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Politik: Deutschland

Gibt es ein System-Mobbing bei der Berliner Polizei?

Mobbing ist für heute alle eine Bedrohung geworden.

Aus Hessen kennen wir das System-Mobbing im Umfeld der Regierung Koch. (1) Und wir kennen noch den Fall der „jungen Polizeibeamtin aus München“, deren Mobbingfall mit Suizid in dem Film: Der Tod ist kein Beweis aufzeigt, was mit Mobbing-Opfern geschieht, wenn nicht gegen Täter vorgegangen wird. (2)

Nun hat sich ein am 09.02.2010 in Berlin-Mitte auf einer Polizeiwache ein 49-jähriger Polizeihauptkommissar das Leben genommen. (3) Tage zuvor hat sich ein Kollege von ihm ebenfalls selbst erschossen. Zwei Fälle die zeigen, etwas kann hier nicht stimmen, da riecht es doch förmlich nach Mobbing. Und schau an, beim Studium der Pressebericht zu den beiden Suiziden der Polizisten stellt sich heraus, dass bei ihrem Chef schon mal zwei Polizistinnen sich das Leben genommen haben. Bianca Müller war wohl die Bekannteste von ihnen, weil sie sich vehement gegen Mobbing gewehrt hat und aufgrund ihrer Intersexualität Berühmtheit erlangt hat. Geschützt hat sie das aber vor Mobbingattacken nicht. (3)

Dabei hat Bianca sich im Falle des Selbstmordes einen Kollegen von ihr, das wäre dann noch ein weiteres Opfer in der Liste der Berliner Polizei, für die Aufklärung der Hintergründe stark gemacht.

Wir blicken auf das Jahr 2000 und was die Presse dazu schrieb. „Der 50- Jährige habe sich unmittelbar nach seinem Dienst am 3. November (2000) umgebracht, sagte die Sprecherin der Organisation, Bianca Müller, am Donnerstag in Berlin. Die Berliner Polizei wies die Vorwürfe zurück. Die Selbsttötung stehe in keinem Zusammenhang mit dienstlichem Mobbing. Wegen Verleumdung sei ein Strafverfahren gegen Müller eingeleitet worden. Der Polizist arbeitete beim Verkehrskontrolldienst, sagte Müller. Er sei verheiratet gewesen und hinterlasse ein Kind. Ein Abschiedsbrief wurde nicht gefunden. Mitarbeiter der Dienststelle hätten seit August dieses Jahres über Mobbing geklagt, sagte Müller.“ (4)

Die Mobbingvorwürfe wurden von dem damaligen und späteren Innenminister der CDU in Brandenburg, Jörg Schönbohm bestritten. Interessant ist, dass sein Chef derselbe war, der auch als Leiter zuständig war für eine junge Berliner Polizistin, die sich im Juli 1997 das Leben nahm. Bianca Müller, „die Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft zog Parallelen zum Fall einer Berliner Polizistin, die sich im Juli 1997 im bayerischen Straubing das Leben genommen hatte. Die Beamtin arbeitete damals unter demselben Vorgesetzten. Vorwürfen zufolge war sie von Kollegen gemobbt worden“. (3)

Etwa ein Jahr später fand ein Prozess statt, zu dem die BZ schrieb: „Ließen ihre Vorgesetzten Mobbing-Beweise verschwinden? Schlimme Vorwürfe gegen zwei leitende Mitarbeiter der Polizei: Schafften sie nach dem Selbstmord der Polizei-Meisterin Stefanie L. vor vier Jahren brisante Unterlagen beiseite? Seit gestern als Angeklagte vor dem Amtsgericht Tiergarten: Peter N., 59, Leiter der Polizeilichen Sozialbetreuung, und seine Vorgesetzte Claudia S., 57, Chefin des Polizeiärztlichen Dienstes. Der Vorwurf: Als der Freitod von Stefanie L. mit dem Verdacht des Mobbings in Verbindung gebracht wurde (BZ berichtete), soll Peter N. mit Zustimmung seiner Vorgesetzten S. Unterlagen der Verstorbenen kurzerhand bei einem Notar deponiert und damit beiseite geschafft haben. Die tragische Geschichte der Stefanie L., die einen Kollegen angezeigt hatte und danach angeblich als Nestbeschmutzerin gemobbt wurde - sie spitzte sich im April 1997 dramatisch zu. Wegen eines angeblichen Suizid-Versuchs stürmte ein SEK-Kommando ihre Wohnung. Danach bekam Peter N. den Umschlag. Darin: ein langer Liebesbrief von Stefanie L. an ihren Dienststellenleiter. Und brisante Unterlagen über Dienstvergehen bei der Kriminalpolizei. Peter N. zum Richter: "Der Brief war der Hilferuf einer Person in großer Krise mit Krankheitswert." (5)

Frauen haben es wohl im Polizeidienst besonders schwer, das musste auch Sylvia Braun erfahren, die sich am 14.Februar 1999 erschießt. „Polizistinnen in den Selbstmord getrieben - Sexuelle Belästigung und Mobbing in Uniform. Am 14. Februar 1999 hat erschießt sich die 22 jährige Polizeibeamtin Sylvia Braun mit ihrer Dienstwaffe. Der Grund: Mobbing. Sie fühlte sich von ihrem Dienstgruppenleiter gemobbt, gedemütigt und sexuell belästigt. >>Ich kann mir nicht mehr anders helfen. Ich traue mich nicht mehr nach München, ich habe keine Lust mehr, mich von denen quälen zu lassen.<< Schrieb die junge Frau, die nicht mal die Polizei zu Hilfe rufen konnte - denn ihre Peiniger waren Polizisten. Und die Frau in Not ihre Kollegin. Mobbing und Menschenverachtung gegenüber Frauen ganz normal im Arbeitsalltag von Männern in Uniform? Tina Solimann berichtet.

Alarm bei der Polizei - Täter und Opfer kommen aus den eigenen Reihen. Am 14. Februar dieses Jahres lenkt die 22jährige Silvia Braun ihren Dienst-BMW auf einen Autobahnparkplatz an der A8 bei Augsburg und schießt sich mit ihrer Dienstwaffe die tödliche Kugel in den Kopf.

4 Jahre lang war die Polizeiobermeisterin begeistert von ihrem Traumberuf, hatte Bestnoten, war bei den Kollegen beliebt, bis sie im Dezember vergangenen Jahres auf die Münchner Politzeiinspektion 14 versetzt wurde. Der Traumberuf wurde zum Alptraum. Silvia Braun fühlte sich von ihrem Dienstgruppenleiter gemobbt, gedemütigt und sexuell belästigt. (6) Und was das heißt, gemobbt und sexuell belästigt zu werden, davon berichtet Birgit Wiese, acht Jahre lang bei der Berliner Polizei und 30 Jahre alt zum Zeitpunkt des Interviews, 1997.

>>"Ich hatte ganz gute Laune, stieg auf diesen Wagen, und ich wurde dann von einem Kollegen gefragt: Mensch, du strahlst ja so, Mensch, hat dich heute nacht dein Alter ganz gut gebumst? ... dann haben die Männer angefangen sexuelle Übergriffe in meine Richtung zu machen, also mal an die Brust fassen, mal an den Hintern fassen." "... ich habe also auf dieser Einsatzbereitschaft geschlafen, hatte dort also ein Bett, da haben nachts drei Männer bei mir im Raum gestanden , die dann meinten, ich könne jetzt ja aufstehen, sie wollten jetzt ein bißchen Spaß mit mir haben, und ich hab daraufhin, weil ich richtig Angst hatte, den Rest der Zeit mit der geladenen Pistole unter dem Kopfkissen geschlafen“. Die Schikanen werden immer massiver - der Traumberuf wird zum Alptraum. Birgit "Also mir ist es so gegangen, daß ich irgendwann Träume bekommen habe, und in diesen Träumen konnte ich nichts Anderes träumen, als daß ich oben in die Waffenkammer gegangen bin, mir eine Waffe geholt habe und daß ich in diesem Traum mit dieser Waffe meine ganzen männlichen Kollegen erschossen habe."

Birgit "Ich hörte auf einmal ganz lautes Gejohle und Geklatsche. Ich drehte mich um, und da stand dann dieser Mitausbilder mit herabgelassener Hose vor mir in der Tür."

"Ich bin knallrot geworden, da kann ich mich noch dran erinnern." "Und ich hatte also das Gefühl, für mich bricht eine Welt zusammen. Ich habe mich wahnsinnig gedemütigt gefühlt und unglaublich beleidigt, das kann kein Mensch nachvollziehen, was das bedeutet, sich in so einer Situation zu befinden."

"... dieses Ereignis hat bei mir soviel ausgelöst, daß ich gedacht habe, jetzt holst Du dir eine Knarre, hälst sie dir an den Kopf und bringst dich um." "... für mich war das einfach nicht mehr auszuhalten.".(7) Arbeitsbedingungen, die nicht nur Birgit oder Silvia zum Verhängnis wurden, sondern auch zwei weiteren jungen Frauen im Polizeidienst. „Silvia Braun war erst 22 Jahre alt als sie sich .... erschoss. Einen Monat später setzte sich die 20-jährige Polizeibeamtin Nina Dreisbach aus Neuss (8) die Dienstwaffe an den Kopf und drückte ab. Auch die Polizistin Alexandra Richter hat sich erschossen. Drei junge Polizistinnen, die keinen anderen Ausweg sahen, mit Mobbing und sexueller Belästigung fertig zu werden. Notrufe aus Deutschlands Polizeistuben - bis heute nicht gehört“(6) Doch zurück zu den aktuellen Mobbingfällen in Berlin, die trotz der Präventionsmaßnahmen, die 1997 bis 1999 durch den Senat und Polizeipräsidenten nicht verhindert werden konnten. Hat man das Konzept zu wenig auf alle Polizisten abgestimmt?

Hier nochmals aus der Historie das Konzept einer Fachhochschule. „Die Berliner Polizei hat in Folge der Vorwürfe von zunehmenden Fallzahlen die Präventionsmaßnahmen gegen Mobbing verstärkt. Im vergangenen Jahr führte die Landespolizeischule insgesamt 168 Veranstaltungen durch. Rund 2300 Polizeibeamte nahmen an den Schulungen teil.

Gegenwärtig wird an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege ein dreisemestriges Projekt zum Thema Mobbing erarbeitet, das, von Polizeipräsident Saberschinsky ausdrücklich unterstützt, auch Befragungen in der Polizei vorsieht“. (9)

„Die Kommission musste zu Beginn ihrer Arbeit klären, welche Definition von Mobbing zum Tragen kommen sollte. Sie beschäftigte sich daher zu Beginn ihrer Tätigkeit vor allem mit der inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Begriff Mobbing. Es bestand Einigkeit, den Begriff Mobbing nicht unqualifiziert auf eine Vielzahl von Konflikten anzuwenden.

Insbesondere die eher statische Sicht von LEYMANN und die dynamische Sicht von NEUBERGER wurden ausführlich diskutiert, erörtert und miteinander verknüpft“. (10)

Im Fall der beiden Suizide der Polizisten vom Polizeiabschnitt 35 in der Oudenarder Straße in Wedding hat das Konzept wohl nicht gegriffen. Man darf aber auch an einer sachlichen Aufklärung Zweifel anmelden, wenn man den Prozess im Fall Stefanie L. (5) analysiert. Und wenn man zu einem Artikel googelt, der da heißt „Mobbing-Vorwürfe in einer Einsatzhundertschaft – Ermittlungen“.... und dann ist Schluss. (11)

Mit Aufklärung und Prävention hat das wohl nicht zu tun, oder? Was stand nun in dem Artikel und ist die Einsatzbereitschaft etwa im Wedding gewesen? Fragen über Fragen, wenn man sich die hohe Anzahl von Suiziden bei der Berliner Polizei ansieht. Wer will da was verbergen? Und im Nachtrag noch so ein Fall im Umfeld des Berliner Sicherheitsbetriebes. „Ein deutscher Wachmann hat sich in der US-Botschaft das Leben genommen. Die Motive sind unklar“. (12

Nach der Durchsicht und der Zusammenstellung der Artikel für diesen Aufsatz geht es mir auch nicht mehr so gut. Ich weiß nicht, ich werde den Eindruck nicht los, dass man bei uns in Deutschland wohl Täter sein muss, um leben zu können. Als Opfer bist du insbesondere bei Mobbing eigentlich schon tot, egal ob du die Tortour überlebst oder dir eine Kugel verpasst. (13)

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