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Politik: Politische Meinung

"Ansehen, Ehre und Wohlfahrt" des Fürstlichen Hauses

Geschmacklose Vergleiche und fragwürdige Ansichten zur gemeinsamen Geschichte

Flagge des Fürstentums Liechtenstein
Flagge des Fürstentums Liechtenstein
Seine Durchlaucht, Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein, Herzog von Troppau und Jägerndorf, Graf zu Rietberg, Regierer des Hauses von und zu Liechtenstein, ist vor kurzem bekanntlich in einer Weise, die zu unnötig kritischen Nachfragen bezüglich der Sicht der deutschen Geschichte aus der Perspektive des Fürstlichen Hauses führte, an die Öffentlichkeit getreten.

Inzwischen gab es jedoch eine erneute Stellungnahme Seiner Durchlaucht, in der die früheren Äußerungen relativiert und korrigiert wurden. Diese Erklärung wurde seitens der deutschen Bundesregierung erleichtert aufgenommen und vulgo als "Entschuldigung" verstanden.

Da sich das Fürstliche Haus derzeit in Trauer befindet, ist es wohl selbstverständlich, das bedauerliche Vorkommnis, das letztlich nur ein Mißverständnis war, nicht weiter zu vertiefen; dies fordern der Respekt, die Sitte und der Anstand.

Melancholie I, Albrecht Dürer, public domain
Melancholie I, Albrecht Dürer, public domain
PRESSEMITTEILUNG AUS DEM FÜRSTENHAUS

Mein aufrichtiges Beileid!

Zwischenzeitlich möchte ich - nichtsdestotrotz - mir in aller Stille und Bescheidenheit erlauben, weiter darüber nachzudenken, was genau nun eigentlich passiert ist. Gern denke ich dabei sehr zurückhaltend und in aller gebotenen Höflichkeit darüber nach, immerhin wohnen 26 meiner Glaubensgenossen und Stammesbrüder im Fürstentum Liechtenstein, weniger übrigens als Jehovas Zeugen, das aber nur am Rande.

Allerdings, by the way, freut es mich, daß auch in dieser Statistik ersichtlich ist, daß man Jehovas Zeugen dort ebenfalls als Christen betrachtet - eine Sichtweise, für die ich ja häufiger hier gescholten wurde, obwohl der religionswissenschaftliche Befund gar nichts anderes zuläßt, als dies: Jehovas Zeugen sind eben - quod erat demonstrandum - als Christen zu verstehen.

  • Christen 29.220 - 87,7 %, davon
  1. Katholiken 26.122 - 78,4 %
  2. Evangelisch-Reformierte 2.634 - 7,9 %
  3. Orthodoxe 365 - 1,1 %
  4. Neupietistisch-Evangelikale 22 - 0,1 %
  5. Zeugen Jehovas 35 - 0,1 %
  6. sonstige Christen 79 - 0,2 %
  7. Neuapostolische 19 - 0,1 %
  • Moslems 1.593 - 4,8 %
  • Buddhisten 66 - 0,2 %
  • Juden 26 - 0,1 %
  • sonstige 21 - 0,1 %
  • ohne Bekenntnis 941 - 2,8 %
  • keine Angabe 1.375 - 4,1 %

Quelle: Publikationen zur Volkszählung 2000 - Amt für Volkswirtschaft (AVW) - Landesverwaltung Liechtenstein

Nachdenken tut not. Denn es reimt sich nicht recht zusammen, was man da und dort so liest und so hört.

Bisher habe ich verstanden:

  1. Der Leiter des Jüdischen Museums in Berlin, der ehemalige US-amerikanische Finanzminister W. Michael Blumenthal, fragt bei S.D. Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein etc. pp. an, ob der Fürst, der ein bekannter Kunstsammler ist, dem Jüdischen Museum für die Ausstellung "Raub und Restitution" ein Werk des niederländischen Porträtmalers Frans Hals zu leihen bereit sei, das der Fürst zuvor auf einer Auktion in New York erworben hatte.
  2. S.D. Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein etc. pp. geruhen dies zu verneinen, das Bild werde nicht nach Deutschland ausgeliehen. Die Entscheidung ist Fürstliches und Allgemeines Recht, sie steht inhaltlich auch keinesfalls zur Diskussion. - Hier wäre die Geschichte somit auch schon zu Ende, wenn nicht....
  3. ...dem Vernehmen nach Seine Durchlaucht etwas molestiert gewesen wäre, weil irgendwann einmal - dem Vernehmen nach - eine seiner Anfragen nach Deutschland ebenfalls ablehnend beschieden worden wäre...
  4. ...gewisse Ermittlungen von deutschen Steuerfahndern bei Seiner Durchlaucht für eine - subjektiv gewiss verständliche - Irritation gesorgt hätten...
  5. Dann aber, ganz plötzlich, war von einem "Vierten Reich" die Rede... - aber das habe ich dann schon nicht mehr verstanden...
  6. Und plötzlich hat S.D. Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein, Herzog von Troppau und Jägerndorf, Graf zu Rietberg, Regierer des Hauses von und zu Liechtenstein, ganz unerwartet, eine Verlautbarung auf uns kommen lassen, die ich nicht richtig einordnen kann, die aber, wie gesagt, in den vulgären Medien als "Entschuldigung" gehandelt wurde...

Sorry, ich bin verwirrt. War Liechtenstein nicht irgendwann einmal deutsch?

Aber ganz spannend ist es doch, wie der Familienrat nun hier weiter vorgehen möchte. Denn hier gibt es ja Möglichkeiten einer gruppendynamischen Entwicklung, die sich von außen nur erahnen läßt.

Der Fürst ist der Regierer des Fürstlichen Hauses und wacht gemäss Hausgesetz über "Ansehen, Ehre und Wohlfahrt" des Fürstlichen Hauses. Nach dem Tod von Fürst Franz Josef II. am 13. November 1989 übernahm Fürst Hans-Adam II. die Regentschaft.

Quelle: Internetpräsenz "Fürstenhaus von Liechtenstein"

Zu gegebener Zeit könnte man also einmal höflich nachfragen, welche disziplinarische Maßnahmen der Familienrat gegen den Fürsten eigentlich beschlossen hat. Die Wohlfahrt des Fürstlichen Hauses ist sicher nicht gefährdet, die des Fürstentums schon eher; ob die Ehre des Fürstlichen Hauses bzw. des Fürstentums verletzt oder gefährdet wurde, steht mir nicht an zu beurteilen.

Das Ansehen des Fürstentums hat nach meinem unmaßgeblichen Befund kaum gelitten, das des Fürstlichen Hauses aber doch schon.

Art. 14 Disziplinäre Massnahmen gegen den Fürsten

1) Schadet der Fürst durch sein Verhalten dem Ansehen, der Ehre oder der Wohlfahrt des Fürstlichen Hauses oder des Fürstentums Liechtenstein, so ist der Familienrat zum disziplinären Einschreiten gegen den Fürsten berechtigt und verpflichtet.

2) In dem gegen den Fürsten eingeleiteten Disziplinarverfahren gelten die Bestimmungen des Art. 8 sinngemäss mit folgenden Massgaben:

a) Die sonst in die Hand des Fürsten gelegten verfahrensrechtlichen Befugnisse stehen dem Familienrat zu;

b) Von der Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen den Fürsten ist der Regierungschef unter Bekanntgabe der Gründe sowie unter Anschluss der hiezu erstatteten Äusserung des Fürsten vertraulich zu verständigen;

c) Gegen den Fürsten kann als Disziplinarstrafe nur die Verwarnung oder die Absetzung verhängt werden. Dabei setzt die Verhängung der Disziplinarstrafe der Absetzung voraus, dass entweder die gegen den Fürsten verhängte Disziplinarstrafe der Verwarnung erfolglos geblieben ist, weil der Fürst das ihm zur Last gelegte Fehlverhalten weiter fortsetzte, oder das Fehlverhalten des Fürsten nach Art, Umfang, Dauer oder Folgen so schwerwiegend war, dass die Verhängung der Disziplinarstrafe der Verwarnung von vornherein als offenbar unzureichend angesehen werden musste;

d) Im Falle der Rechtskraft ist das Disziplinarerkenntnis allen Mitgliedern des Fürstenhauses und dem Regierungschef zuzustellen;

e) Lautet das Disziplinarerkenntnis auf Absetzung des Fürsten, so ist es ausserdem im Landesgesetzblatt zu veröffentlichen.

Art. 15 Amtsenthebung und Entmündigung des Fürsten

1) Wird der Fürst infolge eines schweren körperlichen oder seelischen Leidens auf Dauer unfähig, die ihm nach diesem Hausgesetz zustehenden Rechte und Pflichten zur Förderung des Ansehens, der Ehre oder der Wohlfahrt des Fürstlichen Hauses oder des Fürstentums Liechtenstein auszuüben, oder treten auf Dauer Umstände nach Art. 9 Abs. 3 Bst. a oder b ein, so hat der Familienrat nach sorgfältiger Klärung des Sachverhaltes den Fürsten zum Thronverzicht aufzufordern.

2) Kann oder will der Fürst dieser Aufforderung innerhalb angemessener Frist nicht nachkommen oder muss der Versuch einer Kontaktnahme mit dem Fürsten von vornherein als aussichtslos erscheinen, so hat der Familienrat ein Amtsenthebungs- oder ein Entmündigungsverfahren einzuleiten. Für das Amtsenthebungsverfahren gelten sinngemäss die Bestimmungen des Art. 14 Abs. 2, für das Entmündigungsverfahren jene des liechtensteinischen Rechtes, jeweils mit folgenden Massgaben:

a) Soweit sich der Fürst nicht selbst vertreten kann, ist ihm vom Familienrat aus dem Kreis der geeigneten stimmberechtigten Familienmitglieder, ausgenommen der nächstberufene Thronfolger und dessen Nachkommen, ein vorläufiger Verfahrensbeistand zu bestellen;

b) Das die dauernde Amtsunfähigkeit des Fürsten begründende körperliche oder seelische Leiden muss durch die Gutachten zweier voneinander unabhängiger Sachverständiger bestätigt werden;

c) Mit dem Amtsenthebungsverfahren kann auch ein Entmündigungsverfahren verbunden werden.

3) Sind die im Abs. 1 bezeichneten Behinderungen des Fürsten zwar nur vorübergehend aber doch so schwerwiegend, dass wichtige Interessen des Fürstlichen Hauses oder des Fürstentums Liechtenstein eine Abhilfe notwendig erscheinen lassen, so ist der Fürst vom Familienrat aufzufordern, im Sinne der Bestimmungen des Art. 17 Abs. 5 durch die Bestellung eines Regenten oder Stellvertreters Abhilfe zu schaffen. Ist der Fürst hiezu innerhalb angemessener Frist nicht bereit, so gehen das Recht und die Pflicht zur Abhilfe auf den Familienrat über.

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Schlüsselwörter: Liechtenstein | Fürst Hans-Adam II. | Kunst | Nazi-Raubkunst | Verharmlosung | Nationalsozialismus | Deutsches Reich | Deutscher Bund | Rheinbund
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Kommentare

173
am 11.10.2009 11:27:07 (188.193.168.xxx) Link Kommentar melden
Was will uns der Verfasser dieses Aufsatzes denn nun eigentich damit vermitteln? Sinnhaltigkeiten? Suchet so werdet Ihr finden? Neuds Quis für Günter Jauch!
Sorry, ich bin klein, mein Herz ist rein, soll Niemand drin wohnen, als Jusus allein.
Mein unschuldiges, einfaches Gehirn versteht den Beitrag nicht.
266
am 11.10.2009 12:27:57 (88.68.105.xxx) Link Kommentar melden
@Karow - was ist hier nicht zu verstehen? Ein Fürst rastet aus, aus relativ niederen Beweggründen, weil Deutschland einmal nicht auf seinen Wunsch hin ein Bild beschlagnahmt hat, das Tschechien zuvor beim Fürsten als "Beutekunst", also als Hehlerware, requiriert hatte und das dann später in einer deutschen Ausstellung gezeigt wurde. Nun hat sich der Fürst an Deutschland gerächt, sich dabei aber leider im Ton vergriffen, vor allem einem ehemaligen US-Minister gegenüber, der Überlebender der Shoah ist.
173
am 11.10.2009 13:01:11 (188.193.168.xxx) Link Kommentar melden
Mein Gott. Ausdrücke sind das. Wer hat sich wogegen gerecht und warum? Hatte das nicht mal mit Herrn Zumwinkel seinen Anfang und der Feststellung, Liechtenstein befände sich noch im Krieg mit dem Deutschen Reich? War doch sportiv! Oder geht es jetzt um "Beutekunst" die legal ersteigert wurde. Wenn ja, von wem? Wer war der Versteigerer? Woher kam die "Beute"? Haben sich dort Erben gemeldet? Also, alles sehr verwirrend? Demnächst hat noch Herr Mahler schuld, da er das aus dem Gefängnis gesteuert hat, um Herrn Kanter und seinen jüdischen Erbschaften eines aus zu wischen.
Also Freunde, habt Ihr nichts zu tun als sich immer wieder mit diesen Dingen aus manipulatorischen Gründen zu beschäftigen. Gewissermaßen als Seelenkeule, falls ein Deutscher nach Wahrhaftigkeit ruft, damit Europa nicht wieder gefährdet würde?
266
am 11.10.2009 13:18:51 (88.68.105.xxx) Link Kommentar melden
@ Karow -
Mein Gott. Ausdrücke sind das.
Entschuldigen Sie bitte, wenn ich eine andere Sprache und Ausdrucksweise habe als Sie. Ich wollte Ihnen nur freundlich unterstützend zu Hilfe kommen, da Sie über Verständnisschwierigkeiten bei der Lektüre des Artikels geklagt hatten.

Im Fall des Bildes, das nunmehr rechtmäßig im Besitz des Fürsten Hans-Adam II ist (und welches das Berliner Museum ausleihen wollte, eine Praxis, die bei Museen international Usus ist), handelt es sich um ein Bild, das die deutschen Nazis 1938 beim Baron Rothschild in Wien gestohlen hatten, und das später den Erben des Baron Rothschild zurückgegeben wurde; die Erben verkauften es per Auktion, wo es dann der Liechtensteiner Fürst erwarb. Also alles legal, alles in Ordnung; es gab wenig rationale Gründe für ihn, das Bild nicht nach Berlin auszuleihen. Wenn er keine rationalen Gründe hatte, dann waren es offenbar irrationale, nicht?

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