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Politik: Politische Meinung

Wer ist eigentlich Wolfgang Eggert?

Anmerkungen zu einem weiteren Deppen der Verschwörungsfraktion

Bielefeld um 1910
Bielefeld um 1910
Man kann nicht alles wissen. Man muß auch nicht jeden kennen. Insofern reagierte ich recht gelassen, als ich heute morgen zu meinem ersten petit déjeuner die neuesten Weltnachrichten las, wozu traditionell auch immer ein Blick in die OnlineZeitung24.de gehört. Gelassenheit - das ist das, was meine frühe Morgenstund', bekanntlich die mit dem Gold im Mund', kennzeichnet: mein Weib und vor allem die Kinder schlafen noch, ich habe meine Ruhe, kein Telefon klingelt, draußen erwacht das Leben, und ich als Frühaufsteher genieße das alles. Wie gesagt: mit einem Milchkaffee, mit einem halben Croissant. Mit einer passenden Lektüre und meinem treuen Hund, der mir zu Füßen liegt und sie mir wärmt... (okay, ich gebe zu, ich bin leicht romatisch veranlagt).

Was gab's heut' Neues? Nun, mir wurde ein gewisser Wolfgang Eggert zum Fraß vorgeworfen. Rein intellektuell natürlich. Aber in gewohnt fragwürdigem Foren-Neu-Deutsch, in einer gestelzten sperrig-reflexiven Passivkonstruktion: "Hier kann ein interessantes Interview zur Thematik mit Wolfgang Eggert sich angeschaut werden!" Na ja, also, im Aufsatz hätte es dafür schon in der Grundschule eine 5 im Ausdruck gegeben, "es kann sich angeschaut werden", das geht nicht. "Man kann anschauen" oder "dort könnt Ihr sehen", aber doch nicht passiv-reflexiv mit Subjektsverschleierung! Egal, man kann nicht alles haben, will heißen: Verschwörungshansel, die einen immer so fleißig zum Schmunzeln bringen, müssen das doch nicht auch noch in gutem Deutsch tun! Wenn ich gutes Deutsch lesen möchte und mich auch noch an den Inhalten erfreuen will, dann lese ich doch einfach Henryk Broder.

Verschwörungstheorien gehören inzwischen zu meiner Leib- und Magenspeise; nicht, daß ich Verschwörungstheorien lustig fände oder ihnen anhinge, nein, das gewiß nicht. Aber Verschwörungstheoretiker erinnern mich immer so ein bißchen an diese ausgestopften Tiere, die es im Museum oder in Schulen gibt: irgendwie eklig, aber ganz gut als Anschauungsmaterial, ähnlich gibt es ja auch - zum Zweck der Erforschung von Krankheiten oder Fehlbildungen - Föten oder Hirne in Spiritus. Eine Mischung aus Ekel und Attraktion, gruselig, aber man freut sich, daß man selber lebt und gesund ist, und nicht irgendwo aufgespießt oder ausgestopft oder eingelegt...

Bielefeld um 1895 / Wikipedia public domain
Bielefeld um 1895 / Wikipedia public domain
Meiner Ansicht nach ist jede Verschwörungstheorie Ausdruck einer schweren Neurose, aber, wie gesagt, da ich hier nicht therapeutisch tätig bin, darf ich mich auf den Spaßfaktor konzentrieren, der Verschwörungsfuzzis immer anhaftet. - Da ich übrigens auch einmal ein paar Vorlesungen und Seminare in Bielefeld besucht habe, bin ich natürlich aktiver Teil der Verschwörung, und das freut mich besonders!

Aber nun doch zu Wolfgang Eggert. Es handelt sich übrigens nicht um den renommierten Finanzwissenschaftler Prof. Dr. rer. pol. Wolfgang Eggert von der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Paderborn ("Die Universität der Informationsgesellschaft"), übrigens nicht allzu weit weg von Bielefeld(!), sondern um einen sogenannten "Historiker" und angeblichen "Journalisten" Wolfgang Eggert, den man u.a. bei einer ominösen "Wahrheitsbewegung" findet, einer laut Selbstbeschreibung Sammlung von "Alternativen Medien für Freidenker" findet. Ruft man jene Seite im Internet auf, so werden einem u.a. angeboten:

also lauter Themen, die zu den Lieblingsthemen der Verschwörungstheoretiker gehören, außer ihrem selbstverständlichen Antisemitismus natürlich. Hier bereits beginnt man zu ahnen, wo der Hase lang läuft. Aber machen wir die Probe aufs Exempel, wie sie hier schon zur Unterscheidung von Troll-spam und ernsthaften Beiträgen vorgestellt wurde: Bemühen wir eine Suchmaschine und schauen uns mal die Einträge an, die dann auftauchen.

Internet: Rund ums Internet

Bielefeld um 1840 / Wikipedia public domain
Bielefeld um 1840 / Wikipedia public domain
Also, frisch ans Werk, ich gebe "Wolfgang Eggert" in Google ein, und was finde ich? Dort finde ich als Ergebnisse der Suche ganz viele dubiose Foren, fragwürdige Referenzen, mit einer Ausnahme: den Prof. Dr. Wolfgang Eggert von der Uni Paderborn. Der Rest ist der bekannte selbstreferentielle Kram meines Verschwörungsfuzzis, außer Bucheinträgen bei Amazon oder dem dubiosen "Kai Homilius Verlag" keinerlei seriöse Quelle, keinen Zeitungsbericht, keinen TV-Bericht, keine Rezension, keinen Eintrag in irgendeinem Lexikon, nicht einmal wenigstens bei Wikipedia. Der Mann scheint ja wirklich im eigenen Saft zu schmoren, erinnert mich ein wenig an Sobottka und seine Anarchisten oder "Hacker". - Danke, das genügt mir. Oder doch nicht? Setzen wir noch eins drauf. Suchen wir mithilfe der Suchmaschine mal nicht nur nach "Wolfgang Eggert", sondern ergänzen die Suchbegriffe zu "Wolfgang Eggert Verschwörung".

Okay, alles klar.

Immerhin fand ich noch zwei lustige kritische Seiten zum Thema Verschwörungs-Deppen. Und da ich Dominik Storr selbst bei Maischberger erleben durfte, schließe ich diesen Bruder (Wolfgang Eggerts) im Geiste in mein Nachtgebet ein. Beste Genesungswünsche, Herr Rechtsanwalt!

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Schlüsselwörter: Wolfgang Eggert | Protokolle der Weisen von Zion | Verschwörungstheorie | BüSo | Helga Zepp-LaRouche
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