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Politik: Soziales & Bildung

Martin Heidegger (I)

Heidegger über Marx und die Veränderung der Welt

Gesamtausgabe M. Heidegger
Gesamtausgabe M. Heidegger
Den Existentialphilosophen Martin Heidegger (* 26.09.1889 in Meßkirch, † 26.05.1976 in Freiburg) über Karl Marx sprechen zu hören oder zu lesen, ist im Ozean sprachlicher Beliebigkeit und in der Fülle der vermeintlich multikulturellen Così-fan-tutte-Ideologien eine Besonderheit. Jedoch gibt es dann immer wieder erschrockene Fragen... – „lohnt sich das denn“? Selbstverständlich ist die Frage, ob sich die Beschäftigung mit einem Philosophen „lohne“, sicher nicht nur höchst subjektiv beantwortet, sondern sie stellt auch ein generell für die Philosophie unpassendes Kriterium dar. Sinnvoller wäre wohl eher – rückblickend nach dem weltweiten Scheitern aller sozialistischen und kommunistischen Experimente gefragt – das Nachdenken darüber, ob sich denn Karl Marx „gelohnt“ habe. Denn immerhin fußen auf den Marx'schen Theorien gigantische Menschenversuche, in denen Millionen von Menschenleben geopfert wurden. Und das alles, um dann nach einigen Jahrzehnten, nach etwas mehr als einem Jahrhundert, festzustellen, daß das große Experiment gescheitert ist. Man kann also hier bereits vorgreifen und die Bilanz klar benennen: es hat sich nicht gelohnt.

Im Gegenteil: es war in jedem Fall für alle Beteiligten ein äußerst schlechtes Geschäft. Ein Irrweg. Scheitern mußte es zwangsläufig, das Experiment. Denn der Mensch ist nicht so, wie die Theoretiker des Sozialismus und des Kommunismus ihn sich ausgedacht haben, und die Erschaffung des neuen Menschen endete allzubald im Gulag, hinter der Mauer, in Armut und Unterdrückung. Im roten Faschismus, der zum Beispiel im Osten Deutschlands nach 1945 den braunen Faschismus nahtlos ablöste. Ein Experiment scheitert dann zwangsläufig, wenn die Prämissen falsch sind oder der Versuchsaufbau fehlerhaft ist. Eine der falschen Prämissen war, das Wesen des Menschen, entgegen der Erkenntnisse der Psychologie und den Erfahrungen der Geschichte, glorifiziert zu haben. Insofern ist die Neigung zu Sozialismus und Kommunismus eine spätromantische Erscheinung, wie der Glaube an den „Edlen Wilden“.

Warum es durchaus lohnend sein kann, sich mit dem Instrumentarium der Wissenschaft Philosophie, mit der Klarheit und Schärfe der philosophischen Disziplinen Logik und Sprachanalyse einer politischen und sozialen Theorie zu nähern, hat Heidegger in einer auch dem philosophischen Laien eingängigen praktischen Weise an der elften Feuerbachthese von Karl Marx vorgeführt: „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kömmt drauf an, sie zu verändern.

Der große Sozialdemokrat Herbert Wehner, der in seiner Jugend auch dem kommunistischen Virus erlegen war, dann aber spätestens während seiner Flucht vor dem braunen deutschen Faschismus den roten russischen Faschismus in Moskau, im Hotel Lux, kennenlernen mußte und hierdurch kuriert worden war, hat seine Lebenserfahrung einmal vorzüglich verdichtet und auf den Punkt gebracht:

Wer mit achtzehn noch kein Kommunist ist, der hat kein Herz;

wer mit achtzig noch Kommunist ist, der hat kein Hirn.

Das Zitat gibt es in vielen anderen abweichenden Variationen, unter anderem von Theodor Fontane, George Bernard Shaw und Benedetto Croce. Doch daß Herbert Wehner es vor dem Deutschen Bundestag sagte, ist allein deshalb passend, weil er aus seiner Biografie heraus kompetent war, eine solche Feststellung zu treffen. – Der Philosoph Martin Heidegger hat einen Grundstein des marxistischen Weltbilds herausgezogen und dadurch Herbert Wehners Satz bestätigt, durch die Analyse und Entlarvung eines einzigen fehlerhaften Gedankens; anderthalb Minuten, die sich in der Tat „lohnen“:

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  • Fortsetzung folgt: Martin Heidegger (II) – Heidegger und seine Sprachphilosophie

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Schlüsselwörter: Heidegger | Marx | Existenzialphilosophie | Sprache | Feldweg
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Kommentare

286
am 05.01.2011 09:40:28 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
Ein sehr amüsantes Video. Kann man nichts gegen sagen. Smile

Ich habe bisher von Heidegger nur das kleine Heft "Der Ursprung des Kunstwerks" gelesen, das reichte mir, um die Sprache kennenzulernen, begeistert war ich nicht davon. Zu Marx und Heidegger fand ich gerade in Google folgendes Buch, das mich richtig neugierig gemacht hat:

Kapital und Technik:
Marx und Heidegger
Michael Eldred
Gata Linda
am 05.01.2011 09:53:07 (90.169.128.xxx) Link Kommentar melden
Chaim, das ist ein hervorragend geschriebener Artikel, eine Kompliment für OZ24. Klasse.
Gata Linda
am 05.01.2011 09:53:57 (90.169.128.xxx) Link Kommentar melden
ein Kompliment, -e Wink
349
am 06.01.2011 11:21:11 (212.227.103.xxx) Link Kommentar melden
Wer mit achtzehn noch kein Kommunist ist, der hat kein Herz;
wer mit achtzig noch Kommunist ist, der hat kein Hirn.

Ein genialer Satz!
266
am 06.01.2011 16:18:21 (204.93.160.xxx) Link Kommentar melden
Ja ja, der Heidegger, NS-Rektor in Freiburg, NSDAP-Mitglied seit 1933, war immer vorneweg:
In einem Brief an seine spätere Frau Elfriede schrieb Heidegger 1916:

Die Verjudung unserer Kultur u. Universitäten ist allerdings schreckerregend u. ich meine die deutsche Rasse sollte noch soviel innere Kraft aufbringen um in die Höhe zu kommen.

http://de.wikiped..._Dokumente
357
am 06.01.2011 18:35:27 (84.19.169.xxx) Link Kommentar melden
Klingt vielversprechend.

@oz24, vielleicht könnte man eine Kategorie Geisteswissenschaft einrichten? Denn das unter "Sonstiges" zu verstecken wäre schade.
286
am 14.01.2011 19:17:52 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
Auch Theodor Wiesengrund Adorno und Hannah Arendt, ebenfalls beide Juden, haben sich sehr ausgeprägt mit Heideggers Werk beschäftigt.

Das werde ich nie verstehen. Bei ihr waren es wahrscheinlich die Hormone.
So attraktiv war Heidegger aber wirklich nicht Sad
266
am 21.01.2011 09:47:12 (204.93.160.xxx) Link Kommentar melden
Adorno, ein klarer Kopf und druckreif sprechender Rhetoriker, hatte vielleicht einfach Lust daran, Heideggers seltsame Sprache zu zerpflücken.

Jargon der Eigentlichkeit
317
am 21.01.2011 22:04:29 (80.237.225.xxx) Link Kommentar melden
Da würde ich fast noch weitergehen, denn es ist mehr als Zerpflücken (Destruktion, Analyse), es ist eine Sprachkritik als Ideologiekritik. Vor allem weist Adorno nach, dass Heideggers Sprache eine Form der Verdrehung und der Verlogenheit ist.

Adorno ist überdies besser und leichter zu lesen als Heidegger (Geschmacksfrage, natürlich), besonders das Werk 'Jargon der Eigentlichkeit'.
SuuuperNanny
am 16.07.2011 01:28:39 (84.59.35.xxx) Link Kommentar melden
Der Ursprung des Kunstwerks ist wenigstens lesbar, auch wenn es Blödsinn ist, was Heidegger darin verzapft.

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