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Denglisch im Alltag

"Wir haben uns kommittet, aber dann wurde das gekänzelt"

Denglisch im Alltag
Denglisch im Alltag
Manager, Kaufhäuser und Jugendliche haben eines gemeinsam: sie wollen mehr scheinen als sie sind. Man will sich weltoffen geben und modern, also durchmischt man seine Sprache mit Brocken aus anderen Sprachen. Der bessere Weg wäre: die eigene Muttersprache gut zu beherrschen und eine oder mehrere Fremdsprachen als Fremdsprache zu erlernen. Das aber bedeutet Anstrengung und Lernen, der billigere Weg ist das gedankenlose Vermischen zu einem Jargon. Wobei man sich in allen Ausgangssprachen auf niedrigstem Niveau bewegt. Was sollte also von der Mischung der vielen Unzulänglichkeiten zu erwarten sein?

Ergebnis: das Sprachgefühl leidet, die Sprachkultur wird zerstört. Die Sinnlosigkeit - oder sollte man gleich sagen: Besinnungslosigkeit? - kommt in der Wortwahl zum Ausdruck. Nehmen wir einmal ein besonders auffälliges und vielsagendes Beispiel:

"Ich habe vielleicht etwas Weltverbesserndes. Mein Leben ist eine givingstory. Man muß contemporary sein, das future Denken haben. Meine Idee war, die hand-tailored-Geschichte mit den neuen Technologien zu verbinden. Und für den Erfolg war mein coordinated concept entscheidend, die Idee, daß man viele Teile einer collection miteinander combinen muß. Aber die audience hat das von Anfang an supported. Der problembewußte Mensch von heute kann diese refined qualities mit spirit eben auch appreciaten. Wer Ladyisches will, searcht nicht bei Jil Sander. Man muß Sinn haben für das effortless, das magic meines Stils."

Quelle: Jil Sander im FAZ-Interview vom 22. März 1996, nachgedruckt in SPIEGEL Nr. 14, 1996, S. 270, zitiert nach VDS e.V. und ORF - unter beiden Quellen findet man auch Übersetzungsvorschläge ins Deutsche.

Diese Sätze zeigen den ganzen Wahnsinn. Würde ein Schüler in der Schule ein solches Kauderwelsch schreiben, wäre die schlechte Note garantiert. Oder doch nicht? Vielleicht doch nicht, vielleicht würde es keiner merken, wenn man doch bedenkt, dass die wenigsten Deutschlehrer wissen, dass es im Deutschen eben nicht heißt "es macht Sinn" oder "es macht keinen Sinn", sondern dass man im Deutschen sagt: "es ist sinnvoll", oder eben, im anderen Fall: "es hat keinen Sinn" oder "es ist sinnlos". Beliebt auch, aus dem Englischen: "Erinnerst Du das?" - natürlich erinnert man sich im Deutschen an etwas, das direkte Objekt ist hier nicht möglich; es heißt "sich erinnern an..." - Wenn man weitere Beispiele dieser Art braucht, der Zwiebelfisch bietet sie reichlich: "Stop making sense"!

Zurück zu Jil Sander, einen schönen Kommentar gibt es beim Verein Deutsche Sprache e.V.:

Nein - es ist kein erfundenes Interview. Die Dame spricht wirklich so.

Nun könnte man sagen, daß dies eben die Ausdrucksweise einer einzelnen Berufssparte sei, die man nicht ernst nehmen müsse. Aber die Hamburger Moderschöpferin Jil Sander ist beileibe kein Einzelfall, und die Modebranche erst recht nicht.

Die Anglisierung - oder besser gesagt: Amerikanisierung der deutschen Sprache - hat längst sämtliche Lebensbereiche erfaßt . Rund viertausend Wörter, schätzt man, sind schon aus dem Englischen und dem Amerikanischen in die deutsche Sprache eingegangen. Die Zahl steigt rapide weiter, der Prozeß scheint sich zu überstürzen.

Selbst staatliche und öffentliche Institutionen nehmen fröhlich an der Anglomanie teil. Kaum jemand stört sich beispielsweise noch an Begriffen wie InterCity- oder EuroNight-Express. Und haben wir nicht genügend deutsche Wörter, um damit die Tarifmodelle beim Mobiltelefon zu bezeichnen? Kann man statt Fun-/Business-/Job/- nicht Privat-/Geschäfts-/Berufs-Tarif sagen, und wäre nicht statt A1-Friends der "Freundschaftstarif" wesentlich verständlicher?

Quelle

Wer noch nicht genug Kopfschmerzen von diesem gesammelten Unsinn hat, der liest tatsächlich dort weiter:

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Schlüsselwörter: Verein Deutsche Sprache e.V. | denglisch | Sprachkompetenz | Jil Sander | Business People
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Kommentare

Hartmut Holz
am 13.04.2010 18:14:33 (217.80.208.xxx) Link Kommentar melden
Geht dieses auch in deutsch? Denn unsere Amtsprache ist immer noch die deutsche Sprache und nicht Englisch.
Hartmut Holz
am 14.04.2010 14:48:08 (217.80.234.xxx) Link Kommentar melden
Klar. Das habe ich auch nicht so ernst genommen.

Und mein Kommentar dazu war auch ebenfalls nicht so ganz
ernst gemeint.
Hartmut Holz
am 14.04.2010 16:54:38 (217.80.234.xxx) Link Kommentar melden
Kannst Du das denn? Das wäre einmal etwas anderes.

Nein, bleiben wir hier, in dieser Zeitung, lieber beim Hoch-
deutschen.

Aber in unserer Heimatzeitung stehen auch Artikel auf Mekelbörger Platt.

Und bi mi in min Sendung dor gifft dann auch schon enmal wat in uns Mekelbörger Platt.
Hartmut Holz
am 14.04.2010 17:34:35 (217.80.234.xxx) Link Kommentar melden
Naja. Wenigstens etwas. Das geht den meisten jüngeren Menschen so. Ist bei uns, im Sender, auch nicht anders.

Auch bei meinen lieben und hochverehrten Kolleginnen und Kollegen bei NDR 1 90,3 im Landesfunkhaus in Hamburg ist es bei den jüngeren Moderatoren auch ein Problem plattdeutsch zu sprechen.

Aber komischer Weise können die dieses aber ebenfalls verstehen. Ich kann selber nicht so gut auf plattdeutsch schreiben. Aber dafür ganz gut in plattdeutsch verständigen.
Hartmut Holz
am 14.04.2010 17:55:32 (217.80.234.xxx) Link Kommentar melden
Und in Mecklenburg-Vorpommern gibt es auch die Geschichten von unserem Herrn Fritz Reuter aus Stavenhagen.

Es gibt, in Norddeutschland, ja auch verschiedene Heimat-
dichter wie Gorch Fock alias Rudolf Kinau.
Hartmut Holz
am 16.04.2010 17:11:04 (217.80.220.xxx) Link Kommentar melden
Das ist keine politische Ecke und Rudolf Kinau alias Gorch Fock ist doch norddeutsche Tradition.

Ganz berühmt und bekannt in ja auch der Husumer Theodor
Storm.
Hartmut Holz
am 19.04.2010 17:27:52 (217.80.195.xxx) Link Kommentar melden
Dieses weiß ich nun nicht.
357
am 20.04.2010 09:35:22 (84.19.169.xxx) Link Kommentar melden
Gorch Fock wurde von den Nazis ebenso missbraucht und umgedeutet wie Friedrich Nietzsche. Anders dagegen sieht es bei Richard Wagner oder Martin Heidegger aus.
Urs
am 24.08.2011 10:41:40 (217.71.248.xxx) Link Kommentar melden
Sämtliche Studien zu Denglisch belegen, daß unnötige Anglizismen auch bei Verbrauchern und zwar sowohl alten als auch jungen Verbrauchern, nicht ankommen:

http://spottlight.ch/?page_id=231

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