Politik: Soziales & Bildung

Wildern II

Wildern im Freundeskreis... - ein neuer Volkssport?
18.03.2010 07:02:39 eingesandt von Chaim für OnlineZeitung 24.de

Waisen wegen Wilderei
Waisen wegen Wilderei
Nach dem Jagdrecht gelten als Wild die "jagdbaren wildlebenden Tiere", also die in den jagdrechtlichen Vorschriften aufgelisteten Arten. Wild nach dieser Definition bleiben übrigens selbst die Arten, die nach dem Jagdrecht ganzjährig geschont werden. In vielen Ländern regeln Jagdgesetze und -verordnungen die Jagd.

Eine Spezies wird jedoch nicht von diesen Vorschriften erfaßt: der Mensch. Und gerade der Mensch - Männlein wie Weiblein - wildert oft recht ungehemmt in fremden Revieren; für manche scheint es geradezu ein Sport geworden zu sein. Und offenbar macht die Ausübung dieses Sports vielen Menschen - im Wortsinn - tierisch Spaß. Es ist ein Kavaliersdelikt, die anderen tun es ja auch...

Von nichts kommt nichts: besonders gern legen Männer irgendwann die Erstfrau ab und tauschen sie gegen eine jüngere ein, die ihre Tochter sein könnte. Bis zum Exzeß getrieben haben das ja Oskar Lafontaine (3 Ehen), Gerhard Schröder (4 Ehen) und Joschka Fischer (5 Ehen), was dann in der SPD zur Witzbildung führte nach dem Motto "Warum dürfen Schröder und Lafontaine nicht zusammen in einem Flugzeug fliegen?" - "Weil die SPD dann sieben Witwen versorgen muß." - Damals war Lafontaine ja noch in der SPD, wie man sich vielleicht erinnert.

Die Versorgung mit Frischfleisch ist also der wesentliche Antrieb des Wilderers, den besonderen Kick scheint es dadurch zu geben, daß Tabus gebrochen und Spielregeln verletzt werden; der Wilderer wie der Ehebrecher sind cheater und gambler, mit einem in der Regel schwachen Selbstbewußtsein, weswegen die Bestätigung durch Andere, durch das Neue, so extrem wichtig ist:

Der Mann
  • Ich bin ein Mann, ich bin ein Jäger.
  • Ich jage junges zartes Fleisch.
  • Ich bin der stählerne Erreger
  • Und wen ich streichel, ist mir gleich.
  • Nur wenn ich jagen kann, nur dann bin ich ein Mann.
Refrain:
  • Ich bin ein Mann, bin hart wie Kruppstahl,
  • zu allem weichen, was sich fügt.
  • Die Ordnung ist das Ideale,
  • Wo unten bleibt, was unten liegt.

Bots, LP Aufstehn!, 1980

Nun gibt es hier zwar keine Rechtsgrundlage, doch eine moralische: das offenbar altmodisch gewordene Verbot des Ehebruchs. Wem das zu fromm oder zu religiös ist, der kann auch die Goldene Regel als Anregung auf diese Problematik beziehen: "Was du nicht willst, daß man dir tu', das füg' auch keinem anderen zu".

Partnerschaft

Männer und Frauen wildern im Freundeskreis

Von Irene Habich 30. Mai 2008, 18:02 Uhr

Das Ausspannen von Partnern ist längst kein Tabu mehr: Männer wie Frauen wildern gerne im Bekanntenkreis - und zwar meistens mehr als einmal. Fast jede sechste Beziehung entsteht inzwischen auf Kosten einer anderen. Manche Singles haben die Kunst des Ausspannens perfektioniert.

Europäer wildern gerne - und zwar in fremden Beziehungen. Den internationalen Vergleich stellt eine Studie der Bradley University mit knapp 17.000 Teilnehmern aus 53 Ländern an. Der Versuch, "jemanden romantisch für sich zu gewinnen, der bereits in einer Beziehung steckt" - umgangssprachlich schlicht jemanden auszuspannen -, lässt sich überall auf der Welt beobachten: mal behutsam, mal dreist. Dazu gehören besondere Persönlichkeitsmuster, sagen die Forscher: sowohl beim Wilderer - der es immer wieder versuchen wird - als auch beim Begehrten, der sich bereitwillig aus festen Schnüren lösen lässt.

Langfristig einen Partner für sich zu gewinnen, der bereits in einer festen Beziehung steckte - das ist in Europa stärker verbreitet als in Asien. Im westeuropäischen Raum haben es 56 Prozent der befragten Männer probiert und 46 Prozent der Frauen. Und zwar mindestens einmal. Zum Vergleich: In Südostasien wurden Werte von 39 Prozent bei den Männern und 17 Prozent für Frauen infolge der Befragungen ausgerechnet.

Erstaunlich: Über zwei Drittel derjenigen, die angaben, sich an der Wilderei schon einmal versucht zu haben, waren auch erfolgreich. Woher die hohe Trefferquote? Den Grund vermuten die Forscher in bestimmten Persönlichkeitsprofilen, nicht nur der "Täter", sondern auch der "Opfer".

Psychologe und Studieninitiator David Schmitt benennt die typischen Charaktermerkmale der "Wilderer": Sie haben ein geringes Verantwortungsgefühl, sind oft untreu und eher unverträglich im sozialen Sinne, genießen außerdem Sexualität. Genau die gleichen Eigenschaften haben Menschen, die sich leicht ausspannen lassen.

Darüber hinaus beschreiben sich diese selbst häufig als neurotisch und wenig liebevoll. Ein kleiner Trost für die von ihnen Verlassenen, bei denen sich traumaähnliche Symptome ausbilden können. Extrovertierte, offene und äußerlich attraktive Menschen sind im Allgemeinen stärker begehrt, ihnen fällt es leichter, jemanden auszuspannen, und sie erhalten öfter Angebote als andere.

Bei einem Ausspannversuch empfiehlt David Schmitt, nicht über das Ziel hinauszuschießen. Groß angelegte Offensiven in diesem Bereich sind nicht nur in den meisten Gesellschaften verpönt, sondern sie erregen auch den Zorn des Partners und fordern Gegenwehr heraus. Der Studien-Statistik zufolge besteht die beste Taktik darin, den aktuellen Partner subtil schlechtzumachen und sich langsam und vorsichtig im sozialen Umfeld des Objekts der Begierde einzuschleichen.

Frauen sind dabei besonders erfolgreich, wenn sie ihr Aussehen verbessern und dem Selbstwertgefühl des begehrten Mannes schmeicheln. Männer erzielen einen guten Effekt, wenn sie einer Frau das Gefühl geben, der derzeitige Partner engagiere sich nicht genug für die Beziehung. Dabei sollten sie dominanter als dieser auftreten, ein höherer beruflicher und finanzieller Status kann ebenfalls von Nutzen sein. Die aktuelle Zufriedenheit der Befragten mit ihren jeweiligen Beziehungen wurde nicht in die Studie mit einbezogen.

Frauen und Männer, die mit ihrem Sexualleben oder anderen Teilen der Partnerschaft unzufrieden sind, orientieren sich möglicherweise aus dieser heraus neu, anstatt sie zu beenden. Sie lassen sich aktiv ausspannen, um passiv die bestehende Bindung zu lösen.

Wer schlecht über seine Beziehung redet, ermuntert Wilderer, sich einzumischen. Vor allem Männer geben die Schuld trotzdem lieber der dritten Person, auf die sie zu 70 Prozent wütend sind, während nur 47 Prozent Wut auf ihre untreue Partnerin empfinden. Frauen sind auf beide mit etwa 70 Prozent gleich wütend. Etwa 15 Prozent der Partnerschaften sind durch Wilderei entstanden: Ein Dritter steigt in eine Beziehung ein, um mit einem der Partner des Weges zu ziehen. Einen Fachbegriff gibt es dafür, wenn sich Verliebte gegenseitig ausspannen: Das "Co-Poaching" führte etwa drei bis fünf Prozent aller Paare zusammen.

Aber wie beständig sind diese Beziehungen, die durch Einmischung entstanden sind? Die Prognose kann schlecht ausfallen - und zwar dann, wenn der Drang zum Ausspannen fest in einer der Persönlichkeiten manifestiert ist. Dann hat ein Dritter leichtes Spiel.

Wie begeistert ein solcher Artikel von Lesern kommentiert wird, mag man aus einem Beispiel ersehen (Schreibfehler im Original):

Du sollst nicht begehren...!
Du sollst nicht begehren...!
01.06.2008, 11:26 Uhr Superman sagt:

Wildern ? Ausspannen ? Es gehören doch immer 2 dazu , oder nicht ? Ich mache das ständig und meist klappt das auch. Ist superbequem und die Freundinnen geniessen diesen Kick. Ist noch nie herausgekommen , aber wir allen hatten unseren Spass. Solange die gehörnten nichts erfahren ist es doch egal. Nur Gel im Haar und auf dicke Hose machen reicht eben nicht immer. Auch im bett will Frau schliesslich Spass haben und mit Kick , umso besser. Die geben wirklich alles und teuer ist es auch nicht.

Zu diesem Thema kann man sagen: Einerseits regelt das der Markt; wer einen "Partner" erwischt hat, in dessen Charakterstruktur die Untreue begründet ist, der soll froh sein, wenn er ihn los ist. Und überdies kann man das - wie beim Klatschen und Tratschen - auch so sehen: Wenn einer mir Geheimnisse anderer "im Vertrauen" ausplaudert, was redet er eigentlich über mich, bei anderen, wenn ich nicht dabei bin?

Die beiden Themen miteinander verbunden bedeutet dies also: wenn man selbst auf die oben beschriebene Art des Wilderns in fremden Beziehungen eine eigene neue Beziehung gründet, wie groß ist eigentlich die Wahrscheinlichkeit, daß einem irgendwann dasselbe passiert?

Eben, ziemlich groß: Menschen ändern sich nicht. - Der Charakter bleibt immer derselbe... - wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht.

Du sollst nicht ehebrechen!
Du sollst nicht ehebrechen!

  • Orphaned by poachers, young chimpanzees are raised by volunteers and researchers at the Tchimpounga Sanctuary (part of the JGI) in the Congo. 2006. Via Wikipedia, Creative Commons Attribution 2.5 Generic
  • The Ten Commandments by the German painter Lucas Cranach the Elder in the townhall of Wittenberg, 10., via Wikipedia, public domain
  • The Ten Commandments by the German painter Lucas Cranach the Elder in the townhall of Wittenberg, 7., via Wikipedia, public domain

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