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Sonstiges: Gesundheit

Züricher Kantonslabor wies das Nervengift Dicrotophos in Chinakohl nach

Das beanstandete Gemüse war Importware aus Thailand – Schärfere EU-Kontrollen in Kraft

Foto: © Jamie Nettles, Wikipedia (CC-Lizenz)
Foto: © Jamie Nettles, Wikipedia (CC-Lizenz)
Am 18. Februar 2010 veröffentlichte das Kantonale Labor Zürich unter Leitung des 8. Kantonschemikers Dr. Rolf Etter einen Bericht über die Lebensmittelprüfungen des Labors im vergangenen Jahr (2009). Danach musste, so heißt es im Bericht, jede fünfte von insgesamt 125 Gemüseproben aus Thailand beanstandet werden. Das sind rund 20 % oder 25 Proben. Vier davon waren wegen hohen Rückstandskonzentrationen nicht zum Verzehr geeignet. Einer dieser Fälle betraf das Gemüse Chinakohl. Darin wurden 6,6 Milligramm Dicrotophos nachgewiesen.

Chinakohl stammt ursprünglich aus China und ist vermutlich eine im 5. Jahrhundert entstandene Kreuzung aus dem chinesischen Senfkohl und der Speiserübe. In China wird er Bai-Tsai genannt, was im Deutschen soviel wie weißes Gemüse heißt. Im 15. Jahrhundert fand der Chinakohl seinen Weg nach Korea, im 19. Jahrhundert nach Japan und ist seit den Anfängen des 20. Jahrhunderts auch in Europa bekannt. Andere Bezeichnungen für den Chinakohl sind Pekingkohl, Japankohl oder Selleriekohl. Das Gemüse bildet einen ovalen Kopf, der recht fest ist und ein Gewicht von ein bis drei Kilo haben kann. Die Blätter sind in der Regel gelbgrün und weisen weiße und leicht gekräuselte Blattrippen auf.

Bei dem nun in der Schweiz im Chinakohl nachgewiesenem Dicrotophos handelt es sich um ein Nervengift, das unter den Handelsnamen Bidrin, Carbicron, Ektafos und Diapadrin bekannt ist. Dicrotophos ist eine rein chemische Verbindung aus der Gruppe der Carbonsäureamide und Phosphorsaüreester und wird als Insektizid eingesetzt.

Das auch für Vögel hochgiftige Dicrotophos ist in der technischen Form eine gelb-braune Flüssigkeit mit einem mild esterartigen Geruch, die einen Anteil von über 85 % Dicrotophos enthält. Es wurde im Jahr 1956 auf dem Markt eingeführt und als Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Das Dicrotophos wurde nicht in die Liste der in Europa zugelassenen Wirkstoffe aufgenommen. Somit sind dicrotophoshaltige Pflanzenschutzmittel u. a. in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht zugelassen.

Die Menge des nun in der Schweiz im Chinakohl aus Thailand nachgewiesenen Dicrotophos kann beim Verzehr bereits bei empfindlichen Menschen erste Effekte auslösen, heißt es im Bericht des Kantonal Labors Zürich. Dies liegt wohl in erster Linie daran, dass in Ländern wie Thailand nach wie vor solche alten und akut toxischen Wirkstoffe eingesetzt werden. Oftmals unsachgemäße Verwendung bewirken ihr Übriges.

Aber nicht nur die Schweizer Eidgenossen stellten solche problematische Rückstandssituationen in thailändischem Gemüse fest. Auch die EU machte gleichermaßen diese Erfahrung. So trat in der EU am 25. Januar 2010 die Verordnung 669/2009 in Kraft, die besagt, dass seit diesem Stichtag jede 2. Lieferung von Yard Long Beans, Auberginen sowie Kohlgemüse (wie Chinakohl, Brokkoli, Pak Choi oder Choisum) an den EU-Grenzen amtlich auf Pestizitrückstände untersucht werden muss. Damit soll ein Import solch extrem stark belasteter Lebensmitte in die EU verhindert werden.

Im Bericht des Kantonalen Labors Zürich heißt es weiter: „Als Konsequenz der häufigen Beanstandungen und insbesondere auch um zu überprüfen, ob in der EU nicht-konforme Ware nun vermehrt in die Schweiz gelangt, wird die Kontrollfrequenz bei diesen Importprodukten auch bei uns weiterhin hoch gehalten.“

Fotolegende: Der Chinakohl. Hohe Nervengiftkonzentrationen in Importware aus Thailand. Foto: © Jamie Nettles (via Wikipedia, CC-Lizenz)

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Schlüsselwörter: Chinakohl | Thailand | Schweiz | EU | Nervengift | Dicrotophos | Pestizide | Insektizide | Pflanzenschutzmittel
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