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Politik: Soziales & Bildung

Die unterdrückte Muslima- Klischee oder Wirklichkeit?

Was Sarrazins "Kopftuchmädchen" wirklich denken -Teil 1-

Kopftuchmädchen - Quelle: Privat
Kopftuchmädchen - Quelle: Privat
Seit 9/11 begann ein beispielloser Feldzug gegen die sogenannte "Achse des Bösen". Religiös motivierte Hetze wurde salonfähig durch Bushs Märchenstunden über die angeblichen Massenvernichtungswaffen im Irak (die müssen doch irgendwo sein, hat mein Papi doch geliefert!) bis zu den Demokratisierungsversuchen in Afghanistan, die mittlerweile nach Aussage von Jonathan Steele im „The Guardian“, der die Zahlen zwischen 20.000 bis 49.600 Menschen nannte, welche als Konsequenz der Invasion starben. Nun, nachdem Saddams Kopf durch Bushs Henker fiel, mussten neue Feindbilder geschaffen werden, und diese Welle der Spalter hat endlich auch das letzte verschlafene Nest in Deutschland erreicht. Hat man nicht immer schon auf Flughäfen misstrauisch männliche, dunkelhaarige Bartträger beäugt? Konnte man nicht schon seit langem die konspirativen Versammlungen um die islamischen Moscheen mit einem gewissen Argwohn verfolgen? Sieht nicht der Gemüsehändler Ali genauso aus wie einer der gesuchten Attentäter?

Der dunkelhaarige Bartträger am Flughafen bot plötzlich an, die schweren Koffer vom Band zu hieven - "gestatten, Rashid Aziz aus Bremen, übrigens bin ich Anwalt für Deutschland und Marokko, falls Sie mal Hilfe brauchen, hier meine Karte - und schönen Urlaub noch hier!"...und verschwand lächelnd in der Menge. Die konspirativen Versammlungen rund um die Moschee dienten dem Zweck, einer in Not geratenen Familie zu helfen, deren Haus abgebrannt war, man versammelte die Männer zum Arbeitseinsatz, um Nachbarschaftshilfe zu leisten, wie man sich auch in christlichen Gemeinden im Zentrum trifft. Und Ali, der vermeintliche Terrorist? Nun, der hat gerade eine kleine Tochter bekommen, deshalb hat er alle Nachbarn eingeladen. Pieksauber bei denen, muss man sagen. Und bei der Feier hat Ali gesagt, dass er früher, in der Türkei, mal Polizist war..naja..man kann sich ja wohl mal irren...?!

Wenn man sich die Mühe macht, von Klischees den Mantel der Beliebigkeit zu nehmen, und einen tieferen Einblick in die Einzelschicksale der betroffenen Personenkreise nimmt, dann kann man die Denkfehler und vor allem die Instrumentalisierung erkennen, die Politiker a la Sarrazin mit ihren Pauschalvorwürfen schüren.

Eine Studie der Konrad Adenauer Stiftung bringt hier ein Thema ans Licht der Öffentlichkeit, das ansonsten oft und gern von der bierseligen und bildungsfernen Unterschicht thematisiert und verzerrt wird:

Das Kopftuch

http://www.kas.de...0807122758

Zunächst sei einmal vorweggenommen, dass es keine einzige wissenschaftliche Untersuchung darüber gibt, weshalb Muslimas nun wirklich Kopftuch tragen. Allein die unter wissenschaftlichen Kriterien durchgeführte Studie der Konrad Adenauer Stiftung bringt einige Zusammenhänge nahe, die möglicherweise auch auf andere Bevölkerungsgruppen von Muslimas angewendet werden können.

Seit über 40 Jahren leben Muslime und Nicht-Muslime in Deutschland zusammen. Unter den etwa 3,2 Millionen Muslimen bilden 2,5 Millionen türkischstämmige Personen die größte Gruppe, gefolgt von rund 164.000 Bosniern und etwa 89.000 Iranern.

Viele dieser Muslime tragen traditionelle Kleidung aus ihrer Heimat. Dazu zählt auch das Kopftuch. Nun aber anzunehmen, das allein sei, sozusagen aus der Macht der Gewohnheit, der entstandene Grund, ein Kopftuch zu tragen, wäre zu kurz gedacht.

Wie ist das überhaupt, wer trägt denn eigentlich Kopftuch, nur Muslimas, oder gibt es da noch mehr?

christliche Kopftuchträgerin gilt als hip Quelle P
christliche Kopftuchträgerin gilt als hip Quelle P
Schaut man in der Wikipedia nach, findet man interessante Fakten zu diesem Thema:
Ein Kopftuch ist ein dreieckiges oder zum Dreieck gelegtes Stück Stoff, mit dem der Kopf bedeckt wird. Es kann auf verschiedene Arten (mit Knoten unter dem Kinn oder im Genick, unter dem Kinn gekreuzt und im Nacken geknotet oder auch ohne Knoten) auf dem Kopf getragen werden. Für das Tragen eines Kopftuches gibt es vielfältige Gründe: Schutz vor der Witterung (Kälte, Hitze, Wind, Sonne), aus hygienischen Gründen (vor allem in Küchen und Krankenhäusern), damit die Haare bei der Arbeit nicht stören (teilweise auch als vorgeschriebener Arbeitsschutz), um diese vor Verschmutzung (durch Staub etc.) zu schützen, zur Abdeckung „ungepflegter“ Haare bzw. von Haaren mit eingedrehten Lockenwicklern, als Zierde oder als modisches Accessoire. Darüber hinaus hat das Kopftuch einen Status als religiöses bzw. kulturelles Symbol.

Vorrangig werden Kopftücher von Frauen und Kindern getragen, aber es gibt auch Kopftücher für Männer. Besonders bei kleinen Kindern steht die Schutzfunktion eines Kopftuchs oder einer anderen Kopfbedeckung im Vordergrund. Das Tragen von Kopftüchern war in Europa bis in die 1970er Jahre allgemein üblich, entsprach der Mode und auch den herrschenden Konventionen. Zur selben Zeit war es völlig selbstverständlich, dass Männer niemals ohne Hut in die Öffentlichkeit gingen. Die Akzeptanz und damit Nutzung des Kopftuches sank zuerst in den Städten und später auch im ländlichen Raum. Es wurde von anderen Kleidungsstücken wie zum Beispiel Hüten oder Mützen, seit dem ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhundert auch durch Baseballkappen, weitgehend verdrängt, großteils ist es heute aber auch üblich, keine Kopfbedeckung zu tragen. Heute werden Kopftücher vorrangig aus religiösen und traditionellen, aber auch aus praktischen Gründen (Cabrio-Fahrerinnen, Feldarbeit) getragen. In Bereichen, in dem die Bedeckung der Haare zwingend vorgeschrieben ist (beispielsweise aus hygienischen Gründen im Lebensmittelbereich oder als Arbeitsschutz), werden Kopftücher auch heute noch regelmäßig benutzt, oft aber auch in einer Variante aus speziellem Papier, das nach einmaliger Benutzung entsorgt wird.

Besonders verbreitet war das Tragen eines Kopftuches in der Nachkriegszeit (Stichwort Trümmerfrauen), sowohl um die Haare vor Schmutz zu schützen als auch die umständehalber oft nicht besonders gepflegten Haare zu verbergen.

Üblich sind Kopftücher auch heute noch in vielen osteuropäischen, aber auch mittel- und südeuropäischen Ländern. Dort wird es regelmäßig beim Gottesdienst, aber vielfach auch im Alltag, insbesondere von älteren Frauen benutzt.

Frau mit Kopftuch Pixelio
Frau mit Kopftuch Pixelio

Zum Verdrängen des Kopftuchs trug bei, dass viele Frauen aus modischen Gründen auf Kopfbedeckungen jeglicher Art, selbst bei starker Sonne oder großer Kälte, verzichteten, was durch verbesserte Möglichkeiten der Haarpflege (zunehmende Ausstattung von Wohnungen mit eigenem Badezimmer) möglich wurde. Auch wurde das Kopftuch vielfach als Zeichen von Rückständigkeit angesehen, was sich u .a. in Witzen niederschlug.

Warum aber stehen nur die Muslimas dermassen im Focus der Politiker, die nach Sarrazins Vorbild ein neues Feindbild erschaffen haben - das Kopftuchmädchen.

Bleiben wir einmal bei Sarrazins Kernsatz:

"Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert."

Folklore erlaubt, Muslimas verboten? Pixelio.de
Folklore erlaubt, Muslimas verboten? Pixelio.de
Dieser Satz beinhaltet gleich mehrere Denkfehler.
  1. Denkfehler: Ausländer lehnen (pauschal) den deutschen Staat ab
  2. Denkfehler: Ausländer sorgen nicht für eine Ausbildung ihrer Kinder
  3. Denkfehler: Mädchen kommen mit Kopftuch zur Welt
Die Verquickung dieser rabulistisch anmutenden Junktims innerhalb eines einzigen Satzes zeigt allein schon, worum es diesem SOPO (SOgenannter POlitiker) geht: um Hetzkampagne, um Aufmerksamkeit bei den Unterbelichteten, bei der deutschen Proloschicht gegen eine Minderheit, die sich nicht wehren kann: die angeblichen Kopftuchmädchen. Doch: wer sind diese Kopftuchmädchen denn eigentlich, die hier so verhöhnt werden, dass sie "produziert wurden und nicht aus einer Ehe oder Liebesbeziehung entstanden sind? Hier gibt die Studie der Konrad Adenauerstiftung genaueren Einblick:
So wird viel über Kopftuch tragende Musliminnen gesprochen, ohne dass Erkenntnisse über ihre Motive und Einstellungen vorliegen. Es gibt bislang keine Studie über diese Frauen. Wir wissen auch nicht, wie viele Musliminnen ein Kopftuch tragen. Ebenfalls unbekannt ist, ob ihr Anteil in den vergangenen Jahren zu- oder abgenommen hat. Die stärkere Präsenz in der Öffentlichkeit deutet eher auf eine Zunahme hin.

Die nicht-muslimische Mehrheitsgesellschaft in Deutschland interpretiert das Kopftuch in der Regel als religiöses oder als politisches Symbol, das für die patriarchalische Unterdrückung der Frau oder auch für muslimischen Fundamentalismus steht.Doch wenn man man die Diskussion hier und auch in islamischen Ländern verfolgt, ergeben sich mindestens vier Motivationsgründe zum Tragen eines Kopftuchs:

• Tradition als ausschlaggebender Faktor Viele Frauen fassen die Verhüllung des Kopfes als selbstverständliche islamische Tradition auf, die nicht hinterfragt wird und zum Leben als Muslimin einfach „dazu gehört“. Oftmals gehen diese Traditionen mit regionalen Sitten einher. Es ist ein Ausdruck der Zugehörigkeit zur religiös-kulturellen Tradition ihres Herkunftslandes. In der Türkei tragen • Entscheidung aufgrund religiöser Überzeugung Durch die bewusste Entscheidung zum Tragen eines Kopftuches setzt sich die Frau vom traditionellen und imitierten Kopftuchtragen ab. Sie möchte verdeutlichen, dass sie das Kopftuch aus innerer Überzeugung trägt und nicht aus gedankenloser Nachahmung. • Sexuelle Signalwirkung: Die Musliminnen, die aus religiöser Überzeugung das Kopftuch tragen, argumentieren, auf diese Weise sichtbar zu machen, dass sie für den Mann auf der Straße kein Objekt der Begierde sein wollen und dass der Mann nicht über sie verfügen kann. • Das Tragen des Kopftuches als Zeichen des Protestes Mit der Absicht, „Persönlichkeit und nicht Weiblichkeit“ zu zeigen, wollen islamische Feministinnen nach eigener Ansicht der Reduzierung auf Äußerlichkeiten entgehen. Die „islamische Kleidung“ für Männer und Frauen befreit sie in ihren Augen vom Zwang, durch teure Kleidung, Kosmetika und Schmuck mit ihresgleichen zu konkurrieren, und gleichzeitig ermöglicht sie die schon äußerlich sichtbare Abgrenzung von der möglicherweise als drückend empfundenen sozialen Herkunft.

Nimmt man Sarrazins Aussagen mal als Grundlage, könnte man mit der gleichen Berechtigung über andere Bevölkerungsgruppen, beispielsweise Angler oder Jäger, folgende Aussage nach Sarrazins Vorbild schaffen:

Ich muss niemanden akzeptieren, der anderen nach dem Leben trachtet, der sich nicht bereit ist, sein Fleisch oder seinen Fisch im Supermarkt zu kaufen, der keine Mehrwertsteuer zahlt für das von ihm erbeutete Wild und der aufgrund seines Jagderfolgs nachts weitere kleine Waidmänner mit Gamsbarthut zeugt
Anhand dieses fiktiven Beispiels sieht man schon, wie unsinnig Sarrazins weit hergeholte und wild zusammengschusterten Klischees sind. Glücklicherweise hat die Bundesbank rechtzeitig die Handbremse gezogen und ihn zum Frühstücksdirektor befördert. Sarrazin hatte unter anderem gesagt: "Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate. Das würde mir gefallen, wenn es osteuropäische Juden wären, mit einem 15 Prozent höheren IQ als dem der deutschen Bevölkerung." Was davon zu halten ist, sieht man wiederum an der itierten Studie, auf die ich nunmehr in Beantwortung von Herrn Sarrazins Stimmenfang für die vermeintlich intelligenteren osteuropäischen Juden:

3.1 Sozialstrukturelle Zusammensetzung der Teilnehmerinnen Der Forschungsansatz und die nicht repräsentative Auswahl führten zu gewissen Verzerrungen hinsichtlich der sozialstrukturellen Zusammensetzung der befragten Frauen. So verfügten die Teilnehmerinnen über ein überdurchschnittliches Bildungsniveau. 43 Prozent besaßen das Abitur oder einen Hochschulabschluss; nur 25 Prozent hatten lediglich die Hauptschule absolviert oder keinen Abschluss. Dies ist mit Sicherheit eine Folge der Auswahl der Interviewerinnen, die überwiegend aus dem studentischen Umfeld kamen und zum Teil Personen aus ihrem Umfeld ansprachen...Entsprechend fallen die Angaben zur Berufstätigkeit aus. Etwa 30 Prozent sind noch auf der Schule oder studieren. 34 Prozent sind als Hausfrau tätig. Weitere 29 Prozent gehen einer Arbeit nach (inklusive Teilzeitarbeit), und lediglich 1 Prozent absolviert eine Ausbildung...

Über die Hälfte der Teilnehmerinnen (53 Prozent) ist schon in Deutschland geboren worden. Insgesamt leben 78 Prozent schon acht Jahre oder länger in Deutschland oder sind hier geboren. Ein großer Teil der Frauen mit türkischer Staatsbürgerschaft erfüllt somit die Anforderungen zur Einbürgerung...Es entsteht der Eindruck, dass sich die Teilnehmerinnen der Studie Deutschland emotional vergleichsweise wenig verbunden fühlen. Dieser Eindruck wird durch die direkte Frage nach der Verbundenheit mit Deutschland oder der Türkei bestätigt...Insgesamt ist festzustellen, dass sich ein großer Teil der türkischstämmigen Kopftuchträgerinnen in Deutschland offenbar nicht heimisch fühlt. Obwohl die überwiegende Mehrheit von ihnen entweder schon hier geboren wurde oder schon lange hier lebt, ist ihnen Deutschland offenbar fremd geblieben. Sie halten sich für Angehörige einer diskriminierten Minderheit und fühlen sich zurückgesetzt. 80 Prozent der Teilnehmerinnen sind der Ansicht, dass Türken in Deutschland wie Bürger zweiter Klasse behandelt werden. Diese subjektiven Benachteiligungsgefühle verhindern die Identifikation mit dem Land, in dem sie leben...Die Frauen mit niedrigem Bildungsniveau beschränken ihren Bekanntenkreis vorwiegend auf das türkischsprachige Umfeld, während die höher gebildeten Frauen auch Freundschaften im deutsprachigen Umfeld pflegen.

Mir drängt sich die Frage auf, wie soll jemand sich einen deutschen Freundeskreis schaffen, wenn er in einem Land voll Ablehnung und Fehlinformation über seine Kultur lebt? Wenn in seinem deutschen Vokabular die Worte Kruzitürken, Kanacken, Museltusse oder ähnliches eingebrannt sind? Was würden wir tun, als "der Ausländer", Rückzug dahin, wo man willkommen ist oder immer wieder riskieren, blöd angemacht zu werden?

Die weit verbreitete Annahme, das Kopftuch werde vor allem auf Druck männlicher Familienmitglieder getragen, kann hier nicht bestätigt werden...Drei Viertel der Teilnehmerinnen geben an, ihr Vater hätte bei der Entscheidung für das Kopftuch keine Rolle gespielt. Die übrigen männlichen Familienmitglieder Bruder oder Ehemann spielen eine noch geringere Rolle. Dagegen sagen 40 Prozent, die Mutter hätte für die Entscheidung eine große oder eine mittlere Rolle gespielt. Nach diesen Ergebnissen stellt sich die Entscheidung für das Kopftuch als persönliche Entscheidung dar, die in relativ geringem Ausmaß durch externe Personen beeinflusst wird...Expliziter Druck durch Familienangehörige für die Entscheidung zum Kopftuch scheint eher die Ausnahme zu sein. Vielmehr wird der normative Charakter dadurch gestützt, dass es als religiöse Notwendigkeit betrachtet wird, ein Kopftuch tragen.

Ein sehr wichtiger Punkt aus der Studie ist die folgende Frage:

Wie wollen Kopftuch tragende Musliminnen leben?
Im Leben Kopftuch tragender Musliminnen nehmen religiöse und familiäre Werte einen herausragenden Stellenwert ein. Sie sind deutlich wichtiger als Ziele, die für Freiheit und Selbstverwirklichung stehen. Als wichtigstes Lebensziel gilt 95 Prozent der Teilnehmerinnen, den eigenen Glauben leben zu können. Die Religion ist den Teilnehmerinnen damit sogar noch wichtiger als ein harmonisches Familienleben, das für 93 Prozent ein sehr wichtiges Lebensziel darstellt.

Mit diesem Schlüsselsatz erklärt sich vieles, was in der allgemeinen Debatte weitgehend untergeht. Während in der europäischen Welt bereits 17jährige auf die erste Brustvergrösserung sparen, während in der sog. zivilisierten Konsumgesellschaft ein Grossteil des Geldes für Markenklamotten, Kosmetika und Haarverlängerungen verwendet wird, grenzen Muslimas sich bewusst ab von dem Spektakel aus einer sexualisierten Gesellschaft und einer als gottlos empfunden Welt. Sie wollen mit dem Kopftuch ein Zeichen setzen, auch den Männernd, dass sie eben nicht nur einen weiblichen Körper haben, wollen wahrgenommen werden als Mensch, als eigenständige Persönlichkeit, wollen geliebt werden nicht als "neueste Eroberung" sondern als echte Partnerin, die nicht als Sexobjekt, sondern als wertgeschätzte Partnerin gesehen wird. Die Ehemüdigkeit deutscher Männer zeigt auch, dass die sogenannte Emanzipation mit ihrem Paris-Hilton-Syndrom keineswegs für alle Menschen Vorteile bringt:

Immer mehr deutsche Männer heiraten ausländische Frauen. Lag ihre Zahl 1989 noch bei 16.000, hat sie sich bis mittlerweile auf 33.000 erhöht und damit fast verdoppelt. Die meisten Frauen stammen aus Polen, gefolgt von Thailand, Russland und Rumänien. Was deutlich macht:
die emanzipierte Frau Quelle Pixelio.de
die emanzipierte Frau Quelle Pixelio.de
Den reichen Mann aus der Industrienation zieht es zur armen Frau aus Regionen mit wirtschaftlichem und sozialem Nachholbedarf. Klar, dass dies reichlich Raum für Spekulationen zu seinen Motiven lässt.Die harmloseste ist, dass er keine Lust mehr auf die emanzipierten Frauen und kriselnden Beziehungen unserer Breiten hat und stattdessen im Ausland nach weiblicher Loyalität und Dankbarkeit sucht. Noch schärfer klingt der Vorwurf, er sei ein Verlierer, sozial isoliert und unattraktiv, der sich jenseits der Grenzen eine Frau besorgen muss, weil er in der Heimat keine mehr abbekommt.

Die wissenschaftlichen Daten zeigen jedoch in andere Richtungen. So betont Soziologe Professor Bernhard Nauck von der TU Chemnitz: „Entgegen weitverbreiteten Vorstellungen kommt eine binationale Partnerwahl gehäuft vor, wenn zumindest ein Partner Abitur oder Fachhochschulreife hat.“ Von einer sozialen Underdog-Position der Männer kann also keine Rede sein....Nichtsdestoweniger fand Glowsky deutliche Hinweise darauf, dass Männer, die sich für eine binationale Hochzeit entscheiden, mit dem emanzipierten und berufsorientierten Frauentyp hierzulande nicht klarkommen. Sie hätten lieber eine traditionellere Rollenverteilung: Ihre Frau darf klüger und schöner sein als sie, doch einen Drang zu Selbstständigkeit und Beruf sollte sie nicht haben. So etwas ist in unseren Breiten selten geworden. Es wirft allerdings auch wieder die Frage nach der „Ansteckungsgefahr“ auf. Denn wenn die unbedarfte Frau aus dem Ausland ständig den Emanzipationsgedanken vorgelebt bekommt, könnte sie sich womöglich damit infizieren – und dann hat ihr Mann womöglich wieder ein Problem.

Unter diesem Aspekt erscheint es geradezu wie Neid, wenn Sarrazin tönt, man müsse den Muslimas nun endlich das Kopftuch vom Kopfe reissen - bildhaft gesprochen - und sie endlich emanzipieren...um dann lauter kleine Alice-Schwarzers draus zu machen, oder was? Um klar zu sagen: ich mag Alice Schwarzer, aber ich will nicht sein wie sie. Ich möchte frei entscheiden, was ich mache, ob ich beruflich erfolgreich bin oder einfach nur heirate und Ehefrau bin. Und das gleiche gestehe ich auch Muslimas zu. Sich frei zu Familie und Ehe zu bekennen- oder eben nicht. Unter diesem Aspekt bleibt vielleicht noch zu erwähnen:
Nach einer Studie des Nürnberger Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge tragen 70 Prozent der muslimischen Frauen in Deutschland das Kopftuch nie. Vor allem in der zweiten Einwanderergeneration wird das Kopftuch immer seltener getragen.

Daher meine Frage: Mann, Herr Sarrazin, worüber regen Sie sich denn eigentlich so auf?

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Schlüsselwörter: Muslima | Islam | Frauenrechte | Türken | Bildungsniveau | Sarrazin | Araber | Ausländerhass | Kopftuchverbot | Kopftuchstreit | Moslems | Rassismus | Kopftuchmädchen
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Kommentare

OZ24
am 28.12.2009 09:45:14 (84.183.181.xxx) Link Kommentar melden
Ich weise darauf hin, das trotz der Kontroversität des Themas, alle unsachlichen Kommentare gelöscht werden.
173
am 28.12.2009 11:22:01 (188.193.135.xxx) Link Kommentar melden
Egal wo man steht, richtig ist, das viele muslemische Frauen aus hier genannten Gründen das Kopftuch tragen. Auch als Bekenntnis einer Lebensform. Auf der anderen Seite steht der Satz, ich meine aus "vom Winde verweht", "ein Sklave ist erst dann ein Sklave, wenn es ihm bewußt wird, das er ein Sklave ist"
D.h., die muslimische Frau unterwirft sich bewußt einer Rollenverteilung, die wohl bis hin zur gezielten Unterdrückung als Taliban-Staat, wie einst in Afghanistan vorgelebt, gehen kann. Oder jetzt im Sudan etc.
Die Befreiung der Geschlechter in der westlichen Welt, wo die Frau wirklich meist nur noch der Marktstrategie unterworfen wird, ist nun auch nicht gerade die gedachte Lösung der einstigen Befreiung und Alice Schwarzer wird das wohl nicht gerne sehen.
Der richtige Weg eines befreiten Lebens unabhängig des Geschlechtes, wo der Mensch als Mensch bewertet wird und die Geschlechter sich auf Augenhöhe in Achtung und Respekt zueinander finden, ist wohl noch nicht erreicht. Weder bei den Muslimen, noch in der sogenannten aufgeklärten westlichen Freiheitswelt. Wo die 68er-Befreiung ja bis heute meist mit der Befreiung von Regeln im Ergebnis verblieben ist, was doch in großen Teilen sehr an Chaos erinnert und eigentlich so nicht gemeint war.
288
am 28.12.2009 11:40:43 (95.169.227.xxx) Link Kommentar melden
Hey, Chaim, bisher haben alle anderen den Sinn begriffen, also das, was gemeint warWink..bei manchen dauerts eben etwas länger. Mach dir nichts drausGrin
Du hast mir mit deiner Auflistung sogar noch geholfen, Sarrazins unsinnge Konstrukte zu demontieren. Danke dafür!
Denn es sollte eben gerade KEIN Vergleich sein, sondern ein weiteres Beispiel für die unsinnige Verquickung von wild zusammengestellten Unterstellungen zu einem Gesamtkonstrukt, welches aber jedes für sich gesehen keinerlei Sinn ergibt.
Ich hätte aber auch schreiben können:
Ich muss keine jüdischen Migranten akzeptieren, die kein Einkommen haben, den ganzen Tag Hetzparolen ins Netz stellen und besoffen Frau und Kinder schlagen.
Das wäre die gleiche bescheuerte Zusammenhangskonstruktion gewesen wie die, die Sarrazin verbrochen hat. Nur mit anderen Hauptdarstellern. Jetzt verstanden? Wink
288
am 28.12.2009 11:44:19 (95.169.227.xxx) Link Kommentar melden
Und damit nun klargestellt ist, dass ich den UNSINN einer Aussage dokumentiere, hier gleich die passende Auflistung der Einzelargumente:
1. jüdische Migranten haben in der Regel ein gutes Einkommen
2. nur einzelne Juden stellen gelegentlich Dinge ins Netz, die man aber als eigene Meinung bezeichnen kann und nicht als Hetzparole
3. Juden schlagen nicht mehr und nicht weniger ihre Frauen und Kinder als andere Teile der Bevölkerung.
Jetzt hoffe ich, dass nun auch DU begreifst, worum es geht.
288
am 28.12.2009 11:54:35 (95.169.227.xxx) Link Kommentar melden
http://www.stilst...chives/378

Kurzum: Eine kleine Kausalkette lässt sich eigentlich immer rasch zusammenhäkeln. Die Weite der Welt stellt so viele Faktoren bereit, dass sich davon immer einige durch ein ‚darum’ oder ‚deshalb’ halbwegs plausibel verbinden lassen. Eine bloß sprachlich hergestellte Kausalität wirkt wiederum oft so überwältigend, dass die Kausalkette zu Überrumpelungszwecken und zu kurzzeitigen Argumentationsgewinnen immer taugt. Bei etwas Nachdenken löst sie sich zumeist rasch in Rauch und logisches Talmi auf, weil die Welt sich nicht als linear und monokausal verknüpft erweist – gar nicht so, wie es der Spaghetti-Code des linearen Denkens suggeriert.


Passend dazu ein Artikel über unfaire Rhetorik:
http://www.faz.ne...ntent.html
288
am 28.12.2009 12:23:21 (95.169.227.xxx) Link Kommentar melden
@chaim:
Rahmentext um den nackten Frauenpo stammt von
http://mobil.welt...n&cid=
sollte eigentlich im Text angegeben sein. Hab aber nicht danach gesucht, ging mglw. bei Absturz verloren.
288
am 28.12.2009 12:30:49 (95.169.227.xxx) Link Kommentar melden
* Es geht um den statistisch überhöhten Anteil von Hartz IV-Empfängern und auch von Gefängnis-Insassen bei musels und arabs
* Es geht um die Integrationsverweigerung speziell von musels und arabs
* Es geht um die fehlende Sprachkompetenz speziell bei musels und arabs


So etwa?

genau darüber KANN debattiert werden.
In genau dieser Form.
Nicht aber in der Form, ALLEN generell zu unterstellen, sie seien
-kriminell
-nicht der dt Sprache mächtig
-nicht integriert.
So koennen wir gern darüber reden, was von deinen Aussagen nun Tatsache und was davon Unterstellung ist.
Bring mal bitte aussagefähige Studien auf den Plan, die deine These untermauern.
Ich werde sie dann mit dir besprechen.
300
am 28.12.2009 17:54:23 (88.68.115.xxx) Link Kommentar melden
Religiös motivierte Hetze wurde salonfähig durch Bushs Märchenstunden über die angeblichen Massenvernichtungswaffen im Irak
Ich finde, das ist ein bisschen weit hergeholt, wenn es um Integration von Ausländern in Deutschland geht. Außerdem hört es sich so an, als ob Du die kriegerischen Absichten und potentiale von Saddam kleinreden wolltest. Damals Irak, heute Iran, was die beiden Staaten draufhaben, wurd doch im ersten Golfkrieg deutlich, den die beiden gegeneinander geführt haben.

Wo und wann hat Bush "religiös motiviert" gehetzt? Und wie kommst Du vom Krieg gegen Saddam auf 9/11?Da liegen ziemlich viele Jahre dazwischen.
288
am 28.12.2009 21:50:20 (217.168.6.xxx) Link Kommentar melden
Verstanden.


Auch sollte ich mich auch nicht mehr als JUDEN bezeichnen, dieser Logik folgend.... - oder?

was denn nun, Chaim? Verstanden oder nicht?
Nach DEINER Logik müssten wir die Juden Judels nennen dürfen, ohne dass das eine Herabsetzung ist. Und die Christen Chrissels.
WAS BITTE BRINGT DIR DAS?
Es ist klar, was OZ24 beabsichtigt: keine Beleidigungen oder Herabwürdigungen einzelner Glaubensgemeinschaften.
Und was du da praktizierst, dient doch ausschliesslich dem Zweck der Herabsetzung. Noch nicht mal den Namen gestehst du den Moslems zu. So sieht das aus.
@OZ24:
Vielen Dank für diese Massnahme. Sie dient der Seriosität für das Gesamtbild.
288
am 28.12.2009 21:54:36 (217.168.6.xxx) Link Kommentar melden
Allerdings sollten wir dann auch Begriffe wie DEUTSCHLAND oder HEIMAT ändern, auch die werden von diesen dreckigen Neonazis verwendet.

Chaim, ist das einfach zu schwer zu verstehen?
Diese Begriffe würdigen Deutschland nicht in seiner Ehre herab, das beabsichtigt auch niemand der Deutschland Deuschland nennt.
Wenn jemand aber Krauts zu den Deutschen sagt, dann meint er damit eben nicht den zuverlässigen, anständigen Nachbarn, sondern eben den Krautfresser, das Feindbild aus dem Krieg.
Angekommen?
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