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Sonstiges: Gesundheit

Erste Erfolge – Aber noch lange kein Durchbruch bei HIV-Impfstoff

Euphorie nach Erfolgsmeldungen aus Thailand sind verfrüht – Tropfen auf den heißen Stein?

Foto: © Rike, Pixelio.de
Foto: © Rike, Pixelio.de
Am 24. September 2009 erreichten uns die ersten Meldungen aus Thailand über RV 144. Dabei handelt es sich um einen Impfstoff, der vor einer HIV-Infektion schützen soll. Schon wurde RV 144 als „Meilenstein“ in der Aids-Forschung und „Durchbruch“ bei der Entwicklung eines HIV-Impfstoffs bejubelt. Tatsächlich scheint man mit RV 144 auf dem richtigen Weg zu sein. Jedenfalls stellten sich offensichtlich wirklich erste Erfolge nach über 20 Jahren Rückschlägen in der Aids-Forschung ein.

Die Meldungen basieren auf einer 105 Millionen US-Dollar teuren Forschungsstudie, die jetzt veröffentlicht wurde und in Thailand unter der Leitung des thailändischen Gesundheitsministeriums stattgefunden hat. Forscher aus den USA waren daran beteiligt und die US-Armee hatte das Projekt finanziell unterstützt. An der Studie hatten 16.402 Thais aus zwei Provinzen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren teilgenommen. Die Hälfte dieser Testpersonen wurde 2006 mit einem Kombinationsimpfstoff aus zwei genetisch veränderten Vakzinen geimpft, während die andere Hälfte ein Placebo erhielt. Hersteller des Impfstoffes ist die Firma Sanofi Pasteur. Bei den beiden – einzeln nicht erfolgreichen Impfstoffen handelte es sich um ALVAC von Sanofi Aventis und AIDSVAX von VaxGen Inc. entwickelt, das inzwischen auch von Global Solutions for Infectious Diseases vertrieben wird.

Danach wurden bei den Studienteilnehmern drei Jahre lang regelmäßig HIV-Tests durchgeführt. Ende September traten die Wissenschaftler nun mit den Ergebnissen an die Öffentlichkeit. Die Euphorie – vor allem unter den Beteiligten – war außergewöhnlich groß. Mit dieser Studie hätte sich zum ersten Mal eine Impfung als wirksam erwiesen, hieß es bei einer Pressekonferenz in Bangkok. Die Weltgesundheitsorganisation WHO und die UN-Unterorganisation UNAIDS in Genf berichteten, dass die Studie belege, dass erstmals ein Impfstoff eine HIV-Infektion bei Erwachsenen verhindern könne. Sie gratulierten „den leitenden Forschern, Sponsoren und den Probanden, die dieses ermutigende Ergebnis möglich gemacht zu haben“. Sanofi Pasteur teilte mit, dass bei den mit dem Impfstoff behandelten Probanden knapp ein Drittel weniger HIV-Infektionen aufwiesen als bei denen, die lediglich das Placebo erhielten. In Personen ausgedrückt sind dies 51 gegenüber 74 in der Placebo-Gruppe. Somit reduziere der Impfstoff das Infektionsrisiko um 31,2 %.

Oberst Jerome Kim vom HIV-Forschungsprogramm der US-Armee sagte: „Hier wurde zum ersten Mal gezeigt, dass eine Impfung vor dem Virus tatsächlich schützen kann. Dies ist ein sehr wichtiger wissenschaftlicher Fortschritt und gibt uns Hoffnung, dass wir eines Tages einen weltweit wirksamen Impfstoff haben werden.“ Gesundheitsminister Witthaya Kaewparadai vom Gesundheitsministerium in Thailand sprach vor der Presse gar von einem „wissenschaftlichen Durchbruch“. Auch die Deutsche Aidsstiftung bezeichnete den Impfstoff schon als „entscheidenden Schritt nach vorne“.

Doch bei aller Euphorie über diesen doch sehr kleinen Fortschritt in der Aids-Forschung: Nun müssen erst einmal weitere Studien in anderen Teilen der Welt zeigen, ob der Impfstoff dort die gleiche Wirkung zeigt. Seitdem Aids 1981 als Krankheit entdeckt wurde starben mindestens 25 Millionen Menschen daran und weitere 33 Millionen sind infiziert – die Dunkelziffer nicht inbegriffen.

Bereits drei Tage nach den ersten Berichten, am 27. September 2009, warnte die Ärzte Zeitung allerdings mit der Meldung „Ein Aids-Impfstoff ist noch lange nicht in Sicht“ vor zu großer Euphorie. Bei der thailändischen Studie habe es zwar „einen ersten – aber noch zu schwachen – Erfolg“ gegeben. Dennoch biete sie einen Hoffnungsschimmer. Das knappe Drittel Erfolg ist zu gering. „Für eine US- oder EU-Lizenz müsse die Schutzwirkung mindestens 70 bis 80 Prozent erreichen.“ Dr. Ulrich Heide von der Deutschen Aids-Stiftung sagte in einem Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“: „Die Resultate ändern zwar an den Verhaltensempfehlungen zur HIV-Prävention nichts, könnten aber die Forschung zu HIV-Impfstoffen beflügeln.“

Fotolegende: Vorsicht ist besser als Nachsicht. Foto: © Rike, Pixelio.de.

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Schlüsselwörter: HIV | Aids | Impfstoff | Thailand | HIV-Studie
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