Nägel und Eisenwaren her und möchte dringend den Absatz verbessern. Also beauftragt man einen Werbefuzzi, ein ausgefallenes Werbeplakat für die Firma Müller zu entwickeln. Der Vertrag wird gemacht, der Experte geht mit seiner Kreativ-Mannschaft ans brain-storming.

Beim ersten Präsentationstermin kommt der Werbetexter ganz stolz mit seinem Vorschlag: "Also, ich hab da was für Sie, das stellt jeden Mitbewerber in den Schatten." Daraufhin zeigt er ein Bild, auf dem Jesus ans Kreuz genagelt ist, darunter der Text "Müller-Nägel halten einfach alles!"

Die Geschäftsleitung ist etwas schockiert: "Also, sowas kann man doch nicht machen! Sie können doch nicht Jesus am Kreuz in der Werbung verwenden! So was geht gar nicht!" Sie fordern ihn daher auf, gefälligst einen neuen Vorschlag zu entwickeln.

Eine Woche später das Ergebnis: "Diese Idee ist echt noch besser als die letzte, damit verdoppeln Sie locker Ihren Umsatz!" Auf dem Plakat ist nun ein Kreuz zu sehen, vor dem der offensichtlich heruntergefallene Jesus liegt. Der Text dazu: "Mit Müller-Nägeln wäre das nicht passiert!"

Wirklich, der Witz ist gut! - So gesehen brauchen wir für die Mohammedaner mehr Mohammed-Karikaturen, auch etwas schärfere mal zur Abwechslung, und für die Christen mehr Witze dieser Art. Denn nach Freud hat der Witz ja eine psycho-hygienische Funktion und kann somit der Entspannung dienen, im wahren Sinne des Wortes. Und ob die Piusbrüder nun für die Erlösung der Juden beten wollen oder ob Rabbiner Dr. Homolka darüber schimpft, das ist doch alles nicht so schlimm.

  • Karfreitag: Piusbruderschaft will zu Ostern Juden bekehren - Die ultrakonservative katholische Piusbruderschaft will an diesem Karfreitag für die Bekehrung der Juden beten. Die entsprechende Fürbitte gehöre "zur uralten Tradition der Kirche" und gehe in ihrem Wortlaut auf das vierte Jahrhundert zurück. Religiöse Gefühle zu verletzen, sei jedoch nicht beabsichtigt.
  • Karfreitagsfürbitte für die Juden - Sie entstand im 6. Jahrhundert, nannte die Juden seit 750 perfidis („treulos“), ihren Glauben iudaica perfidia („jüdische Treulosigkeit“) und bat Gott darum, den „Schleier von ihren Herzen“ wegzunehmen, ihnen die Erkenntnis Jesu Christi zu schenken und so der „Verblendung ihres Volkes“ und „Finsternis“ zu entreißen. Seit 800 erhielt sie zudem besondere Merkmale: Nur bei dieser Fürbitte sollten die Beter nicht niederknien und kein Amen sprechen. 1570 legte Papst Pius V. diese Fassung fest, die bis 1956 unverändert gültig blieb. Sie gilt als Ausdruck eines christlichen Antijudaismus, der auch den Antisemitismus förderte.
  • "Die katholische Kirche hat ihre antisemitischen Tendenzen nicht im Griff" - Rabbiner Dr. Walter Homolka - Schon jetzt ist das Internet voll mit Kommentaren rechtskonservativer Katholiken, die sagen: "Wunderbar, jetzt haben wir endlich das Signal, Juden zu missionieren." So ein Zeichen wirkt auf antisemitische Kreise äußerst stimulierend. Die katholische Kirche hat ihre antisemitischen Tendenzen nicht im Griff.

In 50 Wochen - nämlich am 2. April 2011 - haben wir wieder Karfreitag, vielleicht baue ich da mal einen neuen Geräteschuppen im Garten. Die Bretter und die Nägel habe ich schon. - Dieses Jahr ging es nicht. Denn da begann Pessach am 30. März und endete am 6. April; zwischendrin war Karfreitag, 2011 ist das auch so, da muß ich erstmal einen Rabbiner fragen, ob an den Halbfeiertagen von Pessach solche Arbeiten erlaubt sind.

Rabbiner Dr. Meir Ydit (Kleine Judentumskunde, Neustadt/W., 1984, Seite 90) schreibt zu Pessach: "VIII. chol ha'moéd - Die Halbfeiertage: Die Halbfeiertage umfassen 5 Tage (in der Diaspora nur 4 Tage) bis zum letzten Tag der Pessachwoche, der nochmals ein Hauptfeiertag ist. Sie werden begangen mit ähnlicher Liturgie und teilweisem Werkverbot wie an den Halbfeiertagen von Sukkót." - Aha, so so; unter Sukkót (Laubhüttenfest) finden wir dann (Seite 75): "VI. chol ha'moéd - Die Halbfeiertage:"An diesen Tagen gilt kein absolutes Werkverbot; es werden jedoch aufschiebbare Arbeiten nicht ausgeführt, soweit dies keinen Schaden verursacht (Beruf, Geschäft)."

Geräteschuppen ©Rainer Sturm/pixelio
Geräteschuppen ©Rainer Sturm/pixelio
Nun muß ich mich also entscheiden, ob der Bau eines Geräteschuppens aufschiebbar ist oder nicht; oder ich warte, bis Ostern und Pessach einmal nicht zusammenfallen.

Genau: ich warte bis 2012 mit dem Neubau des Geräteschuppens. Da fällt Karfreitag auf den 6. April und Pessach beginnt erst am 7. April; da könnte ich dann endlich mal am Karfreitag nageln!

Nicht nachmachen!

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Schlüsselwörter: Christen | Juden | Mission | Karfreitag | Antijudaismus
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