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Wirtschaft & Finanzen: Deutschland

Die Signalwirkung des Bahn-Streiks

Ein Kommentar über Machtverhältnisse

Die Lokführer lassen die Muskeln spielen, das Volk und die Wirtschaft leidet, so die einhellige Meinung in der überwiegenden Zahl der Medien. Der Tarif-Konflikt zwischen der Bahn und GDL wird heruntergebrochen auf ein "egoistisches Ziel einer kleinen Minderheit zu Lasten von Wirtschaft und der Allgemeinheit".

Handelt es sich bei dieser Tarifauseinandersetzung wirklich nur um die Durchsetzung engstirniger Ziele des Fahrpersonals der Bahn oder geht von dem Streik nicht eine viel breitere Signal-Wirkung aus?

Viele Jahre sind die Deutschen geduldig und leidensfähig den Appellen unserer Regierungen und Wirtschafts-Managern gefolgt, haben ohne große Widerstände deren Worten und Versprechungen geglaubt. Brav haben wir die Einschnitte im Gesundheitssystem hingenommen. Ohne zu murren haben wir eine "Zweiklassen-Medizin" zugelassen, während die Gewinne der Pharma-Unternehmen und die Einkünfte deren Manager explodiert sind.

Brav haben wir hingenommen, dass die, die Arbeit haben, für immer weniger Geld immer mehr und länger arbeiten müssen. Dass die, die keine Arbeit haben, von Politik und Wirtschaft in absolute Armut getrieben werden, während Manager und Politiker sich ein sattes Plus auf dem Gehaltskonto zubilligen.

Brav haben wir immer größere Entfernungen zwischen Wohnort und Arbeitsplatz hingenommen, haben uns die "Pendlerpauschale" zusammenstreichen lassen. Alles für die Wirtschaft! - oder wie würde Hausmeister Krause sagen: "Alles für die Dackel!"

Wir, das "einfache Volk", sind eben am Arbeitsmarkt nicht so gefragt wie Manager oder Politiker. Daher müssen "wir Volk" den Gürtel enger schnallen und sie, die "Führungselite", hätten das Sagen (= Macht) und daher Anspruch auf noch bessere Entlohnung.

Nun steht ein kleines Grüppchen "einfacher Lockführer" auf und zeigt Politik und Wirtschaft, wer die eigentliche Macht im Staat ist: des "einfache Volk"! Und der deutsche Michel macht sich Gedanken, wie er zu seinem Arbeitsplatz kommt. Zu einer Arbeit, die teilweise mit nicht mal 4,-- Euro die Stunde entlohnt wird.

Mögen die Streik-Gründe der Lockführer noch so egoistisch sein; für den Streik sollten wir auf alle Fälle Verständnis und Unterstützung aufbringen: Denn der Streik offenbart, wer die wahre Macht im Staat ist. Der Streik rückt die eigentlichen Machtverhältnisse ins Rampenlicht und setzt Wirtschaft und Politik eindeutige Grenzen.

An statt zu jammern sollten wir den Streik mit der gleichen Leidensfähigkeit hinnehmen, wie wir die sozialen Einschnitte hingenommen haben. Oder sollten wir der Signalwirkung wegen, den Streik nicht sogar unterstützen?

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Schlüsselwörter: Lokführer | Lokführerstreik | Streik
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Kommentare

OZ24
am 15.11.2007 12:48:23 (84.183.177.xxx) Link Kommentar melden
Ich hab Verständnis für die Lokführer und ihr Anliegen. Unverständnis hab ich nur für die Bahn. Anstatt zu verhandeln wird lieber Geld in sinnfreie ganzseitige Anzeigen in diversen Tageszeitungen gesteckt und damit verschwendet.
solarkritik
am 15.11.2007 15:26:58 (62.159.151.xxx) Link Kommentar melden
Endlich lässt das Volk mal die Muskeln spielen und wehrt sich gegen die Abzockmentalität der Wirtschaft. Die OBEREN machen sich die Taschen voll und der "Kleine Mann" soll dauernd nur verzichten.

Ich unterstütze den Bahnstreik mit allen Konsequenzen und ich hoffe, dass nun in Deutschland noch mehr Leute begreifen, dass man sich in Deutschland nicht mehr alles bieten lassen muss.
Iovialis
am 16.11.2007 00:19:26 (82.207.49.xxx) Link Kommentar melden
Es geht längst nicht nur mehr um den Bahnstreik, eigentlich ging es von Anfang an nicht darum, sondern darum, daß die Arbeiter genauso etwas zu sagen haben.

Wo ist die SPD, die für die Arbeiter eintritt? Hat die GDL zu wenig Mitglieder und ist zu klein, daß es sich nicht lohnt (bezogen auf die Wählerstimmen), für sie einzusetzen? Welche Maßstäbe werden hier angesetzt?

Frech finde ich, daß die Bahn die GDL verklagt, weil sie Verluste einfährt. Damit ist in meinen Augen das Streikrecht gebrochen und ich hoffe, daß Gerichte dies genauso sehen. Wenn Nein, frage ich mich, für was Gewerkschaften existieren...
OZ24
am 16.11.2007 09:36:38 (84.183.176.xxx) Link Kommentar melden
Das mit der Schadenersatzklage ist echt ein Witz aber viel schlimmer finde ich das sich die Regierung über den Aufsichtsrat in den Sachverhalt einmischt und klar Position für die Bahn bezieht!
am 16.11.2007 10:24:24 (83.171.175.xxx) Link Kommentar melden
Unsere Bundeskanzlerin und Minister vergessen immerzu, auf wessen Wohl sie den Amtseid abgelegt haben: zum Wohl des deutschen Volks haben sie geschworen, nicht zum Wohl nimmersatter Manager oder "Heuschrecken".
Die Bahn ist (noch) in Staatsbesitz. Ist es überspitzt zu sagen, so wie Frau Merkel mit den Bahnmitarbeitern umgeht, geht sie auch mit den Menschen im Land um?

Es ist eben nicht sozial, was Arbeit um jeden Niedrigstlohn schafft. Sozial ist, was den Menschen ein vernünftiges Auskommen schafft. Dazu ist jedoch die geplante Privatisierung der Bahn wenig hilfreich!
OZ24
am 17.11.2007 21:04:20 (84.183.194.xxx) Link Kommentar melden
Ist es überspitzt zu sagen, so wie Frau Merkel mit den Bahnmitarbeitern umgeht, geht sie auch mit den Menschen im Land um?


Ich würde das nicht so auf Frau Merkel beziehen. Die Grundaussage trifft eigentlich momentan auf die gesamte Regierung zu!
Tepes
am 22.11.2007 18:26:22 (84.183.178.xxx) Link Kommentar melden
Mögen die Streik-Gründe der Lockführer noch so egoistisch sein; für den Streik sollten wir auf alle Fälle Verständnis und Unterstützung aufbringen: Denn der Streik offenbart, wer die wahre Macht im Staat ist. Der Streik rückt die eigentlichen Machtverhältnisse ins Rampenlicht und setzt Wirtschaft und Politik eindeutige Grenzen.


Genau und das das geht sieht man ja auch an den finnischen Krankenschwestern. Die haben nicht nur gestreikt sondern mit einer Massenkündigungswelle die fast die medizinische Versorgung lahm gelegt und sich letztendlich durchgesetzt. Ich bezweifle aber, dass der deutsche Arbeiter diese Konsequenz momentan aufbringen kann. Die finnischen Bürger waren überwiegend auf der Seite der Krankenschwestern!!

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