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Politik: Welt

Thailand: Wenn der König krank ist sollte man darüber schweigen

Der König, sein Gesundheitszustand, die Gerüchteküche und die Mühlen der Justiz

Foto: © S. Hofschlaeger, Pixelio.de
Foto: © S. Hofschlaeger, Pixelio.de
Am 19. September kam Seine Majestät, Thailands König Bhumibol Adulyadej aus gesundheitlichen Gründen ins Krankenhaus. Nach Meldungen der Presseagenturen vom 22.09.2009 litt er an Appetitlosigkeit und Fieber. Er bekäme Glukoseinfusionen und Antibiotika. So soll es in einer Erklärung des Königspalastes geheißen haben. Am 29.09.2009 meldete die englischsprachige, in Thailand erscheinende Zeitung „The Nation“, dass der Zustand des Königs doch ernster sei als zuvor verlautet. Inzwischen war der König bereits neun Tage im Krankenhaus.

Erst am 5.10.2009 berichteten die ersten Zeitungen, dass sich der Gesundheitszustand des Königs verbessert habe und er essen und gut schlafen könne. Diese Meldungen basierten auf einer Erklärung des Royal Household Präsidiums vom 4. Oktober. Am 23.10.2009 zeigte sich der König erstmals seit seiner Einlieferung ins Krankenhaus wieder in der Öffentlichkeit. Es war der Todestag seines Großvaters, König Chulalongkorn. Das Fernsehen begleitete den König auf dem Weg zum Chulalongkorn-Denkmal. Nach Angaben des Palastes ist sein Zustand stabil und er hat sich gut erholt.

Trotz gegenteiliger offizieller Meldungen machte Mitte Oktober das Gerücht die Runde, der Zustand des Königs habe sich verschlechtert. Das wirkte sich auf den Aktienmarkt aus. Wie „The Nation“ am 16. Oktober berichtete, fiel der SET-Index innerhalb eines Tages um 38,75 Punkte auf 692,72 Punkte. Das war ein Minus von 5,3 % gegenüber dem Vortag. „The Nation“ berichtete weiter, dass die Panik nicht in Thailand, sondern im Ausland begonnen hätte und die Thais erst dann nachgezogen hätten. Und Bloomberg schrieb, dass die Aktienkurse wegen Spekulationen über einen verschlechterten Gesundheitszustand des Königs abgesackt wären. Außerdem wurde ein Analyst aus Singapur wie folgt zitiert: „Es gibt Gerüchte, dass der thailändische König sehr krank sei.“

Nun begann in Thailand offiziell das große Rätselraten: Wer hat diese Gerüchte in die Welt gesetzt und ist damit in Konsequenz für den Einbruch des Aktienmarktes verantwortlich? Thailands Premier Abhisit ließ verlauten, dass die Schuldigen eine Gefahr für die innere Sicherheit seien und rief die Bevölkerung auf die Schuldigen zu melden. Vize-Premier Suthep, der auch für die innere Sicherheit zuständig ist, beauftragte den Geheimdienst und weitere Sicherheitskräfte die Personen ausfindig und dingfest zu machen, die diese unpatriotischen Gerüchte in die Welt gesetzt haben. Es handele sich dabei um Verräter, die der Nation geschadet und Panik ausgelöst haben. Armeegeneral Anupong warnte die Medien davor solche Gerüchte zu kolportieren.

Grafik: © Axel Ertelt
Grafik: © Axel Ertelt
Am 30. Oktober wurde bekannt, dass die Polizei vier Verdächtige ermitteln konnte. Sie sollen angeklagt werden, sobald es genügend Beweise gibt. Am 1. November verhaftete die Polizei zwei Personen in Sachen „Gerüchteverbrecher“. Darunter war auch eine 47jährige ehemalige Börsenmaklerin. Der Vorwurf: Mittels eines Computersystems falsche Informationen verbreitet und somit die innere Sicherheit gefährdet zu haben. Nun drohen ihr nach dem thailändischen Computerkriminalitätsgesetz bis zu fünf Jahre Haft. Die Frau hatte lediglich einen Artikel von Bloomberg übersetzt und auf der thailändischen Website „Prachatai“ veröffentlicht – nachdem die Aktienkurse begonnen hatten abzufallen. Der zweite Verhaftete war ein 37jähriger Verdächtiger, dem etwas Ähnliches vorgeworfen wird.

Einige thailändische Websites, die über den König und seine Krankheit berichteten, haben inzwischen die Artikel vorsichtshalber wieder aus dem Netz genommen. Jedenfalls sind sie nicht mehr zu finden. In Thailand muss man halt ganz genau abwägen was man über den König sagt oder gar schreibt. Zu schnell läuft man sonst in Gefahr mit der thailändischen Justiz in Konflikt zu kommen. Das sieht man immer wieder auch an den Prozessen um den Thai-Paragraphen 112 (Majestätsbeleidigung). Die Pressefreiheit ist in Thailand da schon etwas anders geregelt als bei uns...

  1. Fotolegende: Armschmuck für Gerüchteverbrecher in Thailand. Foto: © S. Hofschlaeger, Pixelio.de.
  2. Fotolegende: Thai-Paragraph 112: Auf Majestätsbeleidigung stehen hohe Strafen. Grafik: © Axel Ertelt.

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Schlüsselwörter: Thailand | König | Justiz | Verbrechen | Gerüchte
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