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Heute vor 100 Jahren (3): Der Fall Adolf Hofrichter – Tag der Festnahme

Spektakulärer Kriminalfall in Österreich – Mordanschlag auf Offiziere – Der Tod kam per Post

Foto: © Stefan Bayer, Pixelio.de
Foto: © Stefan Bayer, Pixelio.de
Am 26. November 1909 wurde bei dem Mordverdächtigen Adolf Hofrichter in Linz zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen eine Hausdurchsuchung vorgenommen. Gesucht wurden vor allem handschriftliche Unterlagen zum Handschriftenvergleich. Im Anschluss an diese Hausdurchsuchung wurde Hofrichter zum Linzer Platzkommando überführt, wo er einem militärischen Verhör unterzogen und anschließend in Untersuchungshaft genommen wurde.

Dies war die Erfolgsverbuchung bei den Ermittlungen eines spektakulären Kriminalfalles, der Anfang des 20. Jahrhunderts ganz Österreich bewegte. Was war geschehen?

Der Hauptmann Richard Mader, der der Eisenbahnabteilung des k.u.k. Generalstabes angehörte, hatte im November 1909 eine seltsame „Werbesendung“ per Post erhalten. Als Absender zeichnete sich ein angeblicher Pharmazeut namens Charles Francis. Die Sendung enthielt zwei Pillen mit einem angeblich neuen, die Potenz fördernden Mittel. Dessen Wirkung wurde im Begleitschreiben als „verblüffend“ bezeichnet.

Am Abend des Tages schickte Hauptmann Mader seinen Burschen zum Essenholen und schrieb einen Brief an seine Braut. Zwischendurch nahm er die beiden „Potenzpillen“ aus der Werbezusendung ein. Als der Bursche zurückkam fand dieser den Hauptmann stöhnend und sterbend am Boden liegen. Der sofort herbeigerufene Arzt konnte allerdings nur noch den Tod des Hauptmanns feststellen. Die militärärztliche Obduktion ergab, dass der Hauptmann an einer Zyankalivergiftung gestorben war.

Kurz darauf stand fest, dass insgesamt 12 Offiziere eine solche Werbesendung erhalten hatten. Zum Glück hatte die Pillen kein weiterer der Offiziere eingenommen. Eine Untersuchung ergab, dass alle Pillen Zyankali enthielten und bei einer Einnahme absolut tödlich gewesen wären. Nun war klar, dass es sich um eine ganze Anschlagsserie auf Offiziere des k.u.k. Generalstabes handelte. Schnell wurde festgestellt, dass alle Sendungen am 14. November 1909 bei Postamt Wien 59 um 8.00 Uhr abgestempelt wurden. Der Inhalt der Sendungen war identisch. Auch stand schnell fest, dass es einen Charles Francis, der als Absender genannt wurde, gar nicht gab.

Politische Motive dieser Anschlagserie wurden frühzeitig ausgeschlossen, da die Offiziere, die die Pillen erhalten hatten, alle zu unbedeutend waren. Was jedoch auffiel war die Tatsache, dass alle Absolventen des Schuljahrganges 1905 waren. Man vermutete den Täter daraufhin in den eigenen Reihen. Der Verdacht fiel schließlich auf Oberleutnant Adolf Hofrichter, Angehöriger des Infanterieregiments Großherzog von Hessen und bei Rhein Nr. 14, das in Linz stationiert war. Folgende Indizien sprachen für ihn als Täter:

  1. Er war vom Generalstab zur Truppe zurückversetzt worden.
  2. Nur seine Vormänner hatten eine solche Giftsendung bekommen.
  3. Er hatte vom 10. – 15. November 1909 Urlaub,
  4. Er war am 14. November 1909, 6.00 Uhr am Wiener Westbahnhof angekommen.
  5. Die Schachteln und Umschläge der Giftsendung waren auch in Linz zu kaufen.
  6. Er war Fotograf und konnte deshalb mit Zyankali umgehen und dieses leicht besorgen.
  7. Er war graphisch ausgebildet und mit der im Brief verwandten Kursivschrift vertraut.
  8. Er hatte eine identische Schachtel für ein Geschenk an einen Kameraden benutzt.
  9. Er hatte vor dem 14. November in einer Linzer Apotheke Oblatenkapseln (wie sie bei den Anschlägen verwandt wurden) gekauft und sich das Befüllen erklären und vorführen lassen.
  10. In einer Papierhandlung hatte er eben solche Schachteln gekauft, wie sie bei den Anschlägen verwandt wurden.
  11. Er hatte ebensolche Umschläge gekauft wie sie bei den Anschlägen verwandt wurden.
  12. Er hatte auf seinem Schreibtisch dieselbe Tinte, wie sie bei den Anschlägen benutzt worden war.
  13. Seine Handschrift stimmte mit der der Begleitbriefe aus den Giftsendungen überein.

Trotz all dieser Indizien und noch weiterer Verdachtsmomente legte Adolf Hofrichter kein Geständnis ab. Wohl wissend, dass er dann nach dem Militärstrafgesetz nicht zum Tode verurteilt werden konnte. Die Höchststrafe war dann auf 20 Jahre Kerker begrenzt.

Völlig überraschend legte er am 26. April 1910 doch noch ein Geständnis ab. Trotzdem gingen die Verhöre und psychiatrischen Untersuchungen weiter. Am 9. Mai 1910 widerrief er ebenso überraschend sein Geständnis.

Schließlich stellte das Oberste Militärgericht am 28. Mai 1910 folgenden Antrag: „Beschuldigter soll wegen Verbrechens des Meuchelmordes, des Verbrechens der Mitschuld am Missbrauche der Amts- und der Dienstgewalt und an der Vorschubleistung, des Verbrechens der versuchten Verleitung zum Missbrauche der Amts- und Dienstgewalt, des Verbrechens des Betruges und des Vergehens der Subordinationsverletzung, bei nicht vorkommenden Ersatzansprüchen, nebst Kassation von der Offizierscharge, Verlust des Militärjubiläumskreuzes und der bosn.herzeg. Erinnerungsmedaille mit schwerem Kerker in der Dauer von zwanzig Jahren, verschärft halbjährig einmal Fasten, hartes Lager an den Fasttagen und dreitägige einsame Absperrung in dunkler Zelle am 12., 13. Und 14. November eines jeden Strafjahres bestraft werde.“

Das Urteil wurde wie beantragt einstimmig gefällt und am 24. Juni 1910 vom Militärgericht für gültig erklärt. Die Veröffentlichung mit Rechtsgültigkeit erfolgte am darauf folgenden Tag. Am 27. Juni 1910 wurde er in die Militärstrafanstalt Möllersdorf überführt. Bereits am 8. November 1918 wurde er begnadigt und mit einem amtlichen Entlassungsschein aus der Haft entlassen. Im Dezember 1945 verstarb Adolf Hofrichter.

Fotolegende: Dem Täter auf der Spur... Foto: © Stefan Bayer, Pixelio.de.

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Schlüsselwörter: Adolf Hofrichter | November 1909 | Kriminalfall | Österreich | Wien | Linz | Giftanschlag
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