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Politik: Politische Meinung

Maßstäbe

Der immanente Rassismus... - oder: der unterschiedliche Wert von "Opfern"

Kain erschlägt Abel
Kain erschlägt Abel
"Warum hat Kain den Abel erschlagen?" - "Weil Abel ihm immer wieder dieselben alten jüdischen Witze erzählt hat!"

Na ja, jedenfalls versucht so ein alter jüdischer Witz diese Geschichte aus der Torah (dem Buch bereshit, das heißt "Im Anfang" - für Christen steht das in dem von ihnen so genannten "Alten Testament", also dem "1. Buch Mose" bzw. der "Genesis", griechisch für "Erschaffung"/"Entstehung") zu erklären und be-greif-lich zu machen.

Wir aber wissen natürlich, daß dieser Mord (ja, es war ein Mord, nicht etwa nur ein Totschlag) ein ganz anderes Motiv hatte: Eifersucht! Denn das Opfer des einen wurde - laut Zeugenberichten - von IHM, dem geopfert wurde, mehr geschätzt als das Opfer des anderen. Da empört sich natürlich sofort unser aufgeklärtes und intelligentes Bewußtsein. "Darf der das?" - Ja, ER darf. Ein Opfer ist wie ein Geschenk... - derjenige, der es erhält, entscheidet ganz allein und kraft souveräner Willkür, ob er es mag oder nicht. Allenfalls tut er aus Höflichkeit so, als ob er es schätzte, das Geschenk. Aber nach dem, was man weiß, ist ER jedoch - also der, dem Kain und Abel opferten - allerdings alles andere als "höflich"....

Im übrigen ist die Geschichte nach heutigem Verständnis gar keine Wahrheit aus dem Polizeibericht, sondern eine Metapher über den kulturgeschichtlichen Wandel von Jägern und Sammlern einerseits zu Bauern und Viehzüchtern andererseits. Aber egal, nehmen wir es religiös und religionsgeschichtlich. - Dieser "Gott" der Juden (und später auch der Christen), bitte nicht zu verwechseln mit dem "allah" der Mohammedaner, dieser "Gott" ist ja nun durchaus - für Menschen des 21. Jahrhunderts - nicht ganz leicht zu verstehen. Ganz seltsame Dinge tut ER - er erscheint Moses im brennenden Dornbusch - ganz seltsame Dinge fordert ER - Abraham soll seinen Sohn Isaak als Opfer darbringen...

Pervers? Kaum. Denn auf diesem Gedanken basiert doch das Christentum: Jesus opfert sich selbst, Gott opfert sich selbst (oder seinen menschgewordenen Sohn, das ist ja die Dreieinigkeit mit dem "Heiligen Geist") - das werde ich nie verstehen - und dadurch werden alle Menschen, die daran glauben, "erlöst". - Wovon "erlöst"? Keine Ahnung.

Na ja. Na gut. Meinetwegen. Es gibt so viele komische Ideologien. - Dumm ist es dann nur, daß man den Juden das vorwirft: sie hätten den Gottessohn getötet.... - obwohl es doch "Gottes" Plan war. - Also Absicht. Also Anstiftung zum Mord. Also ziemlich kriminell... - Die Anstiftung zum Mord wird übrigens genauso bestraft wird wie der Mord selbst. Anders gesagt: wenn die Christen ihren eigenen theologischen Fundus ernstnehmen, dann können sie schlechterdings den Juden nicht vorwerfen, diese hätten Jesus "ermordet"... - zumal es ja ohnehin eher die Römer waren. Aber geschenkt. Die Römer (oder die Juden, meinetwegen) haben doch damit nur den "göttlichen Heilsplan" erfüllt. Kreuziget ihn!!!

Ergo: der christliche Glaube ist eine Religion des Mordes. So einfach ist das. Mord zugunsten eines höheren Zieles... - wie bei jedem bekloppten islamistischen Terroristen auch. Okay, das Ziel ist ein anderes, aber die Methode ist dieselbe: Terror, Mord, Tod. - So könnte man meinen. Dem ist allerdings keineswegs so, denn quod licet IOVI non licet bovi, man kann G'tt eben nicht mit Menschen vergleichen oder mit deren Maßstäben messen.

"Jüdische Gewalt wird anders bewertet als islamische. Ein von Juden umgebrachter Palästinenser ist ein Opfer anderer Kategorie. Er scheint eine andere Art Opfer zu sein als ein Palästinenser, der in einem libanesischen Flüchtlingslager getötet wird, oder einer, der in den Bruderkämpfen in Gaza stirbt. Was unterscheidet das traurige Schicksal der Palästinenser vom Los der Tibeter? Warum ist der Nachrichtenwert eines ermordeten Muslims in Darfur geringer als der des Palästinensers, der im Konflikt mit Israel stirbt?"

Leon de Winter, Vorwort zu Alvin H. Rosenfeld: »Fortschrittliches« Jüdisches Denken und der Neue Antisemitismus

So ist das eben in der Welt, das hat Jakob Wassermann schon 1921 beschrieben. Antisemitismus zeigt sich darin, daß an Juden andere Maßstäbe angelegt werden als an Nichtjuden. Einfacher kann man es kaum definieren:

Es ist vergeblich, das Volk der Dichter und Denker im Namen seiner Dichter und Denker zu beschwören. Jedes Vorurteil, das man abgetan glaubt, bringt, wie Aas die Würmer, tausend neue zutage.

Es ist vergeblich, die rechte Wange hinzuhalten, wenn die linke geschlagen worden ist. Es macht sie nicht im mindesten bedenklich, es rührt sie nicht, es entwaffnet sie nicht: sie schlagen auch die rechte.

Es ist vergeblich, in das tobsüchtige Geschrei Worte der Vernunft zu werfen. Sie sagen: was, er wagt es aufzumucken? Stopft ihm das Maul.

Es ist vergeblich, beispielschaffend zu wirken. Sie sagen: wir wissen nichts, wir haben nichts gesehen, wir haben nichts gehört.

Es ist vergeblich, die Verborgenheit zu suchen. Sie sagen: der Feigling, er verkriecht sich, sein schlechtes Gewissen treibt ihn dazu.

Es ist vergeblich, unter sie zu gehen und ihnen die Hand zu bieten. Sie sagen: was nimmt er sich heraus mit seiner jüdischen Aufdringlichkeit?

Es ist vergeblich, ihnen Treue zu halten, sei es als Mitkämpfer, sei es als Mitbürger. Sie sagen: er ist der Proteus, er kann eben alles.

Es ist vergeblich, ihnen zu helfen, Sklavenketten von den Gliedern zu streifen. Sie sagen: er wird seinen Profit schon dabei gemacht haben.

Es ist vergeblich, das Gift zu entgiften. Sie brauen frisches.

Es ist vergeblich, für sie zu leben und für sie zu sterben. Sie sagen: er ist ein Jude.

Wer Darfur und Tibet großherzig vergißt, wer die Türken in Armenien und Pol Pot in Kambodscha schweigend hinnimmt, der soll gefälligst auch zu Gaza 2009 einfach nur sein dummes ungebildetes Maul halten. So einfach ist das.

  • Bildnachweis:
Kain erschlägt Abel, Jan van Eyck, 1432, via Wikipedia, public domain

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Schlüsselwörter: Gaza | Darfur | Pol Pot | Türkei | Tibet | Antisemitismus | Jakob Wassermann | Deutscher und Jude | Maßstäbe
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