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Politik: Soziales & BildungDas Imperium schlägt zurück: Hartz-IV-Genießer wehren sich gegen Sozialneid!

Der Neid - eine Sünde?
Der Begriff Sozialneid wird also üblicherweise als politischer Kampfbegriff von oben herab verwendet, von denen, die um ihre Tantiemen und Privilegien fürchten. Auch von denen, die sich als kleine und mittlere Unternehmer durchs Leben schlagen und selbst ausbeuten, dafür dann aber ein etwas größeres und teureres Fahrzeug fahren, dessen Betriebskosten sie von der Steuer absetzen... - ein Kampfwort, um nicht über Sinn und Unsinn, über Gerechtigkeit der Verteilung von Gütern oder über Machtstrukturen Auseinandersetzungen führen zu müssen.
Der Begriff Neidgesellschaft ist ein politisches Schlagwort, das eine Gesellschaft bezeichnen soll, in der Neid und insbesondere "Sozialneid" allgemein politisch und wirtschaftlich als Motivation geschürt würden. Der Begriff taucht oft in populistischen Argumentationen mit dem Ziel auf, mehr oder weniger berechtigte Forderungen nach mehr sozialer Gerechtigkeit abwertend als schlichte Neidäußerungen abzutun.
Quelle: Wikipedia, Neidgesellschaft
Während der Neid in fast allen sogenannten Weltreligionen immer thematisiert, problematisiert und kritisiert wurde, hat die Wissenschaft ihn als zum Teil durchaus positiv wirkende Motivationsenergie verstanden, vor allem die Soziologie, aber auch die Psychologie. Der Neid scheint also eine anthropologische Konstante zu sein, die ambivalent wirkt: sie kann Haß auslösen und krankmachen, aber sie kann auch Energie freisetzen und zu Leistungen anspornen. Zunächst aber - und das ist für eine politische Diskussion bemerkenswert - handelt es sich um ein Gefühl. Ein ohnehin vorhandenes, also leicht ansprech- oder abrufbares Gefühl, das sich somit bevorzugt durch Demagogen und Haßprediger auf allen Seiten instrumentalisieren läßt.

Neid beim Spiel
Nun haben wir heute nicht mehr die Situation des Klassenkampfes, von der Marx und Engels noch ausgehen konnten; es ist gesellschaftlich und wirtschaftlich alles etwas komplexer und komplizierter geworden, als die Vordenker des Sozialismus und des Kommunismus es sich hätten träumen lassen. Zu Grabe getragen wurde jene Fehlinterpretation der menschlichen Fähigkeiten und Verbiegung der Geschichte letzten Endes mit dem Ende der DDR, also etwa in den Jahren 1989/1990; seitdem glaubt kein ernstzunehmender Denker an ein solches Hirngespinst wie Sozialismus, in dem es ja vom System her keinen Neid geben konnte.
Gleichzeitig aber finden wir drei neue Verwerfungen, die es in dieser Weise früher nicht gab, nicht geben konnte:
- Die Interessenvertretungen der Arbeitnehmer, die Gewerkschaften, sind selbst Arbeitgeber geworden, die ihre Arbeitnehmer - die gleichzeitig auch noch Zwangsmitglieder sind - ausbeuten, kündigen, und durch Arbeitsverdichtung auspressen... - ähnlich wie die Parteien und Kirchen, Tendenzbetriebe die eine wie die andere. Karl Marx und Friedrich Engels, Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg würden sich im Grabe herumdrehen, wüßten sie von dieser absurden Situation... Auch die durch das Betriebsverfassungsgesetz zum Mitunternehmer mutierten Betriebsräte führen sich - siehe VW - wie die übelsten Zerrbilder von Bossen und Bonzen auf, und so nimmt es nicht Wunder, daß man gelegentlich gemeinsam mit dem Klassenfeind eine Klassenfahrt ins Bordell unternimmt...
- Die primär gedachte Schichtung "oben" versus "unten", schon zu Bismarcks Zeiten in die Dreiteilung a) Kapitalisten bzw. Großgrundbesitzer, b) Angestellte bzw. Bürgertum und c) Proletariat (Arbeiter, Kleinbauern usw.) entwickelt, hat heute eine ganz neue und ungewohnte Situation: die Mittelschicht wird immer kleiner, dafür wachsen Oberschicht (Besitzende) und Unterschicht (Prekariat)... - eine vom Staat durch eine ungerechte Steuerpolitik, durch eine widersprüchliche Arbeitsmarktpolitik mitherbeigeführte Situation.
- Wurden vor einigen Jahren noch - etwa im letzten Viertel des letzten Jahrhunderts die Arbeithabenden von den Arbeitslosen recht deutlich beneidet, hat sich die Situation auch hier völlig auf den Kopf gestellt: wer arbeitet, gilt eigentlich nur zu blöde, die Sozialkassen als Hartz-IV-Genießer zu plündern und sich einen netten Tag zu machen. Denn durch zu hohe Sozialtransfers und zu hohe Steuern ist es widersinnig, überhaupt arbeiten zu gehen, wenn man dasselbe Geld bekommt fürs Nichtstun (aufgepeppt durch Schwarzarbeit, versteht sich).
Diese sozial recht wohl versorgte Gruppe ist keineswegs geprägt durch hungernde Kinder oder darbende Eltern, es sind Menschen, die die gleichen Klamotten tragen und genausoviel essen, trinken und rauchen wie die, die irgendwo als Busfahrer, ALDI-Kassierer, Kellnerin, KFZ-Mechaniker oder PC-Verkäufer arbeiten; nur eben stehen die einen um 6 Uhr auf und arbeiten 8 Stunden am Tag, und die anderen stehen um 11 oder 12 zum Frühstück auf... - aber auch nur vielleicht, wenn sie Lust haben, 365 Tage Urlaub im Jahr, wer wünscht sich das nicht? .
- Sozialneid als Thema an einem Psychologieforum
- Sozialneid als Thema bei OZ24
- Sozialneid interpretiert als angebliches Nazi-Thema
Und genau diese Gruppe der Hartz-IV-Genießer hat nun - nämlich gegen gegen Sarrazin & Co., gegen den Neid derer, die für ihr Geld arbeiten müssen und auch noch die anderen mitfinanzieren dürfen - ihren Besitzstand zu verteidigen. Das macht sie recht geschickt und wird dabei begleitet von denen, die immer alles hübsch erklären können und uns nun weismachen, daß das alles gar nicht stimme, oder daß die meisten gern arbeiten würden, wenn sie denn nur Arbeit hätten. Die Propagandamaschine der Lobby der Hartz-IV-Genießer läuft auf Hochtouren, von demagogischen Fotomontagen aus dem Warschauer Ghetto mit politischen Parolen von 2009 bis hin zu rührseligen Tranendrüsen-Geschichtchen ist da alles möglich und es wird auch alles gemacht, was sich irregeleitete Kreative aus den Fingern saugen können. Dieweil die arbeitende Bevölkerung malocht, saisonbedingte Phasen von Kurzarbeit überstehen muß - Baugewerbe, Gastronomie, Fremdenverkehr, Forst- und Landwirtschaft - und auch schon mal den einen oder anderen Zweitjob annimmt.

Neidkopf (Abwehr von Neidern)
So viel Einigkeit war selten. Großkoalitionäre Politiker, verbeamtete Intellektuelle, gut bestallte Redakteure und besorgte Spitzenfunktionäre von Rotem Kreuz, Arbeiterwohlfahrt und Diakonie sehen unisono die Hartz-IV-Katastrophe heraufziehen. In typisch deutscher Hysterie wird geklagt, gewarnt, gemahnt und tief in die Kiste des zur Beschreibung von Unheil aller Art bereitstehenden Vokabulars gegriffen, als ob Springfluten und Terroranschläge gleichzeitig ihr vernichtendes Werk begonnen hätten. (...)
Quelle: Martin Staiger in »Blätter für deutsche und internationale Politik« 7/2006, Seite 781-785)
Das Wort Sozialneid gehörte früher den Besserverdienenden und war damals schon nicht besonders sinnig; nun haben die, die sich als Prekariat ausgeben, in Wahrheit jedoch Nutznießer einer sozialpolitisch falschen Dauersozialhilfe sind, das dumme Wort entwendet und umgedreht; jeder, der - wie Sarrazin - den Hartz-IV-Genießern nachweist, daß sie vom Kindergeld bevorzugt Nikotin und Alkohol konsumieren statt ihren Nachwuchs verantwortlich zu planen, aufzuziehen und zu erziehen; jeder, der Forderungen an diese beamtenartig wohl-alimentierte Gruppe stellt, bekommt diesen dümmlichen politischen Kampfbegriff Sozialneid um die Ohren geschlagen, diesmal von unten. - Diese Sozialneid-Debatte von unten ist jedoch völlig pervers. Sie beleidigt jeden, der für sein Geld arbeitet, Steuern zahlt und den Hartz-IV-Genießern einen coolen, modernen und vor allem sorgenfreien Lebensstil ermöglicht. Sie ist nichts weiter als ein Tarn- und Täuschungsmanöver derer, die sich einfach nicht die (geschnorrte) Butter vom Brot nehmen lassen wollen.
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Kommentare
- Gelöscht von OZ24 am 06.02.2010 17:26:26.
- Gelöscht von OZ24 am 06.02.2010 17:26:38.
Womit wir wieder bei unserer Kernsanierung sind, die in www.internet-magazin-les-art.eu inkl. Lösungsmöglichkeiten, nach zu lesen sind. Und wenn denn ein CDU-Fachmann sagt, 20 % der Bevölkerung fallen heute durch und wir können für die nichts mehr tun, so bestätigt das die Kritik nur allzu deutlich, da es nicht stimmen muß. Der Fehler liegt schlicht in der Kosten-Nutzen-Gesellschaft, die den Menschen völlig entmenschlicht hat und die Gesellschaft letztendlich in den Abgrund führt. Das ist nur einigermaßen zu händeln mit Diktaturstrukturen, die wir bereits haben.
Ich wollte Dir Gelegenheit geben, wieder auf Deine "Kernsanierung" zu sprechen zu kommen. Die bräuchte unser Steuersystem in der Tat ganz dringend.

