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Wissenschaft: Umwelt & Naturschutz

Der Mörder ist immer der Gärtner

Den Nacktschnecken ein Schnippchen schlagen... - wie macht man's richtig?

"Die rote Gefahr" ©SueSchi/pixelio
"Die rote Gefahr" ©SueSchi/pixelio
Jeder Gärtner kennt es: man hat gerade etwas Schönes gepflanzt und großgezogen, dann kommen - meist in Scharen und bevorzugt im Schutz der Dunkelheit - diese ekelhaften Weichtiere angekrochen und raspeln alles kurz und klein: Erdbeeren und Gurken, Salat und Kohlrabi; sie fressen in ihrer Gier sogar Kartoffeln an, sowohl die Blätter als auch die Knollen. Das ist bitter, und der friedlichste Gärtner sinnt daher auf Abhilfe, wenn nicht gar auf Rache.

Doch was hilft am besten? Was ist erlaubt? Was ist ebenso ökonomisch wie ökologisch? Fragt man erfahrene und leidgeprüfte - weil schneckengeschädigte - Gärtner oder sucht man sachkundige Hilfe im Internet und in Bibliotheken, so erhält man unzählige Ratschläge, die jedoch meist irgendeinen Pferdefuß haben: entweder werden dadurch auch Nützlinge geschädigt oder es ist zu teuer, manches hilft nur bis zum nächsten Regen, einiges erfordert zu viel Aufwand; vieles ist gänzlich für die Katz. Gewisse Ratschläge schließlich sind lediglich für militante Naturschützer, ratlose Gutmenschen oder kategorische Tierverehrer geeignet und durchführbar, wie z.B. der „gute Rat“, die Tiere einzusammeln und mit einem Eimer in den nächsten Wald zu tragen... - das mag zwar gut fürs eigene Karma sein, doch es löst das sachliche Problem nicht, sondern verschärft es.

Das Problem besteht eigentlich darin, daß diese schleimigen Biester zwar extrem gefräßig sind und perfekte Abwehrstrategien sowie eine ähnlich hohe Fortpflanzungsrate wie Kaninchen haben, dafür jedoch keine natürlichen Feinde in großer Zahl; was ihre Population sprunghaft steigen läßt. Denn sie gehören gar nicht hierher: die spanische Wegschnecke, um die es hier insbesondere geht, ist ein neozoon, ein vor 40 Jahren eingeschlepptes standortfremdes Tier, das hier zwar hervorragende Futterbedingungen findet, ohne allerdings im Gegenzug durch tierische Widersacher in Schach gehalten zu werden:

Nur Fressen und Sex im Kopf...
Nur Fressen und Sex im Kopf...
Die Schnecke breitet sich als Neozoon seit Jahren in Mitteleuropa aus. In Deutschland wurde sie erstmals auf der deutschen Rheinseite, gegenüber von Basel, von G. Schmid 1969 gefunden. Die Verbreitung erfolgte vermutlich durch Gemüseimporte von der iberischen Halbinsel. Danach wurde die Spanische Wegschnecke in Deutschland häufiger gefunden. Bereits 1980 besiedelte sie weite Teile von Süddeutschland. In Österreich wurde die Spanische Wegschnecke erstmals 1972 entdeckt. Allerdings dürfte sie schon wesentlich früher eingeschleppt und bis dahin übersehen worden sein, denn schon ein Jahr später verursachte sie in weiten Teilen des Weinviertels und des Marchfeldes in Gärten massive Schäden. Bereits 1960 wurden erste Exemplare in der Schweiz und 1965 in Italien gefunden. 1991 wurde die Spanische Wegschnecke erstmals in Dänemark und 1996 in Polen gesichtet. Im südschwedischen Schonen war sie bereits 1975 angekommen, in Südnorwegen 1988 und in Südfinnland 1990.

Bei feuchtwarmem Wetter kann die Vermehrung der Spanischen Wegschnecke extreme Ausmaße annehmen. So wurden im Sommer 2007 in Großbritannien bis zu 1.000 Exemplare pro m² gezählt. Sie ist mittlerweile die häufigste Nacktschnecke und eine der häufigsten Schneckenarten in Deutschland, mit bis zu 12 Exemplaren pro m² Kulturfläche.

Quelle: Wikipedia, Spanische Wegschnecke, Hervorhebung nicht im Original

Im Prinzip gibt es gegen die Räuber, die ausgerechnet immer dann anrücken, wenn der Gartenfreund wegen Regens im Haus bleibt oder in den späten Abend- sowie frühen Morgenstunden nun folgende Strategien:

  • chemische Mittel
  • mechanische Sperren
  • manuelle Methoden
  • natürliche Feinde ansiedeln oder halten
  • Verzicht auf gärtnerische Tätigkeiten
Im Prinzip also das berühmte Trio des Konfliktmanagments: fight, flight or freeze, wobei das Flüchten genau wie das Sich-Totstellen des Gärtners für die Schnecke natürlich auf dasselbe hinausläuft und das Freß- und Sex-Paradies bedeutet, weswegen es dem erntewilligen Zweibeiner hier nur ums Kämpfen gegen dieses Kriechzeugs gehen kann.

Wichtiger Hinweis:

Unter Naturschutz: die Weinbergschnecke!
Unter Naturschutz: die Weinbergschnecke!
Die Weinbergschnecke helix pomatia ist ein Nützling, sie ernährt sich von welken oder abgestorbenen Pflanzenresten, außerdem steht sie unter Naturschutz! Sie ist also ausdrücklich nicht in diesem Artikel angesprochen!

Quelle: Wikipedia, Weinbergschnecke

Bevor man nun beherzt zur Tat schreitet, sollte man sich ein paar Dinge vergegenwärtigen. Zum einen gehören diese Tiere nicht hierher, man stellt also durch ihre Beseitigung lediglich wieder das ökologische Gleichgewicht her. Zum anderen wird das Töten von Schnecken durch das Tierschutzgesetz weder verboten noch geregelt, denn ganz offenbar sind sie keine Wirbeltiere und erst recht keine Warmblüter. Drittens dann fehlt es den Nacktschnecken an natürlichen Feinden, der schneckenmordlustige Gärtner unterstützt also nur die Igel und die Enten, die ja sonst gar nicht mehr mit der Arbeit hinterherkommen. Viertens kämpfen die Nacktschnecken mit unlauteren Mitteln, sie sind also eine Art Öko-Terroristen; in der Terroristenabwehr jedoch sind viele Dinge möglich, die die Haager Landkriegsordnung nicht vorsieht.

Nacktschnecke bei der Eiablage
Nacktschnecke bei der Eiablage
Mit Nacktschnecken kann man nicht verhandeln, es gibt mit ihnen kein gentlemen's agreement. Unser Ziel bei der Abwehr terroristischer Nacktschnecken heißt also Mord, das muß ganz klar sein, nur eine tote Nacktschnecke ist eine gute Nacktschnecke; wer hier zaudert, hat bereits verloren. Wer nicht richtig kämpft, der kann es auch gleich sein lassen, denn Schnecken sind Hermaphroditen (Zwitter), und haben damit eine extrem hohe Fortpflanzungsrate... - beide an der Kopulation beteiligten Tiere legen mehrere tausend Eier pro Jahr. Um genau zu sein, pro Gelege bis zu 400 Eier, je nach Art; die unschädlichen Weinbergschnecken dagegen produzieren nur 40-60 Eier pro Gelege. Übrigens legen die Nacktschnecken besonders gern im Kompost ihre Eier ab, wodurch mancher Ökogärtner diese ganz munter und blauäugig im Garten verteilt. Allein deswegen muß man den Kompost also regelmäßig umsetzen - auch noch im Spätherbst - und auf ausreichende Temperatur achten, damit die Schneckeneier absterben. Auch hier gilt: Vorbeugung ist die beste Therapie!

Kommen wir zu den chemischen Mitteln: hierzu gehören zunächst alle Eisen-III-Phosphat-haltigen Stoffe - das sogenannte Schneckenkorn - die die Schnecken kurz und schmerzlos töten und sich zu natürlichen Restprodukten abbauen. Das Mittel ist ungefährlich und nur für Schnecken tödlich... - leider auch für die nützlichen Weinbergschnecken. Man sollte Schneckenkorn folglich nur dort nehmen, wo es keine bis wenig Weinbergschnecken gibt. Die findet man bevorzugt auf sehr kalkhaltigen Böden. Man sollte bei Aufbringung von Schneckenkorn also durch regelmäßige Rundgänge die Weinbergschnecken einsammeln und retten. - Eine weitere chemische Methode ist die Bierfalle, in der Schnecken - die den Geruch mögen und dadurch angelockt werden - angeblich ertrinken sollen; funktioniert nicht, ist viel zu umständlich, außerdem ist es schade um das gute Bier. Eine weitere bei Gartenbesitzern beliebte Methode ist das Bestreuen einer Schnecke mit normalem Speisesalz; das jedoch ist eine Tierquälerei, die Schnecke stirbt langsam und qualvoll, es dauert mindestens 6-8 Stunden. Außerdem braucht man ca. 5 Eßlöffel pro Schnecke und versalzt damit völlig den Boden und das Grundwasser. - Zu den mechanischen Fallen oder Sperren: das ist zum einen das Ausstreuen von Sperrflächen, die für Schnecken unangenehm sind, weil sie trocken oder scharfkantig sind: Quarzsand, Asche, Sägemehl, Kalk usw. usf. - das ist alles Unfug und hält gerade mal bis zum nächsten Morgentau und kaum bis zum nächsten Regen. Wer außerdem einmal beobachtet hat, wieviel Schleim Schnecken produzieren, der baut nicht mehr auf solche Hausmittelchen. Besser sind dann schon - zum andern - die bekannten Schneckenzäune - allerdings extrem teuer - oder die sogenannten Salathüte: kegelförmige Plastikhütchen, die man über die Pflanze stülpt.

fight, flight or freeze...
fight, flight or freeze...
Das Halten oder Ansiedeln von Schneckenfressern dürfte kaum möglich sein, oder es bringt noch mehr Probleme. Igel und Blindschleichen kommen und gehen wie sie wollen; und wenn man einer indischen Laufente - die Schnecken sehr gerne mag - beibringen kann, daß sie den Schnabel aus dem Salat lassen soll und sich ausschließlich um die Schnecken zu kümmern hat, dann könnte es sogar funktionieren.

Bleiben die manuellen Methoden: das Einsammeln zum Beispiel. Und dann? Dann hat man in einer halben Stunde einen 10-Liter-Eimer voller Schnecken und außerdem Rückenschmerzen. Außerdem, wie geht es weiter? Mit kochendem Wasser übergießen? Quatsch: Energieverschwendung, CO2-Belastung! - In den Wald tragen? Unsinn: Schnecken kommen schneller zurück als man denkt, am nächsten Morgen sind sie wieder da!

In langjähriger Praxis bewährt hat sich die der Theorie des hard-core-Feminismus - schnipp, schnapp, Schw**z ab - entlehnte Praxis; sie ist billig, nämlich ohne irgendwelche Investitionen oder Betriebskosten, sie ist umweltfreundlich, CO2- und grundwasserneutral, sie schont alle anderen Tiere... Sie funktioniert schnell, tötet schmerzlos und bedarf keines Kraftaufwandes. Man nimmt einfach eine Grasschere mit Verlängerungsstil - das Bücken wäre lästig - und handelt nach der Methode: aus eins mach zwei. Oder auch schnipp, schnurch, Schnecke durch... - Wer geübt ist, nimmt dafür alternativ zur Grasschere einfach einen Spaten. Abends bei Mondlicht mit der Taschen- oder Stirnlampe noch einen Rundgang im Garten machen, so lassen sich etwa 30 Schnecken pro Minute beseitigen, also bis zu 1.000 in etwa einer halben Stunde (hier gibt es wirklich sehr viele Schnecken!)...

Empfehlung zum Schluß: Nacktschnecken sind Kannibalen! Sechs bis acht Stunden später, im Morgentau, haben sich daher dann jeweils 10 oder 15 neue Schnecken bei jeder der Leichen eingefunden. - Multiplikatoreffekt! Einfach mal ausprobieren! Bekanntlich kehrt der Mörder ja immer wieder an den Tatort zurück... - und hier ist das wirklich sehr sinnvoll und effektiv!

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Schlüsselwörter: Schädlingsbekämpfung | Neozoon | spanische Wegschnecke | arion vulgaris | arion lusitanicus | Nacktschnecke | Tierschutzgesetz | Garten
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Kommentare

kommt123
am 16.04.2010 09:38:55 (92.224.147.xxx) Link Kommentar melden
Ein sehr interessanter Beitrag .
Mein Nachbar stellt immer eine Schale mit Bier hin.Der Trick mit dem Spaten ist allerdings genial,werde ich ihm mal empfehlen.

Zum Glück habe ich nicht das große Schneckenproblem in meinem Garten.
Da reicht es völlig aus wenn ich meinen Hund morgens rauslasse.
Schnecken hat er nämlich "zum Fressen gerne"Grin
Und das hat auch noch einen angenehmen Nebeneffekt:Er scheucht gleichzeitig noch andere Viecher von meinem Grundstück.Wink
kommt123
am 16.04.2010 10:26:12 (92.224.147.xxx) Link Kommentar melden
Mein Hund frißt sie...

Den Beitrag über den Rattenbeißer habe ich gelesen.

Soll man die Ratte nun erst sedieren,und dann den Hund raufschicken?Grin

Du sollst ja auch "kommt123" sein.
Aber durch die Interpunktionsschwäche habe ich sie jetzt bestimmt völlig aus der Bahn geschmissen.Grin

Und zu dem Rattenteil:

Jeder weiß doch;Ratten sind Krankheitsüberträger.
Ich hatte neulich Rattenköder ausgelegt bei mir im Carportschuppen.
Nach 2 Tagen lag sie dann da und zappelte nur noch ein wenig.
Ein riesen Vieh.
Da ich ja die Ratte nicht leiden lassen wollte,habe ich einmal kräftig mit dem Spaten raufgehaun...und das war's dann!
Ich lebe doch nicht mit Ungeziefer in einem Haus.Sad
kommt123
am 16.04.2010 10:48:45 (92.224.147.xxx) Link Kommentar melden
Na und wie der dann schäumt.
Er kaut ja richtig drauf rum.
Der knackt auch Schnecken mit "Haus".Das ist ja aus Kalk,und gesundGrin

Wenn Ratten gejagt werden,dann haben die schon soviel Adrenalin,dass sie den anschließenden Todesbiss gar nicht mehr so wahrnehmen.
Und ist der Hund glücklich,freut sich der Mensch.Smile


Die Fehler baust du richtig gut ein übrigens.Grin
kommt123
am 16.04.2010 10:53:04 (92.224.147.xxx) Link
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  • Gelöscht von OZ24 am 16.04.2010 13:10:40.
288
am 16.04.2010 10:55:40 (95.169.232.xxx) Link Kommentar melden
bin ich ja auch identisch mit master of desaster

ne, das sag ich nicht; ich sag nur, der Apfel faellt nicht weit vom Birnbaum...
Ich lebe doch nicht mit Ungeziefer in einem Haus.

das muss auch niemand; Ratten in deinem Haus kannst du gem. Naturschutzgesetz toeten.
Der Artikel ist gut, allerdings nicht vor dem Fruehstueck zu empfehlen Cool die aus-eins-mach-zwei-Methode ist doch ein wenig eklig...
kommt123
am 16.04.2010 11:05:33 (92.224.147.xxx) Link Kommentar melden
Ich präferiere auch andere Speisen.Smile
Mein Hund frißt sie -blanco-als Vorspeise.



@ Gata Linda

Ich töte sie nach meinem Gesetz.

Und nun?
Grin
288
am 16.04.2010 11:06:09 (95.169.232.xxx) Link
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  • Gelöscht von OZ24 am 16.04.2010 13:16:08.
kommt123
am 16.04.2010 11:13:00 (92.224.147.xxx) Link
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  • Gelöscht von OZ24 am 16.04.2010 13:16:22.
kommt123
am 16.04.2010 11:23:31 (92.224.147.xxx) Link
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  • Gelöscht von OZ24 am 16.04.2010 13:16:37.
288
am 16.04.2010 11:24:02 (95.169.232.xxx) Link
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  • Gelöscht von OZ24 am 16.04.2010 13:16:46.
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