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Sonstiges: Kultur & Religion

Das jüdische Pessach-Fest

Die Erinnerung an die Flucht aus Ägypten

Haggada aus dem 14. Jahrhundert
Haggada aus dem 14. Jahrhundert
Heute abend bei Sonnenuntergang - am 15. des Monats Nissan, also bei Vollmond - beginnt das achttägige Pessachfest. Die genauen Zeiten sind übrigens (hier einige Daten für Deutschland):
  • Berlin 19.13 Uhr
  • München 19:18 Uhr
  • Frankfurt 19:22 Uhr
  • Stuttgart 19:31 Uhr
  • Hamburg 19:32 Uhr
  • Düsseldorf 19:43 Uhr

Mit diesem Fest gedenken Juden des Auszugs der "Kinder Israel" aus der ägyptischen Sklaverei; nach der Tradition hat jeder Jude dieses Fest so zu feiern, als sei er selbst errettet worden. Bekanntlich führte dieser Auszug aus Ägypten - der "Exodus" - nicht nur durch das geteilte Rote Meer und danach 40 Jahre durch die Wüste, sondern mit ihm ist auch die Entgegennahme der Gesetzestafeln durch Mose verbunden. Erst ab diesem Zeitpunkt spricht man sinnvollerweise vom Volk Israel.

Der Name Pessach bedeutet "Verschonen", "Vorüberschreiten" und bezieht sich auf den "Würgeengel", der alle Erstgeborenen der Ägypter tötete - eine der zehn Plagen, mit denen die Ägypter bestraft wurden -, die der Israeliten jedoch verschonte. In der christlichen Tradition nannte man das Fest "Passah", und es ist kein Geheimnis, daß der fromme Jude Jesus mit seinen Freunden genau dieses Fest feierte, nämlich den sogenannten Sederabend zu Beginn des Pessach-Festes. Dieses Ereignis übernahm das Christentum dann symbolisch - mit veränderter Bedeutung - als "Abendmahl".

Mazzen, koscher le Pessach
Mazzen, koscher le Pessach
Da die Kinder Israels bei ihrer Flucht keine Zeit mehr hatten, Sauerteig zu bereiten, ißt man zur Erinnerung daran acht Tage lang nur "ungesäuertes Brot", eben die bekannten Mazzen (hieraus entwickelten die Christen dann die Hostie). Mazzen ersetzen während der Pessachtage komplett das Brot, im übrigen darf ebenfalls all das nicht gegessen werden, was auch nur im geringsten mit Getreideprodukten in Berührung kam.

Zum Pessachfest gehört also ganz wesentlich das Verbot von "Chamez" (Hefe, Gärendes, Säuerndes, Sauerteig), das jede Art von "aufgegangenem" Teig umfaßt und zusätzliche Speisegebote mit einschließt: alles, was aus Getreide oder aus dessen Bestandteilen zubereitet wurde. Daher wird in traditionellen Familien die ganze Wohnung gesäubert, das letzte Krümelchen Brot wird gesucht und aufgesammelt und dann symbolisch verbrannt. Daher gibt es in dieser Zeit logischerweise auch kein Bier zu trinken, auch kein Malzbier. Eine Tafel Schokolade wäre also nur dann "koscher le Pessach", wenn sie frei ist von Lezithin (oft aus Weizen gewonnen).

Mazzenbäckerei, Merzig
Mazzenbäckerei, Merzig
Mazzen kann man übrigens das ganze Jahr über essen, doch an Pessach ist es für Juden eine religiöse Pflicht, sie zu essen. Die Mazzen "koscher für Pessach" sind nach besonders strengen Regeln hergestellt und etwa zwei Monate vor dem Fest erhältlich.

Mazza, "das Brot des Elends", schmeckt sehr delikat und wird meist aus Weizenmehl zubereitet. Aus Mazzenmehl - also aus zerkleinerten Mazzen - werden allerlei süße und pikante Delikatessen für Pessach bereitet. Wenn man also Lust auf Nudeln hat (Getreide! Verboten zu Pessach!), dann kann man sie sich natürlich aus Mazzemehl zubereiten, das wieder wäre erlaubt.

Barack Obama, zu Gast beim Seder 2009
Barack Obama, zu Gast beim Seder 2009
Wer zu Pessach an jüdische Freunde und Bekannte noch Grußkarten verschicken möchte, findet dazu im Internet vielfältige Motive, kostenlos!

Pesach sameach vekascher

(Ein frohes und koscheres Pessach!)

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Schlüsselwörter: Pessach | Passah | Ostern | Mazze | Chametz | Exodus | Auszug aus Ägypten | Mose | Wallfahrtsfest | Seder | Haggada
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Kommentare

300
am 29.03.2010 12:59:08 (69.162.66.xxx) Link Kommentar melden
Oh yeeeeeeaaaaah, I got the passover blues Smile

YouTube Video
349
am 29.03.2010 15:16:17 (213.163.84.xxx) Link Kommentar melden
Na, dann wünsche ich doch auch mal chag sameach und viel Vorfreude auf das Bier danach... Wink
357
am 30.03.2010 02:56:42 (84.19.169.xxx) Link Kommentar melden
Barack Obama, zu Gast beim Seder 2009
Was mich wundert: sollte er da nicht dieses Käppchen aufhaben?
Hartmut Holz
am 30.03.2010 18:58:12 (217.80.227.xxx) Link Kommentar melden
Und die Zeugen Jehovas feiern heute, am 30.03.10, das Fest des 14. Nissan.
286
am 31.03.2010 13:37:16 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
@Emanuel Speh: das hat mich auch gewundert, ich kenne das anders: Männer haben da eine Kippa oder einen Hut auf. So war das jedenfalls bei dem Sederabend, an dem ich dieses Jahr teilnehmen durfte.

Vielleicht war es aber passend zu Obama eine sehr liberale jüdische Gemeinde, in der die Veranstaltung ablief Wink
266
am 31.03.2010 14:38:29 (95.222.194.xxx) Link Kommentar melden
Daß ich Obama nicht besonders schätze, hatte ich ja geschrieben. Aber ohne Kippah Pessach zu feiern ist natürlich, wie man heute sagt, "voll daneben", das verstehe ja sogar ich als Agnostiker.


Obama?
288
am 31.03.2010 17:06:19 (95.169.250.xxx) Link Kommentar melden
Ein sehr interessanter Artikel, der mir gut gefallen hat.
Ich habe dazu passend einen Text gefunden, den ich auch sehr interessant fand und wollte diesen hierzu einbringen:


Die christlichen Feste, Ostern und Pfingsten, sind den jüdischen Festen entlehnt, jedoch mit einer anderen Bedeutung belegt worden. Und die christliche Zeit- und Jahresrechnung, die mit dem 1. Januar anfängt, hat inzwischen die ganze Welt erobert, während keiner weiss, dass er mit dem Neujahrsfeuerwerk eigentlich die Beschneidung eines jüdischen Knaben feiert, der da — wie in der Tora vorgeschrieben — am achten Tag nach seiner Geburt (Weihnachten) beschnitten und den sich bei dieser Gelegenheit eingefundenen ausschließlich jüdischen Festgästen als Jesus Ben Josef vorgestellt wurde. Wir befinden uns also im Jahre Zweitausend nach einer Beschneidung. Letztere wiederum wurde von den Christen gänzlich verworfen und wird durch den fröhlichen "Rutsch ins neue Jahr" mehr verdrängt als erinnert. An ihre Stelle trat der "Initiationsritus" der Taufe. Diese basiert ihrerseits auf dem rituellen jüdischen Tauchbad, das im Christentum eine neue Funktion annahm, eben die des Initiationsritus, eine Funktion, die es im Judentum nicht hat. Somit haben wir es bei der christlich-abendländischen Kultur mit einem bunten Jahrmarkt von ehemals jüdischen Bräuchen, Begriffen und Handlungen zu tun, die aber mit anderen Inhalten belegt wurden. Und diese, wie gesagt, erschweren ein Vordringen zu den ursprünglichen jüdischen Inhalten ungemein.

aus:http://www.hagali...dentum.htm

ich hab ja mit Feuerwerk (wegen Tierschutz-Knallen- Angstreaktion von Tieren etc. sowie unsinnige Geldausgaben) noch nie was am Hut gehabt, aber jetzt hab ich dafür wenigstens auch nen für andere nachvollziehbaren Grund, denn warum sollte es mich heute noch freuen, dass man Jesus an Sylvester beschnitten hat...?Wink
  • Linkdarstellung geändert Geändert von OZ24 am 26.04.2010 06:57:51.
300
am 31.03.2010 18:21:09 (69.162.66.xxx) Link Kommentar melden
Was mich wundert: sollte er da nicht dieses Käppchen aufhaben?
Hat er das nicht? Die Dinger sind manchmal sehr klein, ist ja auch nur ein SYMBOL.

Grin
266
am 31.03.2010 19:32:59 (95.222.194.xxx) Link Kommentar melden
Die christlichen Feste, Ostern und Pfingsten, sind den jüdischen Festen entlehnt, jedoch mit einer anderen Bedeutung belegt worden.
Das ist ja nun ein alter Hut, Verehrteste! Smile
Hartmut Holz
am 06.04.2010 19:20:38 (217.80.223.xxx) Link Kommentar melden
Das mit den Zeugen Jehovas stimmt wirklich. Also, die haben zu allen christlichen Fragen und Themen eine ganz andere Meinung.

Und vieles ist, was die so behaupten, schlichtweg falsch.

Also, bei denen würde ich nie Mitglied werden.
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