Rund um OZ24

Suchen

Unterstütze OZ24

Politik: Recht & Co.

Roman Polanski verhaftet - was nun?

Wie lebt sich's so über 32 Jahre: schuldig, aber frei?

Recht bleibt Recht
Recht bleibt Recht
Die gute Nachricht zuerst: Globalisierung gilt auch für die Fahndung nach Kriminellen. Wer in einem Land von der Polizei zur Fahndung ausgeschrieben ist, kann zwar vielleicht Bürger eines anderen Landes werden (das ihn natürlich nicht an das erste Land ausliefert), aber möglicherweise sieht das die Polizei in einem dritten Land wieder anders... - wenn derjenige locker dorthin fliegt, um sich einen Preis abzuholen. Es kann also sein, daß man dann in das Land ausgeliefert wird, aus dem man geflohen ist, um seiner Verurteilung und Bestrafung zu entgehen.

So geschehen letzte Woche in Zürich. Roman Polanski wurde verhaftet, weil er von den USA gesucht wird wegen des dringenden Verdachts der Vergewaltigung an einer Dreizehnjährigen(!) im Jahr 1977, er war damals 44 Jahre alt. Selbstverständlich ist es also gut, daß Polanski verhaftet wurde, hoffentlich wird er dann vom Rechtsstaat Schweiz wirklich auch ausgeliefert und bekommt in den USA einen fairen Prozeß.

Die schlechte Nachricht: Gleich nach der Verhaftung hatten sich viele Persönlichkeiten aus der Filmbranche für eine Freilassung des Regisseurs und Schuspielers. ausgesprochen. Bekannte Regisseure wie Woody Allen, Wim Wenders, Martin Scorsese und Tom Tykwer unterzeichneten sogar eine Petition für die Freilassung ihres Kollegen; okay, Woody Allen hat ja seine Stieftochter zur Frau genommen, er kann also hier nicht als Referenz dienen. Aber daß Ochsenknecht & Co. für Polanskis Freilassung demonstrieren, ist nicht nur peinlich, sondern zeigt eine äußerst seltsame Rechtsauffassung: eine Art Selbstjustiz nämlich.

Wie immer gilt es allerdings, die Meldung hinter der Meldung zu sehen.

  • Zum einen wird gern das Klischee vom "geilen Juden" bedient. - Polanski wurde von den Nazis verfolgt, überlebte das Krakauer Ghetto, sein jüdischer Vater überlebte das KZ Mauthausen, seine nichtjüdische Mutter wurde in Auschwitz ermordet, im sechsten Monat schwanger. Roman Polanski ist also - nach der Halacha, dem jüdischen Religionsgesetz - kein Jude, obwohl er von den Nazis aus rassistischen Gründen verfolgt wurde. Gleichwohl könnte es sein, daß die Traumata, die Roman Polanski selbst erfahren mußte als Kind, bei einer Strafzumessung berücksichtigt werden. Doch Kriminalität bleibt Kriminalität, unabhängig von Motiven, Krankheiten oder seelischen Störungen. - Und als Vater zweier erwachsener Töchter wünsche ich mir für Vergewaltiger härtere Strafen als nur Knast.
  • Zum anderen ist es erstaunlich, daß die ganze Welt mitgespielt hat, keinen hat die Flucht Polanskis aus den USA weiter gestört; natürlich gilt bis zur Verurteilung die Unschuldsvermutung, doch die Flucht als solche kann man als Geständnis werden, zumal Polanski selbst die Tat längst zugegeben hat. Also geht es nur noch um die Höhe der Strafe, die Polanski in den USA zu erwarten hat. In Kalifornien gibt es derzeit nur für Tötungsdelikte die Todesstrafe, also, keine Angst.

Der Europaabgeordnete der GRÜNEN Daniel Cohn-Bendit sagte zu dem Vorgang laut "zeit.de":

"Wenn ein junges Mädchen von 13 Jahren vergewaltigt oder sexuell missbraucht wird und man davonkommt, nur weil man eine Kaution zahlen kann, dann weckt das bei mir ein ungutes Gefühl."
Auch wer DCB nicht mag (wie ich), kann gegen eine solche Aussage kaum etwas haben.

Denn das Recht muß für alle gelten, wenn es überzeugend und gerecht sein soll. Nur weil einer als Regissseur, Schauspieler oder Künstler gute Leistungen aufweist, kann man ihn nicht besser stellen als andere, weniger begabte oder weniger erfolgreiche Menschen. - Hier geht es um eine Frage des Rechts, nicht um eine Meinungsumfrage.

  • Bildnachweis:
Recht bleibt Recht, ©Michael Langer, pixelio

uploaded

Der Inhalt des vorstehenden Artikels gibt nicht die Meinung der Redaktion von Onlinezeitung24 wieder. Für den Inhalt ist allein der Autor des Beitrages verantwortlich!
Drucken Empfehlen
Schlüsselwörter: Vergewaltigung | Polanski | Auslieferung
Sie wollen selber einen Artikel schreiben. Kein Problem, einfach registrieren!

Kommentare

Tepes
am 02.10.2009 07:40:49 (84.183.159.xxx) Link Kommentar melden
Ich finde es gut das auch nach 30 Jahren solche Verbrechen geandet werden. Es darf keinen Promibonus bei Verbrechen geben! Wer Unrecht tut muss bestraft werden egal ob einfacher Mensch oder Prominenter!
Steinbrücks Furunkel
am 02.10.2009 09:30:10 (62.203.137.xxx) Link Kommentar melden
Glaube niemals das, was so vorschnell in der Presse zu jedwedem Thema verlautbart wird.

http://www.bluewin.ch/de/index.php/26,183627/Ex-Staatsanwalt_gesteht_Luege_im_Polanski-Verfahren/de/news/vermischtes/sda/
286
am 02.10.2009 21:11:19 (84.59.49.xxx) Link Kommentar melden
Wenn jemand flieht vor einer Gerichtsverhandlung, dann hat er offenbar etwas zu verbergen. Es ist eine Güterabwägung. Wie hoch war denn die Kaution, die er 1978 in den Wind geschossen hat um zu fliehen?
Steinbrücks Furunkel
am 02.10.2009 21:33:42 (62.202.103.xxx) Link Kommentar melden
Zeterer,
wissen Sie, was in dem von mir angehängten link steht und was DAS bedeutet?
Haben Sie Mühe, das zu verstehen?
Soll ich's Ihnen erklären?
Gaaaanz langsam?

Da steht, dass der vom STAAT eingesetzte Anwalt, der vor Gericht die Meinung des Anklägers vorträgt ein LÜGNER ist.
Wenn ich Rechtsverdreher und Verteidiger meines Mandantanten wäre, platzte JEDER Prozess.

Können Sie das nachvollziehen?
Nein?
Kein Wunder.
266
am 04.10.2009 13:50:28 (84.59.248.xxx) Link Kommentar melden
Mich hat es sehr befremdet, daß in diesem Fall nach "Begnadigung" geschrieen wird. Die könnte ja erst nach einem Gerichturteil erfolgen. Wie sollte es gehen, daß in einer Demokratie mit Gewaltenteilung die Regierung einem Gericht untersagt, einen Prozeß zu führen, eine Verhandlung abzuschließen?

Das gab es in Deutschland zuletzt am Volksgerichtshof von Roland Freisler (und danach noch in der DDR). Es ist also eigentlich Absolutismus, was die Pro-Polanski-Demonstranten fordern.

Polanski hat sein Verbrechen längst gestanden, warum also die Diskussion? Die Schweiz muß ihn selbstverständlich ausliefern, zu fragen wäre allerdings auch noch, wieso es erst seit 2005 einen internationalen Haftbefehl gegen Polanski gab.
Steinbrücks Furunkel
am 06.10.2009 23:09:05 (81.62.150.xxx) Link Kommentar melden
Wo steht bei mir, dass der Staatsanwalt mit dem Fall befasst war?
Wieder mal Ihre übliche Rabulistik.
Zeterer, falscher Fug.
Steinbrücks Furunkel
am 07.10.2009 08:35:21 (81.62.188.xxx) Link Kommentar melden
Ausser Ihnen hat fast Jeder (wie Mayerchen immer zu sagen pflegt) als Kind gelernt, "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er mal die Wahrheit spricht...."
286
am 11.11.2009 14:40:30 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
Polanskis Filme sind geil, aber wenn er wirklich eine Frau vergewaltigt hat, muss er vor Gericht. Seine Flucht ist ein Geständnis, aber er hat es ja auch schon zugegeben. Ab in die USA mit ihm!

Angry Vergewaltiger und Kinderschänder sind Schweine, die muss man einfach nur ******zensiert******

Einen Kommentar schreiben







Kommentare von Nichtmitgliedern der Seite Onlinezeitung24.de müssen durch einen Bestätigungslink per E-Mail freigeschaltet werden, für Mitglieder entfällt diese Bestätigung. Diese Maßnahme dient der Diskussionskultur und soll die Kommentarfunktion vor Spam schützen. Wir bitten um Ihr Verständis für diese Maßnahme.

Seitenaufbau: 0.06 Sekunden
38,930,155 eindeutige Besuche