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Politik: Recht & Co.Was darf man eigentlich (noch) sagen? (Teil III)

Peter Singer ©Joel Travis Sage
Wobei das Wort "negativ" eine harmlose Untertreibung ist, ein Euphemismus. Eher fallen dann Wörter wie "Mörder", "Nazi", "Rassist", "Faschist" oder ähnliches dieser Art. - Man könnte es sich nun ganz einfach machen und zunächst darauf hinweisen, wer da eigentlich Peter Singer kritisiert.
Denn es sind vor allem die radikal intoleranten und vor allem geistlosen sogenannten "Lebensschützer", die sich äußerst vehement - und dabei Andersdenkende gern auch schon mal verleumdend - gegen bestimmte ethisch begründete Positionen wenden:
- gegen Verhütung
- gegen Schwangerschaftsabbruch generell, also in jeder Form und zu jedem Zeitpunkt
- gegen pränatale Diagnostik in diesem Zusammenhang
- gegen Sterbehilfe
Es sind meist reaktionär-katholische Kreise und es sind seltsamerweise auch Menschen, die kein Problem mit Darwins "Theorie" der Evolution haben. Eine Theorie, mittlerweile übrigens zur Religion mutiert, in der die "Natur" angeblich genau das vornimmt, was dann der rassistisch-faschistische Sozialdarwinismus in Auschwitz nachgemacht hat: das Unerwünschte, das angeblich nicht "Passende", das vermeintlich "Minderwertige" auszumerzen. - Ausgerechnet von jenen Verfechtern der Evolutionstheorie wird Peter Albert David Singer, geboren am 6. Juli 1946 in Melbourne, Australien, dessen Familie im Holocaust litt, zum angeblichen Täter gemacht, zum angeblich menschenvernichtenden Ingenieur des perfekten Übermenschen; der nichtreligiös aufgewachsene und nicht gläubige Peter Singer verlor drei seiner vier Großeltern in den Vernichtungsstätten der aus Haß und Rassismus mordenden Nazis. - Dieser Peter Singer soll ein Euthanasieverbrecher sein? Wie man sieht, hier ist einiges an der Kritik der Singer-Hasser nicht ganz stimmig.
Es sind also wieder einmal auch antisemitische Töne, die da in der Kritik gegen Singer mitschwingen, denn ein Kriterium für Antisemitismus ist bekanntlich, daß an Juden andere Maßstäbe angelegt werden als an Nichtjuden. Doch dies sei nur am Rande angemerkt, denn es wäre als Argument zu einfach und würde denen, die gegen den australischen Moralphilosophen hetzen, ohne seine Thesen überhaupt zu kennen oder seine Schriften gelesen und verstanden haben, den Triumph verschaffen, daß ihre Verleumdungs-Taktik, die zu einer Vermeidungs-Strategie gehört, aufgeht. Nein - gerade die Gegner Singers sollen sich durchaus genötigt fühlen, sich mit dem Utilitarismus allgemein und mit Singer speziell geistig auseinanderzusetzen. Von daher lassen wir also das naheliegende - aber eben auch zu billige - argumentum ad personam außer Betracht.

Epikur (Louvre)
Natürlich ist es verständlich, wenn Betroffene, also Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen, oder Eltern von behinderten Kindern, hier persönlich verletzt sind und daher auch persönlich und verletzend werden. Bei Vertretern von Behindertenverbänden, die sich persönlich angesprochen fühlen von Singers denkerischen Positionen, ist also eine heftige Reaktion gegen Singer wenigstens aus einer subjektiv imaginierten Betroffenheit heraus verständlich. Insofern ist die Verleumdungskampagne gegen Singer, die im wesentlichen auf Franz Christoph und dessen Krüppelbewegung zurückgeht, verständlich. Doch ein Denker kommt damit klar, wenn ihn jemand nicht versteht. Im Gegensatz zum Politiker muß ein Denker sich nämlich nicht zur Wahl stellen... - er kann also Gedanken auch dann aussprechen, wenn sie nicht common sense oder sonstwie inkommod sind.
Es ist in jeder Hinsicht lohnend, sich inhaltlich, also philosophisch, mit Singers Denkanstößen, die manchen Menschen anstößig scheinen, zu befassen. Dazu muß man sie natürlich erst einmal kennen. Und sie dann erst mit den Methoden der Philosophie, also in einem rational begründeten Diskurs, zu bewerten, einzuordnen und - falls es einem wichtig zu sein scheint - zu beurteilen. Dazu gehört, daß man sich, bevor man die Positionen Singers prüft, wenigstens ansatzweise vertraut macht mit den Vorläufern und Vordenkern des Eudämonismus, des Hedonismus wie auch des (Präferenz)Utilitarismus, also insbesondere Epikur von Samos, David Hume, Jeremy Bentham und John Stuart Mill.
- "Utilitarismus (Utilismus)" in Rudolf Eisler, Wörterbuch der philosophischen Begriffe (1904)
- "Der Utilitarismus (Nützlichkeitsphilosophie) und seine Gegner" in Karl Vorländer, Geschichte der Philosophie, III. Die Philosophie der Neuzeit (1903)
- Definition und Einführung bei PhilLex, siehe hier insbesondere die Paradoxa unter "Einwände"
- Utilitarismus bei www.neuemoral.de
- Kurzdefinition bei www.wissen.de, vor allem der zweite Kommentar ist von Bedeutung
- Interessante Diplomarbeit (Köln 1999) zur Frage der Meßbarkeit und der Vergleichbarkeit von Nutzen
- Übersicht, Einführung und weitere Verweise (Wikipedia), hier insbesondere die Kritikpunkte Anthropologische Problematik und Inkohärenz zum psychologischen Egoismus
Das Problem des Utilitarismus ist - wie schon bei seinen fernöstlichen Vorgängern des Mohismus und des Konfuzianismus - das Menschenbild, das implizit vorausgesetzt wird; erfahrungsgemäß sind wir Westeuropäer da, nach der gescheiterten Aufklärung, der relativ siegreichen Gegenreformation und dem Erstarken irrationalistischer Ansätze in Poltik und Gesellschaft nicht mehr so blauäugig wie Rousseau; als Stichworte sollen hier genügen:
- die gescheiterten Versuche von Sozialismus,
- Esoterik und neue Psycho-Kulte,
- Verschwörungstheorie, Revisionismus und Rassismus,
- der gutmenschliche Traum von Multi-Kulti und
- der erstarkende und verharmloste Islamismus.
Denn daran kann man sehen, daß die Menschen nicht so sind, wie die manche Ideologen sie gerne hätten, damit ihr Weltbild stimmig bleibt. Bert Brecht hat das bereits in seinen Kalendergeschichten ironisch formuliert:

Jeremy Bentham (Henry W. Pickersgill)
Berthold Brecht, Kalendergeschichten
Nach aller Lebenserfahrung und als Essenz der anthropologischen Wissenschaften haben sich solche Menschenbilder als Voraussetzung für philosophische Lehren nicht bewährt, diese sind also mit solchen Prämissen schnell auf Sand gebaut und einsturzgefährdet; sinnvoller wäre ein pragmatischer Ansatz, der sich psychologisch und hirnbiologisch widerspruchsfrei begründen läßt. In dieser Hinsicht ist also bereits die game theory stimmiger als utilitaristische Gedankengebäude.
Was darf man eigentlich (noch) sagen?
- Die Unbestimmtheit der Wörter und der vergebliche Versuch, politisch korrekt zu sein
- Sprachliche Traditionen und Beleidigungsprozesse
- Denkverbote und Sprachhygiene - die Debatte um Peter Singer
- Über "Political Correctness" - Thilo Sarrazin und die gespielte Empörung - folgt demnächst
- Förderung Hochbegabter? - Die unselige Gleichmacherei in der Bildungspolitik Deutschlands - folgt demnächst
Sowie auch:

John Stuart Mill
Wie war das möglich? Nun, Peter Singer hat einfach den Fehler gemacht, logisch zu denken; das kommt bei deutschen Gutmenschen nicht immer gut an, vor allem dann nicht, wenn sie mit den dunklen Seiten der Geschichte ihrer Nation konfrontiert werden. Singer hat hier einfach die Wunden berührt, die unter dem Mantel der Verschwiegenheit weiter eitern, im psycho-mentalen Nebel der verdrängten Erinnerung vor sich hinschwären. - Das Thema "Euthanasie" ist speziell in Deutschland nicht zu behandeln, schon gar nicht von einem Juden... - das ist der Kern des Problems auf der psychischen Ebene, die eine kognitive Verarbeitung erst gar nicht zuläßt.
Nicht einmal solche moralischen und juristischen Probleme wie Sterbehilfe lassen sich hierzulande diskutieren, ohne daß jede auch nur vorsichtige Annäherung sofort mit einem Denkverbot beantwortet wird, das sich ausgerechnet aus dem Hinweis auf die Nazis und ihrer rassistischen Umsetzung des Darwinismus als Zuchtwahl auf ihrem Weg zum ger-manischen Herrenmenschentum speist. Jenes Denkverbot läßt dann nicht einmal mehr die Frage zu, ob ein Schwangerschaftsabbruch bei einer durch pränatale Diagnostik festgestellten Schwerstbehinderung des Fötus gut, sinnvoll, richtig oder geboten sei.
Auch hier trifft möglicherweise als Erklärungsmuster der reflexartigen und haßerfüllten Abwehrreaktionen gegen Peter Singer der Satz zu, den der israelische Psychoanalytiker Zvi Rex unnachahmlich treffend formuliert hat:
Dessen ungeachtet sollte man die Schriften Peter Singers einfach einmal genau lesen; er hat lediglich die Freiheit der Entscheidung von Eltern thematisiert, die - zusammen mit Ärzten - für ihre ungeborenen oder neugeborenen schwerstbehinderten Kinder eine ethische Entscheidung zu treffen haben. Dies hat Singer nie auf erwachsene Menschen mit Behinderung bezogen, er steht auch nicht an der Rampe und "selektiert". - Wer einmal aus eigener Anschauung und weniger akademisch die von Singer reflektierte Fragestellung prüfen möchte, kann auch einmal in der Begleitung schwerstkranker Menschen arbeiten, die - den sicheren Tod vor Augen - einfach nur noch drei Wünsche haben:
- nicht allein gelassen zu werden,
- in Würde und vor allem
- ohne Schmerzen sterben zu dürfen.
Peter Singer tut weh - allerdings nur denen, die in der immer jünger werdenden und angeblich tabulosen Spaßgesellschaft das Denken an wie das Sprechen über den Tod tabuisieren und den Schmerz leugnen, indem sie ihn verdrängen... - um dann hilflos zu sein, wenn das Schicksal sie trifft.
- "Kaltherziger Vordenker - Wann und wo immer Peter Singer auftritt er entfacht Furor." Etwas tendenziös geschriebener Artikel in typisch reißerischer SPIEGEL-Manier; allein die Abwertung im Titel ist bemerkenswert.
- Gespräch mit Peter Singer "Nicht alles Leben ist heilig". Philosoph Peter Singer über den moralischen Status von Embryonen, das Lebensrecht von Neugeborenen und die Revolution der westlichen Ethik. SPIEGEL-Interview, 25.11.2001
- Tötung "lebensunwerten" Lebens? Detlef Linke in heise online
- Schonung der Tiere, Euthanasie für schwer behinderte Kinder? - Peter Singer oder die tabuisierte Diskussion über Leben und Tod. Florian Rötzer in heise online
- Bless Peter Singer - criticism by Rabbi Avi Shafran
- Lebenswertes und weniger lebenswertes Leben? Zu Peter Singers "Praktische Ethik" - Kritik von Prof. Dr. med. Axel W. Bauer, Vorsitzender des Klinischen Ethik-Komitees (KEK)
- Euthanasie und Emotion - "Warum Peter Singers Thesen die Gemüter erhitzen"; sehr gute, ausgewogene Kritik von Helmut F. Kaplan
- Ebenfalls sehr lesenswert die einzelnen Beiträge im Band Aufklärung und Kritik - Schwerpunkt "Peter Singer", Sonderheft Nr. 1/1995, Gesellschaft für Kritische Philosophie (GKP), Nürnberg
- Peter Singer speaking at a Veritas Forum event on MIT's campus on Saturday, March 14, 2009, ©Joel Travis Sage, http://www.joelsage.com/, Wikipedia, Creative Commons-Lizenz "Attribution 3.0 Unported"
- Epikur, Büste im Louvre, ©Eric Gaba via Wikipedia, CCL Attribution ShareAlike 2.5
- Jeremy Bentham, by Henry William Pickersgill (died 1875) via Wikipedia, public domain
- John Stuart Mill via Wikipedia, public domain
- Was darf man eigentlich (noch) sagen?
- Was darf man eigentlich (noch) sagen? (Teil II)
- Was darf man eigentlich (noch) sagen? (Teil V)
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Kommentare
philosophischen Buch von Euthanasie die Rede ist und diese darin auch noch unter
bestimmten Bedingungen für erlaubt erklärt wird. Euthanasie im Sinne der
verbrecherischen Programme der Nazis ist moralisch indiskutabel. Man sollte aber
folgendes bedenken: Es gibt Worte, deren Bedeutung für immer durch den
Nationalsozialismus festgelegt worden sind. Ein solches Wort ist das Wort
"Konzentrationslager". Ein Konzentrationslager ist ein Lager, in dem systematisch
und unter staatlicher Kontrolle die Ermordung, Folter und Erniedrigung von
Gefangenen betrieben wird. Mit genau dieser Bedeutung hat das Wort Eingang
gefunden in viele Sprachen dieser Welt, z.B. ins Englische. Mit dem Wort
"Euthanasie" verhält es sich jedoch anders. Das Wort wird in Deutschland zwar von
vielen so gebraucht, daß es für ein Programm steht, in dessen Rahmen staatlicherseits
die grausame Ermordung von geistig oder körperlich Behinderten organisiert wurde.
Das so verstandene Wort "Euthanasie" bezeichnet also klare Fälle von Mord. Im
Ausland, insbesondere im englischsprachigen Bereich wird das Wort "Euthanasie"
aber so nicht gebraucht. Dort orientiert man sich an der griechischen Herkunft des
Wortes, nach der "Euthanasie" soviel bedeutet wie "sanfter Tod". Auf Basis dieser
Wortbedeutung meint man mit der "Euthanasieproblematik" dann all jene Probleme,
die im Deutschen üblicherweise mit dem Wort "Sterbehilfe" angesprochen werden.
Das, was die Nazis taten, kann dann natürlich nicht als "Euthanasie" beschrieben
werden. Daß sie das, was sie taten, mit diesem Wort bezeichneten, ist vielmehr
seinerseits als ein der Tarnung von Mordaktionen dienender Mißbrauch eines Wortes
anzusehen.
Peter Singer kommt aus dem englischsprachigen Bereich und spricht so, wie dort gesprochen
wird. Wenn er von "Euthanasie" redet, heißt dies also gerade nicht, daß ein
nationalsozialistisches Mordprogramm zur Debatte steht. Die Übersetzung des
Begriffes euthanasia mit Euthanasie ist also problematisch. Zugleich ist es jedoch in
höchstem Maße unfair, Singer in diskreditierender Absicht eine spezifisch deutsche
Wortbedeutung und die Befürwortung von Nazipraktiken zu unterstellen.
Im Zusammenhang seiner Überlegungen zu den Grundlagen von Tötungsverboten
sowie zur Abtreibungs- und Euthanasieproblematik werden von Peter Singer z.B. die
folgenden Thesen vertreten: Der primäre Grund für die Zuschreibung von Lebensrechten
sei die Personeigenschaft, wobei unter Personen in etwa Wesen verstanden
werden, die sich als distinkte Individuen begreifen, über Selbst- und Zunkunftsbewußtsein
verfügen und zu Schmerz und Leid fähig sind. Die sog. Heiligkeit des
Lebens sei hingegen angesichts von Inkohärenzen und Unplausiblitäten aller Art
keine brauchbare Basis für Lebensrechte. Unter bestimmten Umständen sei die aktive
Tötung eines schwerstbehinderten Säuglings erlaubt. Ebenso sei es unter bestimmten
Umständen moralisch zulässig, eine Person auf deren Verlangen hin zu töten - z.B.
dann, wenn sie im Endstadium einer Krebserkrankung einen solchen Wunsch äußere.
Diese Thesen und Überlegungen sind diskutabel und sei es nur, um eine besser begründete
Gegenposition auszuarbeiten. Sie haben jedoch anstatt argumentativer Auseinandersetzung
nur massive Empörung hervorgerufen. Vorträge Peter Singers
wurden verhindert oder unter dem Eindruck angekündigter Proteste abgesagt. Das
gleich gilt für Konferenzen, an denen er teilnehmen sollte und wollte. Universitäre
Lehrveranstaltungen, in denen Singers Buch "Praktische Ethik" debattiert wird,
werden zur Zielscheibe von Protesten. Für diejenigen, die solche Lehrveranstaltungen
durchführen, werden Berufsverbote gefordert. In jüngster Zeit gelten Peter Singer und
diejenigen, die Seminare über seine Schriften veranstalteten, sogar als
"Schreibtischtäter", die rechtsradikale Angriffe auf Behinderte vorbereiten.
Da frag ich mich doch tatsächlich, ob es sein kann, dass in Deutschland nur noch Mainstream gedacht werden darf...
Aus dem Link: Schonung der Tiere, Euthanasie für schwer behinderte Kinder?
Mein Kommentar: Viel Spaß beim Umbringen von schwer behinderten Neugeborenen!
Fragen: Wer weiß, daß es zum Wohl des schwer behinderten Neugeborenen ist? Muß es ein Leid sein für das schwer behinderte Neugeborene zu leben? Welche Interessen wiegen mehr, die des Kindes, die der Eltern oder die der Gesellschaft? Wer von den Interessengruppen haben mehr Gewicht? Gibt es wirklich ein gleichberechtigtes Interesse der Gruppen? Wer weiß, ob, wenn ja, die Schmerzen des behinderten Neugeborenen unerträglich sein werden? Wer darf töten? Sollen, oder müssen die Eltern nicht das Vorrecht haben, ihr Kind töten zu dürfen? Wie darf getötet werden? Gibt es ein Recht auf Tötung? Ist Töten ein Liebesakt?
Die/der Feind, der Verstand, ist im Menschen selber, innerlich tot zu sein, und das Leben nicht bejahen zu können, deshalb komme ich dann auf Verstandesebene auf Tötungsphantasien, die ich dann möglicher Weise dann unter dem Deckmantel der "Wissenschaftlichkeit" zum Besten gebe, weil der Mensch keine HERZENSBILDUNG hat, und sie dadurch vertuschen kann...!!!
Menschen, die lebensbejahend, und im inneren Gleichgewicht sind, brauchen keine Tötungsphantasien!
Deshalb wiederhole ich meinen Kommentar sehr gerne: Viel Spaß beim Umbringen von schwer behinderten Neugeborenen!
(Es gibt viele Henker in den U.S.A., die, wie ich las, es nach einer gewissen Zeit nach jeder Ermordung eines Menschen immer unerträglicher empfinden, und derart psychische Probleme bekommen haben, und ihre "Arbeit", das Umbringen von Menschen, nicht mehr durchstehen können!!! - Von Soldat-inn-en lesen sich ähnliche Sachverhalte, daß sie es nicht mehr können, das Töten von Menschen!)
Nein, nicht "schwerbehinderte", sondern Kinder, die definitiv KEINE Überlebenschance haben und denen ein sehr grosser leidensweg bevorsteht. Singer spricht nur das an, was für Ärzte ein Riesendilemma ist:
Lässt man es zu, dass ein Kind, welches z.B. an einem Erstickungstod sterben wird, weil es mit so multiplen Fehlbildungen zur Welt kam, dass keine Transplantation es retten kann, oder sediert man das Kind und lässt es so "in Frieden gehen". Das IST bereits so, und war immer so, nur es durfte nicht gesagt werden, da es sonst aktive Sterbehilfe ist.
Eltern steht auch heute schon bei schwerstbehinderten Kindern das Recht zu, auf einen Weiterbehandlung zu verzichten, und damit das Los des Todes für das Kind zu besiegeln- nur einen schmerzlosen, friedlichen, von ärzten begleiteten Tod räumt das Recht bis dato nicht ein. Und darum geht es, nichts anderes.
So, ich mach hier einen Break, und schreibe in neuem Textfeld zur besseren Übersichtlichkeit weiter.
Eltern müssen oft Entscheidungen für ihr Kind treffen, bei solchen Fragen mit einem Arzt oder mehreren.
Muß es ein Leid sein für das schwer behinderte Neugeborene zu leben?
Unklare Frage.
Nein, nicht unklar, sondern definitver DENKFEHLER.
Es geht doch nicht um die Frage von überlebensfähigen Behinderten, die man auf diese Art "wegschafft", sondern es geht um Kinder, die bereits an der Schwelle des Todes stehen, denen Ärzte keine Möglichkeit auf ein Überleben geben. Und für diese Kinder muss man eine Rechtssicherheit schaffen, genau damit eben definiert ist WANN es zum Wohl des Kindes nötig ist, den Tod zu begleiten und ggf. auf medizinischer Basis schmerzfrei herbeizuführen.
Ja, denkt denn hier jemand, das gibt es bisher nicht? Wie oft hört man denn das berühmte "auf dem OP Tisch verstorben" oder "nicht mehr aus der Narkose erwacht".
Denkt einer, das ist Zufall, der Wille Gottes?
Nein, das sind meist die Fälle, in denen der Arzt dem Menschen Leid erspart, und den Angehörigen ebenso.
Hier ein Artikel von einem angesehenen Schweizer Chirurgen:
Man darf das nicht überbewerten. In der Schweiz werden pro Jahr 600 bis 700 Herzoperationen bei Kindern durchgeführt. Am Zürcher Kinderspital verlieren wir pro Jahr nicht mehr als sechs Kinder. Die Mehrheit hätte ohne unsere Intervention keine Überlebenschance.
Was geht in Ihnen vor, wenn ein Kind während der Operation stirbt?
Darüber möchte ich nicht reden, weil das für mich zu emotional ist.
Kommt es vor, dass Sie auf eine Operation verzichten?
Zurückhaltend sind wir, wenn ein Kind neben dem Herz- auch andere Probleme hat. Im Vordergrund stehen neurologische Schäden. Ich entscheide gemeinsam mit dem Team, und wir halten Rücksprache mit den Fachärzten. Falls wir zum Schluss kommen, dass das Kind geistig niemals richtig am Leben wird teilhaben können, entscheiden wir uns gegen eine Operation. Das erleben wir ein- bis zweimal pro Jahr. Das Kind stirbt dann oft innerhalb der nächsten Tage.
Ist ein behindertes Leben kein lebenswertes Leben?
Ich spreche von Menschen, die nie integriert sein werden. Ich fühle mich auch gegenüber der Gesellschaft verpflichtet. Was passiert, wenn die Eltern einmal nicht mehr da sind?
Wie erklären Sie das den Eltern?
Wie können Eltern zwischen dem Tod und einem behinderten Leben ihres Kindes entscheiden? Ich versuche als Spezialist, ihnen die Entscheidung abzunehmen, und erkläre ihnen, warum wir lieber nicht operieren. Erst wenn die Eltern intervenieren, bin ich bereit, meine Meinung zu ändern.
René P., 51, Chefarzt für Kinderherzchirurgie am Kinderspital
Dazu kam folgende Stellungnahme direkt vom Arzt:
[quote][Sehr geehrte Damen und Herren,
Vielen Dank für Ihr Mail, durch welches Sie mich auf Ihre Fragen aufmerksam machen und auf das Interview, das in einer unserer Zeitschriften veröffentlicht wurde.
Ich merke, dass einige Sätze – aus ihrem Kontext genommen – schockiert haben können, und das bedaure ich. Das Gespräch dauerte eine Stunde, während der Bericht nur eine Seite lang war. Ich wollte, dass der Teil, auf den Sie hinweisen, gestrichen wird, da hier mehr Entwicklungen nötig sind, aber er wurde beibehalten.
Was ich im Interview sagen wollte ist, dass es manchmal für Eltern sehr schwierig ist, mit einem Neugeborenen klarzukommen, das mit vielen Missbildungen zur Welt kommt. Der psychologische Schock ist riesig, und sie haben keine Zeit, nützliche Informationen einzuholen, um kritische Entscheidungen zu treffen. Wenn bei einem Kind viele Missbildungen zusammenkommen, besonders schwere Hirnschädigungen, halten wir eine multidisziplinäre Sitzung ab, um die Eltern am besten beraten zu können. Diese multidisziplinäre Sitzung umfasst die klassischen Spezialisten (Kardiologen, Herzchirurgen, ICU-Spezialisten, Neurologen), Psychiater, Psychologen und Krankenschwestern. Gewöhnlich nehmen 10 bis15 Personen an diesen Sitzungen teil. Alle Aspekte werden diskutiert, und nur wenn alle zustimmen, dass keine lebensrettende Operation stattfinden sollte, wird eine negative Entscheidung getroffen. Normalerweise vertrete ich die Gruppe und spreche mit den Eltern. Ich sage ihnen, dass wir, als Spezialisten, in Anbetracht der anderen Missbildungen glauben, dass die lebensrettende Herzoperation nicht durchgeführt werden sollte und wir ihr Kind nicht am Sterben hindern würden. Ausserdem informieren wir sie, dass nur wenige dieser Kinder die kritische neonatale Phase überleben und dass wir, sollte dies der Fall sein, unser Urteil überdenken würden. Falls die Eltern jedoch nicht mit unserem Vorschlag einverstanden sind und unsere Intervention wünschen, würden wir die Operation durchführen (diese Aussage ist im Interview zu finden). Wir stellen den Eltern gegenüber klar, dass wir nie etwas unternehmen würden, was das Leben ihres Babies abkürzen würde.
Seit ich in Zürich bin, gab es drei dieser Entscheidungen, jeweils bei schweren neurologischen Defiziten (in unserer letzten Sitzung ging es um ein Neugeborenes, das neben anderen Problemen blind und taub gewesen wäre). Aber nochmals, wenn die Eltern unserem Vorschlag nicht zustimmen, sind wir bereit, die Operation durchzuführen.
Die neutrale Frage „Was sollen wir tun? Sollen wir operieren oder sollen wir Ihr Baby sterben lassen?“ stellt die Eltern unseres Erachtens vor eine unmögliche Wahl. Wir sind davon überzeugt, dass es für sie fast unmöglich ist, sich ohne Schuldgefühl gegen eine Therapie zu entscheiden. Unser Vorgehen zielt darauf ab, den Eltern den Eindruck zu vermitteln, dass nichts Vernünftiges unternommen werden kann und ihnen – neben ihrem Schmerz – ein zusätzliches, unerträgliches Schuldgefühl zu ersparen („Ich habe für den Tod meines Babies entschieden“).
Ich muss dieser Diskussion hinzufügen, dass wir für die verstorbenen Kinder kämpfen und nie zögern, auch die schwierigsten Herzoperationen durchzuführen. Manchmal kämpfen wir auch „gegen Eltern“, die keine Operation möchten, während wir denken, dass ihrem Kind eine Operation helfen würde (in einem Fall haben wir um die Unterstützung des Gerichtsmediziners gebeten, um eine Operation gegen den Willen der Eltern durchzuführen).
Ich hoffe, dass diese Erklärung diesen kontroversen Punkt aufklären wird (der in der Tat mehr als zwei Sätze braucht, um korrekt dargelegt zu werden).
Ich sende Ihnen diese Erklärung in Englisch. Falls nötig, kann ich sie ins Deutsche übersetzen lassen. Sie können mich gerne erneut kontaktieren, wenn Sie weitere Fragen haben.
Freundliche Grüsse
René P.
/quote]
Wie man an dieser Aussage sehen kann, ergeben sich für alle Beteiligten die grössten Probleme mit dem Umgang einer rechtlichen und ethischen Grauzone.
Diskussion ist unerlässlich, und es darf nicht sein, dass man meint, Lebensdauer=Lebensqualität, denn die Frage ist nicht, schwerbehinderte Kinder zu töten, sondern sterbenden Kindern ihr Los zu erleichtern-.
DAS ist die Aussage von Singer.
Alles andere ist tatsächlich Unfug, denn die Betroffenen MÜSSEN lernen, trotz Betroffenheit sachlich und distanziert mit dem Thema umzugehen.
Würde man die Fragestellung umformulieren, so z.B. nicht von schwerbehinderten Kindern, sondern beispielsweise von sterbenden, alten und demenzkranken Menschen mit Krebs im Endstadium diskutieren, ob und wann man deren Leiden beenden und begleiten darf, wären diese Vorwürfe so sicher nicht gekommen.




Dein Artikel über Peter Singer wird dir nicht viel Lob einbringen, von denen, die nicht begriffen haben, dass Peter Singer einfach nur überlieferte Denkstrukturen aufbricht und sich traut, heisse Eisen anzupacken.
Daher ein ernstgemeintes Lob von mir, sehr gut gemacht und interessant geschrieben.
Eine Fortsetzung würde ich mir sehr wünschen.
Allein damit rettet Singer mehr Leben, als die gesamten Behindertenverbände Mitglieder haben. Mit der Ermöglichung der Genforschung und der Entwicklung entsprechender Medikamente wird mehr Kranken und mehr Behinderten geholfen werden, mit einer genetisch angepassten Transplantationsmedizin wird es möglich sein, Abstossungsreaktionen zu mildern und zu verhindern.
Durch seine Aussagen, zur Festlegung eines medizinisch definierten Todeszeitpunkteintritts wird auch in Puncto Organtransplantation die Ethikdebatte vorangebracht.
Wer Peter Singer missverstehen will, der missversteht ihn und benutzt seine Aussagen um sich ins Licht der Öffentlichkeit zu bringen.
Peter Singer ist nicht der Feind der Behinderten, der Feind ist woanders zu suchen.
Da, wo der Staat Versprechungen macht, die er nicht einhält, wo Eltern mit behinderen Kindern ins gesellschaftliche Abseits rutschen, wo Gestze systematisch nicht angewendet werden, aber sicher nicht bei einem Menschen, der wie kein zweiter die Probleme angeht und forumuliert.
Danke Chaim, dieser Artikel war grosse Klasse!