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Politik: WeltDie Russen kommen!
Foto: © Linda Dahrmann, Pixelio.de.
Es ist noch gar nicht so lange her, dass in der Südkaukasusrepublik Georgien der Kriegszustand herrschte. Es ging um die international nicht anerkannten Republiken Südossetien und Abchasien, die aus georgischer Sicht eigentlich zu Georgien gehören, sich aber für unabhängig betrachten und Russland nahe stehen.
Der Konflikt brach im Juli 2008 aus, als es zu offenen Kampfhandlungen zwischen der georgischen Armee und Verbänden der südossetischen Miliz kam. Das Ganze eskalierte als in der Nacht vom 7. auf den 8. August georgische Einheiten ihre Offensive zur Rückgewinnung der südossetischen und abchasischen Gebiete begannen. Daraufhin marschierten russische Truppen aus dem Nordkaukasus bis ins georgische Kernland ein und russische Kampfflugzeuge bombardierten georgische Stellungen. Nach offiziellen Berichten kamen dabei 162 südossetische Zivilisten ums Leben.
Das ganze Kriegsgeschehen dauerte nur wenige Tage und ist unter dem Begriff Kaukasus-Konflikt 2008 in die Geschichtsbücher eingegangen. Inoffiziell wird aber auch vom Kaukasuskrieg, Georgienkrieg oder vom kaukasischen Fünftagekrieg gesprochen. Kurze Zeit nach dem Konflikt erkannte Russland, das die Provinzen bisher als russisch betrachtet hatte, die Unabhängigkeit von Abchasien und Südossetien an.
Der TV-Sender Imedi brachte gestern Abend die Meldung, dass die Russen in Georgien einmarschiert wären und Präsident Michail Saakaschwili tot sei. Unter Berufung auf den georgischen Fernsehsender als bisher einzige Quelle berichtete aufgrund der Fernsehmeldung die russische Nachrichtenagentur Interfax ebenfalls von dem vermeintlichen Kriegsbeginn zwischen den beiden Ländern. Russische Truppen hätten Georgien besetzt und den Präsidenten getötet. Die Opposition bilde derzeit eine neue Regierung.
In der 30minütigen Imedi-Sendung wurden Bilder von russischen Panzern auf dem Weg nach Tiflis gezeigt. Untermalt wurde die als Reportage aufgebaute Sendung mit Meldungen über russische Bombenangriffe auf die georgischen Flughäfen und schweren Kämpfen in der Hauptstadt Mzcheta. Zudem hieß es im Laufe der Sendung dass die Oppositionsführerin Nino Burdschanadse zu einer Meuterei in der Armee aufgerufen habe.
Bereits kurz nach Beginn der Fernsehsendung brach im ganzen Land Panik aus. Die Georgier waren in Angst und Schrecken versetzt worden. Die Erinnerungen an 2008 kamen wieder hoch. Es kam unter der Bevölkerung zu Panikkäufen – vor allem bei Benzin. Besonders in Gori war die Aufregung über die Nachricht groß, zumal die Stadt im Konflikt 2008 von russischen Truppen besetzt worden war.
Notdienste mussten Dauereinsätze fahren und der Parlamentsabgeordnete Dmitri Lortkipanidse teilte mit, dass die Mutter eines georgischen Soldaten während der Sendung einen Herzinfarkt bekommen habe, an dem sie kurz darauf gestorben sei.
Erst am Ende der 30minütigen Sendung wurde den Fernsehzuschauern mitgeteilt, das alles nur ein Scherz gewesen sei. Der Einmarsch der Russen habe nicht stattgefunden. Man hätte lediglich nur aufzeigen wollen, was passieren könne. Es gäbe keinen neuen Krieg.
Doch diese Meldung kam zu spät. Die Massenpanik war zu diesem Zeitpunkt bereits voll im Gange und die Bevölkerung ließ sich nur noch schwer beruhigen. Russland und die georgische Opposition nannten das Geschehen einen Skandal und warfen Präsident Saakaschwili vor die Bevölkerung durch den vom Präsidenten kontrollierten Sender bewusst in Panik gesetzt zu haben.
Der russische NATO-Beobachter Dimitri Rogosin sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Interfax über Georgiens Präsidenten: „Er ist ein schwer kranker und gefährlicher Mann und handelt wie ein Verbrecher.“ Außerdem wirft Russland Georgien vor mit Aufrüstung und verlogener Staatspropaganda eine Rückeroberung der Gebiete Abchasien und Südossetien vorzubereiten.
Vor allem in Tiflis kam es zwischenzeitlich zu spontanen Straßendemonstrationen bei denen die Bestrafung der für die Sendung verantwortlichen Personen gefordert wurde. Der TV-Sender Imedi entschuldigte sich inzwischen per Laufband im Fernsehprogramm bei seinen Zuschauern. Doch das kann den Schaden, der international angerichtet wurde, nicht wieder gutmachen…
Das ganze makabere Geschehen um die georgische Fernsehsendung erinnert unwillkürlich an die Geschehnisse vom 30. Oktober 1938 in den USA. An jenem Halloween-Abend wurde, als Rundfunkreportage aufgebaut, von Orson Welles das Hörspiel „War of the Worlds“ (Krieg der Welten) nach der Vorlage des gleichnamigen SF-Romans von H. G. Wells ausgestrahlt. Darin ging es um die Invasion einer außerirdischen Macht, die die Erde angriff. Auch diese „Reportage“ löste seinerzeit eine Massenpanik, vor allem an Ostküste der USA, aus.
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Kommentare
Nichts wirklich neues.
Die Georgier täten gut daran, dem ganzen Konsequenzen folgen zu lassen...



