
Auch wenn eine Firma oder Organisation ins Gerede kommt, versucht sie sich in Stil oder Verhalten neu darzustellen, dann meist wieder unterstützt durch einen neuen Auftritt in Design und Optik. Ein Kaffeeröster mußte dafür vor einem viertel Jahrhundert viel Geld - einen zweistelligen Millionenbetrag (DM) - ausgeben, weil er zuerst aus einem Pfund Kaffee 400 Gramm machen wollte, dann aber in einer teuren Imagekampagne öffentlich zurückrudern mußte und die erstaunliche Neuigkeit verkündete, das Pfund habe nun doch 500 Gramm, auch in Hamburg.
Die GEZ, die Gebühreneinzugszentrale der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in der Bundesrepublik Deutschland, ist nicht nur ins Gerede gekommen, sie ist - man höre und staune - noch unbeliebter als das Finanzamt. Sogar der Sinn und die Daseinsberechtigung dieser Organisation werden inzwischen radikal hinterfragt, das aber wollte man sich in Köln nun nicht mehr bieten lassen. Also wählte man zwei Methoden, um den "Kunden" der GEZ, die gar keine sein wollen, eine Samtpfote zu reichen: man gab sich a) ein neues Logo, und man richtete, ganz modern, b) blogs ein. Dort schreiben die Mitarbeiter und sollen gute Stimmung verbreiten:
Wir sind keine Behörde!
Im Forum werden mit großem Elan verschiedenste Themen angesprochen und diskutiert. (...)
Auszug aus dem neuen Blog der GEZ-Mitarbeiterin Anja M.
Man fragt sich, was dieser Unsinn soll; die armen Mitarbeiter einer überflüssigen Organisation zum Sympathieträger stylen? Während der Arbeitszeit als Botschafter des Guten Willens auftreten? Hatten die denn vorher also nichts zu tun, oder gibt es dafür jetzt Überstunden? Bezahlen die Gebührenzahler also selber diesen Unfug? So, wie sie das neue Logo bezahlt haben? - Na ja, alles schön und gut, aber jetzt mal eine ganz schlichte, kleine, harmlose Frage: worüber schreiben die GEZ-Mitarbeiter eigentlich in ihren blogs? Über ihre Angst, den warmen Arbeitsplatz in Köln zu verlieren? Darüber, daß man die GEZ nur mit gebührenpflichtigen Anrufen, Faxen oder Briefen erreichen kann? Daß bisher für Gebührengeschröpfte ein "Dialog" mit der GEZ weder möglich noch erwünscht war?
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Doch zurück zum neuen Logo der GEZ; immerhin ist es nicht mehr so hohl wie das alte, das ekelhafte blaustichige Grün ist einem frischen, frühlingshaften und saftstrotzenden Grün gewichen, aber der Punkt ist etwas störend, er wirkt unvermittelt und unmotiviert. Seit wann steht denn nach einem Wort ein Punkt? - Ein grauer Punkt. Warum grau, warum ein Punkt? Vielleicht soll das bedeuten, "Wir werden Euch schon noch zum Gebührenzahlen bringen, Ihr Schwarzseher! Basta! Punkt! Ende der Diskussion!" - Immerhin besser als ein rotes drohendes Ausrufezeichen oder ein schwarzes, grübelndes, von Identitätszweifeln zerfressenes Fragezeichen...

Man sollte sich wirklich mal den kleinen Spaß gönnen und sich unter einer Wegwerf-Adresse beim neuen GEZ-Forum anmelden. Noch einen netten Namen ausgedacht, und schon kann's losgehen... - dann kann man mal ganz freundlich mit den guten Leuten über ihren überflüssigen Job plaudern...
Je früher die das begreifen, desto eher können sie sich nach einer neuen, sinnvollen Tätigkeit umsehen.
Die Münchner Tageszeitungen AZ und tz haben einige Fälle recherchiert, die deutlich machen, wie knallhart die GEZ ihre Interessen durchsetzt: Legal und trotzdem äußerst fragwürdig.
So berichtete die tz über eine arbeitslose Mutter von vier Kindern, die wegen zwei Euro Hartz-IV-Zuschlag die volle TV-Gebühr in Höhe von 17,03 Euro bezahlen muss. Wegen ihres geringen Einkommens in Höhe von 345 Euro war die Münchnerin auf Antrag von der Rundfunkgebühr befreit. Weil sie seit Oktober 2005 zwei Euro mehr pro Monat bekommt, besteht die GEZ jedoch wieder auf die volle Gebühr! Widerspruch zwecklos.
Die AZ schilderte den Fall einer 97jährigen Münchnerin, die bereits seit sieben Jahren blind und mittlerweile auch taub ist. Nachdem sie ihren jährlichen Befreiungsantrag im vergangenen Jahr zwei Monate zu spät abschickte, erhielt die Rentnerin eine Mahnung mit der Aufforderung 55,32 Euro nachzuzahlen. Kein Einwand fruchtete: Nach weiteren fünf Mahnungen und der Androhung eines Bußgeldes in Höhe von 1000 Euro bezahlte ihr Sohn zähneknirschend.
Weitere in der AZ veröffentlichte Fälle:
Quelle: MünchnerMieterMagazin