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Politik: Deutschland

Heute vor 100 Jahren (13): Grundsatzrede zur deutschen Außenpolitik

Paul Graf Wolff Metternich zur Gracht versichert in London eine friedliche Außenpolitik

Grafik: © Alex Mais
Grafik: © Alex Mais
Am 27. Januar 1910, knapp viereinhalb Jahre vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges, hält der deutsche Botschafter in Großbritannien, Paul Graf Wolff Metternich zur Gracht, in London eine Grundsatzrede zur deutschen Außenpolitik. Demnach betrieb das Deutsche Reich zu diesem Zeitpunkt eine friedliche Außenpolitik, die später aber auch als „schwankend und unsicher“ bezeichnet werden musste. So versicherte der Botschafter beispielsweise: „Wir verlangen nicht neue Länderstrecken; unsere Eroberungspolitik ist auf Erschließung fremder Märkte gerichtet.“

Ähnlich drückte es knapp fünf Wochen später, am 5. März 1910, auch der deutsche Reichskanzler Theobald von Bethmann-Hollweg in seiner Rede im Reichstag aus: „Unsere auswärtige Politik, nicht nur England, sondern allen Mächten gegenüber, ist lediglich darauf gerichtet, die wirtschaftlichen und kulturellen Kräfte Deutschlands frei zur Entfaltung zu bringen.“

Gut zwei Jahre zuvor, vom 15. Juni 1907 bis zum 18. Oktober 1907, hatte in Den Haag die zweite Haager Friedenskonferenz stattgefunden, an der auch Deutschland teilgenommen hatte. Die Haager Friedenskonferenzen sollten der Abrüstung sowie einer Entwicklung von Grundsätzen zur friedlichen Regelung internationaler Konflikte dienen. Die auch von Deutschland unterzeichneten Erklärungen aus dieser zweiten Haager Friedenskonferenz wurden vom deutschen Reichsgesetzblatt just an jenem Tag veröffentlicht, an dem der deutsche Botschafter in London seine Grundsatzrede hielt – am 27. Januar 1910. Unterzeichnet worden waren sie zwei Tage zuvor, am 25. Januar 1910 von Reichskanzler Theobald von Bethmann-Hollweg.

Wie liberal die deutsche Außenpolitik damals war beweist ein Schreiben des Alldeutschen Verband vom 31. Januar 1910 an Reichskanzler Theobald von Bethmann-Hollweg. Darin beschwert sich der Alldeutsche Verband, dass das Auswärtige Amt „alles Vertrauen verloren“ habe, weil es „fremdländische Interessen zum Nachteil reichsdeutscher“ fördern würde.

All dies verlor jedoch mit dem Attentat vom 28. Juni 1914, bei dem der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Ehefrau Sophie ermordet wurden völlig seine Bedeutung. Hinter dem Anschlag wurden die Mitglieder der serbischen Geheimloge Schwarzer Hund vermutet. Genau einen Monat später, am 28. Juli 1914, erklärte Österreich-Ungarn Serbien den Krieg. Zwei Tage später, am 30. Juli, wurde in Russland die Generalmobilmachung zur Unterstützung Serbiens befohlen, woraufhin das Deutsche Reich als Bündnispartner Österreich-Ungarns am 1. August 1914 Russland den Krieg erklärte. Noch am gleichen Abend überschritten die russischen Truppen die Grenze nach Ostpreußen. Die Geschichte nahm ihren verhängnisvollen Verlauf…

Aber auch in Spanien war der 27. Januar 1910 ein denkwürdiger Tag. An diesem Tag veröffentlichte der katholische Verband Spaniens in Madrid sein Programm, in dem die Katholiken die Einschränkung der Religionsfreiheit in Spanien fordern. Gleichzeitig wird die Forderung für eine Untersagung aller nichtchristlichen Kulte und für ein striktes Verbot aller nichtkatholischen Vereine und Verbände ausgesprochen. Zudem fordert die katholische Obrigkeit alle Lehranstalten und Universitäten unter die geistliche Oberaufsicht der katholischen Kirche zu stellen. Mit diesen unangemessenen machtpolitischen Forderungen zeigt die katholische Kirche wieder einmal mehr machtpolitische Ambitionen und verhilft den diesbezüglichen Auseinandersetzungen zwischen den Klerikalen und den Liberalen zur Ausartung in einen regelrechten Kulturkampf.

Fotolegende: Das Metternich-Zitat vom 27. Januar 1910. Grafik: © Alex Mais.

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Schlüsselwörter: 27. Januar 1910 | 27.01.1910 | Haager Friedenskonferenz | Wolff Metternich | von Bethmann-Hollweg | deutsche Außenpolitik
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Kommentare

349
am 27.01.2010 11:14:36 (76.76.104.xxx) Link Kommentar melden
Man sieht daran, wie hilflos "Friedenskonferenzen" sind.

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