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Sterbegeldversicherung oder Sparvertrag? (Teil 2)

Warum man beim „Sparen auf eigene Faust“ schnell auf die Nase fallen kann…

Foto: © knipseline, Pixelio.de.
Foto: © knipseline, Pixelio.de.
Wie im ersten Teil) berichtet, schrieb Focus, auf Anraten der Verbraucherschützer, Sterbegeldversicherungen zu vermeiden und stattdessen auf eigene Faust zu sparen und das Geld lieber auf ein eigenes Sparkonto zu legen und dafür hohe Zinsangebote auszunutzen. Gleichzeitig hieß es bei Focus dass man seine Beerdigung ja mit einem Bestattungsinstitut vorab regeln könne…

Das sich ein Großteil der Bevölkerung auf solche Ratschläge verlässt ist immer wieder festzustellen. Die meisten haben ja auch kaum die Möglichkeit soetwas selbst zu erkennen. Und wenn, ist es meistens zu spät. So kann man im Falle einer privaten Sparanlage für die eigene dereinstige Bestattung ganz schnell auf die Nase fallen.

Ähnlich wie Focus und die Verbraucherschützer hatte Dorota in ihrem Kommentar zum Artikel „Sterbegeld? – In Deutschland nur für Politiker!“ unter Bezug auf die Focus-Quelle am 20.02.2010 geschrieben: „… Es gibt auch Bausparverträge mit einem Anteil LV, da bekommt man wenigstens staatliche Prämien drauf.“

Hier nun die ausführliche Erläuterung, warum dies für eine Absicherung der dereinstigen Bestattungskosten nicht sinnvoll sondern geradezu auch vollkommen unsicher ist. Wie in Teil 1 erwähnt, muss ein Bestattungs-Vorsorgevertrag finanziell abgesichert sein, damit das Geld auch bei der dereinstigen Bestattung zur Verfügung steht. Dies ist bei herkömmlichen, eigenen Spareinlagen praktisch nicht möglich. Jedwede eigene Spareinlage oder Anlagemöglichkeit ist und bleibt im Vermögensbesitz des Sparers oder Anlegers und ist auf seinem Namen registriert.

Prämiensparen, Festgeldkonten oder Ähnliches haben festgelegte Laufzeiten und/oder längere Kündigungsfristen, die eingehalten werden müssen um in den Genuss des günstigen Zinssatzes und/oder der Prämie zu gelangen. Das ist in der Regel eine mindestens dreimonatige Kündigungsfrist. Würde also bedeuten, dass das Geld ohne Zins- und/oder Prämienverlust bei der Bestattung gar nicht zur Verfügung steht. Selbst wenn vom Anleger/Sparer das Konto mit Verwendungszweck der Kostendeckung seiner dereinstigen Bestattung eingerichtet wurde, weigern sich die Banken in der Regel die Kosten gegen Rechnungsvorlage des Bestatters davon zu bezahlen. Dies müssten dann die Erben veranlassen. Der Ausgleich der Bestattungskosten wäre also nicht gesichert sondern lediglich auf das Gutdünken Dritter angewiesen. Es besteht also die Gefahr, dass die Dienstleister (Bestatter, Friedhöfe u. a.) auf ihren Kosten sitzen bleiben. – Alles schon da gewesen – und nicht nur in Einzelfällen…

Hinzu kommt die mögliche zukünftige finanzielle Situation des Sparers. Der Sparer kann jederzeit über sein (eigentlich – oder auch angeblich) zweckgebundenes Konto verfügen, Geld herunternehmen oder das Konto ganz auflösen. Und dies ohne das der Bestatter davon erfährt. Auch das ist schon zur Genüge vorgekommen.

Nun könnte man ja auf den Gedanken kommen, dass Konto zweckgebunden auf den Namen des Bestatters einzurichten. Als Sicherheit könnte dabei z. B. die Auszahlung nur gegen Vorlage der Sterbeurkunde und des Bestattungs-Vorsorgevertrages dienen. Dabei hätte der Bestatter zwar die Kontrolle über das Konto, allerdings wäre das so angelegte Geld dann zumindest finanztechnisch sein Geld. Das wiederum bedeutet, dass der Bestatter finanztechnisch einen Geldeingang hat, von dem er bereits bei Eingang die Mehrwertsteuer (Umsatzsteuer) in Höhe von derzeit 19 % an das Finanzamt abführen muss. Das bezieht sich auch auf die jeweils gutgeschriebenen Zinsen. Diese ans Finanzamt abgeführten Beträge werden zwar bei Leistung und Endabrechnung wieder mit dem Finanzamt verrechnet, doch würde das so angelegte Geld sich damit fast um ein Fünftel verringern und somit um ein Fünftel weniger Zinsen und/oder Prämien erwirtschaften. – Ob das im Sinne der Verbraucherorganisationen ist, wage ich zu bezweifeln…

Scan: Alex Mais
Scan: Alex Mais
Zur Erfüllung eines Bestattungs-Vorsorgevertrages gibt es dennoch eine Möglichkeit der Geldeinlage: Die Eröffnung eines Treuhandkontos bei der Deutschen Bestattungsvorsorge Treuhand AG. Das ist eine Tochtergesellschaft des Bundesverbandes Deutscher Bestatter, die eigens für diesen Zweck gegründet wurde. Dort können Sie über ein Mitgliedsunternehmen ein Treuhandkonto eröffnen und Ihr Geld einzahlen. Es erwirtschaftet Zinsen, die in der Regel höher liegen als bei normalen Sparbüchern und Sie bekommen zudem eine Bankbürgschaft über Ihren eingezahlten Betrag. Dieses Geld ist dort sicher angelegt ohne Zugriff durch Dritte und in Zusammenhang mit einem Bestattungs-Vorsorgevertrag auch vor dem Staat (sprich Sozialamt) sicher. Dies hat bereits 2008 ein Urteil des Bundessozialgerichtes bestätigt. Nur der Anleger selbst kann das Konto wieder auflösen. Da dieser Vorgang nur über den Bestatter läuft, hat dieser Gewissheit, dass das Geld auch zur Beerdigung zur Verfügung steht – oder auch nicht mehr, wenn das Konto aufgelöst wird.

Eine solche Treuhandeinlage kann auf einen Schlag in voller Höhe der voraussichtlichen dereinstigen Bestattungskosten getätigt werden oder auch mit monatlichen Beträgen aufgebaut werden. Doch beim monatlichen Aufbau gilt, wie natürlich auch bei allen privaten Sparmaßnahmen auch, solange die Bestattungskosten nicht in voller Höhe eingezahlt sind, ist die Erfüllung des Bestattungsvertrages von Dritten (bestattungspflichtigen Angehörigen) abhängig und somit im Sinne des eigentlich Abschließenden nicht restlos gesichert.

Rund 80 % der Bestattungsunternehmen in Deutschland sind dem Bundesverband Deutscher Bestatter über die jeweiligen Landesverbände angeschlossen. Bei den meisten davon können Sie solche Treuhandverträge abschließen. Bestatter in Ihrer Nähe finden Sie dazu über die Bestattersuche auf der Website des Bundesverbandes Deutscher Bestatter.

Ein weiterer Vorteil eines solchen Treuhandvertrages ist, dass Sie beim Abschluss des Vertrages Mitglied des Kuratorium Deutsche Bestattungskultur werden. Daraus ergeben sich keinerlei Verpflichtungen oder Kosten für Sie. Es hat aber den Vorteil, dass Sie dadurch in den Genuss einer für Sie kostenlosen Versicherung für eine Auslandsrückholung gelangen. Das bedeutet, dass bei einem Sterbefall die Kosten des Rücktransportes, die je nach Land nicht unerheblich sein könnten, durch diese Versicherung gedeckt sind. Das gilt weltweit, egal in welchem Land der Erde der Sterbefall eintritt. Innerhalb Europas sind die Kosten bis zu einer Höhe von 5.200 Euro und außereuropäisch, weltweit bis zu 10.300 Euro gedeckt. Weitere Informationen zur Treuhand finden Sie hier.

Bei jedweder privaten Geldanlage ergibt sich noch das Problem „Sozialfall“. Werden Sie zum Sozialfall, was bekanntlich jeden jederzeit treffen kann, verbleibt Ihnen (bei über 60jährigen) ein so genannter Schonbetrag von 2.600 Euro (einschließlich für die Bestattung privat angelegter Gelder). Bei Ehegatten sind es sogar deutlich weniger! Erst wenn dieser Schonbetrag beim Eigenvermögen erreicht ist, wird das Sozialamt Kosten übernehmen. Der Schonbetrag deckt aber keine Beerdigungskosten mehr. Da sind vielerorts allein die Friedhofskosten deutlich höher!

Ein solcher „Sozialfall“ muss nicht nur im hohen Alter eintreten, wenn sie pflegebedürftig in ein Alten- oder Senioren- bzw. Pflegeheim müssen, sondern kann auch in jungen Jahren passieren – z. B. durch einen Schlaganfall oder Unfall. Dann ist das privat angelegte Geld ebenso schnell weg und manch einer hat schon „Haus und Hof“ dabei verloren. Und wenn dann die Angehörigen nicht über das nötige Geld verfügen, gibt es allenfalls noch ein billiges Armenbegräbnis das vom Sozialamt übernommen wird. Dabei werden nicht einmal mehr die Kosten für Blumenschmuck, Traueranzeigen, Trauerdrucksachen usw. übernommen…

All diese Kriterien bleiben bei den Empfehlungen der Verbraucherorganisationen unberücksichtigt. Deshalb muss man sagen, dass eine solche Empfehlung mangelhaft ist. Wer sich dann darauf verlässt, der kann ganz schnell verlassen sein.

Natürlich lässt sich ein Bestattungs-Vorsorgevertrag auch über eine Sterbegeldversicherung finanzieren. Doch aufgepasst, da haben die Verbraucherorganisationen zumindest teilweise recht, denn es gibt die unterschiedlichsten Varianten bei den unterschiedlichsten Versicherern.

Worauf es bei einer Sterbegeldversicherung ankommt, und worauf Sie beim Abschluss unbedingt achten sollten, das werde ich in der nächsten Folge erläutern.

  1. Fotolegende: Geld für die Beerdigung – nur sicher auf einem Treuhandkonto. Foto: © knipseline, Pixelio.de.
  2. Fotolegende: Der Treuhandvertrag. Scan: Alex Mais.

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Schlüsselwörter: Sterbegeldversicherung | Sparvertrag | Treuhand | Treuhandeinlagen | Bestatter | Beerdigung | Beerdigungskosten
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Kommentare

Alex Mais
am 21.02.2010 14:44:34 (195.93.60.xxx) Link Kommentar melden
Ja, solche Vereinbaren waren (und sind es meines Wissens auch noch) möglich. Zumindest in der Theorie hört sich das vielleicht gut an. Die Realität sieht anders aus...

Realer Fall: Parson A schließt bei Bestatter B einen Bestattungs-Vorsorgevertrag. Zur Kostendeckung läßt A bei der Bank C für (und in) das Sparbuch eintragen, dass es (bzw. das Geld darauf) nach seinem (A) Tode dem Bestatter B zur Abwicklung seiner (A) Bestattung ausgezahlt wird - mit Hinweis, dass sich das Sparbuch nunmehr im Besitz des Bestatters A befindet bzw. diesem hierfür ausgehändigt wird (was auch geschah).

Nun trat der Sterbefall ein und wurde wie von A gewünscht von B veranlaßt und ausgeführt. Nach Abschluss erfogte die Rechnungsstellung und der Bestatter B wollte das Geld von der Bank C. Diese jedoch verweigerte die Auszahlung erst einmal...

Der Betrag auf dem Sparbuch lag um ca. 250 Euro über den Bestattungskosten. Im Bestattungs-Vorsorgevertrag war festgelegt, was mit einem eventuellen Überschuss gemacht werden sollte - an wen dieser ausgezahlt werden sollte.

Nach wochenlangem Hickhack war die Bank dann doch noch bereit das Geld auszuzahlen - jedoch auf den Cent genau über den nachgewiesenen Betrag der Beerdigungskosten. Der überschüssige Betrag in Höhe von ca. 250 Euro verblieb auf dem Sparbuch, welches von der Bank einbehalten wurde. Nach Mitteilung der Bank würde dies nur noch an den/die Erben gegen Vorlage des Erbscheines ausgezahlt.

Die ursprünglich von A bestimmte gemeinnützige Gesellschaft, an die das Geld gehen sollte, ging durch Bankwillkür leer aus. Die Erben waren die (in diesem Falle unberechtigten, weil nicht vorgesehehen) lachenden Dritten...

Als Bestatter würde ich mich nicht auf solche unsicheren Spielchen einlassen...

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