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Sonstiges: Kultur & Religion

Ein Beispiel vorbildlicher Toleranz

Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Das Buch Mormon
Das Buch Mormon
Die "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage", deren Mitglieder landläufig auch "Mormonen" genannt werden, ist eine christliche Kirche. Diese christliche Kirche stellt in den USA (2009) die viertgrößte Religionsgruppe dar, mit etwa 2% der Bevölkerung. Im US-Bundesstaat Utah stellt sie die Bevölkerungsmehrheit.

Ihre Mitglieder sind den meisten Lesern vermutlich aus dem städtischen Straßenbild in Deutschland bekannt, weil sie dort versuchen, mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. Nach meiner eigenen persönlichen Erfahrung sind die Gläubigen dieser christlichen Kirche ausgesucht höflich, wohlerzogen, adrett gekleidet - und sehr belesen. Die meist jungen Männer tragen in der Regel schwarze oder dunkelblaue Anzüge, die jungen Frauen Kostüm o.ä.; sehr oft sind es junge US-Amerikaner, die aber sehr gut deutsch sprechen.

Allgemein dürfte bekannt sein, daß der Wert der Toleranz in dieser Gemeinschaft hoch angesetzt ist, ebenso die Wertschätzung für die Familie, dies allerdings mit einem sehr traditionellen Rollenverständnis. Die Toleranz dieser christlichen Gemeinschaft geht sogar soweit, daß sie als Zeichen interkonfessioneller Toleranz die Errichtung von Gotteshäusern anderer Konfessionen und Religionen finanziert, wie z.B. die reformierte Synagoge von Salt Lake City (Utah) und den hinduistischen Tempel von Spanish Fork (Utah). Es gibt aber auch viel praktischere Formen des Zusammenlebens in gegenseitiger Akzeptanz.

"Schwäbische Zeitung" lobt Toleranz junger "Mormonen"

Als Zeichen der Toleranz und des Respekts vor Andersgläubigen wertet die "Schwäbische Zeitung" das Engagement zweier junger Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Als freiwillige Helfer unterstützten die beiden Gäste aus den USA das Dächinger Wanderreit- und Hoffest. Zwar verzichten Jared und Brad selbst auf Alkohol, stellten sich aber ohne Vorbehalte als Bedienung zur Verfügung.

Externer Link zur "Schwäbischen Zeitung":

Toleranz ist, wenn Mormonen auf der Alb Bier ausschenken

Diese Meldung ist - in unserer heutigen Zeit neuer Religionskriege - bemerkenswert. Denn wenn man sich einmal ansieht, über welche Absurditäten theologischer Natur die einzelnen christlichen Konfessionen untereinander Streit führen, mit welchen perfiden Mitteln die eine der anderen Gruppe das Christsein bestreiten möchte (und manchmal auch das Existenzrecht), dann tut ein solch einfaches Beispiel gut. Eine solche Haltung ist für den sozialen Frieden in einer pluralistischen Gesellschaft Gold wert und somit bedeutsamer als die Frage, ob ein katholischer Papst die evangelische Kirche als "Kirche" bezeichnet oder ob sie - wie es der Fall ist - lediglich als Gemeinschaft betrachtet wird.

Übrigens: die "Mormonen" legen keinen Wert auf die "Ökumene" oder einen inhaltlichen "interreligiösen Dialog". Sie erkennen andere Kirchen nicht als bevollmächtigte Vertreter der Christenheit an und werden von der römisch-katholischen wie auch den evangelischen Kirchen nicht anerkannt. - Schön finde ich, daß sie sich damit aber nicht aufhalten. Es gibt wichtigeres als theologische Spitzfindigkeiten, das sollten vor allem Christen anderer Konfessionen von den "Mormonen" lernen.

Vor kurzem berichtete ich von meinem Gemüsemann müslüman Murrat; gestern unterhielt ich mich mit ihm und sprach ihn auf den Ramadan an. Er seufzte und sagte, der sei ja bald vorbei, das sei so anstrengend. Als er merkte, daß ich mich mit seinem islamischen Kalender auskenne, freute er sich und wollte wissen, woher und warum. Ich habe ihm das erklärt und ihm erzählt, daß ich genau dann Rosch Ha-Schana feiere, wenn sein Ramadan gerade zu Ende geht. Daß wir uns mit unseren Festen (jedenfalls dieses Jahr, der Ramadan "wandert" ja im Kalender) sozusagen "die Klinke in die Hand geben". Das empfanden wir beide als einen hübschen Zufall. - Keiner von uns muß den anderen missionieren. Keiner von uns macht die Religion des anderen schlecht. Keiner erklärt dem anderen, dieser läge falsch.

Wir konzentrieren uns auf das Verbindende, nicht auf das Trennende. Dazu gehört aber auch, daß wir das Trennende akzeptieren und respektieren, anstatt es zu verwischen oder zu verleugnen. Er lebt als Moslem, ich als Jude, wir sind Nachbarn und gelegentlich Geschäftspartner.

Vielleicht sind die "Mormonen" in solchen praktischen Alltagsfragen den anderen Christen gelegentlich mal eine Anregung ähnlicher Art.

  • Bildnachweis:
Das Buch Mormon, via Wikipedia, public domain

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Schlüsselwörter: Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage | Mormonen | Tempel | Utah | Familie | Buch Mormon | Toleranz
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Kommentare

522
am 17.12.2010 23:51:13 (93.219.155.xxx) Link Kommentar melden
Es gibt mittlerweile sogar mehr als nur eine einschlägige Kinderbibel, chaim - haben Sie schon mal eine davon gelesen?- machen Sie ruhig mal - man lernt dabei sogar :-)

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