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Medien: Witziges & Skurriles

I. Lustiges aus der deutschen Rechtschreibung

Der "Deppenapostroph"

Rettet den Apostroph!
Rettet den Apostroph!
Ja, das Bild ist eigenartig; genauer gesagt, ist es sogar falsch. So sollte man das wirklich nicht schreiben! Eigentlich wäre es gar nicht so schwer: der Apostroph - zu deutsch: das Auslassungszeichen - wird im Deutschen anders gesetzt als im Englischen.

Die ganz einfache Regel der deutschen Sprache lautet: der Apostroph ersetzt ein ausgefallenes "e": statt "gehen wir ein Eis essen?" kann man schreiben: "Geh'n wir ein Eis essen?" - Selten (dann vor allem in der Literatur) kann er auch für ein ausgefallenes "i" stehen, man findet das reichlich bei Goethe und Heine: "wen'ger" für "weniger", "Kön'gin" für "Königin", ew'ge Treue" für "ewige Treue"; meist machen die Dichter so etwas wegen des Versmaßes, um eine Silbe einzusparen. Ferner kann der Apostroph auch noch für ein ausgefallenes "ei" stehen, den oben verwendeten Beispielsatz könnte man also auch so schreiben: "Geh'n wir 'n Eis essen?" So ist das im Deutschen. Wirklich nicht schwer, oder?

Im Englischen haben wir dann den Apostroph beim "sächsischen Genitiv", der sich genau hierin vom deutschen Genitiv unterscheidet: "the King's daughter", die Tochter des Königs; oder das bekannte McDonald's, was ja eine Abkürzung für "McDonald's restaurant" ist. Im Deutschen jedoch wird das Genitiv-s eben nicht abgetrennt. Ausnahme: Bei Wörtern, die auf ein "s", "x" oder "z" enden und zu denen der Genitiv gebildet wird, wird kein "s" angehängt, sondern statt dessen der Apostroph: der Hund von Alex ist eben Alex' Hund, die Katze von Franz ist Franz' (oder Franzens) Katze. Der tschechische Kurort Franzensbad (Frantiskovy Lazne) ist eben analog zu Karlsbad (Karlovy Vary) gebildet. Der Kanarienvogel von Hans ist demzufolge natürlich Hans' oder Hansens bzw. Hänschens) Piepmatz.

Keine Regel ohne Ausnahme - nach der Rechtschreibreform darf man nun neuerdings das machen, was eigentlich falsch ist oder war - ein weiteres Argument gegen diese Reform:

Nach der neuen deutschen Rechtschreibung gilt sie (die Genitiv-Schreibweise mit Apostroph) für solche Fälle als richtig, in denen der Apostroph die Grundform eines Personennamens verdeutlicht, z. B. bei Andrea's Friseursalon, Willi's Würstchenbude oder Mozart's Sonaten. Selten ist die auch nach neuer Rechtschreibung normwidrige Abtrennung bei Genitiven mit der Endung -es, zum Beispiel Spezialität des Hause's.

Wikipedia, Apostrophitis

Erschreckende Bilder und Textsammlungen findet man zuhauf im Internet (manches ist aber eben doch auch zum Lachen):

Tastatur (deutsch), gelbes Feld
Tastatur (deutsch), gelbes Feld
Wo findet man denn den Apostroph auf der (deutschen!) PC-Tastatur? Er liegt rechts zwischen dem "Ä" und der ENTER-Taste, also auf der Taste # + SHIFT. Wichtig zur Unterscheidung: der Apostroph ist nicht das Zeichen, das ganz oben rechts neben dem Fragezeichen und dem scharfen s ("ß") liegt - das sind nämlich die Akzente!

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Schlüsselwörter: Apostroph | Auslassungszeichen | Leerzeichen | Akzent | Grammatik | Lustiges | Rechtschreibung
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Kommentare

357
am 05.03.2010 14:40:22 (84.19.169.xxx) Link Kommentar melden
Abkürzungen sind in vielerlei Hinsicht problematisch. Wenn sie dann noch aus dem Englischen stammen, wird es ganz konfus.

Aber an solchen Fragen kann man sein Sprachgefühl ganz gut erproben.
286
am 06.03.2010 08:48:59 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
Solche Sachen lernt man am besten durchs Lesen guter Literatur und guter Zeitungen. Nachdenken schadet auch nie, ältere Lexika und Duden sollen auch helfen
357
am 17.06.2010 12:37:40 (84.19.169.xxx) Link Kommentar melden
Ein wirklich sehr schönes Fundstück:

Aus der Karte des 'Meilenstein', Berlin:

"Cabernet Sauvignon, Vin de Pays d'Oc, Frankreich, trocken, Duft nach
roten Früchten, feines Tannin"


Das sollte vermutlich Vin de Pays D.O.C. heißen, italienisch für "Denominazione di Origene", was dem französischen A.(O.)C. entspricht: "Appellation (d´Origine) Contrôlée". Die französisch-italienische Mischform wäre natürlich auch bemerkenswert.
486
am 30.08.2010 08:06:23 (91.89.43.xxx) Link Kommentar melden
@ Chaim und andere:
Ja, warum haben Sie sich eben so wenig der Mühe unterzogen, bezüglich des Pays d'Oc kurzerhand eine Suchmaschine zu nutzen!?
Innerhalb weniger Sekunden hätten Sie nämlich feststellen können, das es sich dabei um "das an das Mittelmeer grenzende Südfrankreich und das Gebiet westlich der Rhône im südlichsten Abschnitt" handelt (Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Vin_de_Pays).
Der Kampf gegen den Apostroph, der hier wie anderswo geführt wird, erinnert mit an Don Quijote, der gegen eine Illusion anrennt, nämlich der, hier könne man die "gutes" und "schlechtes" Deutsch voneinander scheiden. Buchstäblich an einem Häkchen wollen Sie das ernsthaft festmachen?
Wer sich ein wenig mit der Geschichte der deutschen Orthografie beschäftigt, wird schnell erkennen, dass es gute Gründe für eine Neufassung gab (auch wenn Sie sich denen offenbar hartnäckig verschließen wollen), zum anderen war es bis zum Beginn der deutschen Kaiserreiches gängige Praxis, Genitiv- und auch Plural-s mit eben diesem Zeichen vom Wortstamm abzutrennen - dies hat sich neben der Duden-konformen Schreibung bis heute tradiert.
Wer dies so handhabt, als "Deppen" zu bezeichnen, bezeugt viel eher die Herablassung all der Besserschreiber, zu denen Sie sich anscheinend auch zählen wollen.
Nicht eine vorgebliche "Sprachverhunzung" ist hier das Problem, sondern der Wunsch, dass sich einige die Hoheit über die Sprache anmaßen. Dabei gehört die Sprache dem, der sie spricht/schreibt: Wenn jemand den Aufwand auf sich nimmt, extra noch einen Apostroph zu setzen, wo man es doch einfacher machen können, muss sich dieser doch etwas dabei gedacht haben. Das hat nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun, sondern mit einer anderen Auffassung/einem anderen Sprachgefühl. Allenfalls kann man vorhalten, sie/er habe in der Schule nicht richtig aufgepasst (aber Schule ist ja bekanntlich nicht das Leben).

Was ist schließlich von der Empfehlung zu halten, "ältere Lexika und Duden" zu Rate zu ziehen? Wollen Sie einen Schüler, der die aktuelle Rechtschreibung lernt (ob gern oder ungern) und sich auf diesen Artikel verirrt hat, tatsächlich so verwirren? Andererseits stelle ich es mir aber auch amüsant vor, wenn Ihnen ein, sagen wir mal, 10-jähriger Knirps vorhält: "Nein, das schreibt man aber ganz anders!" - Macht doch Sinn!
486
am 31.08.2010 04:31:35 (95.208.200.xxx) Link Kommentar melden
@ Chaim
Es freut mich diebisch, dass Sie mit drei letzten Worten in meine Falle getappt sind: Ihre Reaktion habe ich durchaus erwartet, sie beweist mir, dass Sie selbst meinen Aufhänger (Pays d'Oc) nicht zur selbstkritsich zur Kenntnis nehmen. Auf der Jagd nach vermeintlichen "Deppenapostrophen" zitiert man einfach ohne eigene Überprüfung, was fälschlicherweise im Internet unter diesem Etikett herumschwirrt. Jeden, der sich unvoreingenommen mit dem Thema Sprache auseinandersetzt, führen Sie Ihr ach so erhabenes sprachliches Feingefühl ad adsurdum.

Übrigens: Der in diesem Forum so inflationäre Einsatz von Smilies (wie heißen die bei Ihnen eigentlich auf Deutsch?) ist optisch eine Zumutung und ganz schlechter Stil...

Aber keine Sorge, ich werde Sie und Ihre paar Mitstreiter (ich lese ja immer nur die gleichen 10-12 Namen) mit meinen kontroversen Ansichten nicht weiter belästigen.

Zur Relativierung empfehle ich aber jedem dennoch die sehr erhellenden Beiträge des Linguisten (und Lehrstuhlinhabers) Prof. Anatol Stefanowitsch auf seinem Bremer Sprachlog (http://www.iaas.u...sprachblog/)
286
am 31.08.2010 09:59:24 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
@Hirnriss

Weil Du auf meine Äußerung eingehst, noch mal ein paar klärende Worte dazu:

Solche Sachen lernt man am besten durchs Lesen guter Literatur und guter Zeitungen. Nachdenken schadet auch nie, ältere Lexika und Duden sollen auch helfen


Mir ging es um das Sprachgefühl. Das bekommt genau durch das, was in der Aufzählung empfohlen wird. Ich halte mich für kompetent, das zu beurteilen, weil Deutsch nicht meine Muttersprache, sondern meine dritte Femdsprache ist.

Es geht doch nicht darum, dass man Tür früher mal mit "Th" geschrieben hat. Es geht darum, dass man lernt, was der Unterschied zwischen "Worten" und "Wörtern" ist.

Deine Äußerung "Was ist schließlich von der Empfehlung zu halten, "ältere Lexika und Duden" zu Rate zu ziehen? Wollen Sie einen Schüler, der die aktuelle Rechtschreibung lernt (ob gern oder ungern) und sich auf diesen Artikel verirrt hat, tatsächlich so verwirren?" geht also völlig an dem vorbei, was zuvor das Thema der anderen Kommentatoren war. Es war eine Empfehlung, das Sprachgefühl, das Verständnis für philologische Zuasammenhänge und Entwicklungen zu stärken. Und es war eine Aufzählung:
  1. Lesen guter Literatur
  2. Lesen guter Zeitungen
  3. Nachdenken
  4. Stöbern in älteren Lexika
  5. Nachschlagen in alten Dudenausgaben
kommt123
am 31.08.2010 13:09:52 (92.230.250.xxx) Link Kommentar melden
@ Hirnriss
Grin

Lesen bildet, versuch es doch mal!

lesen
lernen
locker bleiben...

Smile
286
am 31.08.2010 21:35:40 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
Smile Ist unbedingt zu empfehlen!
kommt123
am 31.08.2010 22:35:39 (92.224.147.xxx) Link Kommentar melden
Hirnriss meinte zu glauben...

Übrigens: Der in diesem Forum so inflationäre Einsatz von Smilies (wie heißen die bei Ihnen eigentlich auf Deutsch?) ist optisch eine Zumutung und ganz schlechter Stil...


Da eine schriftliche Kommunikation, ohne Gestik, Stimmausdruck und Mimik auskommen muss, helfen solche sogenannten Emoticons, Missverständnisse zu reduzieren.
Denn bei dieser Art der Kommunikation, da fehlt das Gegenüber.(Face to Face)
Noch nicht bemerkt?
kommt123
am 31.08.2010 22:37:01 (92.224.147.xxx) Link Kommentar melden
Den reiche ich noch nach, fast vergessen...
Pfft
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