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Rechtschreibung

Was hat die Rechtschreibreform eigentlich gebracht?
06.02.2010 10:48:07 eingesandt von die Textschmiede für OnlineZeitung 24.de

Kalligrafie (Bibel 1407)
Kalligrafie (Bibel 1407)
"Wir sind das Volk!" - "Wir sind ein Volk!" Diese Parole ist bereits älter als die Rechtschreibreform von 1996, es gibt aber eine Brücke zwischen beiden Themen. Denn am 26. März 1998 gab es eine vom Deutschen Bundestag beschlossene Resolution unter dem Titel "Die Sprache gehört dem Volk". Es ist gut, dies zu wissen. Denn auch heute noch gibt es nicht nur viel Verunsicherung, was denn nun eigentlich "richtig" ist, sondern immer noch oder wieder Grabenkämpfe: die eine Zeitung schreibt wieder "daß", die andere der Reform entsprechend "dass". Doch die Sprache und damit auch die Schrift gehört dem Volk, also kann das Volk auch selbst darüber entscheiden, jeder für sich. Es gibt kein Gesetz, das private Schreibweisen verbietet oder unter Strafe stellt.

Den wenigsten Betroffenen ist vermutlich bekannt, daß/dass sie daher in jedem Fall schreiben können, wie und was sie wollen, es gibt in Deutschland - anders als zum Beispiel in Frankreich - keine staatlich verordnete Verbindlichkeit zu diesem Punkt. Lediglich diejenigen, die zum Staat in einem besonderen Rechtsverhältnis stehen, können per Verwaltungsvorschrift durch diesen Staat zu einer bestimmten Schreibweise verpflichtet werden: Beamte, Richter, Soldaten, Studenten, Schüler. Nur für diesen Personenkreis ist die jeweilige Rechtschreibung einschließlich reformierter Regeln durch Verwaltungsvorschrift bindend. Letztlich ist das nichts anderes als corporate design als Element einer corporate identity, wie wir sie auch aus Unternehmen kennen. Ein Unternehmen kann auch festlegen und von seinen Beschäftigten die Einhaltung verlangen, daß/dass diese z.B. die radikale Kleinschreibung oder eine bestimmte Sprachform verwenden wie KundInnen oder KollegInnen. So wie es auch festlegen kann, ob die Mitarbeiter Dienstkleidung tragen oder ob sie sich alle mit Du/du ansprechen müssen. All dies hat aber nichts zu tun mit richtig oder falsch, denn das gibt es weder in der Sprache noch in der Schreibweise. Es ist alles nur Konvention, und letztlich zählt nur die Verständlichkeit. Die Ästhetik ist bei Gebrauchstexten sicher nicht das wichtigste Kriterium.

Die Wellen schlugen hoch: die Rechtschreibreform schien unglaublich wichtig zu sein, im Streit darüber wurden mehr oder weniger sinnvolle Argumente ausgetauscht. Es sei leichter zu lernen, es sei logischer, es sei für Ausländer einfacher. Aus unserer Sicht - die Textschmiede ist ein Dienstleister und bietet, ganz nach Wunsch, sowohl die alte als auch die neue Rechtschreibung an - sind das Scheinargumente. Hätte man die deutsche Schreibweise für Nichtdeutsche leichter zugänglich machen wollen, hätte man das scharfe s (sz) ganz abschaffen können. So aber wurden nur neue Sonderregeln geschaffen, die noch verwirrender sind. Leichter geworden ist nichts, und leid tun/Leid tun können einem die Lehrer und die Schüler, die in der Übergangsphase beide Versionen lernen und beherrschen mußten/mussten.

Daß/dass die Reform bei weitem nicht den gewünschten oder behaupteten Erleichterungseffekt hat, diese Erkenntnis ist mittlerweile bereits zum Witz geworden. Frage: "Wieviele/wie viele Rechtschreibungen gibt es?" Antwort: "Drei! Die alte, die neue und meine."