
Die Medien haben das Ereignis wieder ins Gedächtnis gebracht. Pünktlich zum Jahrestag. Mal ehrlich, hätten Sie sonst noch daran gedacht? Sensationsgeil wie die Menschen nun einmal sind ist so etwas, was wir zuvor nur aus Amerika kannten, ein paar Tage der Gesprächstoff für die Massen. Dann gibt es neue Schlagzeilen und nach ein paar Wochen denkt kaum noch jemand daran – allenfalls die unmittelbar Betroffenen.
Fünf Jahre zuvor, am 11. März 2004, wurden von radikalen Islamisten die bisher schlimmsten Terroranschläge in Europa verübt. Sie erinnern sich wieder? Ja, es waren die Anschläge auf die Madrider Vorortzüge, bei denen 191 Menschen jäh aus dem Leben gerissen und fast 2.000 weitere zum Teil schwer verletzt wurden.
Damals war die Solidarität groß – kurz nach dem Anschlag. Nie zuvor hatte das Land eine solche große Welle der Solidarität erlebt. Doch das war damals – vor sechs Jahren. Heute? Heute kämpfen die Opfer und ihre Angehörigen alleine gegen das Vergessen…
Der Prozess gegen die Attentäter und ihre Hintermänner fand vor drei Jahren statt. Damals kam alles noch einmal für kurze Zeit in die Schlagzeilen. Seitdem ist es ruhig geworden. Man verdrängt. Es bildete sich ein Opferverband, der 11-M, benannt nach dem Datum des Terrors. Obwohl er mit rund 1.300 Mitgliedern der größte Verband seiner Art in Spanien ist, erhält er keinerlei Unterstützung aus öffentlicher Hand – weder regional, noch überregional.
In einer Ausstellung des Verbandes hängt ein großer Patchwork-Teppich, auf dem 191 Herzen gestickt sind – eine für jedes Todesopfer der Anschläge. Drei solcher Teppiche sollten als Mahnung in den drei Bahnhöfen ausgestellt werden, in denen damals die Anschläge stattfanden. Dazu ist es nie gekommen – die staatliche spanische Eisenbahngesellschaft hat sich strikt geweigert dies zuzulassen…