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Wissenschaft: Forschung

Die Auflösung der Judenfrage

„Das Bild des Juden im Spielfilm der DDR“ - eine interessante Magisterarbeit aus Jerusalem

Menorah ©gabisch/Pixelio
Menorah ©gabisch/Pixelio
Unterhält man sich mit Ostdeutschen über Juden, so kommt recht häufig der Hinweis, man habe in der DDR eigentlich nie Juden kennengelernt, sie hätten im öffentlichen Leben keine wahrnehmbare Rolle gespielt. - Normalerweise könnte man bereits an dieser Stelle den Gedanken haben, daß genau hierin das Problem lag.

Juden haben normalerweise keinen Grund, ihr Judesein zu verstecken. Denn wir sind stolz darauf; wir gehören dieser Religion und diesem Volk an, und das ist auch gut so. - Man versteckt das nur, wenn die Gefahr, die Bedrohung, die Belästigung überhand nimmt. Vor einigen Jahren, als die Welle des arabischen und mohammedanischen Hasses auf Juden in Frankreich einmal wieder einen Höhepunkt erreichte und sich in vielen Gewalttaten widerspiegelte, riet Joseph Sitruk - der damalige Oberrabbiner von Frankreich - den französischen Juden, statt der Kippah andere Kopfbedeckungen zu tragen, damit sie nicht sofort und überall als Juden auffielen.

Juden kommen eben genau dann nicht sichtbar in einer Gesellschaft vor, wenn sie in dieser oder gar durch diese

  • verfolgt und vernichtet wurden - wie bei den Nazis...
  • entrechtet, verfolgt und gequält wurden - wie im Stalinismus, also insbesondere in der DDR und der Sowjetunion, aber auch in Polen, Ungarn und der (damaligen) CSSR...
  • entrechtet, enteignet, bedroht und gejagt werden, wie in vielen Ländern der Scharia

Die Ideologien des Hasses gegen Juden sind sich da recht ähnlich, auf der Handlungsebene sind sie nahezu beliebig austauschbar: Antijudaismus, Antisemitismus, Antizionismus... - dieselbe alte Geschichte in jeweils neuem Gewand, mal christlich-katholisch wie in Polen, mal rassistisch-sozialdarwinistisch wie bei den Nazis. Vor allem jedoch araboman und pallophil, sowie natürlich auf den mohammedanischen fake vom „Islam“ als Friedensreligion fixiert. Wie bei den deutschen Gutmenschen und Terrorverstehern.

Doch zurück zur deutschen Geschichte vor der DDR. Schon bald nach der Befreiung Berlins durch die Sowjetarmee waren die ersten Juden in die damalige sowjetische Besatzungszone (SBZ) zurückgekehrt. Viele dieser Rückkehrer wollten mithelfen, ihren Traum von einer sozialistischen Gesellschaftsordnung in Deutschland zu verwirklichen. Allerdings gerieten schon sehr früh bekennende Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Konflikt mit der sowjetischen Besatzungsmacht. Die Situation verschärfte sich gleich nach Gründung Deutschen Demokratischen Republik 1949, als im Rahmen einer sogenannten „Säuberungskampagne“ in der Sowjetunion, aber auch in den anderen Staaten des Warschauer Pakts Juden als „Konterrevolutionäre“ und vor allem als „zionistische Agenten“ verfolgt wurden. Einige dieser „Judenknechte“, wie die stalinistische Presse sie beschimpfte, wurden nach Schauprozessen in der Sowjetunion hingerichtet oder auch heimlich ermordet. Daher flohen viele Juden aufgrund dieser Gefahr und wegen anderer Repressionen aus der DDR in die Bundesrepublik.

Nach dem Tod des Parteiführers Josef Stalin am 5. März 1953 endete die Diskriminierung der Juden in der DDR. Polizeiaktionen und Verfolgungen wurden eingestellt, inhaftierte Gemeindemitglieder freigelassen und die Mehrheit der jüdischen Ex-Parteimitglieder rehabilitiert. Die zahlenmäßig kleiner gewordenen Gemeinden erhielten Zahlungen für die Erneuerung der Synagogen, zum Unterhalt eines Altersheims, einer koscheren Metzgerei und für die Instandhaltung des jüdischen Friedhofs in Berlin-Weißensee. Seit 1961 erschien das Nachrichtenblatt als Informationsorgan der Jüdischen Gemeinde in der DDR.

In den achtziger Jahren öffnete sich die DDR-Führung weiter, ohne allerdings weiterhin die antisemitischen Vorurteile transportierende israelfeindliche Propaganda einzustellen. Und erst nach der Wende bekannte sich die neue de Maizière-Regierung „zur Mitverantwortung für Demütigung, Vertreibung und Ermordung jüdischer Frauen, Männer und Kinder“ und „zu dieser Last der deutschen Geschichte“.

Auf der zweiten Parlamentssitzung am 12. April 1990 wurde eine Entschuldigung für die „offizielle DDR-Politik gegenüber dem Staat Israel“ beschlossen. Die Volkskammermitglieder baten die „jüdischen Mitbürger“ für die erlittene Diskriminierung in der DDR um Verzeihung.

1989 zählten die fünf jüdischen Gemeinden in der Deutschen Demokratischen Republik rund 400 Mitglieder, die Mehrzahl, etwa 250, lebte in Ostberlin. Diese Gemeinden wurden 1990 als Mitglieder in den Zentralrat aufgenommen.

Die folgende Arbeit beleuchtet die Geschichte des staatlichen Umgangs der DDR mit den deutschen Juden. Sie ist als PDF-Datei im freien Download erhältlich. Das hier wiedergegebene Inhaltsverzeichnis soll nur einen Überblick über den weit gespannten Ansatz und die klare Struktur der Arbeit geben und dient somit lediglich als appetizer oder amuse-gueule...

Die Auflösung der Judenfrage.

Das Bild des Juden im Spielfilm der DDR

von Yoav Sapir, 01. März 2006, 13:11

Dies ist eine unformatierte Version der Magisterarbeit "Die Auflösung der Judenfrage. Das Bild des Juden im Spielfilm der DDR", erforscht und geschrieben von Yoav Sapir an der Hebräischen Universität Jerusalem, 2004-2006. Diese unformatierte Version dient allein der Erschließung durch Google. Wenn Sie sich für die Arbeit interessieren, empfehle ich Ihnen wärmstens, kostenlos die PDF-Version herunterzuladen: Klicken Sie hier.

Die Auflösung der Judenfrage

Das Bild des Juden im Spielfilm der Deutschen Demokratischen Republik

Magisterarbeit von Yoav Sapir

Eingereicht am Richard-Koebner-Minerva-Zentrum für deutsche Geschichte der Hebräischen Universität zu Jerusalem im Adar 5766 bzw. März 2006 unter Betreuung von Prof. Dr. Moshe Zimmermann

Danksagung

  • Die vorliegende Forschungsarbeit ist vom Leo-Baeck-Institut Jerusalem mit dem Hans-Tramer-Preis sowie von Yad Vashem mit dem Gedenkpreis an die Opfer des KZ Auschwitz III (Monowitz) ausgezeichnet worden.
  • Sie ist durch die Walter-Hesselbach-Stipendium im Rahmen der Begabtenförderung der Hebräischen Universität Jerusalem ermöglicht worden.
  • Für die den Erwerb der Nutzungsrechte bedanke ich mich beim Richard-Koebner-Minerva-Zentrum für deutsche Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem.

Inhaltsverzeichnis
  • I. Einleitung 1
  • I.a. Der Ausgangspunkt 1
  • I.a.1. Die politische Problematik des jüdischen Themas in der DDR 1
  • I.a.2. DEFA und die filmische Lösung der ostdeutschen Judenfrage 2
  • I.a.3. Die Forschungsmöglichkeiten 4
  • I.a.4. Die dreifache Fragestellung 5
  • I.a.5. Die Hypothese 5
  • I.b. Begriffsbestimmungen für diese Arbeit 6
  • I.b.1. Politisch-ideologische "Wirklichkeit" gegenüber filmischer "Fiktion" 6
  • I.b.2. Was heißt hier "Identität"? 7
  • I.b.3. Das Signifikat hinter dem "Holocaust"-Signifikant 11
  • I.b.4. Zur angemessenen Definition des Judenbegriffs 13
  • I.b.5. "Thematisierung", "Entthematisierung", "Umthematisierung" 15
  • II. Der geschichtliche Hintergrund der ostdeutschen Judenfrage 17
  • II.a. Die dreifache Bedeutung des Juden für die DDR 17
  • II.a.1. Die kulturelle Rolle des Juden als die abendländische Antithese 17
  • II.a.2. Die deutsche Gruppenidentität nach 1945 und der fehlende Platz des Juden 18
  • II.a.3. Die besondere Rolle des Juden in Deutschland nach 1945 20
  • II.a.4. Die ideologische Stellung des Juden als Musterbeispiel 21
  • II.a.5. Bemerkung zur sozialistischen Ablehnung des Zionismus 30
  • II.a.6. Zusammenfassung der Bedeutung des Juden für die DDR 30
  • II.b. Die Judenpolitik der SED 31
  • II.b.1. Ostdeutsche Gesamtzahlen gegenüber dem jüdischen Bevölkerungsanteil 31
  • II.b.2. Vergangenheits(nicht)bewältigung 33
  • II.b.3. Exkurs: Vergleich mit der sorbischen Minderheit 36
  • III. Das Quellenmaterial und nicht behandelte Filme 41
  • III.a. Liste der Spielfilme und Fernsehmehrteiler 41
  • III.b. Klarstellungen und Vorbehalte hinsichtlich der Filmliste 41
  • III.c. Statistische Überlegungen 43
  • III.d. Die Notwendigkeit jüdischer Gegenwart 46
  • III.e. Hinter und vor den Kulissen 47
  • III.e.1. Das geringe Gewicht des geschichtlichen Hintergrunds der Filmhandlungen 50
  • IV. Übersicht über die vorhandene Forschungsliteratur 51
  • IV.a. Einschlägige Literatur zum Thema 51
  • IV.b. Einschlägige Literatur zur Forschungsmethode 53
  • V. Die Forschungsmethode 56
  • V.a. Intensive gegenüber extensiver Analyse 57
  • V.b. Die Zeichensuche 58
  • V.b.1. Ausdrückliche gegenüber unausdrücklichen Hinweisen 59
  • V.b.1.i. Bejahte gegenüber verneinten ausdrücklichen Hinweisen 59
  • V.b.1.ii. Bekenntnisse jüdischer Figuren zum Judentum 61
  • V.b.1.iii. Das Gewicht des Zusammenhanges ausdrücklicher Hinweise 61
  • V.b.2. Unausdrückliche Hinweise 63
  • V.b.2.i. Die drei Grundkategorien unausdrücklicher Hinweise 63
  • V.b.2.ii. Kurzer, oberflächlicher Vergleich mit der Analyse deutscher Identität 65
  • V.b.2.iii. Die Wichtigkeit der Wahrnehmbarkeit 66
  • V.b.2.iv. Sinnbildliche gegenüber tätigen Anzeichen jüdischer Gegenwart 67
  • V.b.3. Zusammenfassendes Flussdiagramm zur Zeichenbeurteilung 70
  • V.b.4. Die Auswertung der Anzeichen 71
  • V.c. Der kulturelle Raum 72
  • V.d. Methodologische Schlussfolgerungen 73
  • V.d.1. Stereotype als Zeichen 73
  • V.d.2. Zur Unterscheidung zwischen Ausdrücklichem und Unausdrücklichem 77
  • V.d.3. Abwesenheit von Erwartetem und Anwesenheit von Unerwartetem 78
  • V.d.3.i. Stellung der Halachah 79
  • V.d.3.ii. Die empirische Regel 80
  • V.e. Schlussbemerkung zur obigen Forschungsmethode 82
  • VI. Inhaltliche Beobachtungen 83
  • VI.a. Der "jüdische" Jude 83
  • VI.b. Behandlung der weltanschaulichen Alternativen zur Religion 85
  • VI.c. Das Jiddische als sprachliches Sinnbild 88
  • VI.c.1. Mögliches Anzeichen der Kontinuität? 89
  • VI.c.2. Bulgarischer Einfluss 89
  • VI.d. Die Menorah und die Chanukijah als jüdische Symbole 90
  • VI.e. DEFA-Spielfilme als "Historiophoty" 91
  • VI.f. Vergleich mit der Wendezeit: Bronsteins Kinder (1990-91) 93
  • VI.g. Holocaust-Sinnbilder als jüdische Zeichen? 95
  • VII. Resultate und Antworten 102
  • VII.a. Die implizit in den Filmen gezeigte jüdische Identität 102
  • VII.a.1. Die jüdische Identität aus erster Hand 104
  • VII.a.2. Die Widersprüchlichkeit des ostdeutschen Judenbildes 104
  • VII.b. Politisch-ideologische Erklärung der herausgearbeiteten Identität 105
  • VII.b.1. Die Ursachen 105
  • VII.b.2. Die Zwecke 107
  • VII.c. Zusammenfassendes Zitat 108
  • VII.d. Auswertung: Entthematisierung oder Umthematisierung des Juden? 109
  • VII.d.1. Argumente gegen die Möglichkeit der Entthematisierung 109
  • VII.d.2. Charakterisierung der ostdeutschen Umthematisierung des Juden 111
  • VIII. Vorschläge für künftige Forschungen 114
  • IX. Bibliographie 116
  • IX.a. Primärquellen: Filmographie 116
  • IX.b. Sekundärliteratur (Auswahl) 116
  • IX.b.1. Zum Identitätsbegriff 116
  • IX.b.2. Zur Forschungsmethode 117
  • IX.b.3. Zu sämtlichen Hintergrundinformationen 118
  • IX.b.4. Zur Theorie und Geschichte des (ostdeutschen) Films 119
  • X. Abstract in deutscher Sprache 121
  • X.a. Abstract in English 122

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Schlüsselwörter: Yoav Sapir | Moshe Zimmermann | Juden | DDR | Spielfilm | Antisemitismus | Antizionismus
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Kommentare

266
am 29.04.2010 21:02:40 (95.222.194.xxx) Link Kommentar melden
II.a.5. Bemerkung zur sozialistischen Ablehnung des Zionismus
Sehr anregend, die Lektüre des Werkes. Eine wirklich gute Empfehlung, danke!
266
am 04.02.2011 13:51:14 (204.93.160.xxx) Link Kommentar melden
Die Ideologien des Hasses gegen Juden sind sich da recht ähnlich, auf der Handlungsebene sind sie nahezu beliebig austauschbar: Antijudaismus, Antisemitismus, Antizionismus... - dieselbe alte Geschichte in jeweils neuem Gewand, mal christlich-katholisch wie in Polen, mal rassistisch-sozialdarwinistisch wie bei den Nazis. Vor allem jedoch araboman und pallophil, sowie natürlich auf den mohammedanischen fake vom „Islam“ als Friedensreligion fixiert. Wie bei den deutschen Gutmenschen und Terrorverstehern.

Besser kann man den Zeitgeist kaum beschreiben.

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