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Wenn eine Sekunde über einen ganzen Tag entscheidet…

Bürokratie in Deutschland: 24.00 Uhr gibt es nicht!

Foto: © Hans Snoek, Pixelio.de
Foto: © Hans Snoek, Pixelio.de
Der Tag hat 24 Stunden – aber 24.00 Uhr gibt es nicht! Dies wurde mir unlängst hochoffiziell und amtlich erklärt. Und damit fingen die Probleme an. Was war geschehen?

Rund 40 Minuten hatte ich bereits im Wartebereich des Standesamtes gesessen, als ich endlich an der Reihe war. Aus beruflichen Gründen war ich hier, um einen Sterbefall beurkunden zu lassen. Die Standesbeamtin nahm also die dazu notwendigen Papiere einschließlich der ärztlichen Todesbescheinigung in Empfang und prüfte diese ganz genau. Schließlich sagte sie: „Tut mir leid, so kann ich den Sterbefall nicht beurkunden! Die Todesbescheinigung müssen Sie vom Arzt korrigieren lassen.“

Irritiert schaute ich sie an. Hatte ich die Todesbescheinigung doch bei In-Empfangnahme im Krankenhaus kontrolliert. Alle Kreuzchen waren vorhanden, ebenso Stempel und Unterschrift des Arztes und auch alle anderen Bereiche ausgefüllt. „Wieso, was ist denn damit?“

„Der Arzt hat als Todeszeitpunkt den 25. August 2009, 24.00 Uhr, eingetragen. 24.00 Uhr aber gibt es nicht. – Es gibt 23.59.59 Uhr. Eine Sekunde später aber ist es bereits der 26. August 2009, 00.00.00 Uhr!“

Oh weh, was für ein Bürokratismus. Bevor ich jetzt zurück zum Krankenhaus fahre und hinter dem Arzt herlaufe, der das dann vielleicht gar nicht kapiert – oder kapieren will – fragte ich scheinheilig: „Können Sie die Uhrzeit nicht von Amts wegen korrigieren? 24.00 Uhr in 00.00 Uhr?“

Aber darauf ließ sich die Standesbeamtin natürlich nicht ein – hatte ich ehrlich gesagt auch gar nicht erwartet. Ihre Begründung war, dass dann ja das Sterbedatum falsch wäre, weil 00.00 Uhr ja bereits der Folgetag sei. Nun müsse also der Arzt entscheiden, ob die Verstorbene am 25. August oder am 26. August aus dem Leben geschieden sei. Also müsse der Arzt eine der beiden folgenden Alternativen wählen, weil hier bei der Uhrzeit die Sekunden nicht berücksichtigt werden und es nur nach Stunden und Minuten geht):

  1. 25. August 2009, 23.59 Uhr
  2. 26. August 2009, 00.00 Uhr

Also blieb mir nichts anderes übrig als zurück zum Krankenhaus zu fahren und den Arzt zu suchen. Der sprang natürlich irgendwo im Gebäude herum und keiner wusste wo. Wenigstens war er heute überhaupt da… Nach einer geschlagenen halben Stunde tauchte er dann wieder auf. Ich trug ihm mein Anliegen vor. Der Doc schüttelte nur mit dem Kopf. So richtig Verständnis für die von Amts wegen beanstandete Uhrzeit schien er nicht zu haben. Immerhin machte er die vom Standesamt gewünschte Korrektur – natürlich mit Unterschrift und Stempel, denn sonst hätte das Standesamt die Korrektur gar nicht anerkannt. Immerhin hätte ich ja nebenan ins Cafe gehen können und die Korrektur dort selbst machen können – deshalb also Unterschrift und Stempel vom Arzt bei der Korrektur.

Das Ganze war dann ein zusätzlicher Zeitaufwand von knapp 2 Stunden gewesen, den mir natürlich niemand bezahlt. So korrekt (oder kleinlich?) können also Beamte sein. Doch jetzt stelle man sich vor, der Sterbefall wäre am 31. August gewesen. Dann hätte diese eine Sekunde gar über einen „ganzen“ Monat entschieden…

Fotolegende: Die 24-Stundenuhr. Doch 24.00.00 Uhr gibt es von Amts wegen gar nicht. Foto: © Hans Snoek, Pixelio.de.

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Schlüsselwörter: Uhrzeit | 24.00 Uhr | 00.00 Uhr | Ämter | Behörden | Bürokratie | Bürokratismus
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Kommentare

300
am 26.11.2009 22:44:14 (84.59.39.xxx) Link Kommentar melden
Cool Der Doc hätte das aber wissen müssen, lernt er bei der Ausbildung, 24 Uhr = 0 Uhr vom nächsten Tag, auch bei Geburten und so.
312
am 27.11.2009 00:21:54 (91.128.59.xxx) Link Kommentar melden
so korrekt können Beamte sein...., tatsächlich? Man lernt jeden Tag Neues,

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