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Politik: Recht & Co.

3. Januar 2010 – Ende des Familienglücks für Amonwan Gaiser

Karlsruher Verwaltungsgericht schmetterte Eilantrag auf aufschiebende Wirkung ab

Foto: © S. Hofschlaeger, Pixelio.de
Foto: © S. Hofschlaeger, Pixelio.de
Am 3. Januar 2010, 20.15 Uhr, ist es endgültig soweit. Dann startet der Flieger in Frankfurt mit Ziel in Thailand. Mit an Bord sein wird Amonwan Gaiser, die inzwischen 20jährige Thailänderin aus Freudenstadt-Wittlensweiler. Abgeschoben, von der Familie getrennt, streng nach den Buchstaben einer zweifelhaften deutschen Gesetzgebung…

Da mischen sich deutsche Truppen in die Belange anderer Völker (z.B. Afghanistan) ein, da lässt sich die deutsche Regierung Bestimmungen und Gesetze diktieren (aus Brüssel), da werden Milliarden an Entwicklungshilfe geleistet (die manchmal auch in zweifelhaften Kanälen stecken bleiben)… Alles für ein vereintes Europa und die Globalisierung. Und auf der anderen Seite werden in Deutschland Familien auf grausamste Art auseinander gerissen. Hier geschieht nichts von Seiten der Regierung, der Politik, der Rechtsprechung.

Über die Vorgeschichte dieses Falles hatte ich bereits am 17.10.2009 auf der OnlineZeitung24 berichtet. Nun bekam die Familie Gaiser Bescheid vom Verwaltungsgericht in Karlsruhe. Pünktlich zu Weihnachten kam die traurige Nachricht, dass das Karlsruher Gericht den Eilantrag abgeschmettert hat. Begründet wurde dies damit, dass bei einer Gerichtsverhandlung der Fall von Amonwan keine Aussicht auf Erfolg habe.

Laut Bernhard Schmieg, dem Leiter des Ordnungsamtes in Freudenstadt, hat Amonwan nun nur noch die Möglichkeit den Widerspruch von Thailand aus zu betreiben. Doch dies scheint aussichtslos ohne fachkundigen Rechtsbeistand. Eine Berufung beim Verwaltungsgerichtshof in Mannheim wäre dann ein weiterer Schritt. Möglich auch eine Petition beim Landtag oder die Härtefallkommission. Aber nichts davon verhindert erst einmal die drohende Ausweisung. Und so wird Amonwan am Abend des 3. Januar 2010 „freiwillig“ Deutschland erst einmal den Rücken kehren müssen, denn bei einer Ausweisung wäre ihr (zumindest auf lange Zeit) ein Besuch bei ihrer Familie im für sie familienunfreundlichen Deutschland verwehrt.

Familie Gaiser ist fast am Ende ihrer Kraft angelangt und die finanziellen Mittel zum Kampf um Amonwan sind erschöpft. So begehen sie noch ein letztes Weihnachtsfest, das hier auf keinen Fall fröhlich ausfällt – dank der Härte deutscher Gesetzgebung. Die Koffer sind schon gepackt. Mutter Jitra Gaiser wird mit nach Bangkok fliegen, sie macht sich große Sorgen, dass sich ihre Tochter in der Millionenmetropole nicht zurechtfinden könnte. So hofft sie eine Arbeit und Unterkunft für ihre Tochter zu finden, damit diese nicht (dank deutscher Behörden) im Sumpf des Rotlichtmilieus verloren geht.

Zurück in Deutschland bleiben Adoptivvater, Schwester und die Großmutter väterlicherseits. Eine Familie, die hätte so glücklich sein können – wenn sie das strenge deutsche Gesetz denn gelassen hätte. Aber vielleicht, wenn es wirklich keinen Ausweg mehr gibt, dann wandert (so Vater Bernd Gaiser) die Familie vielleicht nach Thailand aus. – Weg vom (im zweifachen Sinne des Wortes) kalten Deutschland…

Fotolegende: So kalt wie der Abschied dieser Holzmännchen - so kalt die Gesetzgebung in Deutschland. Foto: © S. Hofschlaeger, Pixelio.de.

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Schlüsselwörter: Deutsches Recht | Grausamkeiten der Rechtsprechung | Amonwan | Abschiebung | Aufenthaltsrecht
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Kommentare

288
am 25.12.2009 18:47:58 (95.169.248.xxx) Link Kommentar melden
Man kann nur immer wieder an Sarrazins Analyse erinnern.

Nur ein g.T. (geistiger Tiefflieger) kann bei einem derartigen Thema wieder nur seine eigenen Focus im Vordergund sehen.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Widerspruch nur von Thailand aus möglich sein sollte.
Wieso nicht ins EU-Ausland gehen, dort aufgrund des deutschen Kindes Aufenthaltsrecht erwirken und die Angelegenheit regeln.
Bitte bei Interesse per PN. Ich helfe gern mit Kontakten weiter.
Alex Mais
am 25.12.2009 23:35:57 (195.93.60.xxx) Link Kommentar melden
Gata Linda am 25.12.2009, 18:47:58 Uhr:
Wieso nicht ins EU-Ausland gehen, dort aufgrund des deutschen Kindes Aufenthaltsrecht erwirken und die Angelegenheit regeln.

Welches Kindes? Es gibt kein Kind - werder ein deutsches noch eines anderer Nationalität.
Hier bitte nicht zwei verschiedene Fälle durcheinanderbringen.
Dies ist ein anderer Fall!
  • Darstellung angepasst Geändert von OZ24 am 27.12.2009 09:08:15.
346
am 02.01.2010 11:29:17 (87.179.50.xxx) Link Kommentar melden
So kommt es eben, wenn man seine Kinder den Großeltern zur Erziehung solange überlässt bis sie volljährig sind, statt sie in jungen Jahren zu sich nach Deutschland zu holen. Hier bei uns nennt man Mütter, die die Erziehung ihrer Kinder den Großeltern überlassen, Rabenmütter.
Heute sind die Gesetze viel restriktiver, weil eben viel mehr Missbrauch geschieht.
Alex Mais
am 03.01.2011 19:53:23 (195.93.60.xxx) Link Kommentar melden
Ein Jahr nach der Ausreise: Noch keine Chance für Amonwan auf Rückkehr nach Deutschland. Obwohl sie inzwischen den von der Deutschen Botschaft geforderten Deutschkurs mit gut bestanden hat fordert die Botschaft nun plötzlich zwei(!) weitere Kurse. Mehr dazu HIER.

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