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Wirtschaft & Finanzen: Deutschland

Kommt der „Beipackzettel“ für Finanzprodukte der Banken?

Banken stellen das „Kleingedruckte“ für „Risiken und Nebenwirkungen“ vor

Foto: ©  Marco Schlüter, Pixelio.de.
Foto: © Marco Schlüter, Pixelio.de.
Schon vor mehreren Monaten hatte die Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) gefordert, dass die Banken die wichtigsten Eigenschaften und Risiken bei Geldanlagen in einer Art Beipackzettel aufführen müssten. Die Stiftung Warentest hatte vor kurzem einen Test zur Beratungsqualität der Geldinstitute durchgeführt, der katastrophal ausgefallen war. Kein einziges der getesteten Institute bekam die Note „Gut“. Zudem hat der Ruf der Banken durch die Finanzkrise stark gelitten. Das Vertrauen der Bürger ist dahin…

Wie die Banken dieses Vertrauen der Bürger zurückgewinnen können, war Hauptthema auf dem „6. Berliner Bankentag“ am 13. Januar dieses Jahres. Hier stellten die Geldinstitute ihre Konzepte für die Zukunft vor. Da sollte man nun meinen, es kann nur besser werden, denn schlimmer geht’s (fast) nimmer…

Der Bundesverband deutscher Banken hat inzwischen auch ein Muster eines Produktinformationsblattes vorgestellt. Das muss man sich dann ähnlich einem Beipackzettel für Medikamente vorstellen. Frei nach dem Motto: „Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie den Beilagezettel oder fragen Sie Ihren Banker und die Verbraucherzentralen.“

Jedenfalls entspricht dies wohl in Etwa den Vorstellungen von Ministerin Aigner. Allerdings heißt es in den Medien auch, dass die Kosten immer noch verschleiert würden. Doch es ist offensichtlich ein erster Schritt in die richtige Richtung. Und Hans-Joachim Massenberg sagte bei der Präsentation des Beipackzettels in Berlin: „Mit dieser Maßnahme wollen wir das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen.“ Ob das gelingen wird bleibt abzuwarten. Leicht dürfte es jedenfalls nicht werden.

Doch scheint man in Bankerkreisen schon davon überzeugt zu sein, dass es künftig keine Kunden mehr gibt, die glauben ihr Geld sei sicher angelegt und dann, wie bei der Lehman-Pleite, doch zig Tausende von Euros verlieren.

Ilse Aigner hatte gefordert, dass jeder Kunde einer Geldanlage auf den ersten Blick erkennen müsse wie hoch das Risiko und die Kosten seien. Doch so ganz kommt der vorgestellte Beipackzettel dem immer noch nicht gerecht. Nach wie vor werden die Anleger mit hohen Renditeversprechen geködert und dass bei manch einem Produkt immer noch der Totalverlust droht wird notfalls nur am Rande vermerkt. Und so bleibt zu befürchten, dass es bei den Kunden der Geldinstitute auch weiterhin die großen Verlierer gibt. Auch deshalb, weil sich bei den Bankenmanagements kaum oder gar nichts geändert hat. Nach der ersten Zurückhaltung nach Bekannt werden der Finanzkrise machen heute bereits viele so weiter wie zuvor. Und die Spekulationsgeschäfte der Banken fördern das Risiko der Anleger.

Grafik: Alex Mais.
Grafik: Alex Mais.
Bisher führten zwei Geldinstitute so einen Beipackzettel ein. Bereits im September 2009 ging die ING-Diba damit an die Öffentlichkeit. Die Deutsche Bank folgte in diesem Jahr. Doch die Verbraucherzentrale NRW sieht die Beipackzettel kritisch. Diese Info-Blättchen können kein Beratungsgespräch ersetzen, da nicht daraus hervorgehe, ob sich eine Anlage überhaupt für den möglichen Kunden eignet. Solange nicht alle Banken diese grundlegenden Informationszettel einführen gibt es auch keine Vergleichsmöglichkeit.

Die ING-Diba zum Beispiel gibt in ihrem Beipackzettel nicht das Zinsänderungsrisiko beim Tagesgeld an. Das kann man schließlich nicht nur täglich kündigen, sondern auch die Zinsen können täglich fallen! Und so bleibt trotz des ersten Schritts in die richtige Richtung ein noch stark bitterer Beigeschmack. Aus gesundheitlicher Sicht fragen Sie dann doch besser Ihren Arzt oder Apotheker. Und vielleicht muss Verbraucherministerin Ilse Aigner doch noch zum angedrohten letzten Mittel greifen und den Beipackzettel für alle Geldinstitute notfalls per Gesetz durchsetzen…

  1. Fotolegende: Das Kleingedruckte – auch bei Banken – sollte man sorgfältig studieren! Foto: © Marco Schlüter, Pixelio.de.
  2. Fotolegende: Hinweis zu den Risiken und Nebenwirkungen der Geldinstitute. Grafik: Alex Mais.

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Schlüsselwörter: Risiko | Nebenwirkungen | Banken | Geldinstitute | Geldanlage | Kapitalanlage | Beipackzettel
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