Rund um OZ24

Suchen

Unterstütze OZ24

Sonstiges: Tipps & Tricks

Bestattungskosten-Finanzierung: Sterbegeldversicherung oder Sparvertrag?

Was ist wirklich sinnvoll für die Kostensicherung der dereinstigen Beerdigung? (Teil 1)

Foto: Axel Ertelt
Foto: Axel Ertelt
Schon mehrfach haben Verbraucherorganisationen von so genannten Sterbegeldversicherungen abgeraten und sogar empfohlen bestehende zu kündigen. Das kann in vielen Fällen der berühmte „Schuss nach hinten“ werden, denn in der Argumentation der Verbraucherorganisationen spielt ausschließlich eine pauschalierte Finanzüberlegung eine Rolle – nicht aber wichtige Hintergründe zum eigentlichen Zweck einer Sterbegeldversicherung, nämlich die definitive Sicherstellung der Kostendeckung der dereinstigen Bestattung.

So richtig in Mode kamen die Sterbegeldversicherungen durch die seit Ende der 80er Jahre permanent gemachten und vom damaligen Gesundheitsminister Norbert Blüm begonnenen „Gesundheitsreformen“ sowie der damit verbundenen permanenten Kürzung des Sterbegeldes der gesetzlichen Krankenversicherung – bis hin zur endgültigen Streichung zum 31.12.2003. Somit gibt es ab dem 1.1.2004 kein Sterbegeld aus der gesetzlichen Krankenversicherung mehr. Ausnahmen sind die Politiker (vgl.: „Sterbegeld? – In Deutschland nur für Politiker!“)

Sterbegeld ersatzlos gestrichen

... Vor 1989 wurden – einkommensabhängig – durchschnittlich 4.200 DM Sterbegeld gezahlt. Im Rahmen der Blüm’schen Gesundheitsreform 1989 wurde das Sterbegeld auf 2.100 DM mehr als halbiert; nach dem 1.1.1989 in der gesetzlichen Krankenkasse Versicherte haben keinen Anspruch mehr auf Sterbegeld. Im Zuge der Euro-Umstellung zum 1.1.2002 wurde das Sterbegeld auf 1.050 EURO festgesetzt, was für die gesetzlichen Krankenkassen einem Umrechnungsvorteil zu Lasten der Leistungsempfänger von rd. 43 DM bedeutete. Schließlich halbierte die rot-grüne Bundesregierung zum 1.1.2003 das Sterbegeld auf 525 EURO. Mit der Gesundheitsreform 2004 entfällt das Sterbegeld nunmehr gänzlich. ...“

Quelle: Bundesverband Deutscher Bestatter, 23.12.2003

Vor 1989 war mit dem Sterbegeld mancherorts fast noch eine preiswerte Bestattung ohne zusätzliche Beträge möglich. Selbst durchschnittliche Bestattungen konnte sich noch mancher problemlos leisten. Doch seitdem hat sich einiges geändert. Inflation und steigende Preise (selbstverständlich mitbedingt durch permanente Lohnerhöhungen), Misswirtschaft, Wirtschaftskrisen, Börsencrash und Bankenpleite sowie die hohe Zahl an Arbeitslosen (Harz IV lässt grüßen) lassen die Armut auch in unserem einst so hoch gelobten Sozialstaat steigen. Wer kann sich heute noch etwas leisten? Schon gar nicht die Beerdigung.

Abgesehen davon ist es heute auch vielen Menschen völlig egal ist, wie sie dereinst „unter die Erde kommen“ – denn dafür sind ja dann die Anderen zuständig. Und wie die dann die Beerdigung bezahlen, dass ist dann nicht mehr das Problem des Verstorbenen. Doch so denken zwar viele, aber nicht alle. Der verantwortungsbewusste Teil der Bevölkerung überwiegt (noch). Und eben für die stellt sich die große Frage: Wie kann ich für meine dereinstige Beerdigung vorsorgen? Vorsorgen, damit meine Kinder nicht finanziell belastet werden.

Nun gibt es viele Möglichkeiten für etwas Geld auf die Seite zu legen – wenn man es denn hat. Hat man es nicht, so muss man dafür sparen. Und im Falle der dereinstigen Bestattung empfehlen Verbraucherorganisationen gerne Sparverträge (Prämiensparen, Bausparverträge) und Festgeldkonten anstelle einer sinnvollen und guten Sterbegeldversicherung.

„... Wer für Tod und Beerdigung sparen will, sollte das lieber auf eigene Faust tun und Versicherungen meiden, sind sich Verbraucherschützer einig. Statt monatlicher Prämienzahlungen könne Geld regelmäßig direkt aufs eigene Sparkonto gelegt werden – unter Ausnutzung lohnender Zinsangebote. ...

...Wer das Bedürfnis hat, schon frühzeitig Begräbnisdetails wie Art der Grabstelle, Trauerfeier, Blumendekoration, Sarg oder Urne zu regeln, braucht dafür keine Versicherung. Solche Details können auch in einem speziellen Vertrag mit einem Bestattungsunternehmen festgelegt werden. ...“

So heißt es in einem Focus-Artikel.

Doch sind dies wirklich gute Vorschläge? Das ist leicht gesagt, aber keineswegs gut durchdacht. Da gibt es nämlich enorme Probleme. Natürlich können Sie beim Bestatter Ihres Vertrauens dies alles festlegen und in einem so genannten Bestattungs-Vorsorgevertrag auch vertraglich festlegen. Doch leuchtet wohl jedem ein, dass der Bestatter diesen Vertrag nur dann erfüllen kann und muss (das ist ebenso vertraglich festgelegt), wenn die Finanzierung gesichert ist! Und dies geht eben nur, wenn der Bestatter dereinst an das Vorsorgegeld herankommt – ohne auf Gutdünken anderer angewiesen zu sein.

Foto: Axel Ertelt
Foto: Axel Ertelt
Mit anderen Worten: Das Geld muss irgendwo, im Falle des dereinst eingetretenen Sterbefalles, dem Bestatter zur Kostendeckung der Beerdigung zur Verfügung stehen – und zwar ohne Zugriffsmöglichkeit durch Dritte. Schließlich sind Bestattungsinstitute ja kein Wohlfahrtsunternehmen, dass anderen ihre Beerdigung auf eigene Kosten durchführt und finanziert. Für mögliche Überfinanzierungen, also überschüssige Beträge, wird ebenso vertraglich vereinbart, wie damit zu verfahren ist. Dafür kann ein Angehöriger im Vertrag eingesetzt werden, ein wohltätiger Zweck, ein Verein oder eine Stiftung. Die Möglichkeiten sind vielfältig.

Nicht so vielfältig hingegen sind die Möglichkeiten Gelder für die Erfüllung eines Bestattungs-Vorsorgevertrages bereitzustellen oder anzusparen. Wer sich da auf den Rat von Focus und den Verbraucherorganisationen verlässt, der ist möglicherweise ganz schnell verlassen…

Warum das so ist, das werde ich im 2. Teil ausführlich abhandeln.

uploaded

Der Inhalt des vorstehenden Artikels gibt nicht die Meinung der Redaktion von Onlinezeitung24 wieder. Für den Inhalt ist allein der Autor des Beitrages verantwortlich!
Lesen Sie dazu auch:
Drucken Empfehlen
Schlüsselwörter: Sterbegeldversicherungen | Bestattungs-Vorsorgevertrag | Verbraucherorganisationen | Sparverträge | Geld für Beerdigung | Bestattung
Sie wollen selber einen Artikel schreiben. Kein Problem, einfach registrieren!

Kommentare

Alex Mais
am 18.03.2010 15:57:31 (195.93.60.xxx) Link Kommentar melden
Chaim am 18.03.2010, 14:01:08 Uhr:
Lieber Alex Mais, hier ist noch eine weiter Möglichkeit, ein Begräbnis zu finanzieren:
Das Legat (Vermächtnis)
Hast Du damit Erfahrungen, gute oder schlechte?


Ich kenne diese Art in der Form, das z.B. der Friedhof der ev. Kirchengemeinde hier vor Ort so genannte Grabpflege-Legate anbietet. Dabei handelt es sich um Sparbücher auf den Namen dessen, der das darauf enthaltene Geld für die dereinstige Grabpflege seines Grabes angespart hat. Diese Sparbücher stehen unter Kontrolle, Verwaltung und Zugriff der Kirchengemeinde. Der kath. Friedhof bietet Ähnliches an, wobei das dann aber über das Bistum in Essen geht.

In der Vergangenheit hatte das Sozialamt immer wieder die Auflösung dieser Sparbücher verlangt, wenn der Betreffende zum Sozialfall wurde. Somit ist diese Art auch nicht sicher gewesen. Heute dürfte auch dafür das Bundessozialgerichturteil gelten.

Allerdings kenne ich keinen Fall, indem so etwas bei der eigentlichen Bestattungskosten-Vorfinanzierung gemacht wurde.

Eigentlich ist das Legat/Vermächtnis ja eher so, das der Verstorbene zu Lebzeiten einen Vermächtnisnehmer bestimmt hat, der eine entsprechende Leistung nach seinem Tode erhält. Das dürfte z.B. für den Bestatter eine unsichere Methode sein (Erbstreitigkeiten/Erbauseinandersetzungen) und hängt u.U. letzten Endes von diversen Gerichtsurteilen ab.

Im Wikipedia ist dazu folgendes geschrieben: Das bedeutet, dass der Sohn mit dem Tode in alle Vermögenspositionen des Erblassers einrückt, der Freund (1) dagegen einen Anspruch gegen den Sohn als Erben auf Verschaffung des Eigentums am Gewehr und auf Herausgabe desselben hat. (1) = Hier der „Freund“ als Vermächtnisnehmer am gebrachten Beispiel mit einem Gewehr.

Der Vermächtnisnehmer (wäre ja dann der Bestatter) hätte also so gesehen Anspruch gegen den Erben auf Herausgabe. Das könnte bis hin zum Prozess gehen, wenn der Erbe nicht will. Ist also keine Lösung für eine Bestattungskostenfinanzierung. Zudem, was ist, wenn der Erblasser das Geld doch schon zu Lebzeiten aufbraucht und beim Tode gar nichts mehr da ist?

Solche Sparbücher wie im oben genannten Fall der Kirchengemeinde beim Bestatter wären im Prinzip das Gleiche wie Festgeldkonten. Stehen diese unter Zugriff des Bestatters muss erst einmal der Mehrwertsteueranteil der vollen Summe direkt ans Finanzamt abgeführt werden, da der Bestatter das Geld in Empfang genommen hat – egal ob dieses auf den Namen des späteren Verstorbenen und/oder für dessen dereinstigen Beerdigung angelegt wird oder nicht…

Der ev. Friedhof will aber weg von dieser Methode. Dort gibt es inzwischen auch eine Art Treuhandgesellschaft über die Landeskirche, wo diese Gelder angelegt werden – ähnlich wie bei den Bestattern die Deutsche Bestattungsvorsorge Treuhand AG.

Einen Kommentar schreiben







Kommentare von Nichtmitgliedern der Seite Onlinezeitung24.de müssen durch einen Bestätigungslink per E-Mail freigeschaltet werden, für Mitglieder entfällt diese Bestätigung. Diese Maßnahme dient der Diskussionskultur und soll die Kommentarfunktion vor Spam schützen. Wir bitten um Ihr Verständis für diese Maßnahme.

Seitenaufbau: 0.06 Sekunden
38,089,196 eindeutige Besuche