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Sonstiges: Vergnügen

Neulich an der Kinokasse

Das biologische Alter, das gefühlte Alter und die richtige Strategie

Max und Moritz
Max und Moritz
"Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen." So fängt ein bekanntes deutsches Märchen an. Doch die folgende Geschichte ist kein Märchen. Es ist eine Geschichte über einen, der auszog, Geld zu sparen. Um genau zu sein, es ging um einen oder zwei Euro. Immerhin, mühsam nährt sich das Eichhörnchen... - Oder es ist eine Geschichte über die Lüge und den Stolz. Die Geschichte ist übrigens auch nicht erfunden, jedes Wort ist wahr. Doch wie im Märchen gibt es auch in dieser Geschichte eine Moral.

Manchmal ist billig ziemlich teuer; wenn man z.B. Schrott kauft, in Form von Billigstwerkzeug aus dem Schnäppchenbaumarkt. Drei Schrauben mit dem Schraubendreher gelöst oder festgezogen, und man kann das Ding wegschmeißen. Oder beim Hammer für 99 Cent, wenn man Pech hat, fliegt einem das Ding gleich durch die Fensterscheibe oder gar an den Kopf. Ähnlich ist es bei Autos, Dienstleistungen oder Urlaubsreisen: billig kann - am Ende betrachtet - richtig teuer werden.

Wer es billig haben will, der spart aber manchmal auch ziemlich viel... Allerdings anders, als er denkt. Einen solchen lustigen Fall hat der Vater von Gandalf und Galahad am letzten Wochende erlebt. Er wollte sich einen netten Nachmittag machen, nicht mit Wein, Weib und Gesang, sondern vor allem ohne Kinder und ohne Gesang, dafür aber mit Wein und Weib; das Weib selbstverständlich in Gestalt der Mutter von Gandalf und Galahad. Die beiden Söhne waren anderweitig beschäftigt und übernachteten bei Freunden. Mit von der Partie war noch ein befreundetes Ehepaar mit zwei Sprößlingen, nämlich Max und Moritz, die im gleichen Alter sind wie Gandalf und Galahad und mit den beiden seit Jahren gut befreundet... - Man fuhr also mit vier Erwachsenen sowie mit Kind und Kegel (bzw. Max und Moritz) in die nächste karnevalsfreie Zone, suchte sich einen netten bekannten Winzer mit Ausschank...

Stop! So geht das natürlich nicht, vorher sollte man die beiden Kinder Max und Moritz entsorgen, es soll ja eine Entspannung für alle Beteiligten sein. Gesagt, getan, in der Nähe gab es auch ein Kino-Center mit reichhaltigem Angebot. Selbstverständlich hatten Max und Moritz längst den neuesten Kino-Hit ausgemacht und stolzierten selbstbewußt zur Kasse.

Leider kann man die Geschichte hier gar nicht weitererzählen, denn zuvor ist für den Leser zum Verständnis folgendes wichtig: die beiden Burschen Max und Moritz haben nämlich gelernt, wie wichtig es ist, das Alter richtig anzugeben. Geht man z.B. gelegentlich zu einem Büffet im China-Restaurant, dann zahlen Kinder bis zu 12 Jahren 3,90 Euro, alle anderen 5,90 Euro. Jetzt haben die beiden schlauen Brüder gelernt: macht sich der ältere Max jünger (er ist 13), dann spart man Geld. In beiden Fällen verzehrt er allerdings gleich viel. Man mag das moralisch verurteilen, aber so ist das Leben. Oder hat irgendein Leser etwa noch nie bei der Steuererklärung gemogelt oder bei der Spesenabrechnung ein paar Kilometer ergänzt? Eine halbe Stunde bei der Dienstreise aufgeschlagen, um die höhere Tagespauschale zu bekommen? Na also!

Fakt ist somit: das richtige Alter ist nicht immer das richtige. Manchmal ist es besser, sich jünger zu machen, manchmal aber auch nicht. Die Damen wissen, was hier gemeint ist; denn die Mutter von Gandalf und Galahad ist zwar nur 11 Jahre jünger als der Vater von Gandalf und Galahad, aber sieht aus, als ob sie nur halb so alt wäre wie er, und wird meist für die große Schwester von Gandalf und Galahad gehalten...

Das Alter ist immer relativ!

Aber zurück zum nachmittäglichen Vergnügen; die beiden Burschen stehen ja voller Vorfreude an der Kinokasse, die Mutter von Max und Moritz hat ihre Geldbörse gezückt, um die kindlichen Wünsche zu erfüllen, Mutter und Vater von Gandalf und Galahad halten sich zusammen mit dem Vater von Max und Moritz dezent im Hintergrund, um die Warteschlange an der Kasse nicht unnötig zu verlängern. Dieser Umstand - der Erzähler nimmt nur als Beobachter teil - ist sehr wichtig, denn er kann somit seine Hände bei allen nachfolgenden Problemen in Unschuld waschen.

© M. Großmann / pixelio
© M. Großmann / pixelio
Max (13) posaunt fröhlich: "Guten Tag, bitte 2 Karten für den Film Diebe im Olymp!" Daraufhin die Kassiererin mit Blick auf die beiden Jungs: "Wie alt seid Ihr denn?" - Daraufhin Max (13): "Ich bin 11", und sein Bruder Moritz (11) mit dem ganzen Stolz begeisterter Nachahmung: "Ich bin 10"... - die Mutter von Max und Moritz winkt schon mit einem 10-Euro-Schein und will nichts gehört haben, doch die Kassiererin sagt ungerührt: "Der Film ist aber erst ab 12!"

Tja, so kann es kommen. Dumm gelaufen. Der Kinobesuch fand nicht statt, der Hang zum Billigen wurde hier sehr billig, in einer unerwarteten und unerwünschten Weise. - Die falsche Strategie am falschen Ort zum falschen Zeitpunkt. Immerhin hatten die beiden so viel Stolz, daß sie ihren Schwindel nicht korrigiert haben, der Kinonachmittag fiel dann also ins Wasser. Dafür ging man dann aber zu sechst in eine nahegelegene Konditorei und ließ es sich bei Kakao und Cappucino, bei Streuselkuchen und Sahnetorte so richtig gut gehen. Gelernt haben die beiden Strolche: wer lügt, braucht nicht nur ein gutes Gedächtnis, sondern sollte auch vorher immer alle relevanten Fakten recherchieren. Der Vater von Gandalf und Galahad hat Max und Moritz dann gezeigt: sie hätten denselben Preis gezahlt, wenn sie gesagt hätten, sie seien 13 und 12 Jahre alt. Nur hätten sie in diesem Fall den Film dann auch sehen können. Also: das ganze war eine echte Nullnummer!

Am nächsten Wochenende probieren Vater und Mutter von Max und Moritz ihr Glück in einer anderen Stadt, in einem anderen Kino. Und mit offenbar klüger gewordenen Sprößlingen. Die mindestens das gelernt haben: man lügt nur, wenn es nicht zu teuer wird, man keinen schädigt und es sich auch wirklich lohnt.

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Schlüsselwörter: Kino | FSK | Lüge | Schwindel | Gandalf | Galahad | Märchen | Moral | Max und Moritz
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Kommentare

Hartmut Ringl
am 15.02.2010 10:00:32 (217.85.174.xxx) Link Kommentar melden
Eine nette Geschichte, hochverehrter Autor, wenn da nicht ein kleiner Irrtum wäre. (edit by Argusauge kleiner Verstoß gegen die Kommentarregeln. Bitte beim nächsten Posting beachten.)

Aber ansonsten eine Geschichtw, wie sie das Leben schrieb, sein Leben schrieb... dies kann der geneigte Leser im letzten Satz lesen.

So offen und ehrlich schreibt der Autor seltenst!
  • Geändert von Argusauge am 15.02.2010 12:11:46.
Hartmut Ringl
am 15.02.2010 12:55:48 (84.19.169.xxx) Link
Dieser Kommentar wurde auf Grund eines Verstoßes gegen die Kommentarregeln von einem Moderator gelöscht.
  • Gelöscht von OZ24 am 15.02.2010 18:07:16.
317
am 17.02.2010 13:46:39 (85.25.152.xxx) Link Kommentar melden
Das ist ja mal eine lustige Geschichte, die beiden haben bestimmt was fürs Leben gelernt! Wink
349
am 21.03.2010 13:56:12 (76.76.104.xxx) Link Kommentar melden
@ Chaim - Ja, klar, aber nicht zu diesem Thema Kinokasse. Die beiden haben ihre Lektion ja gelernt.

@ Hartmut Ringl - das war mein zweiter Beitrag hier, worauf soll sich die Aussage also beziehen?
349
am 08.04.2010 14:18:58 (76.76.104.xxx) Link Kommentar melden
Auch die anderen Geschichten sind ganz gut, teilweise sogar hochpolitische Comics der damaligen Zeit, wie z.B. der "Münchner Bilderbogen", "Das Napoleonspiel"
http://gutenberg....;kapitel=1
266
am 27.11.2010 15:25:28 (91.214.168.xxx) Link Kommentar melden
Kunst kann schön sein, auch wenn ihre Botschaft (ihr Inhalt) häßlich ist.
So ist es nun mal.

Kunst ist nicht „häßlich“, Kunst ist Kunst!

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