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"Kommentare schreiben" - eine kleine Anleitung für Anfänger

(1) Nicht überall, wo Kommentar drübersteht, ist auch Kommentar drin

Eulenspiegel (Mölln, Rathausplatz)
Eulenspiegel (Mölln, Rathausplatz)
Gelegentlich liest man etwas. In einer Zeitung oder auch im Internet. Das gefällt einem (oder auch nicht, je nachdem).

Dann möchte man vielleicht seine Meinung dazu sagen. Dieser Vorgang ist gesetzlich geschützt (in Deutschland), sogar verfassungsrechtlich, unter Artikel 5 des Grundgesetzes. Man kann - ohne daß es einen Rechtsanspruch auf Veröffentlichung in einem konkreten Medium gäbe - sagen was man will. Jeder darf das, auch Legastheniker und Halbgebildete. Das alles ist möglich und erlaubt, auch wenn es orthographisch falsch, inhaltlich belanglos... - oder einfach nur hirnrissig ist. Kein Problem. Schließlich entleert man sich ja auch in anderer Hinsicht gelegentlich, sinnvollerweise (mindestens) einmal pro Tag. Doch ist die Logorrhoe des gemeinen Leserbriefschreibers wirklich einer Diarrhoe vergleichbar? Sind zu viele vermeintliche Kommentare metaphorisch wirklich nur noch fäkal zu fassen?

Wir wissen nicht, was Ihr freundlicher Nachbar dazu sagt. Wir wissen auch nicht, was Konfuzius dazu sagt. - Wir fragen lieber: was sagt der Fachmann dazu?

Anders als bei den informierenden Darstellungsformen ist die Meinung des Journalisten beim Kommentar, dem Leitartikel und der Glosse sogar Pflicht. "Aber auch Verpflichtung", wie Volker Matthies erläutert. "Denn es geht nicht darum, 'Dampf abzulassen'." Die Meinungsäußerung des Journalisten soll stattdessen Orientierung geben. Die Bedeutungen von Ereignissen oder Problemen klarmachen und interpretieren, sie soll Zusammenhänge erschließen."

Quelle: Telekolleg, Sprachkompetenz: 19. Kommentar, Leitartikel, Glosse

Eigentlich ganz einfach zu verstehen. Die Frage ist jetzt nur: wie sag' ich's meinem Kind? Oder vielmehr: wie sag' ich's dem verehrten Leser? Wie gelingt es mir, anderen Menschen meine Position, meine Gedanken, meine Ziele und Absichten, meine Meinungen und Interpretationen nahezubringen? Ihnen zu einem beliebigen (tages)politischen oder jedem anderen Thema etwas zu servieren, was ihnen schmeckt? - Gar nicht so schwer: wie beim Essen und Kochen geht man da vor, man schüttet ja auch nicht faulige Möhren und rohe Kartoffeln auf einen Teller und serviert dann diesen Fraß... - nein, etwas mehr an Phantasie und Kunstfertigkeit darf es dann doch wohl schon sein. Gute Zutaten, exzellente Geräte, Erfahrung und Kochkunst, Phantasie und Kreativität; das Ergebnis dann in einem netten Ambiente auf edlem Geschirr, auf sauberer Tischdecke und mit richtigen Stoffservietten serviert, dann klappt es auch mit der Nachbarin!

Nehmen wir einmal am Beispiel einer Kommentierung eines aktuellen tagespolitischen Ereignisses die folgenden Kommentare:

Ich habe diese (und etliche andere) Kommentare gelesen bzw. gehört und hinsichtlich Logik, Stil, Ausdrucksstärke, Überzeugungskraft und Konsistenz nach meinen Maßstäben beurteilt: sie gefallen mir alle. Eigentlich haben alle Kommentatoren recht, alle haben auch irgendwie unrecht. Alle finden deutliche Worte, ohne jemanden persönlich anzugreifen oder zu denunzieren. Die persönlichen Werte und Standpunkte der Kommentatoren werden mir deutlich, dazu kann ich mich positionieren und verhalten. Das sind Kommentare von Profis; sie bewegen mich nicht primär zu einem vorschnellen "Ja, genau!" oder "Nein, was für ein Quatsch!", sondern sie regen mich an, zum Nachdenken und Weiterlesen nämlich.

Nehmen wir dagegen die Kommentare, die man dann von (manchen, viel zu vielen) Leserbriefschreibern findet, gleitet es schnell ab: falsche Vergleiche, wüste Gewaltausdrücke, kindische Omnipotenz- respektive Ohnmachtsphantasien, Fäkalsprache, Flachhirnigkeit und viel Emotion statt rationalem Denken. - Nicht anregend, nicht erhellend, nicht lesenswert, nicht hilfreich.

Natürlich kann man das Vorgehen der Bundesregierung kritisieren und es für falsch halten, doch mir fallen viele Beispiele ein, wo sich keiner daran gestört hat, mit Kriminellen Geschäfte zu machen: vom Freikauf von Geiseln aus der Gewalt somalischer Piraten oder arabischer Islamisten - hätte man die nicht genauso lautstark mit einer vermeintlich ethischen Begründung ablehnen müssen? Hätte da nicht ebenso die Idee keimen können, den Regierungschef mit Strafanzeigen zu überziehen, nicht wegen Hehlerei wie jetzt, sondern wegen Förderung des Menschenhandels, Beihilfe zum Mord und ähnlichem?

Außerdem: viele Vergleiche gehen einfach fehl. Natürlich ist der Staat als Rechtsstaat ebenso an die Gesetze gebunden wie der Bürger. Doch greift das hier, als Vergleich? Der Staat stellt die Gerechtigkeit wieder her, indem Steuersünder bestraft werden. Man muß das nicht gesinnungsethisch sehen, man könnte das auch unter dem Aspekt der Verantwortungsethik betrachten.

Ganz provokativ könnte man, falls Max Weber den Zweifler hier nicht überzeugt, dann auch das lateinische Sprichwort anführen: QUOD LICET IOVI NON LICET BOVI

Kommentar (Journalismus)

Ein Kommentar im Journalismus ist ein Meinungsbeitrag zu einem Thema, der den Autor namentlich nennt. Bei Printmedien wird der Verfasser oft abgebildet, in Hörfunk und Fernsehen spricht der Autor den Kommentar meistens selbst. Besondere Formen des Kommentars sind Leitartikel, Glosse und Kolumne.

Meinungsbeiträge in den Medien sind durch Artikel 5 des Grundgesetzes geschützt. Die Trennung von Meinung und Information soll Transparenz für den Leser herstellen. Im Boulevardjournalismus werden nachrichtliche (Bericht) und meinungsorientierte Darstellungsweise (Kommentar) jedoch auch innerhalb eines Beitrages vermischt.

"Der Kommentar nimmt im Regelfall zu einer aktuellen Nachricht Stellung. Er erläutert die Wichtigkeit des Themas, interpretiert die Bedeutung, macht mit Zusammenhängen vertraut, stellt Kombinationen an, wägt unterschiedliche Auffassungen ab, setzt sich mit anderen Standpunkten auseinander und verhilft dem Leser dazu, sich ein abgerundetes Bild über das Ereignis zu machen."

In einem guten Kommentar sollte der Hintergrund analysiert und erklärt, außerdem die Meinung des Schreibers argumentativ belegt werden. Er soll die Leser dazu anregen, sich eine eigene Meinung zum Thema zu bilden.

Walther von La Roche unterscheidet drei Arten von Kommentaren: den Argumentationskommentar, den"Geradeaus-Kommentar" und den "Entweder-Oder-Kommentar". Nowag/Schalkowski teilen die Kommentare ein in erklärende, bewertende und argumentierende.

Quelle: Wikipedia Kommentar (Journalismus) (Hervorhebung von mir, Chaim Levinson)

Das ist doch fein erklärt. Nun sollte jeder, der einen geraden deutschen Satz schreiben kann, auch in der Lage sein, nach dem Einschalten des PC und vor allem des Gehirns einen klaren Kommentar zu verfassen; einen Text, der den Namen Kommentar auch verdient. Soweit der Anspruch, betrachten wir aber wenigstens einmal einen Ausschnitt der (Internet-)Wirklichkeit... - da muß man offenbar zäh ringen, um so manchem Hobbyjournalisten nahezubringen, was eigentlich ein Kommentar ist, und das liest sich dann so:

Argusauge

Mitglied :: Redakteur

Ankündigung: RE: Kommentare

Hier die Regel Nr. 1 die beim Kommentieren gilt. Weitere Regeln gibt es nicht. Über etwaige Löschungen wird nicht diskutiert.

"Der Kommentar nimmt zu einem Artikel Stellung. Er erläutert die Sichtweise des Kommentierenden zu dem Artikel, interpretiert die Bedeutung, macht mit Zusammenhängen vertraut, stellt Kombinationen an, wägt unterschiedliche Auffassungen ab, setzt sich mit anderen Standpunkten auseinander und verhilft dem Leser dazu, sich ein abgerundetes Bild über den Artikel zu machen. In einem guten Kommentar sollte der Hintergrund analysiert und erklärt, außerdem die Meinung des Schreibers argumentativ belegt werden. Er soll die Leser dazu anregen, sich eine eigene Meinung zum Thema zu bilden."

Frei entnommen bei Wikipedia und etwas angepasst.

Ich habe keine Signatur!

Quelle: onlinezeitung24.de (Hervorhebung von mir, Chaim Levinson)

Gut gebrüllt, Löwe! Gelegentlich muß man als Hausherr seinen Gästen noch einmal das erläutern, was sie längst wüßten, wenn sie das hätten, was man "Kinderstube" nennt, manche "Gäste" muß man sogar bitten zu gehen. Oder, anders formuliert: ein Bild sagt mehr als tausend Worte!

Apropos Rock & Rule oder auch "Rock 'N Roll"....

YouTube Video

  • Bildnachweis
Karlheinz Goedke: Till Eulenspiegel (1951). Material: Bronze. Standort: Mölln - Rathausplatz. Aufnahme: 28.7.2006 Url: http://www.kidweb.de/hans.htm Datum:28. Juli 2006. Quelle: Eigene Arbeit. Transferred from de.wikipedia; transferred to Commons by User:Sebastian Wallroth using CommonsHelper. Urheber: Hans Weingartz. Original uploader was Leonce49 at de.wikipedia. Genehmigung (Weiterverwendung): CC-BY-SA-2.0-DE., via Wikipedia

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Schlüsselwörter: Journalismus | Texte | schreiben | Überzeugung | Stil | Rhetorik | Logik | Eulenspiegel
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Kommentare

334
am 03.02.2010 21:38:07 (80.187.102.xxx) Link Kommentar melden
Zitat Chaim:
Natürlich kann man das Vorgehen der Bundesregierung kritisieren und es für falsch halten, doch mir fallen viele Beispiele ein, wo sich keiner daran gestört hat, mit Kriminellen Geschäfte zu machen: vom Freikauf von Geiseln aus der Gewalt somalischer Piraten oder arabischer Islamisten - hätte man die nicht genauso lautstark mit einer vermeintlich ethischen Begründung ablehnen müssen?

Aus meiner Sicht werden hier Äpfel mit Birnen verglichen. Man kann die Rettung von Menschenleben doch nicht mit Steuerhinterziehung vergleichen. Zumal der Staat ja selber die Möglickeit des Steuerbetruges zur Verfügung stellt. Sollen die Behörden besser aufpassen.
266
am 04.02.2010 08:33:32 (95.222.194.xxx) Link Kommentar melden
Der Rechtsstaat darf und tut vieles, was der Einzelne noch lange nicht darf. Als Hehlerei würde ich den Ankauf nicht bezeichnen. Wer Steuern hinterzieht, der weiß, daß er sich aufs Glatteis begibt. Ob man den Informanten bezahlt, belohnt oder in anderer Weise seine Mitarbeit honoriert, bleibt dem Staat überlassen.
334
am 04.02.2010 12:36:55 (80.187.104.xxx) Link Kommentar melden
Meine MEinung dazu schrieb ich schon hier:
http://www.online...mment13145
Es liegt mir fern, dass nochmal zu wiederholen.
334
am 04.02.2010 13:42:26 (80.187.104.xxx) Link Kommentar melden
Richtig, aber man muss auch anderer Leute Ansichten respektieren, ohne diese gleich annehmen zu müssen. Bei unterschiedlichen Meinungen ist immer ein wahrer Kern bei jeder zu finden. Nur muss sich das herauskristallisieren.
288
am 04.02.2010 17:15:34 (95.169.240.xxx) Link
Dieser Kommentar wurde auf Grund eines Verstoßes gegen die Kommentarregeln von einem Moderator gelöscht.
  • Gelöscht von Argusauge am 05.02.2010 07:42:09.
334
am 04.02.2010 18:24:34 (80.187.104.xxx) Link
Dieser Kommentar wurde auf Grund eines Verstoßes gegen die Kommentarregeln von einem Moderator gelöscht.
  • Gelöscht von Argusauge am 05.02.2010 07:42:15.
266
am 04.02.2010 20:07:29 (95.222.194.xxx) Link
Dieser Kommentar wurde auf Grund eines Verstoßes gegen die Kommentarregeln von einem Moderator gelöscht.
  • Gelöscht von Argusauge am 05.02.2010 07:42:53.
266
am 04.02.2010 20:09:43 (95.222.194.xxx) Link Kommentar melden
@ Das_Gewissen

Las gerade erst Ihren Kommentar, Sie haben das viel treffender als ich formuliert, Kompliment Wink
334
am 04.02.2010 21:32:55 (80.187.103.xxx) Link Kommentar melden
Als ich 1999 mit dem Chatten begann, gab es noch keine Flat und bescherte mir Telefonrechnungen von rund 500DM mtl. damals. Erfreulich war zu der Zeit das Niveau in den Foren. Teilsatz entfernt Erst mit Einführung der Flat begann der Stil immer mehr an Kanaladel zu erinnern. Ich wäre gerne bereit mehr für den Internetanschluss zu bezahlen, wenn damit der teilweise gefährliche Sondermüll im Internet endgültig entsorgt wird. Wer für Nudeln Treppen putzen muss, wäre dann Vergangenheit.
  • Geändert von Argusauge am 05.02.2010 07:44:29.
334
am 06.02.2010 06:47:49 (80.187.105.xxx) Link Kommentar melden
Zu Winnie und seinem Fußvolk: Wer so doof ist, hat einen (Dach)Schaden und braucht für den Spott nicht zu sorgen...Wink

Die Genannten sind aber ausgesprochen lästig, da sie nicht begreifen wollen oder können, wenn sie sich unbeliebt gemacht haben, dafür versuchen sie sich durch Klagen eine Daseinsberechtigung zu schaffen. Nun, Beliebtheit kann man leider nicht einklagen.
  • Geändert von OZ24 am 12.07.2011 10:05:58.
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