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Datenschutz? Trotz Vorratsdatenspeicherung sicher surfen!

Anonym und pseudonym mit JAP und JonDo - The Privacy Generator

JAP / JonDo Logo, screenshot
JAP / JonDo Logo, screenshot
Der Slogan spricht für sich: Anonymität ist kein Verbrechen!

Das sagt sich so leicht. Doch ohne eine Anonymisierung kommuniziert jeder Computer im Internet immer unter einer eindeutig zuzuordnenden Adresse, der sogenannten IP(-Adresse)! Während ich diesen Artikel online schreibe, habe ich z.B. die Meldung:

Ihre IP-Adresse ist:

141.76.45.xx

Das ist meine Adresse, die mein Provider mindestens 6 Monate lang speichert (jeder der Leser hat eine andere, einfach mal prüfen), und es bedeutet, dass

  • der Inhaber und der Provider des besuchten Web-Servers(!),
  • mein Internet-Zugangsprovider (T-Online, Arcor, freenet usw.)
  • und jeder x-beliebige "Lauscher" auf meinen Verbindungen

ermitteln kann, welche Webseiten von mir als Nutzer dieser Adresse besucht und - immer dann, wenn unverschlüsselt kommuniziert wird - dieser Personenkreis auch mitlesen kann, welche Informationen von mir abgerufen werden. Jedenfalls immer dann, wenn ich keine Anonymisierung benutze. Damit kann es auch der Staatsanwalt, wenn er bei T-Online irgendetwas prüft oder ermittelt, was gar nichts mit mir zu tun hat. Oder die Steuerfahndung, falls sie die Firma Arcor besucht. Und jeder, der sich als Hacker in die Leitung hängt (das geht ganz einfach, aber aus verständlichen Gründen schreibe ich darüber nicht öffentlich).

Will ich das, dass jemand das alles mitliest und meiner Adresse, meiner Person zuordnen kann? Nein, natürlich nicht. Es geht nämlich niemanden etwas an, was ich im Internet mache, solange ich nichts Kriminelles mache. Ich will nicht, dass irgendjemand von mir Profile erstellt, mir nachschnüffelt, oder weiß, was ich kaufe, im Internet lese, wem ich welche emails schreibe schreibe oder was ich bei ebay verkaufe. Das kann man auch hochtrabend "informationelle Selbstbestimmung" nennen, ich nenne es einfach mal Freiheit. Deswegen nutze ich u.a. JAP und JonDo, dadurch habe ich 2.000 bis 8.000 User, die dieselbe IP haben wie ich. Dadurch kann man nichts mehr zuordnen.

Also: Mit JAP (kostenlos) und JonDo (geringe Gebühr) ist es möglich, anonym und unbeobachtbar im Internet zu surfen. Mit JAP benutzt man zum Internet-Surfen eine feste Adresse, die man sich mit den anderen JAP-Nutzern teilt. Dadurch erfährt weder der angefragte Server noch ein Lauscher auf den Verbindungen, welcher Nutzer welche Webseite aufgerufen hat.

JAP-Hauptfenster, screenshot
JAP-Hauptfenster, screenshot
Diese Anonymisierung der Internetzugriffe wird dadurch erreicht, dass sich die Computer der Nutzer nicht direkt mit dem Webserver verbinden, sondern ihre Kommunikationsverbindungen verschlüsselt über einen Umweg mehrerer Zwischenstationen, sogenannter Mixe, schalten. Bei JAP ist vorgegeben, in welcher Reihenfolge die Mixe verwendet werden können. Eine Folge zusammengeschalteter Mixe nennt man Mixkaskade. Die Nutzer können zwischen verschiedenen Mixkaskaden auswählen. Wenn jetzt mehrere Benutzer gleichzeitig diese Zwischenstationen des Anonymitätsdienstes nutzen, werden die Internetverbindungen jedes Benutzers unter denen aller anderen Benutzer versteckt: Das bedeutet, niemand, kein Außenstehender, kein anderer Benutzer, nicht einmal der Betreiber des Anonymitätsdienstes kann herausbekommen, welche Verbindungen zu einem bestimmten Benutzer gehören. Ganz besonders wichtig: je mehr Nutzer JAP verwende, desto größer wird die Sicherheit und die Anonymität!

Normalerweise werden die Zwischenstationen (Mixe) von unabhängigen Institutionen betrieben, die in einer Selbstverpflichtung erklären, dass sie weder Log-Files über die geschalteten Verbindungen speichern, noch derartige Daten mit den anderen Mix-Betreibern austauschen. Die Identität und Anzahl der Organisationen je Mixkaskade können in JAP detailliert eingesehen werden, und diese werden mithilfe kryptographischer Verfahren überprüft. Damit versetzt JAP seine Nutzer in die Lage, die ihnen vertrauenswürdig erscheinenden Mixkaskaden aufgrund dieser Informationen gezielt auszuwählen - es ist alles offengelegt und einsehbar.

Anonymes Surfen im Internet ist notwendig und einfach.

Copyright © 2007-08 Willi Flenda, Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document under the terms of the GNU Free Documentation License, Version 1.2 or any later version published by the Free Software Foundation; with no Invariant Sections, no Front-Cover Texts and no Back-Cover Texts. A copy of the license is included in the section entitled "GNU Free Documentation License".

1 Warum brauche ich das?

Seine Anonymität zu schützen ist notwendig, sowohl generell für Freiheit und Demokratie, wie auch konkret für Sie als Einzelnen: Denn Informationen über Sie können zu Ihrem Schaden genutzt werden – auch wenn Sie nichts Verbotenes tun.

Verfallen Sie nicht dem Irrtum, Sie hätten „nichts zu verbergen“. Es geht hier nicht darum, kriminelle Vorhaben zu verdecken; es geht darum, daß Sie bestimmen, wer wieviel von Ihnen wissen darf. Surfen im Internet gibt vielfältige persönliche Informationen preis. Durch systematische Auswertung werden Profile erstellt, die oft mehr über Sie wissen, als Sie selbst. Wenn Sie das zulassen indem Sie auf Anonymität verzichten, können Ihnen im harmlosen Fall beim Einkaufen im Netz individuell höhere Preise verrechnet werden. In ernsten Fällen können Sie nach dem Diebstahl Ihrer preisgegebenen Identität unschuldig in Kriminaldelikte verwickelt werden.

Darüber hinaus helfen Sie durch anonymes Surfen Menschen, wie etwa bei amnesty international oder in diktatorischen Regimes, die dringend Anonymität benötigen für Zwecke die Sie (hoffentlich) gutheißen.

Wenn Sie in der realen Welt Briefumschläge zukleben, Einkommen, Krankengeschichte oder erotische Vorlieben nicht jedem Unbekannten vorbehaltlos darlegen, Fremde nicht jederzeit durch Ihre Wohnung führen oder auch bloß Hosen tragen, dann „verbergen“ Sie immer etwas vor Personen, die das nichts angeht. In der virtuellen Welt können Sie das Gleiche nur erreichen durch Anonymität. In 7 Minuten können Sie sie schützen.

2 Was kostet es mich?

Nichts. Zumindest nichts außer den 7 Minuten zum Einrichten. Es wird nur freie Software eingesetzt, die auch kostenfrei erhältlich ist.

Im weiteren Sinne „kostet“ Anonymität Geschwindigkeit. Anonymisiert wird, indem der Verkehr von Tausenden Nutzern derart „durchgemischt“ wird, daß eine Zuordnung unmöglich ist (mehr in Abschnitt 3). Konzeptbedingt muß daher die Geschwindigkeit etwas sinken. Jedoch ist via gut frequentierten Servern weiterhin genug Geschwindigkeit für Surfen ohne merkliche Einschränkung gegeben. Um jederzeit auf Anonymität und Geschwindigkeitseinbußen verzichten zu können, umfaßt diese Anleitung die Installation einer Ein-/Aus-Schaltfläche für Anonymität.1

3 Wie funktioniert es?

Die zwei führenden Programme zur Anonymisierung des Surfens sind JAP und TOR. Beide basieren auf dem Prinzip den Verkehr über einen oder mehrere Server zwischenzuleiten. Dabei wird, soweit möglich, verschlüsselt. Die Identität eines Anwenders kann, so er sie nicht selbst preisgibt, nur ermittelt werden, wenn alle benutzten Anonymisierungsserver kompromittiert werden.

TOR und JAP unterscheiden sich etwas in ihrer Architektur, was spezifische Vor- und Nachteile begründet. Jeweils für beide Projekte befinden sich ausführliche technische Beschreibungen auf deren Internetseiten . Ohne eine Wertung vorzunehmen2 behandelt diese Anleitung JAP.

Wird nur ein Server zwischengeschaltet, entspricht das weitgehend einem sog. Proxy. Das bedeutet, daß dieser Server stellvertretend die eingegebene Seite abruft und dann dem Nutzer verschlüsselt übermittelt. Wählt man bei JAP zB. den Server „Dresden-Dresden“ (mehr zur Wahl des Mixes in Abschnitt 5), erscheint es jeder aufgerufenen Seite, es surfe sie die TU-Dresden an. Falls jedoch jemand Zugriff auf diesen Server hat, sieht er Ihre Verbindungen (Verbindungsdaten werden von JAP-Servern grundsätzlich nicht gespeichert).

Verwenden Sie eine Mixkaskade, wie etwa die CCC-Kaskade, kann man Ihre Identität (Ihre IP-Adresse) erst aufdecken, wenn alle drei am Mix beteiligten Server gleichzeitig überwacht werden. Kaskaden sind daher wesentlich sicherer, insbesondere wenn sich die drei Rechner in unterschiedlichen Ländern befinden, vor allem wenn zumindest eine Kaskade in einem Land liegt, wo keine Vorratsdatenspeicherung erzwungen wird.

Alle JAP-Server sind zertifiziert.

4 Einverstanden, 7 Minuten. Was ist zu tun?

Um Sie vorab zu überzeugen, daß wirklich wenig zu tun ist, hier die vollständige Aufzählung von allem, das zu tun ist: Sie werden

  • Zu 3 Internetseiten surfen
  • 2 Dateien herunterladen (und ausführen)
  • 1 Programm installieren
  • 1 Programm mit 9 Klicks (davon ein Doppelklick) zum automatischen Starten einrichten
  • 1 Programm mit 8 Klicks einrichten
  • 1 Firefox-Erweiterung (mit 2 Klicks) installieren
  • die Erweiterung mit 4 Klicks und der Eingabe von einem Wort und einer Zahl in jeweils 4 Feldern einstellen.

Auch wenn die Klicks für das Öffnen und Schließen von Fenstern o.ä. dabei nicht mitgerechnet sind, sehen Sie, 7 Minuten sind gemütlich bemessen.

Demnächst dann mal ein paar Worte zu wie YouTube und zu cookies. Beide sind nämlich nicht nur ein Anonymitäts-, sondern auch ein hohes Sicherheitsrisiko.

Mehr dazu? Empfehlenswert:

Seit Jahren benutze ich JAP (auch schon die ersten, instabilen und damals sehr wenig komfortablen Versionen) und habe es ausgiebig geprüft. Daher: absolut empfehlenswert! Viel Spaß beim sicheren Surfen!

>>>> Kostenloser download z.b. bei chip.de <<<<

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Schlüsselwörter: Web-Anonymizer | JAP | JonDO | TU Dresden | Universität Regensburg | Sicherheit | Datenschutz | Mix-Kaskaden | Proxy | Vorratsdatenspeicherung
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Kommentare

266
am 08.11.2009 12:16:16 (88.68.116.xxx) Link Kommentar melden
Da ich mich auch mit dem Thema Sicherheit befasse, nutze ich JonDo seit längerem. Die aktuelle Version ist noch einfacher zu bedienen als es in der hier zitierten (älteren) Anleitung zu lesen ist. Früher mußte man die Ports noch von Hand eintragen, das macht heute alles JonDo als Firefox-Benutzerprofil.

Man muß also nur 1. JonDo starten und 2. das Firefox-Profil "JonDo" wählen. Einfacher geht es nicht. Kostenlos, oder man nimmt eines der vier Pakete, z.B. 1 Jahr für 10 Euro, dann steigt die Geschwindigkeit noch mehr.

Tarife und Preise
300
am 08.11.2009 13:48:30 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
Stimmt. Ich hab das als Anleitung einfach mal mitübernommen um zu zeigen, dass sich die Leute da auch um Laien kümmern. In der neusten Version muss man nur zwei Programme downloaden, installieren, und dann immer nur noch eins aufrufen: JonDo.

Danach wie gewohnt den Firefox starten.

Mit dem L-Paket kommt man gut aus, man braucht das ja nicht für jede website zu nehmen.

L-Large: 40,00 Euro, 6500 MB Volumen, 2 Jahre, ca. 15600 Seitenaufrufe
300
am 11.11.2009 12:01:51 (80.190.200.xxx) Link Kommentar melden
Heute habe ich mal von der Schule aus (Referat über Datenschutz gehalten) den JAP-Mix "Pythagoras" ausprobiert, das ist eine Kaskade aus drei Servern, von denen einer in Hoersholm/Dänemark steht, aber einer englischen Firma gehört. Der zweite gehört zum unabhängigen Datenschutzzentrum ULD, der dritte der Piratenpartei. Das war übrigens die einzige Partei, die sich im Wahlkampf richtig um das Thema freies Internet gekümmert hat.

Da können sich staatliche Lauscher und andere Hacker die Zähne ausbeißen. Das läuft sauschnell alles und kein Schlupfloch. Obwohl es in dem Moment nur zwischen 50 und 56 Nutzer waren, hatte das eine optimale Sicherheit: 5,1 von 6,6 !

Hier ein screenshot der Mix-Verbindung!
286
am 11.11.2009 14:27:45 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
@ massa of disasta
War bestimmt eine 1, Dein Referat? Wink Ich probiere das gerade mal aus und habe dieselbe IP wie Du über die UNI Dresden, wie geil ist das denn? Grin

@ chaim
Korrekt, genau, richtig. Anonymität ist kein Freibrief für Verbrecher. Kinderschänder würde ich sowieso sofort *******zensiert******
266
am 11.11.2009 17:30:22 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
@ master of desaster - alle Achtung!
JAP-Mix "Pythagoras" ausprobiert, das ist eine Kaskade aus drei Servern, von denen einer in Hoersholm/Dänemark steht, aber einer englischen Firma gehört. Der zweite gehört zum unabhängigen Datenschutzzentrum ULD, der dritte der Piratenpartei. Das war übrigens die einzige Partei, die sich im Wahlkampf richtig um das Thema freies Internet gekümmert hat.

Das ist eher nicht meine Partei, aber hier stimme ich Ihnen zu, junger Mann. Weiter so!

MfG

...von einem alten Hasen des Datenschutzes Cool
349
am 05.03.2011 09:04:14 (212.227.103.xxx) Link Kommentar melden
Ein immer leider wieder aufs neue aktuelles Thema: Datenschutz und die Sicherheit im Internet. Frown
557
am 06.03.2011 18:20:56 (88.68.112.xxx) Link Kommentar melden
Will ich das, dass jemand das alles mitliest und meiner Adresse, meiner Person zuordnen kann? Nein, natürlich nicht. Es geht nämlich niemanden etwas an, was ich im Internet mache, solange ich nichts Kriminelles mache.

Das ist der unbestreitbare Ansatz für Datenschutz und Schutz der Privatsphäre. - Ein sehr anregender Text übrigens!

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