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Wissenschaft: Forschung

Muttersöhnchen

Von der Doppeldeutigkeit der Begriffe

Lemminkäinen's Mother (A. Gallen-Kallela 1897)
Lemminkäinen's Mother (A. Gallen-Kallela 1897)
Jeder Mann ist der Sohn einer Mutter. Das ist ein unbestreitbares Faktum, eine biologische Gegebenheit. Doch wie kommt es, daß der Begriff "Muttersöhnchen" zu einem beleidigenden Schimpfwort geworden ist? Wieso empfinden Männer nicht eher Stolz, Dankbarkeit und Freude bei einer solchen Etikettierung? Was macht den vermeintlich richtigen Jungen oder Mann aus, das ihn vom "Muttersöhnchen" unterscheidet? Selbständigkeit? Härte, Brutalität und Dominanz? Das vermeintliche Frei-Sein von Gefühlen - das in Wahrheit eine seelische Verkrüppelung darstellt - bis hin zu deren Leugnung?

Als kleiner Junge habe ich sehr gern mit Puppen gespielt; ich habe auch nie gehört, daß ein Junge nicht weinen soll, jedenfalls nicht von meinen Eltern. Meine Mutter war immer eine starke Frau, sie war eindeutig die Dominantere, ohne daß ich deswegen meinen Vater als schwach erlebt hätte. Wie ich später durch biografische und familienhistorische Recherchen herausgefunden habe, war es in den vorigen Generationen ebenso: mein Vater hatte eine starke Mutter, mein Großvater ebenfalls, und genauso dessen Vater, der bereits erwähnte "Erste Fürstliche Cassir". Offenbar gibt es hier also eine gewisse Familientradition, die den Umgang mit starken Frauen nicht nur als normal erscheinen läßt, sondern positiv erlebbar macht. In diesem Sinn war ich also immer gern Muttersöhnchen und habe das nie als Beleidigung empfunden, sondern als Beschreibung von etwas ganz Selbstverständlichem. In gleicher Weise habe ich übrigens auch die Bezeichnung als "Jude", als "Feigling" oder die Anrede "Du bist wohl ein Schwuler?!" nie als beleidigend wahrgenommen... - das erste war schließlich ein Faktum, das zweite war manchmal zutreffend, weil Feigheit manchmal sehr klug sein kann, und das dritte war eben unzutreffend, es konnte mich also gar nicht treffen.

"Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau" - was hier sprichwörtlich geworden ist, spiegelt eine wichtige soziokulturelle Erfahrung wieder, die den meisten Frauen - sofern sie Mütter von Söhnen sind - kaum rational bewußt sein dürfte. Zu sehr ist der Westen gedanklich geprägt von Freud und der Angst vor dem Ödipuskomplex, zu sehr auch gefangen von der christlichen oder doch jedenfalls katholischen Übersteigerung der Mutterfigur in der Maria als angeblicher "Muttergottes".

Als Auswirkung dieser historisch-psychologisch entstandenen wilden Mischung haben unreflektierte Männer im wesentlichen nur drei Rollenmuster, in die sie Frauen einsortieren und sich diesen gegenüber entsprechend dem jeweiligen Rollenbild verhalten:

  • die Mutter, die Heilige (Maria)
  • die Sündern, die Hure (Eva, Magdalena)
  • die Schutzlose, zu Beschützende, die kleine Schwester (typisch hierzu der Blondinenwitz)

Frauen tun also gut daran, im öffentlichen oder im geschäftlichen Kontext den Männern klar zu signalisiereren, daß sie fähig und willens sind, die Mutterrolle zu besetzen - gerade bei orientalischen Machos, bei eitlen Pfauen und bei sportlich dauergeilen Eroberern wirkt das wahre Wunder.

Wohltuend ist hier die Lektüre des Buches des französischen Psychologen Alain Braconnier.

Alain Braconnier, Mutterliebe
Alain Braconnier, Mutterliebe
  • Alain Braconnier: »Mutterliebe. Warum Söhne starke Mütter brauchen.«
  • Deutsche Verlags-Anstalt 2006. 349 Seiten

Dr. Alain Braconnier (Jahrgang 1942) ist Arzt, Psychologe, Psychoanalytiker und Professor an der Universität Paris. Er leitet das psychotherapeutische Zentrum Philippe-Paumelle. Sein besonderer Forschungs- und Arbeitsschwerpunkt gilt der emotionalen Entwicklung Jugendlicher. Zu diesem Thema hat er in Frankreich zahlreiche Veröffentlichungen vorgelegt. Auf deutsch erschien bisher 2004 »Große Ängste, kleine Ängste. Mit ihnen leben, etwas daraus machen«. Über seine Motivation, dieses Buch zu schreiben, erklärte der Autor: "Es gibt noch kein Buch über das Verhältnis Mutter-Sohn. Das war der erste Grund für mein Buch". Ein gutes Motiv! Das Buch enthält einen Ratgeberteil und einen Test »Welcher Muttertyp sind Sie?«, den natürlich auch Männer mit Gewinn durcharbeiten können.

Mutter und Sohn: Spagat zwischen Nähe und Erziehung (Rezension vom 15.04.2009 auf www.eltern.t-online.de)

Eine ganz besondere Beziehung ist das, diese Beziehung zwischen Mutter und Sohn. Auf der einen Seite geprägt von körperlicher und seelischer Nähe, zur Pubertät hin schwächer werdend, auf der anderen Seite eine wachsende Fremdheit, die im biologischen und seelischen Unterschied der Geschlechter begründet ist. Die Beziehung eines Sohnes zu seiner Mutter ist paradigmatisch für seinen späteren Umgang mit dem anderen Geschlecht. "Viele Mütter haben Angst, sich ihren Söhnen gegenüber so zärtlich zu verhalten, wie sie es gerne würden, wie Alain Braconnier aus seinem Berufsalltag als Psychotherapeut weiß. Sie fürchten, ihre Söhne zu stark an sich zu binden und ihnen damit dauerhaft zu schaden. Aber kann eine Mutter ihren Sohn tatsächlich zu sehr lieben? Alain Braconnier illustriert die Problematik der Beziehung zwischen Müttern und Söhnen mit Fallbeispielen aus der eigenen Praxis, geht auf Konflikte ein und zeigt Wege zu deren Lösung auf. Seine zentrale These lautet, daß Mütter ihre Söhne lieben dürfen, ja sogar müssen, um aus ihnen starke und gleichzeitig sensible Männer zu machen. Ein Plädoyer für eine enge Mutter-Sohn-Bindung und ein wichtiges Buch für alle Mütter, die ihre Söhne und ihr Verhältnis zu ihnen besser verstehen wollen" (Verlagsbeschreibung).

Mütter, liebt Eure Söhne!

Kim Kindermann am 18.01.2007 in: Deutschlandradio Kultur. RADIOFEUILLETON: KRITIK.

Muttersöhnchen das klingt unsexy. Denn Muttersöhne gelten als zu weich, verzärtelt und ängstlich. Und all das darf ein echter Kerl schließlich nicht sein. Das Problem dabei: Jeder Mann ist Sohn einer Mutter. Sie bringt ihn zur Welt, versorgt ihn und ist auch heute noch hauptsächlich für seine Erziehung verantwortlich. Wie aber passt das zusammen? Wie vermitteln Mütter, also Frauen, ihren Söhnen männlich zu sein? Geht das überhaupt? Ja, sagt der französische Psychologe Alain Braconnier in seinem neusten Buch. Und geht sogar noch weiter: Nur Dank einer starken Mutter können Söhne überhaupt echte Männer werden.

"Meine Mutter ist wie ein Nachtlicht, sie ist immer da, und wenn ich traurig bin, kann sie schnell zu leuchten beginnen, um mein Herz zu wärmen", beschreibt der siebenjährige Julien die Beziehung zu seiner Mutter.

Eine schönere Liebeserklärung kann es wohl kaum geben an die erste Frau im Leben eines Knaben und so steht sie auch stellvertretend gleich am Anfang dieses gelungen Buches. Ein Buch, das Frauen förmlich zuruft: Mütter traut euch! Liebt eure Söhne, seid für sie da und gebt euch warmherzig! Denn Mutterliebe ist das beste Dopingmittel fürs Leben und wirkt wie ein Zaubertrank, jeder Schluck davon macht stark für das spätere Leben. Alles andere vergesst! Die Warnung "Achtung, kastrierende Mütter", die Freud und co. in die Welt trugen, vergesst! "Die Liebe einer Mutter macht stark. Außer in Fällen übermäßiger Anhänglichkeit hindert sie einen Jungen keineswegs daran, ein Mann zu werden - ganz im Gegenteil", bringt Alain Braconnier sein Plädoyer für Mutterliebe auf den Punkt.

Über dreihundert Seiten widmet sich der französische Psychologe diesem spannenden Thema. Er taucht ein die ägyptische und die griechische Mythologie, er erklärt die gängigen psychoanalytischen Erklärmuster und beschreibt Studien zum Thema. Darüber hinaus nennt Alain Braconnier Fallbeispiele aus seiner eigenen Praxis.

Denn auch heute noch fürchten viele Mütter, ihre Söhne zu verweichlichen, wenn sie sie zu sehr lieben. Klischees wie "Er wird kein richtiger Mann, er wird immer ein Kind bleiben oder er wird homosexuell" bestimmen dabei ihr Handeln. Etwa das von Carole. Aus Sorge, dass ihr Sohn zu schüchtern ist, schleppt sie "ihren Kleinen" von Arzt zu Arzt. Sie sucht nach einer Ursache für seine Schüchternheit, sie will ihm helfen, dominanter, sprich: männlicher aufzutreten. Doch muss sie das überhaupt? Oder ist ihre Sorge an sich schon ein Zeichen dafür, dass sie ihren Sohn mit ihrer Liebe erstickt und der Junge sich daher zurückzieht und schüchtern auftritt?

Patentrezepte auf solche Fragen bietet Alain Braconnier zwar keine, aber es gelingt ihm anhand solcher Beispiele, die Bandbreite der unterschiedlichen Muttertypen aufzuzeigen. Dabei gelingt es ihm, deutlich zu machen, dass Söhne eine starke Mutter brauchen, die trotz aller Zuwendung und Liebe auch in der Lage ist, Grenzen zu ziehen. Mütter "müssen zugleich liebevoll und stark sein, um ihrem Sohn zu ermöglichen, gleichzeitig stark und sensibel zu werden".

Damit dies wirklich gelingt, sollten Mütter möglichst viel zum Thema wissen und verstehen lernen, wie ihr Sohn tickt. Und genau das bietet Braconnier in diesem gut lesbaren Buch, in dem man oft auch Überraschendes findet. Denn welche Mutter weiß schon, dass sie - unbewusst - auf ihren Sohn anders reagiert als auf ihre Tochter. Das fängt schon beim Stillen an. Mütter drücken den Sohn fester an sich und richten sich viel eher nach seinem Körperrhythmus, seinen Schlafphasen und seinen Wünschen als bei einer Tochter.

Außerdem müssen Mütter verstehen lernen, dass Jungs sich anders artikulieren als Mädchen. Sie sind weniger in der Lage, über ihre Sorgen und Nöte zu sprechen. Worte sind ihnen eher fremd, sie drücken sich stärker durch ihr Handeln aus. Zudem sind sie stärker konkurrenzorientiert, sie messen sich gerne mit anderen und lieben es zu gewinnen.

Wollen Mütter ihre Söhne erreichen, müssen sie diese für eine Frau nicht unbedingt nachvollziehbare Verhaltensweise im Hinterkopf behalten. Anstatt zu schimpfen ist es daher ratsamer, Jungs auf den Erfolg oder den Misserfolg ihrer Handlungen anzusprechen und damit an ihren Ehrgeiz, der Beste sein zu wollen, zu appellieren.

Trotzdem, ganz ohne Reibung geht es nicht. Spätestens in der Pubertät muss eine Mutter akzeptieren, dass ihr Sohn eine - vorübergehende - Distanz braucht, um seine männliche Identität zu finden. In dieser Phase sind jetzt vor allem die Väter nötig, um dem Sohn zur Seite zu stehen. Etwa durch ein gemeinsames Hobby oder eine gemeinsame Leidenschaft.

Dennoch verliert die Mutter samt ihrer Liebe auch in dieser Phase nicht ihre Wichtigkeit, wie Alain Braconnier betont: Sie bleibt die Basis, von der aus ihr Sohn agiert. Indem sie die emotionale Stütze im Hintergrund bleibt, motiviert sie den Sohn in die Welt zu gehen - immer mit dem Wissen: Meine Mutter liebt mich. Bedingungslos.

Und genau das macht Alain Braconnier Buch "Mutterliebe" so wichtig, denn es hilft dabei, das Loslassen zu lernen und die eigenen Gefühle sowie die des Sohnes besser zu verstehen. Ein Muss für alle Mütter mit Söhnen!

Sigmund Freud (1921)
Sigmund Freud (1921)
Die Frage der Mutterliebe als Funktionalität - also nicht nur auf die leibliche Mutter bezogen - hat bekanntlich Anthropologie, Soziologie und vor allem die Psychologie ganz wesentlich beschäftigt; als herausragend zu nennen und - auch für den Laien - leicht zu lesen ist hier insbesondere Erich Fromms »Die Kunst des Liebens«. Darin unterscheidet Fromm zwischen mütterlicher und väterlicher Liebe; während das Kind die mütterliche Liebe bedingungslos erfahre, müsse es sich die väterliche Liebe z.B. durch gute Zeugnisse oder herausragende Leistungen verdienen. Die Liebe der Mutter gründet sich - so Fromms Ansatz - also auf den Gedanken und das Gefühl "Ich liebe Dich, weil Du mein Kind bist", während die Liebe des Vaters eher auf dem Gedanken basiert "Ich liebe dich, weil Du mir ähnlich bist, weil Du so bist, wie ich Dich haben will". - Ein Gedanke Fromms, der auch in seinem Werk »Haben oder Sein« zentral ist.

Dies alles bedeutet übrigens nicht, daß Eltern ihre Kinder beglucken sollen, sondern sie sollen sie tauglich für die Freiheit auf eigenen Beinen machen und dadurch beglücken. Gemeint ist hier also nicht das Hotel Mama, in dem sich manche Dreißigjährige, nie erwachsen gewordene männliche Kinder, oft so wohlfühlen... - denn das ist genau das Gegenteil wahrer elterlicher Liebe und Verantwortung; man hält die Kinder abhängig und definiert sein eigenes Leben darüber, daß sie einen "brauchen".

Dabei ist allerdings - und das dürften die meisten derer nie begriffen haben, die den Buchtitel »Die Kunst des Liebens« als leeres Gerede und als Stereotyp verwenden oder als Kamasutra-Anleitung für bestimmte Stellungen mißverstehen - laut Fromm die mütterliche Liebe eben gerade nicht der leiblichen Mutter vorbehalten, sondern sie ist eine Funktion der gesellschaftlichen Organisation der Kindheit. Die Rolle der Mutter ist also bei Erich Fromm ein Platzhalter, eine Chiffre, für die Rolle der primären Bezugsperson des Kindes. In gleicher Weise meint die väterliche Liebe eben auch nicht die Liebe des biologischen Vaters, sondern die desjenigen, der die Funktion ernst- und wahrnimmt. In vielen patchwork-Familien ist das eben gerade nicht der leibliche Vater.

Männer haben weibliche Anteile, Frauen haben männliche Anteile - seelisch gesehen. In diesem Sinn würden also Beziehungen zwischen den Geschlechtern dadurch verbessert, daß es hier mehr Austausch und mehr Transparenz gibt. Die Männer, die durch eine starke und liebevolle Mutter gelernt haben mit starken Frauen umzugehen, haben perspektivisch also in jeder Hinsicht die besseren Karten: in Beziehungen ebenso wie am Arbeitsmarkt. Daher gibt es bei unseren Söhnen - nunmehr also in mindestens fünfter Generation - die tiefe und vor allem täglich bestätigte Weisheit: "Mama ist der Chef!"

  • Bildnachweis:
  • Axél Waldemar Gallén, i.e.Akseli Gallen-Kallela. English: Lemminkäinen's Mother. Suomi: Lemminkäisen äiti. Svenska: Lemminkäinens moder. Via Wikipedia, public domain
  • Eigener scan des Buchtitels von Alain Braconnier
  • Deutsch: Sigmund Freud, Begründer der Psychoanalyse, raucht eine Zigarre. English: Sigmund Freud, founder of psychoanalysis, smoking cigar. Español: Sigmund Freud, fundador del psicoanálisis, fumando. - Sigmund Freud 1921, Bild von Max Halberstadt, via Wikipedia, public domain

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Schlüsselwörter: Elternliebe | Mutterliebe | Psyche | Gesundheit | Entwicklung | Sigmund Freud | Erich Fromm | Alain Braconnier
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Kommentare

286
am 16.03.2010 19:38:11 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
gibt es bei unseren Söhnen - nunmehr also in mindestens fünfter Generation - die tiefe und vor allem täglich bestätigte Weisheit: "Mama ist der Chef!"
Smile Das gefällt mir. Eure Söhne sind zu beneiden, vor allem aber ihre künftigen Partnerinnen.
300
am 16.03.2010 21:51:28 (69.162.66.xxx) Link Kommentar melden
Die Liebe der Mutter gründet sich - so Fromms Ansatz - also auf den Gedanken und das Gefühl "Ich liebe Dich, weil Du mein Kind bist", während die Liebe des Vaters eher auf dem Gedanken basiert "Ich liebe dich, weil Du mir ähnlich bist, weil Du so bist, wie ich Dich haben will".

Erich Fromm habe ich bisher noch nicht gelesen, aber ich denke, es lohnt sich.

Meine Eltern lieben mich beide. Warum auch immer.
266
am 16.03.2010 22:32:29 (95.222.194.xxx) Link Kommentar melden
Eine sehr schöne Geschichte... Smile
288
am 17.03.2010 00:14:31 (217.168.0.xxx) Link Kommentar melden
In gleicher Weise meint die väterliche Liebe eben auch nicht die Liebe des biologischen Vaters, sondern die desjenigen, der die Funktion ernst- und wahrnimmt. In vielen patchwork-Familien ist das eben gerade nicht der leibliche Vater.

Bei der heutzutage üblichen Scheidungs- und Trennungsrate ist es wohl schon fast "normal" dass Kinder mit einem "Stiefeltern" Teil aufwachsen.
Schön, wenn der neue Partner ein gutes Verhältnis zum Kind pflegt. Allerdings sollte kein Rivalitätskampf zwischen leiblichem und Stiefelternteil aufkommen, denn man darf nie vergessen, dass die Bindung des KINDES an den leiblichen Vater (selbst wenn der die Bezeichnung nicht verdienen sollte) das GRUNDRECHT des Kindes ist, und dass das Kind eben intrinsisch versuchen wird, diese Beziehung zu erhalten, auch wenn das von manchen Familien eher ungern gesehen wird (manche mögen nicht dass die Nachbarn merken, dass man Patchworkfamilie ist, andere sind eifersüchtig, wieder andere haben Angst, das Kind könnte sich abwenden wenn es den leiblichen Elternteil öfter sieht.)
Es dem Elternteil zu entfremden, bringt nur kurzfristigen Erfolg, da das Kind immer nach der Wurzel suchen wird und die vorprogrammierten Pubertätsprobleme werden dann auf den Stiefelternteil projiziert (nach dem Motto: das ist ja gar nicht mein(e) richtige(r)...mein(e)..hätte das besser gemacht...usw.)
Je gelassener Stiefeltern mit der Rolle als 3.Rad umzugehen lernen, desto eher wenden sich Kinder aufrichtig zu, denn dann wird der Stiefelternteil als Bereicherung erfahren, nicht aber als Grund, warum die echten Eltern nun nicht mehr zusammen sind.
286
am 17.03.2010 08:49:37 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
Glaubt Gata Linda denn, dass Grundrechte Pflichten sind? Wink
286
am 18.03.2010 09:12:05 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
Wissen Kinder denn nicht selbst, was sie wollen? Wink
288
am 18.03.2010 14:42:17 (95.169.235.xxx) Link Kommentar melden
Was Du alles weißt... Wink

Grin War das auch Thema Deiner Diplomarbeit?

nein, das war das Thema von meinen 2 Stiefkindern und der daraus gewachsenen Erfahrung als Pflegemutter auch von anderen Kindern, die nicht aus der ehelichen Beziehung waren. Es gibt einiges, das du von mir nicht weisst, und einiges, was du auch von mir annehmen kannst, wenn du es schaffst, mal ein wenig von deiner subjektiven Haltung aufzugeben.

Wissen Kinder denn nicht selbst, was sie wollen?

das ist eine Frage des Alters und auch der Reife.
manchmal kommen erst nach vielen Jahren die Probleme, die ein mangelnder Kontakt mit sich bringt. Das gefühl, abgelehnt gewesen zu sein, Verlassenheitstraumen etc.
Ich habe bei meinen Stiefkindern das Verhältnis zur leiblichen Mutter immer gefördert, obwohl die Situation beleibe nicht immer einfach war. Im Zweifel sollte immer ein Familientherapeut zu Rate gezogen werden.
Gata Linda mal wieder als Missionarin unterwegs? - Du widersprichst Dir selber. Warum sollten Kinder eine Beziehung pflegen wollen (und als "Recht" einfordern), wenn der biologische Vater die Bezeichnung "Vater" nicht verdient, z.B. aufgrund seines Verhaltens seinen Kindern gegenüber? Vielleicht pfeifen die Kinder dann auf ihr "Grundrecht"?

Hört sich gut an, Chaim. Hat aber eine Problemstellung, die deine Aussage nicht erfasst:
auch ein grottenschlechter Vater, der die Bezeichnung nicht verdient, beeinflusst latent das Selbstbild eines Kindes, und wenn es nur in der Phantasie abläuft. (...ich bin schlecht in Mathe, das muss von Papa kommen...)
Gedanken wie ..." ich bin nicht gut genug, dass mein Papa mich sehen will.." o.ä. werden nicht ausgesprochen, sondern nur verinnerlicht.
Ein schlechtes Bild vom leiblichen Elternteil - das kann natüröich auch die Mutter sein- bewirkt immer auch eine Schwächung des eigenen Ichs.
Wer will schon das Gefühl haben, Sohn/Tochter eines Taugenichts zu sein?
DAS meinte ich damit, nichts weiter.
266
am 20.03.2010 18:07:41 (95.222.194.xxx) Link Kommentar melden
"Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau" - was hier sprichwörtlich geworden ist, spiegelt eine wichtige soziokulturelle Erfahrung wieder
Oder einen Slogan der "women's lib"-Bewegung...

Es könnte ja auch ein starker Vater gewesen sein. Oder ein starkes Selbst.

Ansonsten aber: mal wieder sehr nett geschrieben, Kompliment!
288
am 21.03.2010 04:16:14 (217.168.5.xxx) Link Kommentar melden
das solltest Du mit "Vater von Gandalf und Galahad" besprechen!
ne, wozu, ich hab das als allgemeine gültige subjektive Meinung in den Raum gestellt. Er wird- wie du- den Kommentar doch gesehen haben, das reicht ja aus. Mehr brauchen wir da ja nicht rumdiskutieren.
321
am 21.03.2010 07:43:18 (88.68.118.xxx) Link Kommentar melden
das war mal wieder ein volltreffer ins eigene tor, gata linda! Wink
Seite 1 von 2: 1 2

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