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Politik: Soziales & Bildung

Was darf man eigentlich (noch) sagen? (Teil V)

Förderung Hochbegabter? - Die unselige Gleichmacherei in der Bildungspolitik Deutschlands

IQ-Normalverteilung
IQ-Normalverteilung
Menschen sind unterschiedlich. Jeder, der sich mit Unterschieden und Gerechtigkeit in der Kindererziehung befaßt - sei es, daß er mehrere Kinder hat, sei es, daß er von Berufs wegen mit Kindern, Jugendlichen, Schülern oder Studenten arbeitet - weiß dies. Gerechtigkeit ist gerade das Gegenteil von Gleichmacherei, unterschiedliche Charaktere und unterschiedliche Befähigung brauchen unterschiedliche Förderung und Herausforderung. Fordern und fördern ist nie abstrakt, sondern immer konkret, d.h. man muß denjenigen da abholen, wo er ist. Und nicht dort, wo man ihn gerne hätte oder wo man sich ihn phantasiert.

Menschen sind unterschiedlich. Was der eine braucht, kann der andere nicht vertragen. Was der eine mühelos kann, ist dem anderen zu schwer. Was der eine auf Anhieb versteht, ist dem anderen ein Buch mit sieben Siegeln. Was der eine mag, ist dem anderen zuwider. - Das Gleiche ist nicht dasselbe. Was jeder weiß, was jeder in seinem Umfeld täglich erfährt... - in der Schule, in der staatlich organisierten und garantierten Grundbildung, hat das seltsamerweise keinen Raum. Von unterschiedlich stark ausgeprägten Begabungen zu reden gilt fast schon als rassistisch. Unterschiede bezglich des Lernverhaltens zwischen den Geschlechtern anzusprechen gilt bereits als sexistisch. Gleichheit (um jeden Preis, auch um den des Selbstbetruges) heißt die Devise, eine völlig falsch verstandene Forderung der Französischen Revolution. Die forderte mit liberté, égalité, fraternité nämlich nur die Gleichwertigkeit im politischen Sinn, und behauptete nicht etwa das Gleichsein im psychologischen Sinn.

Menschen sind unterschiedlich. Eine der Grundtatsachen, die die Linke immer wieder gern verdrängt oder vergißt. Die Gleichmacherei, die insbesondere durch die rot-grüne Bildungspolitik der letzten Jahrzehnte systematisch umgesetzt wurde, hat viel gesellschaftlichen Ballast an halbgebildeten Akademikern erzeugt. Jeder mußte aufs Gymnasium, egal, ob er dafür die mentalen und intellektuellen Voraussetzungen mitbrachte, jeder, der Abitur hatte, mußte auch studieren, egal, ob er dafür wirklich qualifiziert war. - Und bestimmte Abschlüsse, beispielsweise die eines Magisters der Soziologie, Sinologie oder des Sanskrit, führten fast zwangsläufig zu einer Karriere als Fahrradkurier, Kleinstspediteur oder Taxiunternehmer...

Gewalt statt Bildung?
Gewalt statt Bildung?
Andererseits konnte man jedoch auch ohne Schulabschluß Minister und Dr. h.c. werden, wenn man nur zum richtigen Zeitpunkt in Turnschuhen auftrat - und zuvor nicht nur Terror und Gewalt begrüßt, sondern auch an der Startbahn West richtig Polizisten verprügelt hatte - sowie dann auch noch das Thema des Zeitgeistes verkündete, das eben eine über lange Zeit hinweg grün dominiert war. Immerhin eine gewisse geschichtliche Kontinuität, denn 1947 konnte jeder mit zwei Semestern Pädagogik, sofern er nicht NS-belastet war, "Lehrer" werden. Die Pensionen dieser pseudopädagogischen "Profis" zahlen wir übrigens leider heute noch, sofern sie ihr statistisches Alter überbieten...

Doch die wesentliche Verschärfung des Problems entstand dadurch, daß man es unter dem Schlagwort "multi-kulti" gesellschaftlich toleriert und staatlich gefördert hat, daß eine Parallelgesellschaft entstand. Eine nicht integrierbare und nicht integrationswillige, daher eben auch nicht integrierte Parallelgesellschaft - eine undemokratische und mit einer westlich-pluralistischen Gesellschaft nicht kompatible Kultur, deren Nachwuchs in den Schulen - zum Teil bzw. in manchen Städten - erheblich das Lernklima beeinträchtigt, da allein durch die Sprachprobleme einiger der Durchschnitt der Lernerfolge aller kontinuierlich gesenkt wurde.

Salopp gesagt: je mehr schwache Schüler in einer Klasse sind, desto mehr werden die guten Schüler in ihren Erfolgen behindert. Das schwächste Glied in der Kette definiert die maximale Belastung, der langsamste Bergsteiger bestimmt das Tempo seiner Mannschaft. Ein Vierzylindermotor, der nur auf drei "Töpfen" läuft, bringt keine ausreichende Leistung mehr.

Nun kann man nicht alles über die Hochbegabtenförderung regeln; viel einfacher wäre es, über eine weitere Differenzierung des dreigliedrigen Schulsystems nachzudenken; die integrierte Gesamtschule, das hinsichtlich seines Bildungs-outputs doch sehr überschätzte Lieblingskind der Linken aus den 70ern, löst eben auch nicht die hier angesprochenen Probleme. Eigentlich war da die DDR mit ihrer EOS (Erweiterte allgemeinbildende polytechnische Oberschule) schon fortschrittlicher, jedenfalls war das Bildungsniveau der Absolventen höher.

Unterhält man sich mit Lehrern einer deutschen Grundschule, so bekommt man recht schnell ein Gespür für die eigentlichen Probleme, die meist hausgemacht sind, also in den Familien entstehen. In Familien, in denen die einzige Lektüre im täglichen ausgedehnten Studium der TV-Zeitschrift besteht, deren Nachwuchs - zu Besuch in einer Wohnung mit Bücherregal (2,20 Meter hoch, 4 Meter breit, also eher klein ausgelegt) - mit vor Staunen offenem Mund fragt: "boah ey, hattu die all' gelese?" Die Grundschule in Deutschland heute verbrät die ersten anderthalb Jahre damit, den Kindern das Lesen und das Schreiben sowie das kleine(!) Einmaleins beizubringen, ansonsten lehrt man noch die Ökologie der Südsee, kennt dafür aber nicht die deutschen Mittelgebirge; für jemanden, der mit 4 Jahren lesen gelernt und mit 6 Jahren ganze Lexika verschlungen hat, eine herbe Enttäuschung des Glaubens an das Gute im Menschen.

Die meisten Kinder der Generation web 2.0 können perfekt das komplizierteste Handy konfigurieren und sind up-to-date, was die neuesten cheatz für das xyz-game angeht, doch sie wissen (zu) oft nicht, wie man korrekt einen Satz in der eigenen Muttersprache bildet. Und diese breite grau(sig)e Masse zieht jeden mit 'runter, der mehr auf dem Kasten hat, der schneller lernt, der schon mehr mitbringt, z.B. durch sein Elternhaus.

Triadisches Interpedenzmodell
Triadisches Interpedenzmodell
Hier wäre unter Umständen - einfach mal frech formuliert und laut gedacht - das viergliedrige Schulsystem radikal in Frage zu stellen bzw. zu ergänzen: nach gemeinsamer Grundschule dann
  • Hauptschule
  • Realschule
  • Gymnasium
oder, wer durch die Maschen fällt, dann eben auch Sonderschule (politisch korrekt nennt sich das Förderschule, was den strukturellen Wahnsinn gut zeigt, da doch jede Schule fördern soll)...

Ganz eindeutig fehlt hier etwas. Wir brauchen derzeit offenbar das viergliedrige Schulsystem, nämlich zusätzlich die Schule für diejenigen, die alle anderen ausbremsen, weil sie nicht einmal die minimale Anforderung erfüllen, die man hier zu stellen hat, nämlich eine mehr als nur ausreichende Beherrschung der Landessprache. Nein, das ist keine Ghettoisierung oder Ausgrenzung, sondern das wäre der Schutz derjenigen, die an der Entfaltung ihrer Potentiale gehindert werden, weil bestimmte Kreise zu dumm, zu faul oder einfach nur unwillig sind, sich zu integrieren - und der deutlichste Indikator hierfür ist eben nun einmal der Wille, die Sprache des Gastlandes zu erlernen und sich dessen Kultur anzupassen.

Alfred Binet
Alfred Binet
Doch kommen wir zum (eigentlich) angenehmen Teil, zur Förderung Hochbegabter. Diese teilen sich soziologisch in zwei Gruppen, nämlich in den hochbegabten Nachwuchs sehr begüterter Familien und in den hochbegabten Nachwuchs der Mittel- oder Unterschicht. Diese können es sich natürlich nicht leisten, ihre Kinder auf Privatschulen zu 2.000 - 5.000 Euro pro Monat zu entsenden (reine Schulkosten, denn Unterkunft und Verpflegung gehen extra), was sicher keiner Erklärung bedarf. Also brauchen sie staatliche oder privat organisierte Förderung, um nicht im Sumpf schlechter staatlicher Schulen - in manchen Städten mit ca. 50% Ausländeranteil ohne Sprachkenntnisse - unterzugehen. In diesen jungen Menschen ruht übrigens die Zukunft unseres Landes. Die erste Gruppe können wir einmal außer Betracht lassen, denn wer über ausreichende Mittel verfügt, wird ein internationales Internat in der Schweiz für seinen Nachwuchs wählen, oder eine Privatschule in Frankreich, Großbritannien, Polen oder Israel.

Doch was tut dieses Land für seine Zukunft? Für die Bildung seiner Kinder, für die Förderung seines Nachwuchses? Leider zu wenig, das meiste bleibt der Privatinitiative überlassen. Die staatliche Bildungspolitik hat eigentlich längst die Initiative aufgegeben, wenn nicht schon die Hoffnung verloren. Man hinkt der Entwicklung hinterher, ist re-aktiv statt pro-aktiv.

Es gibt also Ansätze, die jedoch nur auf spezielle Hochleistungen abzielen, es fehlt auch das schlüssige Gesamtkonzept. Die Förderung Hochbegabter - in anderen Ländern bereits in der Vorschule beginnend - ist in Deutschland auf eine merkwürdige Weise tabuisiert; alle werden über denselben Kamm geschoren, und dabei wird das Niveau kontinuierlich abgesenkt. Man merkt das an einer ständig sinkenden Allgemeinbildung zugunsten einseitigen Spezialwissens. Eine Gesellschaft, die eine Leitkultur anbieten will, kann sich nicht einmal verständigen auf verbindliche Antworten auf die Frage

  1. Was ist Allgemeinbildung?
  2. Was gehört zum Bildungskanon?

Zusammengefaßt kann man also folgende Bedingungen formulieren, die in der deutschen staatlichen Bildungspolitik künftig umgesetzt werden sollten: frühere Auswahl und spezielle Förderung Hochbegabter, höhere Anforderungen an die zu erbringenden sprachlichen Leistungen (inklusive klassische Lektüre, Rhetorik, Logik und Dialektik - also das klassische Trivium, jedoch auch das Quadrivium), elementare Kenntnisse der Mathematik (Geometrie, Trigonometrie, Arithmetik, Differential und Integral - statt Mengenlehre)... - und insgesamt eine bessere Differenzierung statt ideologisch begründeter Gleichmacherei.

Aber ohne das Zurückdrängen von intergrationsunwilligen oder zur Integration unfähigen Kulturen - auch in der Lebensphase der Schulpflicht - wird es generell nicht gehen. Die Sprache ist das Fundament.

Einer, der sich integrieren konnte, weil er DEUTSCH gelernt hat...

Vom Sonderschüler zum Akademiker: "Aus dir wird sowieso nichts" - Dieser Satz hat Ismail Ibrahims Leben geprägt. Als Flüchtlingskind kam er aus dem Libanon nach Deutschland. Während seine Mitschüler Blumen malten, zeichnete er Totenköpfe. Schulpädagogen identifizierten das als Lernschwäche. "Ab auf die Sonderschule!" Doch damit wollte sich Ismail Ibrahim nicht zufrieden geben und er hatte Glück: Ein Lehrer erkannte seine Potenziale und förderte ihn. Ismail Ibrahim schaffte das Abitur, studierte Sportwissenschaften und engagierte sich für Jugendliche. Mit Sport holte er die Jungs von der Straße und brachte ihnen Disziplin bei und die Erkenntnis, dass jeder etwas aus sich machen kann. Sein sportliches Streetworker-Konzept bildet die Grundlage für seine Diplom-Arbeit. Für die bekommt er diese Woche den Universitätspreis der Ruhr-Uni Bochum und des Rotary Clubs.

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Schlüsselwörter: Gedankenfreiheit | Meinungsfreiheit | Bildungspolitik | Hochbegabtenförderung | Gleichheit
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Kommentare

286
am 16.02.2010 11:55:12 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
Unterschiede bezüglich des Lernverhaltens zwischen den Geschlechtern anzusprechen gilt bereits als sexistisch.
Da bin ich aber doch gern sexistisch: Mädchen + Frauen haben durchschnittlich eine höhere Intelligenz, ist auch klar, warum: Testosteron vernebelt das Gehirn.

Grin
317
am 17.02.2010 13:39:18 (85.25.152.xxx) Link Kommentar melden
Koedukation ist in manchen Punkten vielleicht wichtig, in anderen Fällen allerdings grundverkehrt; die Entwicklung in der Phase zwischen 8 und 18 ist einfach zu unterschiedlich zwischen den Geschlechtern. Hätte ich eine Tochter, würde ich sie auf ein Mädchen-Gymnasium schicken.

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