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Politik: Politische Meinung

Piratenabwehr kreativ gestalten - die Spieltheorie hilft auch hier

Schluß mit lustig: kein Lösegeld, keine Verhandlungen

FIM-92 Stinger im Einsatz
FIM-92 Stinger im Einsatz
Sich bei Angriffen und Übergriffen verteidigen zu können, ist wichtig. Sich verteidigen zu dürfen, ist in der Rechtsgeschichte längst als legitimiert bekannt, es nennt sich "Notwehr". Wer angegriffen wird, darf sich verteidigen. Üblicherweise soll die gewaltsame Abwehr eines Gewaltaktes dabei verhältnismäßig sein, also nicht überzogen. Wenn mich jemand aus 10 Metern Entfernung mit einem Schlagstock bedroht, muß ich ihm nicht ins Herz schießen, ein Schuß ins Bein täte es schließlich auch...

Das alles wissen aufgeklärte Europäer und alle zivilisierten Menschen auf diesem Planeten, in der Schule schreibt man darüber Besinnungsaufsätze, in Deutschland rühmt man sich des mißglückten Attentats auf Hitler als Beispiel für einen erlaubten - ethisch sogar gebotenen - Tyrannenmord, es gibt Selbstverteidigungskurse für Frauen, in denen es vor allem darum geht, anerzogene Hemmungen im Ernstfall zu überwinden. All das wissen wir. Wir praktizieren es, wenn wir angegriffen werden.

Selbstverteidigung

"Als Selbstverteidigung wird die Vermeidung und die Abwehr von Angriffen auf die seelische oder körperliche Unversehrtheit eines Menschen bezeichnet. Die Spannweite solcher Angriffe beginnt bei Nichtbeachtung, unbedachten Äußerungen, Einnehmen von Gemeinschaftsraum usw., setzt sich fort über Beleidigungen, Mobbing und Körperverletzung und reicht bis zu schwersten Gewaltverbrechen. (...) Bei der Verteidigung gegen nicht-körperliche Angriffe spricht man heute auch von Selbstbehauptung (als Substantiv zu sich behaupten).

Das Selbstverteidigungsrecht ist auch im Völkerrecht verankert (siehe: Genfer Konventionen) (...)"

Quelle: Wikipedia

Es gibt legale Möglichkeiten der passiven Bewaffnung und der aktiven Selbstverteidigung. Kein Taxifahrer, der nicht vorgesorgt hat, keine Frau, die abends ohne CS-Spray auf der Straße ist, kein LKW-Fahrer, der ohne legale Selbstverteidigungswaffen im Ausland unterwegs ist... - nur unsere Handelsmarine schicken wir rund um die Welt und überlassen sie ihrem Schicksal. Sollen doch die Reeder zusehen, wie sie das Problem dann lösen. Doch die Lösegelder, die bei Geiselnamen an somalische Piraten gezahlt werden, bezahlen wir alle. Die Kosten werden umgelegt auf die Waren, die diese Schiffe transportieren. Auch eine Regulierung über eine Versicherung produziert höhere Prämien, also mehr Kosten. Zu den Kosten gehören übrigens auch Personalkosten, ein Reeder muß seinen arbeitsvertraglich vereinbarten Lohn ja auch dann zahlen, wenn eine Geisel in Somalia bei Piraten festgehalten wird. Für dieses Geld könnte man besser die Handelsschiffe so ausrüsten, daß nach kurzer Zeit dieser Piraterieunfug analphabetischer somalischer Krimineller aufhören würde. Abschreckung funktioniert, wie die Beispiele russischer und indischer Schiffe zeigen, und wie wir übrigens auch aus dem Kalten Krieg wissen. Es ist vermutlich auch nicht sinnvoll, diese Piraten festzunehmen und sie dann in den Niederlanden oder einem anderen zivilisierten Land im Gefängnis zu beköstigen... - auch dies würde die "Begehrlichkeit" somalischer Piraten auf die Schiffe bestimmter westlicher Länder doch geradezu anheizen. Gutmenschliche Milde kann also tödlich sein wie eine bewaffnete Neutralität... - kommt nur immer drauf an, für wen.

Selbstverständlich sind die rechtlichen Rahmenbedingungen zu beachten: auf deutschen Handelsschiffen gilt deutsches Recht, somit auch deutsches Waffenrecht. Ergänzend hierzu sagt übrigens das Seemannsgesetz aus, daß (legale) Waffen auch auch zivilen Handelsschiffen mitgeführt werden dürfen, jedenfalls von der Crew:

Seemannsgesetz

SeemG § 111

(2) Die Besatzungsmitglieder sind berechtigt, persönliche Bedarfsgegenstände und Verbrauchsgüter in angemessenem Umfang an Bord zu bringen, sofern dadurch nicht gesetzliche Vorschriften verletzt, die Ordnung an Bord beeinträchtigt oder Menschen, Schiff oder Ladung gefährdet werden. Die Mitnahme von anderen Gegenständen, insbesondere von Waffen und Munition, ist nur mit Einwilligung des Kapitäns zulässig. Wird die Einwilligung versagt, so kann sie auf Antrag des Besatzungsmitglieds durch das Seemannsamt ersetzt werden.

(3) Werden jedoch Gegenstände ohne Erlaubnis des Kapitäns an Bord gebracht, so darf dieser sie ihn Verwahrung nehmen und, wenn sie die Sicherheit der Crew oder des Schiffes gefährden, diese vernichten. Tatsache und Grund der Vernichtung ist ins Schiffstagebuch einzutragen.

In Deutschland ist die Ausrüstung von Firmen oder Personen mit einer infrarotgelenkten Ein-Mann-Boden-Luft-Rakete, einem Granantwerfer oder Schiffskanonen sicher nicht zulässig. Doch wenn die Bundesmarine aufgrund fehlender Legitimierung durch Politik und Gesetzgebung nicht in der Lage ist, die Sicherheit deutscher Staatsbürger auch in internationalen Gewässern zu garantieren, wird auch dies - am Beispiel des Irak konnte man die Privatisierung erleben - der Markt regeln.

  • Entweder wird es dann private, international operierende und vor allem bestens ausgerüstete Sicherheitsdienstleister geben, die ganz bestimmt keine Gefangenen machen, oder
  • deutsche Reeder werden noch häufiger als bisher umflaggen auf Länder, die keinerlei Probleme damit haben, wenn die Besatzung eines zivilen Handelsschiffes schwer bewaffnete Piraten einfach mit einer Stinger-Rakete versenkt (siehe hierzu FOCUS-online Leserkommentar 01.02.2009 09:25)

Was hat die Spieltheorie damit zu tun? - Die Spieltheorie hat ein paar Grundregeln entwickelt, die bei nicht-kooperativen Systemen die Kosten minimiert. Und dazu gibt es ein paar Grundregeln, die vereinfacht dargestellt lauten:

  • Sei kooperativ.
  • Bestrafe den Bruch der Kooperation sofort und hart.
  • Sei provozierbar.
  • Sei berechenbar.
  • Biete immer wieder Kooperation an.

Das funktioniert, selbst bei Analphabeten und bei Piraten.

Ob diese Meldung wirklich nichts mit dem Thema zu tun hat?

Koran-Kenner wird mit Sturmgewehr belohnt

Er konnte den Koran besser rezitieren als alle anderen und wusste auch bei Wissensfragen zu glänzen. Ein junger Somalier hat bei einem Wettbewerb radikalislamischer Milizen skurrile Preise abgeräumt, darunter ein Sturmgewehr, Handgranaten und einen Computer.

Kismayo - Zuerst mag man es kaum glauben, was die Nachrichtenagentur Reuters da aus der Hafenstadt im Süden des krisengeschüttelten Somalia meldet. Doch irgendwie verwundert die Nachricht nur mäßig. Immerhin kommt sie aus einer Gegend, in der vor einem Jahr ein 13-Jähriges Vergewaltigungsopfer von radikalislamischen Eiferern gesteinigt wurde. Im Sommer wurde dann einem vermeintlichen Dieb in einem öffentlichen Park die rechte Hand abgeschlagen - weil er angeblich Kleider und eine Tasche im Wert von 90 Dollar mitgehen ließ.

Nun ist zu hören, Mitglieder der Al-Shabaab-Milizen hätten in Kismayo den 17-jährigen Sieger eines Koran-Wettbewerbs mit einem Sturmgewehr des Typs AK-47 ausgezeichnet. Doch damit nicht genug. Der Preisträger erhielt dem Bericht zufolge noch weitere Geschenke: zwei Handgranaten, eine Anti-Panzer-Mine - und einen Computer. Der Zweitplatzierte, ein 22-Jähriger, habe wie der Sieger eine Kalaschnikow mit passender Munition nach Hause tragen dürfen.

Die Al-Shabaab-Milizen kämpfen - oft gemeinsam mit den Kämpfern der Hisbul Islam - gegen die somalische Regierung. Die Islamisten beherrschen mittlerweile den kompletten Süden Somalias sowie große Teile der Hauptstadt Mogadischu. Um Nachwuchskräfte anzuwerben propagieren sie den ausgiebigen Gebrauch von Waffen - zum Schaden des Feindes, wie es auch auf der Preisverleihung des Koranwettbewerbs hieß. Eltern wurden aufgefordert, ihre Kinder die Benutzung von Waffen lernen zu lassen.

Der Feind, das ist vor allem der somalische Übergangspräsident Scheif Scharif Ahmed. Er gilt als gemäßigter Islamist und sollte die Konfliktparteien nach einem fast 20-jährigen Bürgerkrieg einen. Im Moment ist davon nur wenig zu spüren.

Die Bundeswehr hat im Golf von Aden vor Somalia unterdessen einen Piratenüberfall auf ein Handelsschiff vereitelt. Die Piraten hatten die unter maltesischer Flagge fahrenden "MV Thor Spring" mit Handfeuerwaffen beschossen, wie die Bundeswehr mitteilte. Zur Abwehr dieses Angriffs feuerte die um Nothilfe gebetene Fregatte "Augsburg" einen Warnschuss mit dem Bordgeschütz ab. Die Kaperung des Schiffes habe so verhindert werden. Die Piraten seien in Richtung der somalischen Küste abgedreht.

chs/Reuters/dpa

Grundregeln der Selbstverteidigung:

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Schlüsselwörter: Piraten | Bundeswehr | Somalia | Geiselnahme | game theory | stinger | Raketen | Selbstverteidigung
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Kommentare

266
am 21.10.2009 22:02:48 (84.59.57.xxx) Link Kommentar melden
Man sieht, wie sinnvoll Privatisierung gelegentlich sein kann.
173
am 24.10.2009 09:24:52 (188.193.171.xxx) Link Kommentar melden
wir schreiben auch schon darüber und können diesen Standort von Chaim teilen. Wir plädierten einst für die bewährten Formen der Erfahrungen des zweiten Weltkrieges des Konvoibildung unter militärischer Begleitung. Es sind ausreichend Kriegsschiffe vorort aller Nationen und die Konvoibildung dürfte kaum Schwierkeiten bereiten. In Teilen wird es ja auch schon gemacht.
Was das Bekämpfen angeht, so plädieren wir für eine Mehrfachstrategie.
1. Die EU und die anderen Täterstaaten, die die Küsten vor Somalia als Raubritter leerfischen, haben Schadenersatz zu leisten.
2. Angreifer und ihre militärischen Piratennester sind sofort, auch militräsich bei Bedarf, auszuschalten. Sollte sich ein Ultimatum an die Worlords als nichtig erweisen.
3. Die Familien sind wieder in ihre Fischerberufe zurück zu führen und mit neuen Booten auszustatten.
4. Es wird eine dreihundert Seemeilenschutzzone eingerichtet, wo keine ausländischen Fangnetzschlepper etc. überhaupt fischen dürfen. Nur die einheimischen Küstenbewohner als Selbstversorger. Und sie werden finanziell via UNESCO unterstützt, Artenschutz in den Gewässern zu betreiben.
5. Die internationale Kriminalität, die hier mit im Hintergrund als Auftraggeber sitzt, ist via Interpol dingfest zu machen, zu bestrafen und zu enteignen.

Vorort muß sofort drauf gehalten werden, falls ein Fischerboot schneller als 5 Knoten vermeintlichen Fischfang in Schiffahrtsrouten, betreibt. Nach dem Motto, erst schießen, dann fragen.
173
am 30.10.2009 11:15:27 (188.193.168.xxx) Link Kommentar melden
man Chaim, was soll der Quatsch! Schau ins Netz und suche Nachrichten. Da ist eindeutig belegt, das die EU-Fischer, speziell Spanier, wie auch von der anderen Seite, wie z.B. China, dort die Fanggründe mit Schleppnetzten leer gefischt haben. Innerhalb der 200 Meilenzone, so die Nachrichten. Und ATTAC und Andere, haben das sehr wohl belegt und als ersten Raubzug belegt, der dann die Einheimischen gezwungen hat, sich eine neue Einkommensquelle zu schaffen. So kam halt Eins zum Anderen. Die Dinge dürften Dir bekannt sein. Also las das!
288
am 30.10.2009 11:41:36 (94.76.176.xxx) Link Kommentar melden
Also es ist nicht so, dass Fangquoten für Spanier nicht existierten.
Seit langem haben die Spanier ein Abkommen über Fangquoten unterzeichnet.
http://eur-lex.eu...50:DE:HTML
Im Gegensatz dazu, dass die spanischen Fischer zu dem international gültigen Abkommen noch eigen auferlegte Verzichte übten, kommen u.a. chinesische Fischfangfabriken und fischen das Mittelmeer vor der spanischen Küste rigoros leer...
http://www.tagess...23,2688249

Vor Westafrika sind es vor allem spanische, französische und portugiesische Fischer, die dort den Einheimischen die Fische wegfangen. Dort fischen aber auch chinesische, russische oder koreanische Fabrikfischer. An der illegalen Fischerei vor Somalia, die ein Grund für die zunehmende Piraterie in der Gegend ist, sind ebenfalls Europäer beteiligt.

insoweit gibt es schon Hinweise darauf, dass die Fischerei unmittelbar mit der Piraterie zusammenhängen mag. Wobei das eine das andere nicht unbedingt ausschliesst...
288
am 30.10.2009 11:51:06 (94.76.176.xxx) Link Kommentar melden
Wenn die Fangquoten legal abgekauft wurden

...aber nur wenn...
Argusauge
am 30.10.2009 12:50:55 (84.183.169.xxx) Link Kommentar melden
Selbst wenn dir Piraten einmal Fischer waren, gibt Ihnen das noch lange nicht das Recht nun auf Verbrecher zu machen. Sollte Ihnen jetzt Jemand das Recht zusprechen würde im Umkehrschluss auch anderes erlaubt sein.

z.B. gekündigter Sicherheitsbeamter der in seiner Beschäftigungszeit als Geldtransporteur tätig war, könnte ja dann damit anfangen die Geldtransporte seiner Firma zu überfallen, weil diese ihn durch die Kündigung die Lebensgrundlage entzogen hat. Wink Ich weis der Vergleich hinkt!
250
am 30.10.2009 13:32:42 (93.215.149.xxx) Link Kommentar melden
Frage: Ist das Fischen von anderen Reedereien wirklich legal, die vor Somalias Küsten fischen? Ich bezweifle das sehr!
250
am 30.10.2009 15:50:29 (93.215.149.xxx) Link Kommentar melden
Du weißt doch wie die Wirtschaftseuthanasie funktioniert...!

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