Politik: Soziales & Bildung

Sprachkompetenz erwerben - aber wie?

Alle Jahre wieder: der Vorlesewettbewerb
10.04.2010 08:57:50 eingesandt von die Textschmiede für OnlineZeitung 24.de

Schwein beim Lesen ©DS/pixelio.de
Schwein beim Lesen ©DS/pixelio.de
Lesen ist - wie auch das Schreiben oder Rechnen - eine sogenannte Kulturfertigkeit. Damit ist Lesen einer der wesentlichen Inhalte unserer schulischen Bildung. Der Analphabetismus gilt als schweres kulturelles Defizit, man versucht ihm daher durch weltweite Alphabetisierungskampagnen zu begegnen; übrigens: es gibt weltweit 862 Millionen Menschen, die Analphabeten sind (2003), in Deutschland waren 2004 nach Schätzungen 0,6 % der Erwachsenen totale sowie zwischen etwa 6,5 % und 11,2 % funktionale Analphabeten. Unter "funktionalem Analphabetismus oder Illettrismus wird die Unfähigkeit bezeichnet, die Schrift im Alltag so zu gebrauchen, wie es im sozialen Kontext als selbstverständlich angesehen wird. Funktionelle Analphabeten sind Menschen, die zwar Buchstaben erkennen und durchaus in der Lage sind, ihren Namen und ein paar Wörter zu schreiben, die jedoch den Sinn eines etwas längeren Textes entweder gar nicht verstehen oder nicht schnell und mühelos genug verstehen, um praktischen Nutzen davon zu haben" (Quelle). Das wären, im schlimmsten Fall, also allein in der Bundesrepublik ca. 8 bis 9 Millionen Menschen!

Lesen ist ein wichtiger Teil der Kommunikation und natürlich auch des Arbeitslebens. Um sich zu orientieren, muss man schriftliche Informationen lesen und verstehen können. Die schnelle und gezielte Aufnahme von Informationen - durch Bücher oder im Internet - setzen somit eine gute Lesefertigkeit voraus.

Lesen und Denken hängen zusammen, denn ein bedeutsamer Aspekt des Lesens ist die Reflexion, also das Überdenken des Gelesenen. Die erzählende Literatur - also die Unterhaltungsliteratur oder die Belletristik - ermöglicht dem Leser, sich in andere Zeiten und Personen hineinzuversetzen und damit neue Perspektiven gedanklich zu erfassen: Lesen weitet den Horizont. - In Philosophie und Religion geht es vor allem um die Erkenntnisse, die der Leser durch das Nachdenken über das Gelesene für sich selbst gewinnt: Lesen bildet.

Lesen mit Herz ©AngelaL/pixelio.de
Lesen mit Herz ©AngelaL/pixelio.de
In diesen Zusammenhang gehört eine Aktion, die bereits seit 50 Jahren ihren festen Platz in der deutschen Bildungslandschaft hat:

Dieser Vorlesewettbewerb ist durchaus eigennützig, warum auch nicht, er ist eine Aktion des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Natürlich erhofft man sich dadurch Werbung und Umsatz, doch den guten Zweck, die sinnvolle Zielrichtung werden dadurch nicht geschmälert. Das Ziel des Wettbewerbs ist es, den Schülern Spaß am Lesen zu vermitteln und ihnen Kriterien für gutes Lesen zu verdeutlichen. Der Ablauf sieht vor: Die Schüler stellen beim Wettbewerb einen kurzen Ausschnitt aus einem selbst gewählten Buch vor. Dadurch erhalten die Zuhörer Anregungen, neue Bücher kennenzulernen. Das Ganze soll die Kinder dazu animieren, ihre Lese- und Vorlese-Kompetenz zu verbessern: Flüssigkeit, angemessene Schnelligkeit, Intonation, sinngemäße Betonung, Rhythmus. Schließlich kann man das, was man oft tut, besser.

Teilnahme und Ablauf

Teilnehmen können alle 6. Schulklassen der weiterführenden Schulen. Diese werden in drei Gruppen unterteilt.

  • Gruppe A umfasst die Hauptschulen, Mittelschulen, Regelschulen, den C-Kurs Deutsch der Förderschule Hessen, Regionale Schulen in Rheinland-Pfalz, Sekundarschulen in Sachsen-Anhalt und erweiterte Realschulen im Saarland.
  • In Gruppe B sind die Gymnasien, Realschulen, Gesamtschulen, Orientierungsstufen, Grundschulen in Berlin und Brandenburg und die Förderstufe Hessen (ohne Differenzierung sowie A- und B-Kurse im Fach Deutsch) zusammengefasst.
  • In Gruppe C sind Schulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Da es in der Gruppe C allerdings nur eine schwache Beteiligung gibt, endet der Wettbewerb für die Teilnehmer nach der Kreis- bzw. Stadtebene. Die Ausnahme bilden Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und das Saarland, wo es für die Gruppe C bis zum Landesentscheid geht.

Die teilnehmenden Klassen ermitteln zunächst in einem Klassenwettbewerb den Klassensieger (ab Oktober). Anschließend wird in einem Schulwettbewerb der Schulsieger ermittelt (November/Dezember). Die Schulsieger eines Kreises oder einer kreisfreien Stadt kämpfen in einer öffentlichen Veranstaltung um den Titel des Stadt- oder Kreissiegers (Februar). Die Stadt- bzw. Kreissieger treffen auf Bezirksebene (März/April), danach auf Landesebene (Mai) und schließlich auf Bundesebene (Juni) aufeinander. (Quelle)

Vorlesewettbewerbe gibt es auch - teilweise von anderen Trägern - in Dialekten (plattdeutsch, schwäbisch, hessisch usw., wobei Platt genau genommen ja kein Dialekt ist) und natürlich auch in Fremdsprachen. Es lohnt sich, danach einmal zu suchen. Lesen macht Spaß, Lesen beflügelt die Phantasie, Lesen bildet.

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