Rund um OZ24

Suchen

Unterstütze OZ24

Politik: Europa

Mobbing kostet 40 Mitarbeitern das Leben.

Wie das "schlechte Arbeitsklima" Menschen in den Tod treibt.

Man mag es Mobbing nennen, schlechtes Arbeitsklima, Umgang mit den Mitarbeitern oder „Bosse treiben Angestellte in den Tod“ (1), Fakt ist, auch dieses Jahr haben sich erneut 9 Mitarbeiter der France Tèlèkom das Leben genommen. Seit dem so genannten Umstrukturierungsprogramm in dem Unternehmen zu einer Aktiengesellschaft haben sich somit 40 Mitarbeiter das Leben genommen.

Gewerkschaftler und Interessenvertreter der Arbeitnehmer klagten schon seit Jahren über Mobbing gegenüber Mitarbeitern, nun endlich ermittelt der Staatsanwalt gegen die Manager des Unternehmens. Auslöser dafür ist ein nun vorliegender Untersuchungsbericht, der aufklären sollte, warum sich 32 Mitarbeiter in zwei Jahren (2008 und 2009) das Leben genommen haben.

Bei France Tèlèkom wurde in den letzten Jahren 22 000 Arbeitsplätze gestrichen, sie dürften der Hintergrund für die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen sein.

„Ein kürzlich veröffentlichter Untersuchungsbericht erhebt schwere Vorwürfe gegen die mittlerweile abgelöste Konzernspitze. Darin ist unter anderem von Mobbing-Methoden die Rede. Auf Warnungen von Gewerkschaften, Betriebsärzten und Krankenkassen sei völlig unzureichend reagiert worden“.(2)

Der Untersuchungsbericht wurde vom französischen Gewerbeaufsichtsamt erarbeitet. Das Resümee dieses Berichtes ist erschütternd und lautet, die Konzernführung habe eine ernsthafte Gefährdung der Mitarbeiter in Kauf genommen und dabei Mobbingmethoden angewendet, so der Vorwurf des Berichts der Gewerbeaufsicht. „Ausdrücklich verweisen die Arbeitsinspektoren auf die Politik des Konzernumbaus und des Managements seit 2006. Die Konzernspitze sei so manches Mal auf die Folgen ihrer Unternehmenspolitik für die Gesundheit der Mitarbeiter hingewiesen worden“.(3)

Unglaublich, wenn man bedenkt, dass in Folge der Mobbing-Methoden sich 40 Mitarbeiter das Leben genommen haben, weil das „Arbeitsklima“ schockierende Ausmaße angenommen hat. In einem Fall hat ein Suzidopfer einen Abschiedsbrief hinterlassen, was nun den Staatsanwalt endlich bewogen hat, „wegen fahrlässiger Tötung (zu ermitteln), teilte“ er „ am Mittwoch“, den 17.03.2010 „in Besançon mit“.(4)

Sowohl gegen das Unternehmen als auch den Chef der Niederlassung wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt und das Konzerngeschäft wird nun von Stèphane Richard, einem ehemaligen Büroleiter des derzeitigen Finanzministers seit dem 1. März geleitet, Doch wie immer geht man mit den Tätern sanft um, so bleibt Didier Lombard, der Hauptverantwortliche für den Konzernumbau Chef des Verwaltungsrates.(5)

Zumindest im Umgang mit den Selbstmorden hat Lombard Fehler eingeräumt, was jedoch vor Ort zu keiner Beruhigung der Lage geführt hat. So kann man nun im Fall des Abschiedsbriefes des 28-jährigen Nicolas Grenoville die Gründe für seinen Suizid nachweisen.

Nicolas wurde gegen seinen Willen auf einen schlechteren Posten im Kundendienst versetzt. Er erhielt über 7 Monate dort keine Einarbeitung oder Schulung musste aber eine bestimmte Erfolgsquote erfüllen. Irgendwann wollte man ihm dann eine Fortbildung gewähren, für den jungen Techniker zu spät, in der Nacht vom 10. auf den 11. August 2009 nahm sich Nicolas Zuhause das Leben.

Offenbar haben der Stress und die Angst vor der unerfüllbaren Aufgabe ihn langsam in die Enge getrieben, so dass er für sich keinen Ausweg mehr sah. Sieben Monate lang eine Tätigkeit machen zu müssen, für die man keine Ausbildung hat, das kann die Höhle sein. Für Nicolas war sie es.

Mobbing war für ihn letztendlich genauso zu viel wie für seine 39 Kolleginnen und Kollegen, die sich ebenfalls das Leben genommen haben. Eine Bilanz, die zeigt, wohin Erfolgsgier von Managern führen kann.

Man kann nur hoffen, dass der Staatsanwalt seiner Verantwortung gerecht wird und in einem Strafprozess endlich über die Arbeitsbedingungen bei France Tèlèkom gesprochen wird. Der Abschiedsbrief von Nicolas Grenoville wird hoffentlich das Leben vieler seiner Kolleginnen und Kollegen in ähnlicher Situation retten können und somit das wichtigste Zeugnis sein, das uns von dem Schicksal der 40 Toten bei France Tèlèkom bleiben wird.

1)http://www.20min.ch/news/ausland/story/Bericht--Bosse-trieben-Angestellte-in-den-Tod-13715309 2)http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/selbstmordserie-justiz-prueft-rolle-der-france-telecom;2547900 3)http://www.zeitong.de/ng/da/2010/03/13/behoerden-werfen-france-telecom-mitarbeitergefaehrdung-und-mobbing-vor/ 4)http://www.ftd.de/it-medien/:nach-selbstmordserie-ermittlungen-gegen-france-telecom/50089945.html 5)http://www.welt.de/wirtschaft/article6894578/Ermittlungen-gegen-Chefs-nach-Selbstmord-Serie.html http://www.20min.ch/news/ausland/story/Bericht--Bosse-trieben-Angestellte-in-den-Tod-13715309

uploaded

Der Inhalt des vorstehenden Artikels gibt nicht die Meinung der Redaktion von Onlinezeitung24 wieder. Für den Inhalt ist allein der Autor des Beitrages verantwortlich!
Drucken Empfehlen
Schlüsselwörter: 22 000 Arbeitsplätze gestrichen | abgelöste Konzernspitze | Abschiedsbrief | Arbeitsinspektoren | Arbeitsklima | Betriebsärzten | France Tèlèkom | französischen Gewerbeaufsichtsamt | Gewerkschaften | Krankenkassen | Mobbing-Methoden | Nicolas Grenoville
Sie wollen selber einen Artikel schreiben. Kein Problem, einfach registrieren!

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben

Einen Kommentar schreiben







Kommentare von Nichtmitgliedern der Seite Onlinezeitung24.de müssen durch einen Bestätigungslink per E-Mail freigeschaltet werden, für Mitglieder entfällt diese Bestätigung. Diese Maßnahme dient der Diskussionskultur und soll die Kommentarfunktion vor Spam schützen. Wir bitten um Ihr Verständis für diese Maßnahme.

Seitenaufbau: 0.04 Sekunden
38,869,190 eindeutige Besuche