Sonstiges: Kultur & Religion

Das jüdische Pessach-Fest

Die Erinnerung an die Flucht aus Ägypten
29.03.2010 12:10:08 eingesandt von Chaim für OnlineZeitung 24.de

Haggada aus dem 14. Jahrhundert
Haggada aus dem 14. Jahrhundert
Heute abend bei Sonnenuntergang - am 15. des Monats Nissan, also bei Vollmond - beginnt das achttägige Pessachfest. Die genauen Zeiten sind übrigens (hier einige Daten für Deutschland):

Mit diesem Fest gedenken Juden des Auszugs der "Kinder Israel" aus der ägyptischen Sklaverei; nach der Tradition hat jeder Jude dieses Fest so zu feiern, als sei er selbst errettet worden. Bekanntlich führte dieser Auszug aus Ägypten - der "Exodus" - nicht nur durch das geteilte Rote Meer und danach 40 Jahre durch die Wüste, sondern mit ihm ist auch die Entgegennahme der Gesetzestafeln durch Mose verbunden. Erst ab diesem Zeitpunkt spricht man sinnvollerweise vom Volk Israel.

Der Name Pessach bedeutet "Verschonen", "Vorüberschreiten" und bezieht sich auf den "Würgeengel", der alle Erstgeborenen der Ägypter tötete - eine der zehn Plagen, mit denen die Ägypter bestraft wurden -, die der Israeliten jedoch verschonte. In der christlichen Tradition nannte man das Fest "Passah", und es ist kein Geheimnis, daß der fromme Jude Jesus mit seinen Freunden genau dieses Fest feierte, nämlich den sogenannten Sederabend zu Beginn des Pessach-Festes. Dieses Ereignis übernahm das Christentum dann symbolisch - mit veränderter Bedeutung - als "Abendmahl".

Mazzen, koscher le Pessach
Mazzen, koscher le Pessach
Da die Kinder Israels bei ihrer Flucht keine Zeit mehr hatten, Sauerteig zu bereiten, ißt man zur Erinnerung daran acht Tage lang nur "ungesäuertes Brot", eben die bekannten Mazzen (hieraus entwickelten die Christen dann die Hostie). Mazzen ersetzen während der Pessachtage komplett das Brot, im übrigen darf ebenfalls all das nicht gegessen werden, was auch nur im geringsten mit Getreideprodukten in Berührung kam.

Zum Pessachfest gehört also ganz wesentlich das Verbot von "Chamez" (Hefe, Gärendes, Säuerndes, Sauerteig), das jede Art von "aufgegangenem" Teig umfaßt und zusätzliche Speisegebote mit einschließt: alles, was aus Getreide oder aus dessen Bestandteilen zubereitet wurde. Daher wird in traditionellen Familien die ganze Wohnung gesäubert, das letzte Krümelchen Brot wird gesucht und aufgesammelt und dann symbolisch verbrannt. Daher gibt es in dieser Zeit logischerweise auch kein Bier zu trinken, auch kein Malzbier. Eine Tafel Schokolade wäre also nur dann "koscher le Pessach", wenn sie frei ist von Lezithin (oft aus Weizen gewonnen).

Mazzenbäckerei, Merzig
Mazzenbäckerei, Merzig
Mazzen kann man übrigens das ganze Jahr über essen, doch an Pessach ist es für Juden eine religiöse Pflicht, sie zu essen. Die Mazzen "koscher für Pessach" sind nach besonders strengen Regeln hergestellt und etwa zwei Monate vor dem Fest erhältlich.

Mazza, "das Brot des Elends", schmeckt sehr delikat und wird meist aus Weizenmehl zubereitet. Aus Mazzenmehl - also aus zerkleinerten Mazzen - werden allerlei süße und pikante Delikatessen für Pessach bereitet. Wenn man also Lust auf Nudeln hat (Getreide! Verboten zu Pessach!), dann kann man sie sich natürlich aus Mazzemehl zubereiten, das wieder wäre erlaubt.

Barack Obama, zu Gast beim Seder 2009
Barack Obama, zu Gast beim Seder 2009
Wer zu Pessach an jüdische Freunde und Bekannte noch Grußkarten verschicken möchte, findet dazu im Internet vielfältige Motive, kostenlos!

Pesach sameach vekascher

(Ein frohes und koscheres Pessach!)

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