Wissenschaft: Sonstiges

Von der Wissenschaftlichkeit der UFOlogie

Oder: Warum sich seriöse UFO-Forscher meistens vom Begriff der UFOlogie distanzieren
07.02.2010 12:30:57 eingesandt von Alex Mais für OnlineZeitung 24.de

Foto: © Himi, Pixelio.de.
Foto: © Himi, Pixelio.de.
Obwohl auch schon vorher zahlreiche Meldungen über unbekannte Himmelserscheinungen und fliegende Objekte existierten, wurde der eigentliche UFO-Boom erst mit der Sichtung des Piloten Kenneth Arnold am 24. Juni 1947 ausgelöst. An jenem Tage sah er über den Rocky Mountains eine Formation von neun Objekten fliegen, deren Aussehen er später der Presse wie „auf den Kopf gestellte Untertassen“ beschrieb. Entsprechend titelten die Zeitungen ihre Berichte darüber mit dem Begriff „Flying Saucer“.

Die Berichterstattung löste in den USA einen gewaltigen Meldeboom von „Unidentified Flying Objects“ aus. Die Abkürzung davon, die aus dem Amerikanischen stammt, ist „UFO“. Das diese Abkürzung auch auf die deutsche Übersetzung – „Unidentifizierte(s) Flug-Objekt(e)“ – zutrifft, ist reiner Zufall. Ebenso verhält es sich bei der Bezeichnung „Unknown Flying Object“ bzw. im Deutschen „Unbekanntes Flug-Objekt“.

Die Berichte solcher Meldungen enthielten oftmals Beschreibungen von Flugeigenschaften, die für irdische Begriffe unmöglich schienen. Daraus resultierte schließlich die Hypothese, dass es sich hier um außerirdische Fluggeräte (Raumschiffe) handeln müsse. Da durch solche möglichen Besuche die Sicherheit der Vereinigten Staaten gefährdet sein könnte, wurden seinerzeit militärische Stellen gegründet, die sich mit der Untersuchung solcher Meldungen befassten. Das geschah ursprünglich unter größter Geheimhaltung. Eines der ersten und bekanntesten dieser militärischen Projekte war das Project Blue Book.

Foto: © Wolfgang Pfensig, Pixelio.de.
Foto: © Wolfgang Pfensig, Pixelio.de.
Aber auch viele Privatpersonen waren von solchen Meldungen und der möglicherweise außerirdischen Herkunft fasziniert. So entstanden zuerst in den USA eine Reihe von privater Organisationen, die diese Meldungen sammelten, katalogisierten und publizierten. Mit der Gründung der Deutschen UFO-/IFO Studiengesellschaft e. V. (DUIST e. V.) im Jahre 1956 durch Karl und Anny Veit in Wiesbaden fing das „UFO-Fieber“ dann endgültig auch in Deutschland an. Die DUIST e. V. bekam im Laufe der Zeit zahlreiche Mitglieder; einige Quellen schreiben sogar bis zu 10.000, was allerdings ein wenig hoch gegriffen erscheint. Die DUIST e. V. gab eine im Zeitungsformat erscheinende Zeitschrift heraus, die „UFO-Nachrichten“.

Diese Studiengesellschaft war eindeutig Pro eingestellt zu der Hypothese der außerirdischen Herkunft. Dies bezeugt auch das „I“ (für „IFO“) im Namen der Gesellschaft, was hier für „Interplanetare (also außerirdische) Flug-Objekte“ steht. Heute wird der Begriff „IFO“ von seriösen UFO-Forschern zumeist für „Identifiziertes Flug-Objekt“ verwendet. Die Studien der DUIST e. V. beschränkten sich allerdings auf das Sammeln und Publizieren von UFO-Meldungen. Das ging teilweise soweit, dass über jede etwas merkwürdig erscheinende Wolke oder jedes Lichtpünktchen, das jemand mal am Himmel gesehen hatte berichtet wurde. Praktisch alles wurde als außerirdisch dargestellt. Durch die DUIST e. V. bürgerte sich wohl auch der Begriff der UFOlogie ein und diejenigen, die sich damit beschäftigten, wurden als UFOlogen tituliert. Eine wissenschaftliche Untersuchung oder gar Differenzierung zu offensichtlich natürlichen oder konventionellen Erscheinungen gab es praktisch nicht. Dies trug schlussendlich dazu bei, dass die Presse meistens negativ über UFO-Meldungen, die UFOlogie und die UFOlogen berichtete.

Eigentlich wäre ein Begriff mit der Endung „logie“ wissenschaftlich. Diese Endung stammt vom griechischen „lógos“, was soviel bedeutet wie „Wort“, oder auch „Lehre“, „Sinn“, „Rede“ und „Vernunft“. Sie bezeichnet in der Regel eine Wissenschaft zu einem Gebiet (z. B. Archäologie). Die Wissenschaftler, die sich damit befassen sind dann die „-logen“ (z. B. Archäologen).

Daraus müsste eigentlich resultieren, dass die UFOlogie eine Wissenschaft ist (auch wenn sie nicht als solche anerkannt ist und zu den so genannten „Grenzwissenschaften“ gehört). Doch nicht nur aus Zeiten der DUIST e. V. und der oftmals negativen Presseberichte ist der Begriff UFOlogie mit einem negativen Beigeschmack versehen. Im Laufe der Zeit bildeten sich regelrechte Sekten und Fanatiker, die angeblich mit außerirdischen Raumbrüdern Kontakt haben und Heilsbotschaften verkünden. Auch solcher Nonsens wird zumeist von der Presse mit UFOlogie und UFOlogen in Verbindung gebracht. Das alles wiederum trägt mit dazu bei, dass es kaum seriöse Wissenschaftler gibt, die sich ernsthaft mit dem Thema UFO auseinandersetzen wollen. Und wenn doch, dann geschieht dies meistens unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Somit bleibt die Thematik fast ausschließlich in privater Hand und die zahlreichen UFO-Organisationen, die es weltweit gibt, sind häufig ausschließlich privat betrieben. Wegen des negativen Beigeschmacks der Begriffe UFOlogie und UFOloge verwendet man viel lieber die Begriffe UFO-Forschung und UFO-Forscher.

Der allergrößte Teil aller UFO-Meldungen kann übrigens auf natürliche Phänomene oder konventionelle Dinge zurückgeführt bzw. aufgeklärt werden. Der Anteil, der als ungelöst verbleibt beträgt weltweit weniger als 2 bis 4 %. Diese können häufig nicht aufgeklärt werden, weil die Angaben dazu unzureichend sind oder die Fälle zu weit zurück liegen. Aber dies lässt auch noch hoffen, dass wir vielleicht doch schon einmal Besuch aus dem Weltraum hatten…

  1. Fotolegende: Eine Wolkenformation, die zu Zeiten der 1988 aufgelösten DUIST e. V. wahrscheinlich als Formation außerirdischer Raumschiffe interpretiert worden wäre. Foto: © Himi, Pixelio.de.
  2. Fotolegende: Auch solche ganz offensichtlich gefakten Fotos wären vermutlich für die DUIST e. V. ein „IFO“ (im Sinne von „interplanetarisch“) gewesen. Foto: © Wolfgang Pfensig, Pixelio.de.

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