Rund um OZ24

Suchen

Unterstütze OZ24

Sonstiges: Verschiedenes

Vor 70 Jahren: Hinrichtung des ersten Kriegsdienstverweigerers im Zweiten Weltkrieg

Im Gedenken an die feste Überzeugung eines mutigen Mannes

Am 15. September 1939, nur zwei Wochen nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, wird der damals 29-jährige August Dickmann aus Dinslaken auf Befehl Heinrich Himmlers öffentlich hingerichtet. Als Zeuge Jehovas hat er es aus Gewissensgründen abgelehnt, den ihm zugestellten Wehrpass zu unterschreiben und als Soldat zu dienen. Er wird ohne vorherige Gerichtsverhandlung vor den Augen sämtlicher Häftlinge des KZ Sachsenhausen, zu denen auch sein Bruder Heinrich gehört, von einem Exekutionskommando der SS erschossen. August Dickmann ist der erste Kriegsdienstverweigerer, der sein Leben im Zweiten Weltkrieg verliert.

Dickmann befand sich wegen seiner Religionszugehörigkeit schon seit Oktober 1937 im KZ Sachsenhausen. Da alle Zeugen Jehovas, damals wie heute, den Wehrdienst konsequent verweigern, will die NS-Führung mit seiner Hinrichtung bewusst ein Exempel statuieren. Ziel ist die übrigen seiner in Sachsenhausen inhaftierten Glaubensbrüder einzuschüchtern, dass sie ihre kriegsneutrale Haltung aufgeben. Dieses Vorhaben scheitert kläglich – keiner der etwa 600 anwesenden Zeugen Jehovas ist anschließend zum Kriegsdienst bereit. Im Gegenteil, zwei von ihnen, die zuvor schon ein Schriftstück unterzeichnet hatten, wodurch sie ihrem Glauben abschworen, treten vor und bitten um Annullierung ihrer Erklärung.

Da sich die ca. 25 000 Zeugen Jehovas, die es im Hitler-Deutschland gab, kompromisslos weigern, christliche Grundsätze aufzugeben und sich von den Nationalsozialisten gleichschalten zu lassen, werden sie verboten und brutal verfolgt. 8 800 deutsche sowie 2 500 „nicht“-deutsche Glaubensangehörige der Religionsgemeinschaft sperrt man in Gefängnisse und Konzentrationslager. Etwa 1 500 von ihnen finden dort den Tod, u. a. 300 Männer, die wie August Dickmann als Kriegsdienstverweigerer hingerichtet werden.

Im Rahmen einer Ausstellung unter dem Motto „Erinnern für die Zukunft“, die vom 7. bis 24. September 2009 im Rathaus Senden zu sehen ist, wird am 15. September 2009, ab 19.00 Uhr in einer Sonderveranstaltung in der Steverhalle speziell an August Dickmanns mutige Standhaftigkeit aus christlicher Überzeugung erinnert. Am Programm beteiligt sind u. a. der Historiker Dr. Hans Hesse und der heute 98-jährige Richard Rudolf, der als Zeit- und Augenzeuge der Hinrichtung interviewt wird.

uploaded

Der Inhalt des vorstehenden Artikels gibt nicht die Meinung der Redaktion von Onlinezeitung24 wieder. Für den Inhalt ist allein der Autor des Beitrages verantwortlich!
Drucken Empfehlen
Schlüsselwörter: Jehovas Zeugen | Kriegsdienst | Weltkrieg | Krieg | SS | Hinrichtung
Sie wollen selber einen Artikel schreiben. Kein Problem, einfach registrieren!

Kommentare

266
am 18.09.2009 16:05:44 (88.68.109.xxx) Link Kommentar melden
Ob einer zu dieser Religionsgemeinschaft gehört oder nicht, ist bei der Beurteilung der Quelle nicht in erster Linie wichtig. Primär sind viel eher solche Fragen: ob seine Darstellungen nachvollziehbar, überprüfbar und in Übereinstimmung mit anderen Quellen sind. Und da habe ich bei J. Wrobel nichts Unwahres gefunden. Eine Wohltat, solche Texte zu lesen, nach der ganzen Hetze von manischen "Zeugen"-Hassern oder ehemaligen Mitgliedern. Deren Zeugnis ist übrigens immer mit Vorsicht zu genießen; wenn ich einen Mitarbeiter einstelle, werde ich wohl kaum seine geschiedene Ehefrau zu seiner Person befragen, denn da bekomme ich garantiert keine Objektivität. Wieso sollten also ehemalige "Zeugen" nur aufgrund ihrer Trennung von dieser Religionsgemeinschaft als besonders kompetent gelten?

Aus verschiedenen Zusammenhängen kenne ich etliche KZ-Überlebende persönlich. Und auf die "Zeugen" angesprochen hörte ich da immer nur Gutes, besonders was ihre persönliche Integrität und bedingungslose Treue ihrem Glauben gegenüber angeht. Alle, die sie damals im KZ erlebt haben, betonen ihre Kameradschaft, ihre Zuverlässigkeit, und daß sie nicht korrumpierbar waren. Allein das bereits verdient Respekt, und schon deswegen kann ich diese Hetze, die hier teilweise stattfindet, überhaupt nicht nachvollziehen. Insbesondere deswegen nicht, weil die betreffenden Eiferer ja selbst ausreichend viele Internetseiten betreiben, auf denen sie ihre intolerante Botschaft und ihre wütende Hetze gegen diese christliche Splittergruppe loswerden können.

Einen Kommentar schreiben







Kommentare von Nichtmitgliedern der Seite Onlinezeitung24.de müssen durch einen Bestätigungslink per E-Mail freigeschaltet werden, für Mitglieder entfällt diese Bestätigung. Diese Maßnahme dient der Diskussionskultur und soll die Kommentarfunktion vor Spam schützen. Wir bitten um Ihr Verständis für diese Maßnahme.

Seitenaufbau: 0.05 Sekunden
39,940,424 eindeutige Besuche