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Sonstiges: Gesundheit

Adäquate Schmerztherapie oder Todesengel?

Reicht bereits ein Verfahren zur Vorverurteilung durch die Presse von Dr. Mechthild B.?

Wie meist in solchen Fällen, werden Ärzte von der Öffentlichkeit diabolisiert, wenn Sie Patienten adäquat mit Schmerzmitteln versorgen, insbesondere Krebserkrankte leiden oft bis zuletzt unter massivsten Schmerzen und brauchen intensivste Schmerztherapie.

Schmerz-Killer?
Schmerz-Killer?
Eine Wahrheit aber ist, dass viele Ärzte aufgrund rechtlicher Probleme lieber einen Patienten leiden lassen, als ihn gemäß seines Zustandes und Leidens mittels hoher Dosen von Morphin und Beruhigungsmitteln bis zum Ende zu begleiten.

Interessant ist auch, wie dieser angebliche "Todesengel" entdeckt wurde: nicht, weil Patienten sich beschwert hatten (oder deren Anghörige)- nein - die Krankenkasse hatte bei Überprüfung der Abrechnung ungewöhnlich hohe Verbrauchsdosen von Schmerzmitteln bemerkt....! D.h., man geht tatsächlich davon aus, dass eine promovierte, angesehene Ärztin, wenn Sie denn vorhatte, Patienten umzubringen, nicht fähig war, die Folgen zu hoher Abrechnungen abzusehen...? Man geht somit davon aus, dass einer angeblichen Totschlägerin mit Doktorwürde die korrekte Abrechnung so am Herzen lag, dass sie davon absah, ihre Spuren zu verwischen.

Derzeit findet ein Verfahren gegen die Krebsärztin Mechthild B. vor dem Landgericht Hannover statt. Laut Pressebericht in "Bild" spricht die Anklage

von strafbarer Sterbehilfe und Totschlag, die Ärztin hingegen von schmerzlindernder Sterbebegleitung. Die Behandlung entsprach laut Anklage „nicht den Regeln der ärztlichen Kunst“, und der Ärztin soll durchaus bewusst gewesen sein, was sie tat.

Nun wäre zunächst zu klären, was unter strafbarer Sterbehilfe in Deutschland zu verstehen ist und wie dies zu beweisen sei. Beleuchtet werden soll, insbesondere im Hinblick, dass jeder Mensch irgendwann durch die Hände eines Arztes seine letzten Tage oder Wochen sein Leiden gemildert- oder eben nicht- beenden könnte. Wollen wir, die Gesellschaft, wirklich Ärzte, die uns lieber leiden lassen, aus Angst, dass die Vorwürfe, ähnlich wie nun bei Dr. Mechthild B. zu einem strafrechtlich relevanten Verfahren gereichen könnten? Oder wünschen wir uns nicht vielmehr für uns und unsere Angehörigen einen Arzt, der situationsbezogen Hilfe leistet, und zwar nicht nach den "durchschnittlichen Verbrauchskriterien" der Krankenkassen, sondern nach den seinem ärztlichen Gewissen verpflichteten Schmerzmittelgaben? Wie jeder Laie weiss, tritt bei dauerndem Gebrauch von Schmerzmitteln bei jedem Patienten irgendwann ein Gewöhnungsfaktor ein, der die Erhöhung der Dosen notwendig macht. Wie Frau Dr. Mechthild B. sagt,

..jeder der Patienten habe sich in der letzten Lebensphase befunden. Die Therapien mit Morphin und Diazepam seien „medizinisch indiziert“ gewesen. In keinem der 13 Fälle sei durch Morphin und andere Medikamente der Tod „verursacht oder beschleunigt“ worden.

Wenn man nun die Tatsachen abwägt, die bei einem Krebspatienten zu einem vielleicht Tage oder Stunden früheren Tode geführt haben könnten, und wenn man dann die geltende Gestzgebung beachtet, dann bleibt jedem vernünftig denkenden Menschen eigentlich nur der Schluss, dass hier eine gesetzliche Grauzone auf dem Rücken einer Ärztin ausgetragen wird, die an vorderster Front zuallererst ihren Patienten verpflichtet war, wie zahlreiche Patienten bestätigen. Auch das deutsche Ärzteblatt berichtet über den Fall, der wohl nicht vor Mitte nächsten Jahres abgeschlossen sein wird:

Wie bei der ersten Verhandlungsrunde wird es wohl auch bei der zweiten wieder im Vordergrund um die Bewertung von medizinischen Gutachten gehen. Diese kreisen um die Frage, ob Mechthild B. mit ihren Schmerzmedikamenten vorsätzlich tötete oder ihren Patienten nur das Sterben und monatelanges Siechtum erleichterte. Auf Letzteres hatte sich die Internistin immer wieder berufen – nämlich lediglich erlaubte Sterbebegleitung praktiziert zu haben. © ddp/aerzteblatt.de
Aber wie überall sollte der Beklagten gegenüber die im Gesetz verankerte Unschuldsvermutung bis zum Beweis des Gegenteils gelten. Leider gibt es diverse Berichterstatter, welche lediglich an Schlagzeilen und Auflagen interessiert sind. Ärzten wird damit die Hilfe für Patienten zunehmend erschwert, denn wer erstmal in diese Mühlen gerät, läuft schnell Gefahr, vorverurteilt zu werden.

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Schlüsselwörter: Todesengel | Mechthild B | Verfahren Hannover | Totschlag | Sterbehilfe | Ärzteblatt | Bild | Schmerztherapie | Krebs
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Kommentare

266
am 20.10.2009 22:51:58 (88.68.97.xxx) Link Kommentar melden
Ein sehr schwieriges Thema. Ich wünsche keinem Menschen, daß er in die Situation der Ärztin, der Patienten oder der Angehörigen gerät. In Deutschland ist die Situation besonders kompliziert, man ist ja fast immer halb im Gefängnis, egal was man tut.
Gata Linda
am 25.01.2011 11:19:33 (90.169.145.xxx) Link Kommentar melden
Frau Dr. Mechthild Bach schied freiwillig aus dem Leben, anscheinend liess der Prozessverlauf ihr keine Hoffnung auf Freispruch.
Ausdrücklich hinterliess sie in einem Abschiedsbrief die Formulierung, dass ihr Suizid kein Schuldeingeständnis sei.
Für mich persönlich wirkt dies so, als sei ein Mensch dem Druck einer falschen Verdächtigung und dem Prozessgeschehen nicht mehr gewachsen gewesen.
Sollte hier wirklich ein Mensch, der nur helfen wollte, durch eine unschuldige Verfolgung zum Selbstmord getrieben worden sein, wäre dies ein Armutszeugnis für die deutsche Justiz.
Es wäre daher wichtig, dass die Ermittlungsergebnisse auch nach dem Ableben der Ärztin der Öffentlichkeit zur Kenntnis gegeben werden, auch und gerade im Sinne der Angehörigen der verstorbenen Patienten.

http://www.bild.d...enten.html
Gata Linda
am 25.01.2011 11:53:22 (90.169.145.xxx) Link Kommentar melden
http://www.aerzte...st_tot.htm
Der Präsident des Landgerichts Hannover, Dieter Schneidewind, reagierte bestürzt auf den Tod der Medizinerin, die nach einem geplatzten ersten Prozess zum zweiten Mal in Hannover vor Gericht stand. „Es ist tragisch, dass sich Frau Bach in so einer aussichtslosen Situation gesehen hat“, sagte Schneidewind der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom Dienstag.

Beide Prozesse gegen die Internistin waren von heftigen Diskussionen von Schmerzspezialisten begleitet, die Anklage wie Verteidigung als medizinische Gutachter aufgeboten hatten. Bach hatte von 1987 bis 2003 in einer Klinik in Langenhagen bei Hannover als Belegärztin praktiziert und war bei einem Teil der Angehörigen ihrer meist todkranken Patienten sehr beliebt. Bei Beginn des ersten Prozesses im Februar 2008, damals noch wegen achtfachen Totschlags, verlangten Angehörige einen Freispruch.

Seit 2003(!) war die Justiz also nicht in der Lage, der Ärztin ein Verschulden nachzuweisen.
Die Länge des Prozesses dürfte Indiz dafür sein, dass man sich eingeschossen hat auf eine Anklage, die in langen Jahren nicht das gewünschte Ergebnis erzielen konnte.
Wäre mal interessant zu erfahren, ob diese lange Prozessdauer nun irgendwelche personellen Konsequenzen haben wird.
266
am 25.01.2011 14:28:02 (204.93.160.xxx) Link Kommentar melden
Dieser Prozeßverlauf ist wahrlich kein Ruhmesblatt der deutschen Gerichtsbarkeit.

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