Rund um OZ24

Suchen

Unterstütze OZ24

Politik: Recht & Co.

Politische Grausamkeit: 19jährige soll nach Thailand abgeschoben werden

Polit-Skandal im Ausländerrecht: Politische Trennung von den Eltern in Deutschland

Foto: © taurudeone, Pixelio.de
Foto: © taurudeone, Pixelio.de
Ein unmenschliches, politisches Schicksal droht der 19jährigen Amonwan Gaiser aus Freudenstadt-Wittlensweiler, die nun Angst vor ihrer Zukunft hat. Die junge Frau soll nämlich – nach den Buchstaben des Gesetzes – nach Thailand abgeschoben werden. Und hier zeigen sich wieder einmal mehr die dunklen Seiten des deutschen Ausländerrechts…

Die Hintergründe

Die junge Frau, geboren als Amonwan Lakhan in Thailand, hat eine schwere Vergangenheit hinter sich. Sie war gerade einmal acht Monate alt, als ihr leiblicher Vater starb. Ihre Eltern waren zu diesem Zeitpunkt erst drei Jahre verheiratet. Seitdem musste ihre Mutter Jitra alleine für sich und das kleine Baby Amonwan sorgen. In Thailand, ohne ein staatlich-soziales Netz, wie es bei uns üblich ist, ist dies kaum zu schaffen. Sie lebten in einem kleinen Dorf der thailändischen Provinz Udon Thani, nahe an der Grenze zu Laos. Hier, in einer der ärmsten Gegenden des Landes gibt es kaum Zukunftsperspektiven. Unterstützt wurden sie manchmal etwas von den Großeltern.

Eigentlich ist es in Thailand anders herum üblich. Die Kinder, vorwiegend die Töchter, unterstützen hier in der Regel die Eltern, da diese meist kein eigenes Einkommen haben. Eine gesetzlich-soziale Rentenversicherung gibt es hier nicht. Und so lebt der Großteil der Bevölkerung hier sprichwörtlich „von der Hand in den Mund“.

Amonwan war gerade sieben Jahre alt, als ihre Mutter 1996 nach Deutschland flog um hier, im nordschwarzwäldlichen Freudenstadt ihre Schwester zu besuchen. Und hier lernte sie bei dieser Gelegenheit Bernd Gaiser kennen, der ein Bekannter ihres Schwagers ist. Die beiden verliebten sich und heirateten heimlich, ohne Jitras Eltern etwas davon zu erzählen. Die waren dann alles andere als begeistert von dieser Heirat und bestanden darauf, dass Amonwan mit ihren gerade einmal sieben Jahren alleine bei ihnen in Thailand bleibt.

Amonwan kommt nach Deutschland

Zwar wurde Amonwan in Thailand von ihrer Mutter Jitra, die inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft hat, und Bernd Gaiser regelmäßig besucht und finanziell, zusammen mit den Großeltern, unterstützt, doch dies ist für das einsame kleine Mädchen gerade einmal soviel elterliche Fürsorge wie der berüchtigte „Tropfen auf den heißen Stein“.

Im vergangenen Jahr – nach mehr als einem Jahrzehnt der Trennung von ihrer Mutter – gaben die Großeltern endlich die Erlaubnis zur Ausreise Amonwans nach Deutschland. Ihre Mutter hatte den Wunsch, dass die Tochter die deutsche Sprache lernte. Die deutschen Behörden (zuständigerweise das für Freudenstadt zuständige Ausländeramt) erteilten Amonwan dann dass Visa für einen Sprachkurs. Eine Familienzusammenführung war zu diesem Zeitpunkt – nach den Buchstaben im deutschen Ausländerrecht – bereits seit einigen Jahren nicht mehr möglich.

Inzwischen hat sich die heute 19jährige hier bestens eingelebt und zu Bernd Gaiser entwickelte sich auch eine richtige Vater-Tochter-Beziehung. Und auch zu ihrer Halbschwester, der heute bereits 11jährigen Julia, besteht ein echtes Geschwisterverhältnis. Die beiden verstehen sich blendend. Das wird nicht nur von der Familie, sondern auch von den Nachbarn bestätigt.

Nach über 18 Jahren hat Amonwan nun endlich eine richtige Familie und war zum ersten Mal so richtig glücklich in ihrem Leben. Verständlich: Sie möchte in Deutschland bleiben! Doch dieses junge Glück scheint mittlerweile endgültig zu Ende zu sein – dank deutscher Paragraphen und dem strengen Wortlaut deutscher Gesetze sowie den Beamten der Ausländerbehörden (denen manchmal auch zum eigenen Leidwesen nichts anderes übrig bleibt als sich peinlichst genau an die Buchstaben des Gesetzes zu halten).

Amonwan muss zurück nach Thailand

Bereits mehrmals wurde ihr das Visum verlängert. Nun kann dies nicht mehr gemacht werden, es läuft zum 15. Oktober aus. Bis dahin ist sie „geduldet“. Das berichtete der „Schwarzwälder Bote“ am 7. Oktober 2009. Reist sie bis dahin nicht aus, so hieß es, droht ihr die Abschiebung.

Verzweifelt kämpft die Familie gegen die Abschiebung. Sie sprachen mit dem Bürgermeister, dem Oberbürgermeister, dem Landrat und mit dem Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Fuchtel. All diese Gespräche blieben erfolglos. Mutter Jitra ist verzweifelt und macht sich große Sorgen um ihre Tochter. Amonwan selbst hat große Angst nach Thailand zurück zu müssen. Die Großeltern sind inzwischen alt geworden und können ihr nicht mehr helfen. Ihre Zukunftsperspektiven in Thailand sind gleich Null. Arbeit gibt es im Ort so gut wie nicht und die nächste größere Stadt ist weit weg.

Inzwischen hat der Rechtsanwalt Andreas Schäfer des Falles angenommen. Ein Widerspruch gegen den Beschluss des Ausländeramtes wurde genauso gestellt wie ein entsprechender Antrag auf Herstellung der aufschiebenden Wirkung ans Verwaltungsgericht in Karlsruhe. Dabei geht es darum, dass die 19jährige Deutschland nicht verlassen muss bevor das Verwaltungsgericht über den Fall entschieden hat.

Am 3. November hat Amonwan Geburtstag. Den muss sie nach dem Willen deutscher Gesetze in Thailand verbringen – wieder ganz alleine und ohne die Familie. Ein trauriger Geburtstag, der da bevorsteht…

Schließlich gab es doch noch einmal – vermutlich ein letztes Mal – einen Aufschub. Viele Bürger aus dem Ort hatten sich bereit gefunden eine spontane Unterschriftenaktion mit zu zeichnen, damit Amonwan bleiben kann. 707 Unterschriften kamen dabei zusammen – der Ort zeigte Solidarität. Bernhard Schmieg von der Stadtverwaltung teilte bei der Unterschriftenübergabe mit: „Wegen der Kürze der Zeit verlängern wir die Grenzübertrittsbescheinigung bis 31. Oktober 2009“. Er betonte gleichzeitig aber auch: „Mehr ist für mich - ich muss mich an Recht und Gesetz halten - nicht drin."

Und so bleibt zu befürchten, dass Amonwan doch ausreisen muss – drei Tage vor ihrem Geburtstag, dem wohl traurigsten in ihrem Leben…

Fotolegende: Manchmal sind Paragraphen eher etwas für den Papierkorb. Foto: © taurudeone, Pixelio.de.

uploaded

Der Inhalt des vorstehenden Artikels gibt nicht die Meinung der Redaktion von Onlinezeitung24 wieder. Für den Inhalt ist allein der Autor des Beitrages verantwortlich!
Lesen Sie dazu auch:
Drucken Empfehlen
Schlüsselwörter: Ausländerrecht | Paragraphen | Abschiebung | Trennung | Ungerechtigkeit
Sie wollen selber einen Artikel schreiben. Kein Problem, einfach registrieren!

Kommentare

288
am 17.10.2009 16:29:59 (94.76.176.xxx) Link Kommentar melden
Hallo,
nicht überall in Europa herrscht die gleiche Gesetzgebung. Warum sich nicht vor Ablauf des Visums in ein bürgerfreundliches Land wie z.B. Belgien oder Italien begeben. Weist sie dort einen Arbeitsvertrag nach, wonach sie als Pflegerin für einen behinderten oder pflegebedürftigen Menschen tätig ist (nur als Beispiel zu verstehen) kann sie auf diese Weise an legale Aufenthaltstitel für den Schengenraum gelangen.Manchmal muss man eben Umwege gehen, um ans Ziel zu kommenWink
lg
GL

Einen Kommentar schreiben







Kommentare von Nichtmitgliedern der Seite Onlinezeitung24.de müssen durch einen Bestätigungslink per E-Mail freigeschaltet werden, für Mitglieder entfällt diese Bestätigung. Diese Maßnahme dient der Diskussionskultur und soll die Kommentarfunktion vor Spam schützen. Wir bitten um Ihr Verständis für diese Maßnahme.

Seitenaufbau: 0.05 Sekunden
36,812,994 eindeutige Besuche