Politik: Soziales & Bildung

Martin Heidegger (I)

Heidegger über Marx und die Veränderung der Welt
05.01.2011 08:41:49 eingesandt von Chaim für OnlineZeitung 24.de

Gesamtausgabe M. Heidegger
Gesamtausgabe M. Heidegger
Den Existentialphilosophen Martin Heidegger (* 26.09.1889 in Meßkirch, † 26.05.1976 in Freiburg) über Karl Marx sprechen zu hören oder zu lesen, ist im Ozean sprachlicher Beliebigkeit und in der Fülle der vermeintlich multikulturellen Così-fan-tutte-Ideologien eine Besonderheit. Jedoch gibt es dann immer wieder erschrockene Fragen... – „lohnt sich das denn“? Selbstverständlich ist die Frage, ob sich die Beschäftigung mit einem Philosophen „lohne“, sicher nicht nur höchst subjektiv beantwortet, sondern sie stellt auch ein generell für die Philosophie unpassendes Kriterium dar. Sinnvoller wäre wohl eher – rückblickend nach dem weltweiten Scheitern aller sozialistischen und kommunistischen Experimente gefragt – das Nachdenken darüber, ob sich denn Karl Marx „gelohnt“ habe. Denn immerhin fußen auf den Marx'schen Theorien gigantische Menschenversuche, in denen Millionen von Menschenleben geopfert wurden. Und das alles, um dann nach einigen Jahrzehnten, nach etwas mehr als einem Jahrhundert, festzustellen, daß das große Experiment gescheitert ist. Man kann also hier bereits vorgreifen und die Bilanz klar benennen: es hat sich nicht gelohnt.

Im Gegenteil: es war in jedem Fall für alle Beteiligten ein äußerst schlechtes Geschäft. Ein Irrweg. Scheitern mußte es zwangsläufig, das Experiment. Denn der Mensch ist nicht so, wie die Theoretiker des Sozialismus und des Kommunismus ihn sich ausgedacht haben, und die Erschaffung des neuen Menschen endete allzubald im Gulag, hinter der Mauer, in Armut und Unterdrückung. Im roten Faschismus, der zum Beispiel im Osten Deutschlands nach 1945 den braunen Faschismus nahtlos ablöste. Ein Experiment scheitert dann zwangsläufig, wenn die Prämissen falsch sind oder der Versuchsaufbau fehlerhaft ist. Eine der falschen Prämissen war, das Wesen des Menschen, entgegen der Erkenntnisse der Psychologie und den Erfahrungen der Geschichte, glorifiziert zu haben. Insofern ist die Neigung zu Sozialismus und Kommunismus eine spätromantische Erscheinung, wie der Glaube an den „Edlen Wilden“.

Warum es durchaus lohnend sein kann, sich mit dem Instrumentarium der Wissenschaft Philosophie, mit der Klarheit und Schärfe der philosophischen Disziplinen Logik und Sprachanalyse einer politischen und sozialen Theorie zu nähern, hat Heidegger in einer auch dem philosophischen Laien eingängigen praktischen Weise an der elften Feuerbachthese von Karl Marx vorgeführt: „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kömmt drauf an, sie zu verändern.

Der große Sozialdemokrat Herbert Wehner, der in seiner Jugend auch dem kommunistischen Virus erlegen war, dann aber spätestens während seiner Flucht vor dem braunen deutschen Faschismus den roten russischen Faschismus in Moskau, im Hotel Lux, kennenlernen mußte und hierdurch kuriert worden war, hat seine Lebenserfahrung einmal vorzüglich verdichtet und auf den Punkt gebracht:

Wer mit achtzehn noch kein Kommunist ist, der hat kein Herz;

wer mit achtzig noch Kommunist ist, der hat kein Hirn.

Das Zitat gibt es in vielen anderen abweichenden Variationen, unter anderem von Theodor Fontane, George Bernard Shaw und Benedetto Croce. Doch daß Herbert Wehner es vor dem Deutschen Bundestag sagte, ist allein deshalb passend, weil er aus seiner Biografie heraus kompetent war, eine solche Feststellung zu treffen. – Der Philosoph Martin Heidegger hat einen Grundstein des marxistischen Weltbilds herausgezogen und dadurch Herbert Wehners Satz bestätigt, durch die Analyse und Entlarvung eines einzigen fehlerhaften Gedankens; anderthalb Minuten, die sich in der Tat „lohnen“:

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